The Demerara Distilleries 2.0 (German)

The Demerara Distilleries 2.0 
Copyright © 2013-2015. All rights reserved.
 An English version can be found here.

This is a non-commercial use. If you don't want to see your picture in here, then please give me a call and I will remove it immediately. All foreign pictures are marked with the source (Quelle). I do not own them.

Guyana - Die Destillerien, ihr Rum und ihre Geschichte
von Marco Freyer

Ein Artikel unterteilt in 10 Kapitel rund um die Kolonialzeit British Guianas (Guyana), den Rum der Kolonie und sein Wandel bis in die Moderne.


Einleitung

Karte von Demerara & Essequibo (undatiert)
Quelle: www.gahetna.nl
In diesem Artikel möchte ich allen interessierten Lesern Demerara Rums etwas näher bringen. Seine Anfänge reichen bis ins 17. Jahrhundert mit der Gründung der holländischen Kolonien Essequibo, Berbice und im 18. Jahrhundert der Kolonie Demerara. Mit Demerara Rums assoziiert man heute eigentlich Rums aus der Region Demerara des heutigen Guyana, welches aus den drei genannten Kolonien hervorging. Das Britische Empire übernahm nach einigen Kriegen Anfang des 19. Jahrhunderts diese Kolonien und formte daraus British Guiana. Im Jahre 1966 erlangte dieses Land schließlich seine Unabhängigkeit.

Was ist nun so besonders an diesem Rum und was hat es mit den Marks auf sich? Die Marks dienten in erster Linie zur Identifikation der einzelnen Sugar Estates. Diese Marks wurden dann beim Rum auch auf die Fässer geschrieben. Sie gaben praktisch den Ursprung des Rums, des Zuckers oder auch der verkauften Melasse an. Gerade die Bedeutung dieser Marks und ihre Verbindung zu den Sugar Estates ist im Lauf der Zeit verloren gegangen. Viele Plantagen verschwanden und mit ihnen auch der Rum aus den jeweiligen Brennereien. Gerade diese Aura des Verlorenen macht den Rum aus diesem Land so reizvoll. Was steckt hinter den Namen Albion und Blairmont? Was hat Versailles mit Guyana in Südamerika zu tun? Was bedeutet das Mark E.H.P. auf einer Abfüllung von Velier? In diesem Artikel möchte ich neben diesen Fragen auch auf die Zuckerrohr-Plantagen etwas näher eingehen.

Neben Saschas Arbeit gab es recht wenige Artikel, welche dieses Thema ernsthaft behandelt haben. Die meisten blieben eher vage und gingen auch nicht gezielt auf die Ursprünge der Zuckerrohr-Plantagen und ihre Geschichte ein. Diese Ursprünge sind aber untrennbar mit dem Rum dieses Landes verbunden, waren doch diese Plantagen mit ihren Brennereien die Quelle für diese Spirituose. Nur die Berühmtesten sind einigen vielleicht ein Begriff. Wenn es allerdings um die Gründung oder den Gründer der jeweiligen Plantage ging und wann diese für immer ihre Pforten schloss, dann stieß man schnell auf eine enorme Informationslücke. Nicht einmal die einzig verbliebene Destillerie Guyanas aus den alten Tagen mit dem Namen Diamond (Demerara Distillers Limited = DDL), welche einige der Brennblasen dieser verlorenen Brennereien in ihren Besitz brachte, vermochte diese Informationslücken zu füllen.

Dieser Artikel ist all jenen Lesern und Connaisseuren gewidmet, die sich für Demeraras interessieren und etwas mehr über die Geschichte dieses einzigartigen Rums und dieser verschwundenen Destillerien wissen wollen.

------------------------------------------------------------------
 
Kapitel 1
-
Die Entstehung von British Guiana

Es folgt eine kurze Darstellung der Geschichte um British Guiana, beginnend mit den holländischen Kolonien im 17. Jahrhundert. Da dies nur ein Hobby von mir ist, bitte ich diesen Artikel als das anzusehen, was er auch ist. Das Werk eines Amateurs. Ich bin kein gelehrter Geschichtsprofessor und deswegen mag man hier und dort das eine oder falsche Datum auch finden. Außerdem konnte ich in einigen Zeitperioden nicht auf alle Ereignisse eingehen, da dies sonst diesen Artikel sprengen würde. Ich bitte für diese Tatsachen um Verständnis.

Die holländischen Kolonien Essequibo (Isekepe) & Pomeroon (Bauroma) 

The West India House in Amsterdam. 1655
Quelle: commons.wikimedia.org
Die Geschichte der Kolonie beginnt für viele Autoren im Jahre 1616. In diesem Jahr baute angeblich die erste Niederländische Westindien Kompanie das Fort Kijkoveral am Fluss Essequibo. Allerdings spricht einiges dagegen. Zuerst einmal, die Kompanie wurde erst am 3. Juni des Jahres 1621 etabliert. Es gibt auch einige Unsicherheiten und Ungereimtheiten, was das exakte Jahr der Gründung der niederländischen Kolonie am Essequibo anbelangt. Eine Quelle listet dazu interessante Argumente, welche gegen eine befestigte Besiedelung vor 1624 sprechen. Eine Quelle, auf die sich das Jahr 1616 und auch viele Autoren stützen, ist der spätere englische Gouverneur und berühmt berüchtigte Major John Scott (1665- 1666). [227] 

Auch Netscher zweifelt an John Scotts Aussage bezüglich der Gründung der Kolonie im Jahre 1616 und dem ersten Kommandeur „Captain Gromweagle“. Netscher vermutet ein Missverständnis und bringt den späteren Kommandeur der Kolonie Aert Adrianszoon Groenewegel ins Spiel, welcher von 1657 – 1666 (englische Okkupation eingeschlossen) die Kolonie verwaltete. Er führt an, dass Gromweagle eine verzerrte englische Version des Namens Groenewegel ist, welcher wie schon gesagt tatsächlich existierte. Wenn dieser Mann dieses Fort erbaut haben müsste, dann hätte er auch von 1616 bis zu seinem Tod 1664 die Kolonie auch verwaltet. Dies wären volle 48 Jahre(!). Den Briefen der niederländischen Westindien Kompanie und den darin adressierten Kommandeuren kann man aber deutlich entnehmen, das dem nicht so war. [228] 

The West India House in Amsterdam. Today
Quelle: commons.wikimedia.org
In einem Schreiben vom 16. September des Jahres 1624 bekundet die Kompanie ihr Interesse an dieser Küstenregion Südamerikas. [229] Eine weitere Interessante Tatsache ist, dass dem vermutlich ersten Kommandeur Jacob Caniju oder Conjin am 10. Dezember im Jahr 1626 gestattet wird heimzukehren. Angeblich war er dort seit 1624 stationiert. [230] Zwei weiteren Schreiben über seinen Nachfolger Jan Adriaenss van der Goes und das magere Gehalt von 5 flämischen Pfund pro Monat unterstreicht den Verdacht, dass es sich hier nur um einen Handelsposten handelte und nicht um eine florierende Kolonie mit Plantagen. [231] [232] Auch wird in einem Schreiben vom 23. August des Jahres 1627 der Bedarf eines Forts am Essequibo erwähnt. Entweder ist damit wirklich ein kompletter Neubau gemeint, oder die Reparatur eines schon bereits bestehenden und viel älteren Forts. Aber warum dann das Wort „machen“ (“maecken” im Original) und nicht bauen oder reparieren? [233] Den bedauernswerten Zustand dieser „Kolonie“ nach zu urteilen diskutierte der Rat der IX am 8. April des Jahres 1632 die Aufgabe der „Kolonie“ (Handelsposten), verwirft diese Idee jedoch. [234] 

Interessanterweise wird das alte Fort Kijkoveral in einem Schreiben vom 5. Mai des Jahres 1644 zum Ersten mal namentlich erwähnt. Zuvor findet man keine Erwähnung in den schriftlichen Archiven. Auch ein Fort mit dem Namen „Der Hooge“ oder „Ter Hooge“ (benannt nach dem Direktor der zeeländischen Kammer Joost van der Hooge) wird nicht erwähnt. Angeblich sollte das Fort Kijkoveral ursprünglich diesen Namen getragen haben. Warum wird dann dieser Name in den Briefen in keinster Weise erwähnt? Ein solches Versäumnis wäre nicht nur peinlich gegenüber dem Direktor und Kollegen Joost van der Hooge gewesen, sondern würde auch eine gewisse Respektlosigkeit der anderen Direktoren ihm gegenüber bezeugen. [235] 

Nach dem Verlust von Brasilien im Jahre 1654 und den damit verbundenen Kriegskosten machte die D.W.I.C. (Dutch West Inida Company = Niederländische Westindien Kompanie) nur noch Verluste. [236] Demnach erscheint es also mehr als verständlich, dass die zeeländische Kammer um 1657 herum versuchte die bisher nicht profitable Kolonie Isekepe (Essequibo) loszuwerden. Der Staat Zeeland war einer Übernahme dieser Kolonie nicht abgeneigt. Eine Einigung wurde aber laut P.M. Netscher nicht erreicht. Da wunderte es auch freilich nicht, dass die D.W.I.C. das Angebot der drei Städte Middelburg, Vlissingen und Veere annahm. Diese boten an, die Verwaltung und den Unterhalt der Kolonie unter der Schirmherrschaft des zeeländischen Staates zu übernehmen. Die getroffene Vereinbarung trat dann schließlich am 1. November 1657 auch in kraft. Die Kolonie wurde für kurze Zeit Nova Zeelandia genannt und von 8 Direktoren verwaltet. [236] Ein Jahr zuvor, am 12. Oktober 1656, findet man in einem Schreiben Regeln für (freie) Kolonisten die von der zeeländischen Kammer festgelegt wurden. Der Handel mit Annatto wird den Kolonisten ausdrücklich verboten. [237] 

Zuvor scheint es wohl keine freien Kolonisten oder Pflanzer dort gegeben zu haben. Ein weiterer Fakt scheint die Annahme auch zu bestätigen, dass dort nur Angestellte der Kompanie in Essequibo bisher ihrer Arbeit nachgingen. Ich zitiere: 

By "colonists," however, must not be understood tillers of the soil, much less free planters. "The colony of Essequibo," said the Zeeland Chamber itself in 1751, in the memorial resulting from its search through its own records, "from the beginning on, down to the year 1656 was inhabited only by such persona as were employés of the Zeeland Chamber, and who … at that time were called 'colonists' and were kept there for the carrying on of trade, which soon grew to such proportions that in some years a hundred barrels or more of annatto dye came over at once."---(Nederlandsche Jaerboeken, 1751, p. 1097.)“ [238] 

Bis 1656 gab es also keine freien Kolonisten oder Pflanzer in Essequibo. Dies scheint die D.W.I.C. In besagtem Jahrbuch von 1751 auch offen zuzugeben. Somit sind auch freie Pflanzer oder Plantagen, welche nicht im Besitz der Kompanie waren, mehr als unwahrscheinlich. Mit diesem Eingeständnis der D.W.I.C. ist eine „wirkliche“ Kolonie dort erst zwischen 1656 und 1658 entstanden und das Fort war nichts mehr als ein befestigter Handelsposten, egal wann dieser nun exakt gegründet wurde. Somit bekommt Major John Scotts Äußerung über Gromwaegle (Gronewegen) neue Substanz. Er war zu jener Zeit nämlich wirklich der Kommandeur des Handelsposten, welcher sich zu einer Kolonie entwickelte. 

Zuckerrohr
Quelle: commons.wikimedia.org
Ein Schreiben, welches anscheinend dem Jahr 1657 zuzuordnen ist (ein exaktes Datum wird leider nicht genannt), erwähnt die Anfrage für eine Landvergabe zur Kolonialisierung an der Küste von Guiana (also Essequibo oder Pomeroon). Ab diesem Zeitpunkt kann man frühestens von einer Landvergabe an freie Kolonisten ausgehen. In diesem Brief wird der Name Cornelis van Lodensteyn erwähnt. [239] Nun wird es interessant: Ein gewisser Aert Adriaanszoon Groenewegel wurde von den Direktoren als neuer Kommandeur bestimmt und zusammen mit Cornelius Goliat am 2. Februar des Jahres 1658 zur Kolonie entsandt. Letzterer sollte als Zollbeamter und Bauleiter / Pionier (engineer) der Kolonie zur Seite stehen. Nach der Ankunft plante dieser Cornelius Goliat ein neues Dorf am Flussufer des Pomeroon mit dem Namen „Niuew Middelburg“ und an der Küste ein Fort mit dem Namen Nova Zeelandia. Dies ist also der Mann, den Major John Scott vermutlich mit „Captain Gromweagle“ gemeint hat. Netscher erwähnt außerdem, dass in den Jahren 1658 und 1659 vier oder sechs Schiffe mit neuen Kolonisten die Kolonie erreichten. Einige davon waren Flüchtlinge und stammten aus der ehemaligen Kolonie Brasilien. [240] 

Ab 1658 musste Zuckerrohr in der Kolonie angepflanzt worden sein, denn Netascher schreibt, dass „im Jahre 1661 von Zucker aus Nova Zeelandia die Rede ist“. Der Anbau dieser Pflanze wurde laut seinen Aussagen in jener Zeit forciert. Der gewonnene Zucker aus jenen Tagen wurde aber noch mühsam von Hand gepresst. Dies muss ein wahrer Knochenjob gewesen sein. [241] Erst im Jahre 1664 finden wir die Petition eines Mannes namens Jan Doensen, welcher eine Zuckermühle in Brouwersboeck an den Nordufern des Zusammenflusses der beiden Flüsse Cuyuni und Mazaruni erbauen möchte. Diese Mühle wurde nicht mehr von Hand, sondern von einem Pferd angetrieben. [242] [243] 

The Four Days Fight, 11–14 June 1666
Second Anglo-Dutch-War (1665 - 1667) 
Quelle: en.wikipedia.org
Doch wie es nun einmal leider üblich war, herrschten in Europa viele Kriege in den letzten Jahrhunderten. Im Jahre 1665 begann der zweite Englisch-Niederländische-Krieg, welcher bis zum Jahre 1667 dauerte. [244] Und wie so oft waren immer die Kolonien unmittelbar betroffen. Noch im Jahre 1665 erobern die Engländer Essequibo. Später wurde die nun englische Kolonie von den Franzosen geplündert. In den folgenden Jahren wurden die Engländer jedoch von einer holländischen Expedition aus Berbice von dort wieder vertrieben. Die Kolonie wurde von den Franzosen wohl hauptsächlich deswegen geplündert, weil sie sich zwischenzeitlich in der Hand der Engländer befand. Schließlich waren die Niederlande und Frankreich Verbündete in diesem Krieg. Leider konnten sie das Fort nicht erobern und so verblieb die Kolonie bis zum Eingreifen des Kommandeurs Mathijs Bergenaar aus Berbice im Jahre 1666 in englischer Hand. [245] [246] Laut P.M. Netscher warf dieser Überfall der Engländer und Franzosen die Regionen Pomeroon und Moruca für lange Zeit zurück, da sie die Hauptlast der Plünderungen zu tragen hatten. Essequibo kam im Vergleich dagegen relativ glimpflich davon. [246] 

Nach dem englischen Überfall und der Besetzung der Kolonie 1665 – 1666 entschieden die drei Städte Middelburg, Vlissingen und Veere im Jahre 1669 die Verantwortung für die Kolonie dem Staat Zeeland zu übertragen. Der Staat Zeeland hatte allerdings keinerlei Interesse an diesem Stück Land und übergab die Kolonie letztendlich wieder am 11. April 1670 der W.I.C.. Diese übergab die Kolonie wieder der zeeländischen Kammer, welche fortan ein Monopol auf den Handel in Essequibo besaß. Dies sollte später noch zu Schwierigkeiten innerhalb der zweiten W.I.C. Führen. [247] Der neue Kommandeur Hendrick Rol wird noch 1670 nach Essequibo abberufen. Er schien aber nicht der Einzige auf dem Weg dorthin gewesen zu sein. In einem Schreiben vom 14.  August 1670 ist die Rede von freien Männern, welche die Erlaubnis haben nach Essequibo zu reisen um dort Plantagen zu gründen. [248] [249] [250]

Aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten wird die Charta der ersten .D.W.I.C. nicht mehr verlängert. Allerdings aufgrund der hohen Nachfrage an Sklaven und auch weil Kolonien vorhanden waren, wurde eine zweite Niederländische Westindien Kompanie im Jahre 1675 gegründet. Sie bestand nun nicht mehr als Neunzehn (XIX) Ratsmitgliedern, sondern nur noch aus Zehn (X) und auch wurde das Kapital auf 6 Millionen Gulden begrenzt. [251] Nach der Gründung der zweiten niederländischen Westindien Kompanie entschied der neue Rat der X die administrativen Tätigkeiten und die Kontrolle des Handels in Essequibo wieder der zeeländischen Kammer zu übertragen. [252] Gerade dieses Handelsmonopol versuchte der amtierende Kommandeur der Kolonie Essequibo Abraham Beekman, um 1678 - 79 herum, den freien Handel für Jedermann mit der Kolonie zu ermöglichen. Die zeeländische Kammer der Kompanie war hiervon jedoch absolut nicht angetan und verbot dies ausdrücklich im Jahre 1681. Es war nur Mitgliedern der D.W.I.C. gestattet mit der Kolonie Handel zu treiben. [253] 

Im Jahre 1686 wird ein erneuter Versuch unternommen, am Fluss Pomeroon im Westen der Kolonie Essequibo Fuß zu fassen. Ein gewisser De Jonge (Jacob Pieterzoon de Jonge) wurde von der zeeländischen Kammer als Kommandeur für Pomeroon ernannt und in 1686 von den Niederlanden aus zur Kolonie entsandt. [254] In einem Brief von Kommandeur Abraham Beckman vom 4. November 1687 erwähnt er die Anzahl der freien Pflanzer, welche zum Zeitpunkt des Briefes 18 betrugen. Sie befanden sich im Nebenfluss Mazaruni. [255] Doch der Kolonie drohte wieder Ungemach in Form von Krieg in Europa. Im Jahre 1688 begann der Neunjähriger Krieg (Pfälzischer Erbfolgekrieg) zwischen Frankreich und der Republik der Vereinigten Niederlande, welcher bis 1697 andauerte. [256] Es dauerte wieder einmal nicht lange, bis die Kolonien diesen Krieg zu spüren bekamen. Die Kolonie Pomeroon wurde nach nur drei Jahren von einem französischen Freibeuter (privateer) am 30. April des Jahres 1689 geplündert. Damit war die Eigenständigkeit der Kolonie Pomeroon wieder vorbei und sie verblieb der Verwaltung der Kolonie Essequibo und dessen Kommandeur. [257] Am 15. November 1689 wird von der zeeländischen Kammer beschlossen, alles Eigentum der Kompanie aus Pomeroon abzuziehen und nur drei Männer zurückzulassen. Etwaige Siedler dort waren nun schutzlos und haben dem Anschein nach auch den Fluss Pomeroon nach und nach aufgegeben. [258] 

Battle of Denain (1712)
Spanischer Erbfolgekrieg (1701-1714)
Quelle: commons.wikimedia.org
In einer Musterungsliste (Muster Roll) vom 6. September 1691 werden drei Plantagen der Kompanie in Essequibo (Peolwyck, de Hope, de Fortuyne) erwähnt. [259] Ende des 17. Jahrhunderts gehörten der Kompanie 3 - 4 Zuckerrohrplantagen. In privater Hand gab es zwischen 12 – 15 Plantagen, welche Zuckerrohr anpflanzten. Alle genannten Plantagen befanden sich an den Ufern der Flüsse Mazaruni, Cuyuni und Essequibo. [260] Soviel zurm Zuckerrohranbau. In einem Schreiben vom Samstag den 24 October 24 1701, werden Rum (ciltum) und Melasse (syrup) als Austauschware erwähnt. Der Kommandeur beklagt außerdem die Schwierigkeit an gute Pferde heranzukommen, da der Krieg die Versorgungslage schwer gestalte. Diese waren für die Mühlen (wie die Erste errichtete in 1664) wohl unersetzlich. [261] Von welchen Krieg er da schrieb? Im Jahre 1701 begann der Spanischer Erbfolgekrieg indem Holland gegen Spanien kämpfte und wieder einmal mussten die Kolonien dies mit einer schlechteren Versorgungslage ausbaden. Dieser Krieg dauerte bis 1714. Die Niederlande kämpfte nicht nur gegen Spanien sondern auch gegen Frankreich. [262]


Die Nennung eines Rum-Brenners vom 27. Juli 1703
Auf der Kompanie-Plantage Nieuw Middelburgh
Quelle: openlibrary.org
Ich fand auch noch etwas sehr interessantes. In einer Musterungsliste der D.W.I.C. wird ein gewisser Adriaan de la Ruel von Courtrai als Rum Distiller („Ciltum stooker“ = „Rum Heizer“) auf der Plantage der Kompanie namens Nieuw Middelburgh erwähnt. [263] Spätestens ab diesem Zeitpunkt kann man also auch von einer Rum-Produktion in Essequibo ausgehen. Eine Karte von 1706, gezeichnet von Abraham Maas, zeigt 32 – 34 Plantagen in der Kolonie Essequibo. [264] Doch noch immer tobte der Krieg in Europa. Am 18. Oktober 1708 überfielen drei französische Freibeuter (Privateers) mit ca. 300 Mann die Kolonie Essequibo um sie entweder in ihre Gewalt zu bringen oder sie wenigstens zu plündern. Nachdem sie mehrere Dörfer der Einheimischen und Plantagen der Kolonisten brandschatzten entschied der Kommandeur des Forts Kijkoveral der Forderung der Freibeuter um ein Lösegeld nachzukommen, um so weiteren Schaden von der Kolonie abzuwenden. Am 25. Oktober 1708 kapitulierte die Kolonie dem französischen Kapitän und Kommandeur der Freibeuter Antoine Ferry. Nach einer Zahlung von 50.000 Gulden in Form von Sklaven, Waren und Bargeld ließen die Freibeuter von der Kolonie ab. Ein Drittel des Lösegelds mussten die Plantagenbesitzer der 15 oder 16 privaten Estates aufbringen. [265] 


Karte der Kolonie Essequibo von 1706
Gezeichnet v. Abraham Maas 
Wer glaubte, dass die Kolonie bis 1714 keine weiteren Schwierigkeiten mehr erdulden musste, der wurde ein Jahr später eines besseren belehrt. Im Februar des folgendes Jahres (1709) plünderten zwei weitere französische Freibeuter die Kolonie Essequibo und vollendeten das Zerstörungswerk ihrer Vorgänger. Sie plünderten die meisten der heil gebliebenen Plantagen, sowie die vier Plantagen der West India Company. Anhand eines Briefes von Kommandeur van der Heijden vom 9. März 1709 verblieben nur zwei Zuckermühlen im betriebsbereiten Zustand. [266] 

Im Jahre 1718 wurde das Fort Kijkoveral als Sitz des Kommandeurs der Kolonie aufgegeben und stattdessen Cartabo (Catabo) als neuer Amtssitz auserkoren. Es befand sich in direkter Nähe zum alten Fort. [267] Im Jahre 1720 waren es wieder fünf Zuckermühlen, welche betriebsbereit waren. [266] Die Kolonie erholte sich langsam von diesen Angriffen. Essequibo hatte laut Netscher in 1735 nur 25 - 30 private Plantagen, sowie 4 - 5 Plantagen im Besitz der West India Company. Im Krassen Vergleich hierzu einmal die Zahlen von Surinam von 1712: Dort waren es zur damaligen Zeit schon um die 200 Plantagen mit an die 12.000 Sklaven. [268] 1740 wurde der Amtssitz des Kommandeurs in Cartabo um Fort Kijkoveral wird aufgegeben und ein neuer Posten auf Flag Island bezogen. [269] In 1740 wurden die Plantagen der Niederländischen Westindien Kompanie aufgrund der Erschöpfung der Erdschichten auf die Inseln Flag Island und Hog Island verlegt. Viele der Pflanzer folgten diesem Beispiel und begannen ihre Plantagen in die unteren Flussregionen des Essequibo zu verlegen, da die als wesentlich fruchtbarer galten. [270

Detallierte Karte von Essequibo 1783
Quelle: gahetna.nl
Im Jahre 1740 begann der Österreichische Erbfolgekrieg (1740-48) und wieder betraf dies die Kolonien. [271] Ein Jahr später 1741 kamen die Pflanzer zu den Ufern des Essequibo und zu den Küstenregionen der Kolonie um diese zu bewirtschaften. [272] Die vermutlich erste Landvergabe an Engländer erfolgte durch Herman Gerlserkle im Jahre 1741 (Thomas Wilson und James Doig) auf der Insel Wacquename. [270] [273] Kurz nach seinem Antritt als Kommandeur der Kolonie Essequibo, im Jahre 1742, bewog Storm van's Gravesande die Direktoren im Rat der Zehn Steuererleichtungen für englische Einwanderer zu bewilligen. Ihnen wurde eine 10jährige Freiheit auf Abgaben gewährt und es war Ihnen in bestimmten Fällen sogar erlaubt mit englischen Schiffen Handel zu treiben. Bisher lag dieses Monopol ausschließlich bei den Schiffen der niederländische Westindienkompanie. Die Engländer kamen vorwiegend aus den englischen Kolonien Barbados und Antigua, wo sie unter erheblichen Steuerabgaben zu litten haben und die dortigen Erdschichten nicht so ergiebig waren wie jene in den holländischen Kolonien. 

Als Folge der gewährten Vergünstigungen gab es alleine im Jahre 1743 in Essequibo 7 englische Estates auf den Inseln Wakenaam Island, Leguan Island und den Ostufern des Flusses selbst. Storm van's Gravesande Entscheidung die Kolonien für englische Pflanzer zu öffnen sollte sich als entscheidender Entwicklungsbeschleuniger der Kolonie Essequibo und später auch für Demerara erweisen. Allerdings glaubt Pieter Marinus Netscher, dass mit dieser Öffnung der Anfang vom Ende der holländischen Herrschaft in dieser Region eingeleitet wurde. Der Grund liegt in meinen Augen hierfür auf der Hand. Die englischen Pflanzer durften zwar nur begrenzt mit englischen Schiffen Handel treiben. Doch der Austausch von Informationen ins Mutterland musste nichtsdestotrotz stattgefunden haben. Auch konnte die Abwanderung der Pflanzer aus den englischen Kolonien den Kolonianbeamten seiner Zeit nicht verborgen geblieben sein. Später sollte dieses Interesse der britischen Krone an diesen drei holländischen Kolonien auch offensichtlich werden. Diese Entwicklung konnte Storm van's Gravesande freilich nicht voraus ahnen. Er tat dies was zu seiner Zeit am wichtigsten für die Kolonie war: Er holte Einwanderer mit Geld und Tatendrang in die Kolonien Essequebo und Demerara. Beides war auch dringend benötigt. [273] [274]

Anscheinend war aber nicht alles zur Zufriedenheit der zeeländischen Kammer. In einem Schreiben vom 24. August 1744 erfolgte an den Kommandeur der Vorschlag zur Besteuerung der Exporte von Rum und Melasse. Außerdem erfolgte eine Anordnung an den Kommandeur der Kolonie dafür Sorge zu tragen, dass mehr Augenmerk auf die Produktion von Zucker gelegt wird und nicht auf die Herstellung von Rum oder Melasse zu Lasten der Zuckerproduktion. Anscheinend verfolgten die neuen Engländer eine andere wirtschaftliche Sichtweise als ihrer niederländischen Kollegen. [275] Die schlechte Versorgungslage durch den Krieg verschärfte sich in den Jahren 1745-46. [276]

Eine neue Kolonie kommt dazu: Demerara 

Karte von Storm van's Gravesande (August 1748)
Im Jahre 1746 schlug Storm van's Gravesande die Region um den Fluss Demerara als neue Kolonie und Subordinate zu Essequibo vor. Die dortige Gegend war nach damaliger Ansicht bestens geeignet für Zuckerrohr und Baumwolle. Da die Anpflanzungen von Indigo und Kaffee rückläufig wurden, gewannen diese beiden Pflanzen immer mehr an Bedeutung. Das erste Permit-Certificate für eine Zuckerrohr-Plantage in Demerara ging an einen Andries Pieterse aus Essequibo. Nach 6 Monaten waren es schon ganze 18 große Zuckerrohr-Plantagen und auch eine ungenannte Anzahl an kleineren Plantagen. Es ist nicht zuletzt auch den englischen Immigranten zu verdanken, dass Zucker und Baumwolle immer mehr an Bedeutung in den holländischen Kolonien dieser Region gewann. [277] [278] 

Eine Karte vom August 1748 von Storm van's Gravesande zeigt 110 Plantagen am Essequibo eine Liste mit mindestens 37 Namen / Plantagen für Demerara mit der Größenangabe des vergebenen Landes. [279] In 1750 beschwerte sich Storm van's Gravesande über die schlechte Versorgungslage und das viel Zuckerrohr einfach auf den Feldern ungeerntet verrotten würde, da es an Pferden mangelt für die Mühlen mangelte. Er erwähnt auch Neunzehn Mühlen in Essequibo und drei in Demerara. [280] 

Laut Netscher war der innenpolitische Kurs der zeeländischen Kammer, den Handel nur Mitglieder derselben zu beschränken der Grund, warum Essequebo nicht wirklich vor ankam. Aufgrund dieser Beschränkung schafften es nur wenige Schiffe zur Kolonie um auch dort die Waren zur Niederländischen Republik zu bringen. Aufgrund dieses Engpasses fanden viele Beschwerdebriefe der Pflanzer ihren Weg zur Republik und schließlich auch zum Rat der X der W.I.C.. Der Rat sah den deutlichen Unterschied der Entwicklung vor allem an der Kolonie Berbice, welche seit 1732 für jeden privaten Händler offen stand und beschlossen dies in einer Sitzung am 11. August 1750 zu ändern. Den Pflanzern sollte es gestattet sein ihre Waren an andere Inseln zu verkaufen und es sollte allen privaten Händlern der gesamten W.I.C. gestattet sein Handel mit der Kolonie treiben zu dürfen. Natürlich blieb der Protest der zeeländischen Kammer nicht aus, die ihre Interessen in Essequibo in Gefahr sah und auf ihr Recht pochte. Der Streit blieb vorerst ungelöst. [281] 

Karte von 1759 mit Randnotizen
Quelle: dpc.uba.uva.nl
Im Jahre 1750 berichtet Storm van's Gravesande von der Errichtung fünf zusätzlicher Mühlen und dem Problem englischer Händler, welche Waren am Zoll vorbei schmuggelten oder vorsätzlich falsche Angaben ihrer Ladung machten. [282] Der innenpolitische Disput zwischen dem Rat und der zeeländischen Kammer verschob sich, man mag es fast kaum glauben, bis ins Jahr 1770. Schließlich entschied der Statthalter der niederländischen Republik in einem Schiedsspruch, dass die zeeländische Kammer nicht über das alleinige Handelsmonopol der Kolonie Essequibo verfügen sollte. Aber es wurden der Kammer einige Handelsprivilegien gewährt. Es war den anderen Kammern der W.I.C. auch erst gestattet mit der Kolonie Handel zu treiben, bis das 16. Schiff mit Waren von der zeeländischen Kammer die Kolonie Essequibo erreichte. Dies galt für jedes Jahr. Erst dann wurde den anderen Kammern das Handeln gestattet. [283] 

Laut Netscher gab es 1770 ungefähr 60 Plantagen entlang des Essequibo und seinen Inseln und nur 12 – 14 Baumwolle-Plantagen an den Küsten. Die Genaue Anzahl der Kaffee- und Zuckerrohr-Plantagen wird dort leider nicht genannt. In Demerara gab es zu dieser Zeit an die 130 Plantagen, welche meist Zuckerrohr oder Kaffee anpflanzten. Alleine 1/3 dieser Plantagen gehörten Engländern.[284] Doch der Konflikt war mit dem Schiedsspruch 1770 nicht beigelegt. Er schwelte weiter und wurde wieder zu einem Brand, als der Rat der X im Jahre 1772 direkt in die Verwaltung der Kolonie eingriff um zwei Ämter von einander zu trennen. Darüber empörte sich die zeeländische Kammer, die es als ihr Recht ansah, alleine über die Angelegenheiten in Essequibo zu bestimmen, da nur sie kompetent genug hierfür sei. Nun platzte dem Rat der Kragen und er beschloss den Streit ein für alle mal zu beenden. Anfang des Jahres 1773 wurde die zeeländische Kammer über eine Resolution vom Rat der X informiert, dass der Rat durchaus kompetent genug sei, da er mit der zentralen und generellen Verwaltung der W.I.C. beauftragt sei. Weiter wurde angeführt, dass die zeeländische Kammer nicht mehr Recht in Fragen der Verwaltung der Kolonien hatte als irgendeine andere Kammer innerhalb der D.W.I.C. [285]

Der Rat entschied auch im Jahre 1773 die blühende Kolonie Demerara vom stagnierenden Rumpf der Mutterkolonie Essequibo zu trennen. Noch in diesem Jahr überholte die Kolonie Demerara ihre Mutterkolonie Essequebo. Netschier schieb: „Das Kind war der Mutter entwachsen!“ („het kind was de moeder ontwassen!“) [286] Im Jahre 1775 begann der amerikanische Unabhängigkeitskrieg (1775–1783). [287] Dies führte unweigerlich zur Parteiergreifung der unterschiedlichen nationen in Europa, welche entweder für die Amerikaner waren, oder eher zu England hielten. Auch die Republik der Vereinigten Niederlande wurde in diesen Konflikt gezogen. Der Vierte Englisch-Niederländische Krieg (1780–1784) brachte wieder Krieg in die holländischen Kolonien in West Indien. [288]

Im Februar des Jahres 1781 erschien Sir George Brydges Rodney vor der Küste holländisch Guianas. Am 24. Februar kapitulierte Kommandeur Schulyenberg mit der Kolonie Demerara. Ihm folgte am 8. März Kommandeur Trotz mit der Kolonie Essequibo. Als letztes kapitulierte Gouveneur Koppiers mit der Kolonie Berbice einige Tage später den englischen Truppen. [289] [290] [291] [292] [293] [294] [305] Doch damit war der Sturm noch nicht vorbei. Frankreich kämpfte mit den Niederlanden auf Seiten der Rebellen. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis auch die Franzosen in Guiana auftauchten. Der französische Capitain Armand de Kersaint erschien am 30. Januar 1782 in der Kolonie Demerara. Bis zum 15. Februar eroberte de Kersaint ohne großen Widerstand die drei niederländischen Kolonien Berbice, Essequibo und Demerara. [295] [296] [297] 

Washington Crossing the Delaware 
by Emanuel Leutze (1851)
[Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg (1775-83)]
Nach der Eroberung in 1782 errichteten die Franzosen am Ostufer des Flusses Demerara die Stadt Longchamps, oder auch „La nouvelle Ville“ („Die neue Stadt“), wie sie auf einer Karte von 1783 zu jener Zeit auch genannt wurde. Im Frieden von Paris 1783, mit dem auch der amerikanische Unabhängigkeitskrieg beendet wurde, erhielten die Niederländer die Kolonien Berbice, Essequibo und Demerara zurück. Im März 1784 verließen die Franzosen schließlich die Kolonien und überließen sie wieder den Niederländern. Nach dem Abzug der französischen Truppen 1784 benannten die Holländer die Stadt in Stabroek um. [298] [299] [300] Schließlich wird Stabroek 1789 die Hauptstadt der vereinten Kolonie Demerara und Essequibo. An der Spitze der Kolonie steht nun ein Gouverneur. Damit wurde zwar die Trennung von 1773 wieder Rückgängig gemacht, allerdings war nun nicht mehr Essequibo das Zentrum der Kolonie sondern Demerara. [301]


Die Schlacht an der Dogger-Bank
Forth Anglo-Dutch War (1780-1784)
Quelle: commons.wikimedia.org
Ende des Jahres 1791 lief die Charter der zweiten niederländischen Westindien Kompanie aus. Aufgrund der zahlreichen Verluste, und unter anderem auch wegen den Folgen des Krieges und der erneuten Besetzung der Kolonie in Guiana von 1781 - 1784, beschloss man die Charter der D.W.I.C. nicht zu verlängern. Trotz massiver finanzieller Unterstützung der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen von Holland im Jahre 1784 war die D.W.I.C. nicht mehr solvent und so endete am 31. Dezember 1791 ihre Existenz. Die Kolonien wurden am 1. Januar 1792 direkt dem Stadthalter der Republik unterstellt. Damit wurden die Kolonien von den Fesseln und Beschränkungen der niederländischen Westindien Kompanie befreit. [302] Doch dies sollte der Republik keine großen gewinne mehr einbringen.

Admiral George Brydes Rodney
(1718 - 1792)
Quelle: en.wikipedia.org
Im Jahre 1793 erklärte Frankreich der alten niederländische Republik den Krieg. Schließlich wurde diese von französischen Truppen 1794 - 1795 erobert. Am 19. Januar 1795 wurde schließlich der Nachfolgestaat, die Batavische Republik, ausgerufen. [303] Diese befand sich nun in einem Bündnis mit Frankreich. England befand sich seit 1793 im Englisch-Französischen Krieg (1793-1802) und mit dem neuen Bündnis mit Frankreich wurde automatisch die Batavische Republik zum Feind Englands erklärt. [307] Wieder zogen dunkle Gewitterwolken über die niederländischen Kolonien. Am 20. April 1796 erreichte eine englische Flotte die Küste von Demerara. Bereits zwei Tage später, am 22. April, kapitulierte die Kolonie Demerara und Essequibo und wurde von den Engländern in Besitz genommen. [305] [306] Am 2. Mai ergab sich auch die Kolonie Berbice. Von 1796 bis 1802 verblieben die Kolonien im Besitz Englands. [303] 

Im Frieden zu Amiens im Jahre 1802 zwischen England und dem napoleonischem Frankreich, Spanien und der batavischen Republik übergaben die Engländer die Kolonien Essequibo, Demerara und Berbice wieder den Niederländern. [308] [309] Der Friede war nicht von langer Dauer, da die Friedensbedingungen von Seiten Frankreichs nicht eingehalten wurden und diese ohnehin mehr als ungünstige für England waren. Und so erklärte England Frankreich am 18. Mai 1803 erneut den Krieg. [310] Der britische Commodore Samuel Hood & Lieut.-General William Greenfield erschienen vor der Küste Guianas und am 19. September kapitulierte die Kolonie Demerara und Essequibo. Am 26. September folgte die Kolonie Berbice. Dieses mal verblieben die Kolonien im Besitz von England. [312] [313] [314] Mit dem Britisch-Niederländischen Vertrag im Jahre 1814 wurden die drei Kolonien England förmlich zugeschrieben. Damit endete die holländische Geschichte. [314] [315] [316]


Die private Kolonie Berbice

Die Gesichte der Kolonie Berbice im Jahr 1627. Im besagtem Jahr gab die holländische Regierung eine Konzession zur Entwicklung einer Kolonie in Berbice an das Haus Van Pere. Dieser Vertrag wurde am 12. Juli von Abraham Van Pere unterzeichnet. Er war ein Händler aus der Stadt Vlissingen und auch ein Direktor der zeeländischen Kammer. Es war ihm gestattet 60 Kolonisten mitzunehmen. [317] [318] [319] Nach einigen Verzögerungen verließ Abraham Van Pere Europa am 24. September in Richtung Berbice. [319] Da es eine private Unternehmung war gab es keinen regelrechten Schriftverkehr wie bei den anderen beiden Kolonien und dementsprechend findet man relativ wenig über diese Anfangszeit. Die Bedingungen des Vertrages wurden im laufe der Zeit verändert und angepasst. Die erste Änderung erfolgt schon am 8. März 1628, danach erst wieder 1632. Am 18. Juni werden Abraham Van Pere Junior und Peter van Rhee mit in den Vertrag einbezogen. Diese letzte Änderung wurde noch einmal am 20. Mai 1660 geändert und bleib bis 1678 Inkraft. [320] Doch dazu später mehr. Nach Auslaufen der ersten Charta und mit Beginn der zweiten D.W.I.C. bahnten sich einige Schwierigkeiten an. [251] 

Die zweite DWIC beanspruchte mit ihrer Gründung neben Essequibi auch die Kolonie Berbice. Das Haus Van Pere allerdings pochte auf die bereits angesprochenen geltenden Verträge, die zuletzte 1660 geändert wurden. Der Rat der DWIC pochte allerdings darauf, dass alle Verträge mit der ersten DWIC außer Kraft getreten sind, als diese aufgelöst wurde. Der Streit wurde erst im Jahre 1678 beigelegt. Eine neue Resolution trat am 14. September Inkraft und Bestätigte das Haus Van Pere im Besitz der Kolonie. [321] Sie befand sich also wieder ab diesem Tag in privater Hand und unterstand nicht dem Rat der X. [321] 

Karte von Berbice ca. 1720 [188]
Quelle: en.wikipedia.org
Mit dem Beginn des Neunjähriger Krieges (1688 - 97) zwischen Frankreich und der Republik der Vereinigten Niederlande begann die erste schwere Zeit für die Kolonie. [256] Nach einen erfolglosen Angriff auf Surinam überfielen einige französische Freibeuter unter der Schwadron des französischen Admiral du Casse die Kolonie Berbice im Jahre 1689. Nachdem sie einige Plantagen niedergebrannt hatten sah sich der damalige Kommandeur der Kolonie zu einer Zahlung von 20.000 Gulden gezwungen, um weiteren Schaden von der Kolonie abzuhalten. Die Zahlung konnte allerdings auf 6.000 Gulden und einige Fässer Zucker heruntergedrückt werden. Möglich machte dies ein Gefangenenaustausch. Dem Kommandeur der Kolonie Surinam van Scharphuysen gelang es bei dem erfolglosen Angriff mehrere der Freibeuter gefangen zu nehmen. [322] 

Jacques Cassard (1679 - 1740)
Quelle: fr.wikipedia.org
Der Kolonie war nun wieder etwas Friede vergönnt. Dieser allerdings wurde mit dem Spanische Erbfolgekrieg (1701–1714) unterbrochen. [262] Dieses mal sollte es sich allerdings nicht mehr um eine normale Plünderung handeln. Eine französische Flotte unter Admiral Cassard wurde 1712 ausgesandt um die Kolonien Hollands anzugreifen. Admiral Cassard schaffte es Surinam zu erobern und der Kolonie die gewaltige Summe von 622.800 Gulden abzupressen. Eine kleine Einheit aus drei Schiffen und 600 Männer unter dem Kommando des Barons de Mouans wurde zur Nachbarkolonie Berbice entsannt. Am 8. November 1712 erreichten sie den Fluss Berbice. Nach kurzen und erfolglosen Verhandlungen bombardierten die Franzosen das Fort Nassau vom Abend des 11. November bis einschließlich den 14. November. Am 15. und 16. November wurde schließlich über eine Kapitulation der Kolonie neu verhandelt. Man einigte sich auf 300.000 Gulden, wovon 118.024 Gulden in Form von Sklaven und Waren gezahlt wurden und 181.976 Gulden in Form eines Schuldscheins, gezeichnet vom Kommandeur de Watermann. Am 8. Dezember verließen die Franzosen die ausgeplünderte Kolonie. [323] [324] [325] [326] [327] 

Die Meister van Pere, Johan und Cornelius van Pere, weigerten sich allerdings den Schuldschein der Franzosen zu begleichen. Sodann wanderte Berbice am 13 September 1713 in die Hände einer französischen Gesellschaft in Marseille. Diese allerdings hatte keinerlei Interesse an der Kolonie und versuchte diese an Holländische Händler zu verkaufen. Die Händler Nicolas und Hendrik van Hoorn, Arnold Dix und Pieter Schuurmann waren bereit die Kolonie für die Summe von 108.000 Gulden zu erwerben. Allerdings besaß die Niederländische Westindienkompanie das Monopol für Sklaven aus Afrika. Nachdem sich die Händler mit der niederländische Westindienkompanie auf eine Versorgung von Sklaven geeinigt hatte, die Franzosen hatten die Besten als Lösegeldersatz fortgeschafft, wurde die Kolonie am 28. November 1714 notariell an die neuen Eigentümer übergeben. Die niederländische Westindienkompanie kam allerdings ihrem Versprechen nicht nach, unter anderem weil sie zu viele Kolonien zu beliefern hatte, und so blieben die Sklavenlieferungen aus. Dieser Engpass brachte die Kolonie an den Rand des Ruins. Die neuen Eigentümer beschlossen im Jahre 1720 sich frisches Kapital von ihren Landsleuten zu besorgen und gründeten schließlich eine Gesellschaft (oder auch Sozietät). Diese verfügte über 1600 Anteile zu je 2000 Gulden. Nach einigen finanziellen Schwierigkeiten erhielten sieben Direktoren die Aufsicht über die Gesellschaft, mit Sitz in Amsterdam, und tagten das erste Mal am 4. Oktober 1720. [328] 

Karte von Berbice 1764
Quelle: www.gahetna.nl
Nach einigen fehlgeschlagenen Expeditionen auf der Suche nach Gold und Silber ins tiefere Inland konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der Direktoren im Jahre 1723 auf die Entwicklung der Kolonie selbst und binnen kurzer Zeit wurden 8 neue Plantagen gegründet. Die niederländische Westindienkompanie blieb allerdings unzuverlässig was den Nachschub an Sklaven aus Afrika anbelangt und so waren nur wenige Sklaven auf diesen Plantagen im Einsatz. [329]

Im Jahre 1732 erlangte die Sozietät ein großes Stück Unabhängigkeit von der D.W.I.C.. Anstatt einer bestimmten Summe pro Schiff musste nun nur noch eine pauschale jährliche Gebühr an die Niederländische Westindien Kompanie bezahlt werden. Diese besaß schließlich noch immer das Monopol für den Handel mit Sklaven in den niederländischen Kolonien, von denen auch die Kolonie Berbice abhängig war. Außerdem öffneten sie die Kolonie für jedem Niederländer. Damit besaß Berbice nicht den hemmenden Engpass, der Essequibo für lange Zeit fesselte, weil die zeeländische Kammer zu sehr auf ihre eigenen Interessen bedacht war und somit einem florierenden Wachstum sehr lange im Wege stand. Lediglich die Seefahrt war weiter eingeschränkt. Es war den handelnden Schiffen nur gestattet von der Republik direkt nach Berbice und wieder zurück zu segeln. Es durfte an keinen anderen Kolonien der D.W.I.C. oder anderen Nationen halt gemacht werden. [330] 

Im Jahr 1733 besaß die Gesellschaft oder Sozietät 12 eigene Plantagen. De Dageraad, de Goede Hoop, de Berg (später Johanna), West-Souburg, Vlissingen, Cornelia Jacoba, de Peereboom, de Markjeij, Hardenbroek, East-Sourburg und Savonette. Neun hiervon waren Zuckerrohr-Plantagen. Auf den anderen drei Plantagen wurde Kaffee, Kakao und Baumwolle kultiviert. [331] Am 18. Mai 1735 schütteten die Direktoren der Sozietät eine Dividende von 4% an die Aktionäre aus. Dies erwies sich laut Netscher als schwerwiegender Fehler. In den folgenden Jahren war die Gesellschaft nicht in der finanziellen Lage das Fort Nassau anständig zu reparieren. Dies wurde ständig verschoben, bis das Fort zum Sklavenaufstand in 1763 sofort verlassen wurde, da es nicht zu verteidigen war und sich in einem desolaten Zustand befand. [333] Laut P. M. Netscher sind auf einer Karte des Pioniers Jan Daniel Knapp, datiert um 1740 herum, 93 private Plantagen am Fluss Berbice und dem Wironje Creek und bis zu 20 am Canje Creek´zu finden. Es gab noch keine Plantagen an der Küstenregion des Flusses zum Meer hin. [334] 

Karte von Berbice ca. 1780 (1771) [187]
Quelle: en.wikipedia.org
Am 5. Juli 1762 ereignete sich eine kleine Meuterei auf den Plantagen Goedland und Goed Fortuin. 36 Sklaven plünderten die Plantagen und flohen in die nahen Wälder. Es kostete den Kolonisten einige Wochen diesen Aufstand zu bändigen und war nur ein kleiner Vorgeschmack auf die folgenden Ereignisse, welche bald über die Kolonie hereinbrechen würden. [335] Am 23. Februar 1763 begann der Aufstand der Sklaven in Berbice auf der Plantage Magdalenenburg. Dieser Aufstand entwickelte sich zu einem regelrechten Flächenbrand. Am 25. Februar griffen die Aufständischen die Plantage Providence an. Einen Tag zuvor erfuhr der Gouverneur Van Hoogenheim, dass feindliche Accoway-Indianer einen Posten nahe der Plantage Savonette angegriffen haben. Dieses Ereignis befeuerte die Sklaven und bestärkte sie in der Ansicht, die Schwächer der Niederländer für einen Aufstand auszunutzen. Die Nachricht über den Aufstand verbreitete sich wie ein Lauffeuer bis zum Canje Creek. Dort begehrten die Sklaven beinahe Zeitgleich gegen ihre Herren auf. Am 28. Februar erfuhr der Gouverneur von dieser Tragödie. Außerdem dass die Sklaven der privaten Plantagen Lilienburg, Juliana, Hollandia und Zeelandia, Elisabeth und Alexandra ihre Herren ermordeten und außer auf der Plantage Hollandia und Zeelandia die Gebäude in Brand steckten. 
 
Die Köpfe hinter diesem Aufstand waren die Sklaven Coffy, Accara und noch zwei weiter nicht namentlich genannte Rädelsführer. Diese Sklaven gehörten ursprünglich zur Plantage Lilienburg. Am 4. März ereigneten sich dramatische Szenen. Viele Kolonisten wurden auf bestialische Weise getötet, darunter auch der Arzt der Kolonie Dr. Jan Jacob Baas, welcher von den Sklaven beschuldigt wurde, einige Sklaven mit schlechter Medizin vergiftet zu haben. Am 6. März sendete der Gouverneur einige Vertraute mit dem Gesuch nach Hilfe zum Gouverneur der Kolonie Surinams Mr. Crommelin. Während die Überlebenden im Militärposten St. Andries ausharrten gab es aufgrund von Differenzen innerhalb der Rebellen zu Kämpfen zwischen den aufständischen Sklaven. Coffy begann daraufhin Selbstmord.

Schießlich konnten die Rebellen durch Verstärkungen aus Surinam und St. Eustatius besiegt werden. Am 26. März des Jahres 1764 wurde der letzte Anführer der Aufständischen in Ketten vor Van Hoogenheim gebracht. Doch Accara, einer der Anführer zu Beginn des Aufstandes, war noch immer auf freiem Fuß und wurde erst im April gefangen genommen und am 15. April dem Gouverneur in Ketten vorgeführt. Am 27. April wurden 34 Sklaven zum Tode verurteilt. Der Rest der Gefangenen kam wieder auf die Felder. Das Urteil wurde noch am folgenden Tage vollstreckt. 17 von ihnen wurden gehängt, 8 wurden gerädert und die letzten 9 wurden verbrannt, davon 7 auf besonders bestialische Weise durch langsames Verbrennen. Die Niederländer hatten sich in diesem Moment als ebenso grausam erwiesen, wie die Sklaven, die sich nur gegen ihre unmenschlichen Bedingungen erhoben und laut Netscher, alles andere als gut behandelt wurden. Die niederländischen Sklavenmeister waren wohl sehr grausam. [336] [337] 

Karte von Berbice 1802
Quelle: www.wdl.org
Um ein weiteres Blutbad zu verhindern, bestrafte der Gouverneur alle Plantagenbesitzer, welcher erneut ihrer Sklaven misshandelten. Allerdings waren alle Mitglieder des Gerichtes selbst Plantagenbesitzer und da es sie auch selbst betraf, waren die Strafen nur milde. Am 26. Mai 1765 traf sein Nachfolger Johannes Heijliger in Berbice ein und Van Hoogenheim verließ die Kolonie. Im Jahr 1766 suchte ein schweres Erdbeben die holländischen Kolonien der Küste heim. [339] Die Kolonie machte keine großen Fortschritte und dümpelte zwischen den 1764 und 1778 nur vor sich hin. Die Plantagenbesitzer weigerten sich Steuern zum Wohle der Kolonie zu zahlen und um die entstandenen Schäden der Rebellion zu reparieren. Die verschiedenen Gouverneure in jeder Zeit waren entweder zu unentschlossen (wie z.B. Heijliger), zu untätig oder starben nach relativ kurzer Zeit. Der Geldmangel schlug sich auch in der Verteidigung nieder und so wurde diese auch seit der Rebellion im Jahre 1763 nicht ausgebaut. Die Kolonie stagnierte. Dies ging soweit, dass zwischen den Jahren 1768 bis 1772 die Plantagen in Berbice am Markt in Holland unverkäuflich wurden (im Sinne von: Es wollte sie keiner haben). [340] 

Armand de Kersaint (1742 - 1793)
Eroberer der Kolonien Demerara,
Essequibo und Berbice im Jahre 1782
Quelle: en.wikipedia.org
Erst mit der Vereidigung von Pieter Hendrik Koppiers schien ein vielversprechender Gouverneur für die Kolonie gewonnen worden zu sein. Er wurde am 19. Juni 1778 in Holland vereidigt und traf noch im Oktober in der Kolonie ein um seine Arbeit aufzunehmen. Seine erste Arbeit bestand darin den Status quo der Verteidigung in Erfahrung zu bringen. Diesen berichtete er sodann an die Direktoren in Holland, welche unverzüglich, auf seiner Empfehlung hin, den fähigen Jan Carel Willem Herlin engagierten. Dieser sollte die Verteidigung der Kolonie innerhalb weniger Jahre auf einen ordentlichen Stand bringen. Nachdem die Frage des gehalts und der Finanzierung geklärt war unternahm Jan Carel Willem Herlin im Sommer 1779 die Reise nach Berbice. Die Reise gestaltete sich allerdings etwas mühselig und so erreichte er erst am 28. März des Jahres 1780 die Kolonie. Er nahm unverzüglich seine Arbeit auf. Das Fort St. Andries und der Posten Niewslot sollten derart befestigt werden, dass es für eine Fregatte oder Freibeuterschiff nicht möglich sei die Kolonie zu erreichen. Allerdings kamen diese Anstrengungen, wie wir noch später sehen werden, viel zu spät. [341] 

Der Vierte Englisch-Niederländische Krieg (1780–1784) brach aus und bedrohte die Kolonie. [288] Wie weiter oben schon geschrieben erschien im Februar des Jahres 1781 Sir George Brydges Rodney vor der Küste holländisch Guianas. Nachdem bereits die anderen beiden Kolonien kapitulierten ergab sich die Kolonie Berbice im März den englischen Truppen. [289] [290] [291] [292] [293] [294] Erst durch die Franzosen wurde die Kolonie von den Engländern befreit. Der französische Capitain Armand de Kersaint erschien am 30. Januar 1782 in der Kolonie Demerara. Bis zum 15. Februar eroberte de Kersaint ohne großen Widerstand alle drei niederländischen Kolonien Berbice, Essequibo und Demerara zurück. [295] [296] [297] Nach Ende des Krieges im Jahre 1784 wurde die Kolonie wieder an Holland zurückgegeben. [299] [300] 

Sir Ralph Abercromby (1734 - 1801)
Quelle: en.wikipedia.org
Mit dem Auslaufen der zweiten Charta Ende 1791 änderte sich die Situation grundlegend. Wärhend die Kolonien der D.W.I.C. bereits 1792 in den Besitz der Republik der Vereinigten Niederlande gelangte existierte die Sozietät noch. Doch die Ansprüche der Sozietät werden am 9. Oktober 1795 für null und nichtig erklärt (ebenso wie die private Unternehmung in Surinam). Ein Komitee bestehend aus 21 Mitgliedern übernahm ab sofort die Kontrolle der Kolonien. [342] Diese Kontrolle währte allerdings nicht lange. Frankreich eroberte die Vereinigten Niederlande während des französischen Revolutionskriegs und die Batavische Republik wurde ausgerufen. [303] Daraufhin erfolgte, wie schon einmal geschrieben, die Kriegserklärung Englands an diese noch junge Republik. Erneut erschienen die Engländer vor Berbice und am 3. Mai 1796 kapitulierte der holländische Gouverneur Van Batenburg und die Kolonie fiel an England. [343]

Nach den Frieden zu Amiens wurde zwar Berbice wieder zurück an die Holländer gegeben, allerdings kam am 18. Mai 1803 der Krieg zurück. [308] [309] [310] England erobert durch General Greenfield erneut die drei Kolonien. (Commodore Samuel Hood & Lieut.-General William Greenfield). Am 19. September kapitulierte die Kolonie Demerara & Essequibo. Die Kapitulation von Berbice erfolgte am 26. September. [312] [313] [314] Dieses Mal jedoch verblieb die Kolonie im besitz Englands. Durch den Britisch-Niederländischen Vertrag 1814 wurde Berbice formell an England abgetreten. [314] [315] [316] Hiermit endete die Geschichte der niederländischen Herrschaft am Fluss Berbice.



Die Kolonie British Guiana
(auf dem Weg in die Moderne)

Der Grenzverlauf British Guianas 1898
Quelle: en.wikipedia.org
Noch vor der Vereinigung der drei Kolonien wurde die Stadt Stabroek zu Ehren des Königs George den Fünften am 5. Mai des Jahres 1812 nach Georgetown umbenannt. [347] [348] Im Jahre 1823 ereignete sich ein großer Sklavenaufstand der noch nicht vereinigten Kolonie. Gerüchte über die baldige Emazipation verleitete die Sklaven zur Annahme, dass ihre Befreiung kurz bevorstünde. Dieses Gerücht verbreitete sich wie ein lauffeuer und die darauf folgende Enttäuschung, dass es bis dahin noch ein langer Weg sei entfachte den Zorn der Sklaven. Am 17. August des Jahres 1823 erhoben sie sich gegen ihre englischen Herren. Am 19. August wurde in der Kolonie das Kriegsrecht ausgerufen. Am 21. August kam es zu einem Gefecht zwischen den englischen Truppen und annähernd 2000 Aufständischen. Am darauffolgenden Tag bot der Gouverneur allen Aufständischen eine Begnadigung an, wenn sie sich sofort ergaben. Dies galt allerdings nicht für die Anstifter. Ende August wurde ihnen der Prozess gemacht und die Verantwortlichen gehängt. [344] Das Kriegsrecht wurde allerdings erst am 19. Januar 1824 erst wieder aufgehoben. [345] 

Die drei ehemaligen holländischen Kolonien wurden im Jahre 1831 endlich vereint. Am 21. Juli 1831 wird der erste Gouverneur von British Guiana, Sir Benjamin d'Urban, vereidigt.[346] Wärend der britische Sklavenhandel schon 1807 abgeschafft wurde, überlebte die Sklaverei bis in das Jahr 1838. Es im Jahre 1833 wurde der Act of Emancipation verabschiedet, welche eine Abschaffung der Sklaverei am 1. August 1834 vorsah. Allerdings hatten die Pflanzer der West Indies ihren Einfluss spielen lassen und so begann ab diesem Datum das sogenanntes "Ausbildungsverhältnis" ('Apprenticeship'). Was dies war? Im kurzen: Der Eigentümer hieß nun Meister, der Sklave nun Lehrling und letzterer musste meistens immer noch umsonst für den ersteren arbeiten. Es änderte sich also nicht gravierend viel und viele Slaven sahen diese Lehrlingszeit als das an was sie auch de facto war: Eine Verlängerung ihrer Leidenszeit in Sklaverei. Diese "Lehrlingszeit" sollte 6 Jahre dauern und alle Sklaven ab 6 Jahren betreffen. Sie enthielt also auch Kinderarbeit. [349] [350] Heute betrachtet sind dies alles moralisch mehr als zweifelhafte Entscheidungen. 

Coat and arms of Guyana [189]
Quelle:  http://commons.wikimedia.org
Die britische Regierung sah ihren Fehler wohl ein und reduzierte diese „Lehrlingszeit“ auf vier Jahre. Die Sklaverei wurde als erst am 31. August 1838 endgültig in den britischen Kolonien abgeschafft. [351] In diesem Jahr trafen die ersten indischen Arbeiter in British Guiana ein. Dies war dem bestreben der Pflanzer nach billigen Arbeitern geschuldet. Dafür gab es auch einen plausiblen Grund: Das ganze System war nur profitabel genug mit dem Einsatz von billigen Arbeitskräften. Außerdem hatten die ehemaligen Sklaven ihre Behandlung keineswegs vergessen und so verließen sie die Plantagen. Diese billigen Ersatz-Arbeitskräfte kamen nun von Asien und Europa. Allerdings schienen die chinesischen, und europäischen Immigranten nicht optimal für die harten Bedingungen auf den Plantagen geeignet zu sein. Auch Portugiesen aus Madeira kamen nach British Guiana, als eine Krankheit ihnen ihre Lebensgrundlage, den Weinanbau, vernichtete. [351] [356] Der Hauptstrom der Masse an Arbeitskräften bildeten aber unbestreitbar die Arbeiter aus Indien (von den Engländern auch „Coolies“ genannt). Diese Inidan Indentured Labour Immigration dauerte insgesamt bis 1917 und brachte insgesamt 238.909 indische Arbeitskräfte nach British Guiana. [352] [353] 

Die Todesrate der indischen Arbeiter war allerdings so hoch, dass sich die indische Regierung genötigt sah die Auswanderung der Arbeitskräfte zweimal zu suspendieren. Die erste Aussetzung war von 1839 bis 1844 und die zweite war zwischen 1848 bis 1851. Jamaika war sogar bis 1860 vom Zugang indischer Arbeitskräfte abgeschnitten. Anscheinend behandelten die Plantagenbesitzer in diesen Perioden ihre Arbeiter nicht viel besser als die Sklaven zuvor. [354] [355] Dazwischen gab es auch Einwanderer aus China. Im Jahre 1853 erreichten zwei Schiffe mit chinesischen Arbeitern die Kolonie. Zwischen 1859 und 1866 erreichten regelmäßig chinesische Arbeiter die Kolonie British Guiana. Allerdings kam dieser Fluss in 1866 zum Erliegen, da die chinesische Regierung darauf bestand, dass die Arbeiter auf Kosten der Kolonie zurück ins Mutterland gebracht werden sollten. Das Ziel der Auswanderung war aber nicht der Rücktransport der Arbeitskräfte und so kamen nur noch in den Jahren 1874 und 1878 einige Chinesen zur Kolonie, bevor diese Quelle an billigen Arbeitskräften versiegte. [357]Die Krise am Zuckermarkt 1884-85 traf die Kolonie besonders hart, da sie hauptsächlich Zucker produzierte. Ab diesem Zeitpunkt begann Reis Zucker immer mehr abzulösen. Die Situation der Arbeiter veränderte sich allerdings nicht und sie blieben auf einem niedrigen Niveau. 

Da die Kolonie fast ausschließlich von der Zuckerindustrie abhängig war, war sie natürlich besonders anfällig für Zwischenfälle in diesem Bereich. Aufstände und Streiks waren nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel in British Guiana. Der erste große fand auf der Plantage Leonora im Jahre 1869 statt und schwappte auf die Plantagen Malgre Tout und La Jalousie über. Dieser Aufstand verlief relativ glimpflich, da niemand getötet wurde. Der Grund war der niedrige Lohn, den die Arbeiter auf der Plantage für ihre verrichtete Arbeit bekamen. [412] [413]

Forbes Burnham & Jeddi Chagan 1953
Quelle: www.guyanagraphic.com
Der nächste große Zwischenfall ereignete sich auf der Plantage Devonshire Castle in Essequibo im September 1872. Wieder war der Grund ein zu niedriger Lohn. Bei dem Versuch die versammelten Menschen auseinanderzutreiben kam es zu einem Handgemenge zwischen den Arbeitern und den Polizisten. Plötzlich löste sich ein Schuss aus der Waffe eines Ordnungshüters. Danach feuerten einige Polizisten auf die Menge mit dem Ergebnis von 5 Toten und 8 Verwundeten und dem Ende des Aufstandes. Der nächste Aufstand fand auf dem Uitvlugt Anwesen im Oktober des Jahres 1873 statt. Niemand kam dabei zu schaden, was aber einer massiven Polizeipräsenz und dem Befehl zum Durchladen der Waffen „zu verdanken“ war. Wieder ging es um zu niedrige Löhne. Im Aufstand auf der Plantage Non Pareil 1896 war wieder der Stein des Anstoßes die Entlohnung, die in einer Schießerei mit 5 Toten und 59 Verwundeten gipfelte. [412] [414]

Die nächsten Zwischenfälle waren im Jahre 1903 auf der Plantage Friends (Berbice), bei dem 6 Menschen getötet und 7 verwundet wurden, und im Jahre 1905 auf der Plantage Ruimveldt, bei dem im Verlauf 7 Menschen starben und 17 verwundet wurden. [361] [362] [38] Nur durch den Einsatz britischer Streitkräfte konnte die Ordnung wiederhergestellt werden. Im September des Jahres 1912 wurde ein weiterer Arbeiter auf der Plantage Leonora niedergeschossen. Wieder war der Grund die Unzufriedenheit über den zu geringen Lohn der Arbeiter. Im Jahre 1913 ereignete sich ein weiterer Zwischenfall. Dieses mal betraf es die Plantage Rose Hall in Berbice und es starben 14 Menschen. Es heißt, dass dieser Zwischenfall, da es sich bei den Opfern um indische Immigranten handelte, die Regierung in Indien dazu bewegte die Einwanderung nach West Indien zu beenden. Im Jahre 1917 stoppte schließlich die indische Regierung die Auswanderung von Arbeitskräften. [412] [39] [58] 



British Troops in British Guiana 1954
Quelle: guyaneseonline.wordpress.com
Der nächste größere Zwischenfall ereignete sich im Jahre 1924. Was zu erst als friedlicher Streik in Georgetown Streik begann uferte in einen gewalttätigen Aufstand aus. Das Militär und die Polizei stoppte nach Georgetown ziehende Menschen aus dem Süden des Landes auf der Plantage Ruimveldt. Dort wurde nach Verlesen der Aufruhrakte (Riot Act) der Schussbefehl erteilt, als sich die Aufständischen weigerten sich aufzulösen. 13 Menschen wurden dabei getötet und 18 verwundet. [412] [59] Die große Depression der 1930iger Jahre traf auch British Guiana hart und viele Menschen verloren ihre Arbeit aufgrund der niedrigen Preise der Exportprodukte der Kolonie. In dieser Zeit wurde sich auch die arbeitende Klasse der Tatsache bewusst, das sie keine politische Vertretung besaß. [363] Was folgte war ein weiterer Zwischenfall im Jahre 1939 auf der Plantage Leonora. Wieder wurden 4 Streikende durch Polizeigeschosse getötet und vier weitere verwundet. [412] [419] Erst nach Ende des zweiten Weltkrieges kam es zu weiteren Unruhen. Dieses mal betraf es die Plantage Enmore. Hier starben im April 1948 bei einem Streik fünf Arbeiter. Neun weiter Menschen wurden verwundet. Ihnen zu Ehren wurde das Denkmal „Enmore Martyrs“ erbaut. [105] [360] [420] [412] Auf dieses Ereignis folgte im Jahre 1950 die Gründung der PPP mit ihrem Führer Jeddi Chagan.

Der letzte große und gewalttätige Zwischenfall vor der Unabhängigkeit des Landes ereignete sich im Februar 1957 auf der Plantage Skeldon in Berbice. Hier wurden bei einem Streik 17 Arbeiter durch einen Schuss aus einer „Greener“ Schrotflinte verletzt, nachdem zuvor Tränengas verwendet worden war. Aber es gab auch politische Krisen in British Guiana, in denen bei einer sogar angeblich Amerika verwickelt war. [412] [421]

Die Flagge Guyanas
Quelle: en.wikipedia.org
Im Jahre 1928 bekam die Kolonie eine neue Verfassung und wurde zur Kronkolonie. [358] [359] Eine weitere Verfassungsänderung im Jahre 1953 führte in British Guiana ein neues politisches System bestehend aus zwei Kammern (Oberhaus und Unterhaus) ein. Mit der folgenden Wahl am 27. April 1953 wurde eine schwere politische Krise im Land ausgelöst als die PPP (People's Progressive Party) unter Jeddi Chagan 18 der 24 Sitze in der Unterkammer bekam und Jeddi Chagan zum Prime Minister wählte. In England sah man diese Entwicklung mit Besorgnis, da der MI5 diese politische Bewegung und Jeddi Chagan als „kommunistisch“ einstufte. Winston Chruchill sah sich zum Handeln gezwungen und entsandte britische Truppen und ein Kampfschiff, die HMS Superb, nach British Guiana. Dort wurde die Regierung am 9. Oktober für abgesetzt erklärt und die Familie Jagan unter Hausarrest gestellt. Das British Colonial Office übernahm die Regierungsgeschäfte bis 1957. Nur einige Zeit später ereignete sich auch noch die kubanische Revolution (1953-59) vor der Haustüre Amerikas, was die Wachsamkeit bei England und Amerika gegen den Kommunismus bestätigte und auch verstärkte. Aufhalten konnte sie die Unabhängigkeit Guyanas allerdings nicht. Diese Krise wurde weitestgehend in Europa vergessen. Im Gedächtnis haften dagegen blieb die nukleare Bedrohung auf Kuba durch russische Raketen im Oktober 1962 und das bis heute anhaltende Embargo gegen den Inselstaat. [371]
 

 Am 26. Mai 1966 wird die ehemals britische Kolonie British Guiana unabhängig und heißt seit jenem Tag Guyana. Guyana ist ein Schmelztigel, bestehend zum Großteil aus indischen und afrikanischen Einflüssen. Dies ist den Einwanderungswellen der damaligen Oberklasse, den Pflanzern, geschuldet. Die PPP (People's Progressive Party) und die PNC (People's National Congress) dominieren die politische Landschaft und die beiden Hauptströmugen der Bevölkerung (Afro-Gunyanesisch und Indisch-Guyanesisch) finden sich in ihr wieder. Die Geschichte von Britisch-Guayana endet hier.

------------------------------------------------------------------

Kapitel 2
-
Die Plantagen in British Guiana 

Karte von Berbice ca. 1780 (1771) [187]
Quelle: http://en.wikipedia.org/
Angeblich hatte im 18. und 19. Jahrhundert jede Zuckerrohrplantage ihre eigene Brennerei. Ob dies stimmt wird denke ich nicht mehr nachzuvollziehen sein. In einem Bericht über die Sklavenpopulation und deren Entwicklung in der Kolonie British Guiana mit dem Stand von 1832 werden alleine für die beiden Regionen Essequebo (oder auch Essequibo) und Demerara 189 Zuckerrohrplantagen gelistet und nur 19 Baumwollplantagen sowie 71 Kaffeeplantagen. Allerdings fuhren einige Plantagenbesitzer zweigleisig und bauten mehr als nur eine Pflanzenart an. Es gab also „nur“ ca. 153 Plantagen, die ausschließlich Zuckerrohr ernteten. [16] Darunter auch bekannte Namen wie Enmore (Kaffee & Zucker), La Bonne Intention (Zucker), Ogle (Zucker), Great Diamond & Little Diamond (Kaffee & Zucker), Versailles (Zucker & Kaffee), Schoon Ord & Meerzorg (Kaffee & Zucker) und Grooten Klyn Uitvlugt (Zucker & Kaffee). Die Zuckerrohrplantagen aus Berbice sind hier leider nicht gelistet (Albion, Blairmont, Skeldon & Port Mourant).


Essequebo, Demerara & Berbice [191] 
Quelle : http://commons.wikimedia.org
Ein Buch von Robert Montgomery Martin aus 1840 gibt eine Anzahl von 154 Zuckerrohrplantagen für die Regionen Berbice und Essequibo für das Jahr 1831 an. Davon entfallen gerade einmal 31 für Berbice. [22] Eine Auflistung mit Namen sind darin aber nicht enthalten. Wenn man bedenkt, dass Sklaven auf den Plantagen für ihre Herren unter harten Bedingungen schufteten, dann klingen einige Namen dieser Estates teilweise kurios bis zynisch. Da wäre „Vive La Force“ (Zucker), Garden of Eden (Zucker), New Hope (Zucker) und Good Intention (Zucker). Ich weiß, dass man dies auch anders sehen kann, nämlich aus der Sicht der Besitzer. Aber aus der Zukunft betrachtet klingen einige dieser Namen doch ein wenig herablassend bis verachtend, wenn man das Schicksal der Sklaven im Hinterkopf hat. Nur die bekanntesten und bis heute überlebenden Zuckerrohrplantagen sind dem Connaisseur vielleicht bekannt. Kleinere Plantagen wurden entweder aufgegeben oder von diesen großen Überlebenden im Laufe der Jahrhunderte absorbiert.


Der Rum aus British Guiana 

Dark rums coming from Guyana
Rum hat in British Guiana eine lange Tradition. Den von mir als Demerara Dark bezeichneten Rum gab es nachweislich schon in der Mitte 19. Jahrhunderts. [46] Seine Wurzeln könnten aber bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Im 19. Jahrhundert verwendeten die Zuckerrohrplantagen zum Färben des Rums das, was auch auf ihrer Plantage anfiel. Vornehmlich nahmen sie Karamell, welches aus Muskovade Zucker (unraffinierter brauner Rohrzucker) hergestellt wurde. Teilweise vernachlässigten einige Plantagen sogar die Zuckerproduktion für die Rumherstellung. Natürlich wurde auch ungefärbter Rum verkauft. Aber laut der Quelle begann sich der Trend umzukehren. In Vakuumkörpern wurde die Melasse stark erhitzt, um noch mehr Zucker daraus zu gewinnen. [47] Diese Methode der Zuckergewinnung wurde im Jahre 1813 von Charles Howard patentiert und begann ihren Weg auch in die West Indies zu finden. Die erste „Vacuum Pan“ wurde 1832 von John Gladstone auf seinem Anwesen Vreede-en-Hoop in Demerara eingesetzt. [431] [423] [433] Damit ließ sich ein wesentlich reinerer Zucker gewinnen, als der braune und teilweise noch feuchte Muscovade-Zucker aus jener Zeit. In Kombination mit einer Zentrifuge konnte man den immer noch feuchten Zucker aus den geschlossenen Vakuum Behältern die letzte Feuchtigkeit entziehen. Es wurde also der letzte Rest an Melasse den Zuckerkristallen entzogen. Hiermit wurden die alten Transportbehälter, die mit Papier ausgekleideten Hogsheads, überflüssig, da man nun den trockenen Zucker in Beutel und Säcken transportieren konnte. Diese waren auch erheblich billiger als die hölzernen Fässer, auf die man zuvor zurückzugreifen musste. Allerdings war nicht alles positiv an dieser Entwicklung. Hierzu will ich einmal eine deutsche Quelle aus 1890 zitieren: 

"Der Zucker wird in flache Holzkasten entleert, von allem Schmutz und Knötchen sorgsam befreit, gemischt und entweder in Säcke oder in mit Papier ausgelegte Tonnen verpackt. Auserlesene schöne Partien kommen in kleinen Säckchen zum Versandt. – Der I. Ablauf wird mit Wasser verdünnt und so viel Kalk zugesetzt, bis das Gemisch alkalisch reagirt; darauf wird im besonderen Vacuum das Gemisch leicht eingekocht und, wenn fertig, in Krystallisationskasten oder Schalen gelassen. Nach etwa 14 Tagen ist die Krystallisation beendet und wird die Masse geschleudert. Der enthaltene Zucker II ist hell und feinkörnig; von gutem Geschmack und enthält 86 bis 88 Proc. Rohrzucker, er gelangt wie das I. Produkt ohne weitere Reinigung in den Handel als Consumzucker. Ist der für Nachprodukte ein lohnender, so wird der II. Ablauf nochmals eingekocht, wenn notwendig mit erneutem Kalkzusatz. Nach 4-6 monatigem Stehen erhält man daraus einen ganz ähnlichen Zucker wie das II. Produkt ist. Der entstandene III. Ablauf wird zu Rum verarbeitet; bemerkt sei hier noch, dass der Rum von dieser Arbeitsweise nicht so gut ist als der von Muscovadoplantagen erhaltene. -- Anstatt den I. Ablauf mit Kalk einzukochen, wurden gute Erfolge mit Soda angewandt." [434]

Junger Rum aus Guyana
Die Melasse aus geschlossenen Vakuum Behältern (vacuum pan process) hatte also eine schlechtere Qualität als die aus dem gewöhnlichen Herstellungsprozess in offenen Behältern (open pan – common process). Dies findet man teilweise sogar in alter englischer Literatur. Warum? Weil man der Melasse mehr Zucker abtrotzte und auch damit verbundene Aromastoffe. Diese fehlten später und konnten die Fermentation nicht mehr beeinflussen. Die Qualität von Rum veränderte sich also schon im 19. Jahrhundert mit der Effizienzsteigerung der Zuckerherstellung, war die Melasse ja doch schon immer ein Abfallprodukt, dass man entweder an Tiere verfütterte, verkaufte oder eben zu Rum verarbeitete. Meines Wissens nach war Jamaika das einzige Land, welches bis ins 21. Jahrhundert hinein an dem alten Herstellungsprozess (common process) festhielt und auch mehr Wert auf die Rum-Produktion legte und hierfür sogar die Zuckerherstellung vernachlässigte. Mit der Verwendung von Melasse aus industriellen Zuckerfabriken bei einigen Destillerien hat sich die Qualität dieses Rohstoffes vermutlich nicht weiter gesteigert. Es ist wohl eher das Gegenteil anzunehmen.

Rum aus Guyana rangierte im 19. Jahrhundert, was den Gewinn und den Preis betraf, oft hinter dem Rum aus Jamaika. Dabei war, in meinen Augen, nicht nur die qualitativ schlechtere Melasse gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein Grund. Es gab noch andere, besser gesagt eigentlich hauptsächlich zwei Gründe. In einem Bericht über die Vorbereitung und die Mitwirkenden zur Paris Universal Exhibition im Jahre 1867 werden sie genannt. Zum ersten waren die Erdschichten, aus denen das Zuckerrohr gewonnen wurde, auf vielen Plantagen salzig und das schmeckte man selbst im Zuckerrohrsaft. Zum zweiten die Wassertemperatur. Vielen Plantagen war es nicht möglich, das Wasser unter einer Temperatur von 84°Fahrenheit (ca. 28,9°C) für den Brennvorgang bereitzustellen (zum Kondensieren des Alkohols benötigt). In Jamaika war dies kein Problem, war das Quellwasser aus den Bergen doch kühl genug. Der exportierte Rum aus British Guiana hatte einen durchschnittlichen Alkoholgehalt von 35% O.P. (britisches 100% proof liegt bei 57%vol.). Also ungefähr 77%vol. pro Fass im Durchschnitt. [47] 

Noch ein junger Rum aus Guyana
Aber nicht nur der Grundstoff zur Fermentation änderte sich, sondern auch die Fermentation selbst unterlief einem Wandel in British Guiana. Waren es einer Quelle aus dem Handbuch von British Guiana aus 1913 noch 36-48 Stunden an Fermentation, sank diese bis 1949 auf magere 28 Stunden. [435] [436] Einer Fußnote aus Saschas Artikel ist zu entnehmen, dass D.D.L. sogar nur noch 24 – 26 Stunden hierfür aufwendet. Je kürzer diese Fermentationszeit ist, desto geschmacksärmer wird das Resultat. Wenn es das Ziel der Destillerie allerdings ist, sehr viel Rums mit kontinuierlichen Brennblasen herzustellen, in dem es die meisten schweren Aromastoffe ohnehin nicht bis ins Endprodukt schaffen, dann erscheint diese Vorgehensweise durchaus logisch. Warum etwas produzieren wenn es eh nicht im Endprodukt zu finden ist? Allerdings bedeutet dies im Umkehrschluss auch, je reiner ein Rum, desto geschmacksneutraler und austauschbarer ist er im Vergleich zu anderen Produkten. Hierzu mal eine Meinung eines Autors aus dem Jahre 1967, welcher auch schon diese Problematik erkannte: 

The flavour of the rum may differ from Martinique to Guyana, Puerto Rico to Trinidad (Caroni's home island), but the prices are much the same. Indeed, now that the continuous still is being used the rum flavours are matching each other more and more closely. The Cubans have in the past filtered rum through charcoal to rid it of the pungent 'con generics' that are so characteristic of the old and coarser or 'heavier' versions. Now the patent still can purify the spirit to its desirable modern characterlessness, leaving only the faintest contrasts between one Caribbean product and another.“ [437] 

Vier Rums aus der Port Mourant Vat Still
Spezialisierung, Mass Customization oder die simple alte Massenherstellung? Das ist hier die entscheidende Frage für die Destillerien. Viele beschreiten den letzten Weg, was in meinen Augen mehr als bedauerlich aber auch logisch ist, da es dem weltweitem Druck der internationalen Konkurrenz geschuldet ist, dem wir den Kapitalismus und der Globalisierung zu verdanken haben (billig, viel & schnell). Andere hingegen verfolgen die Mass Customization Strategie. Was das ist? Man produziert Grundkomponenten in einer Art Massenherstellung, kombiniert diese und versucht so mit den jeweiligen Zusammenstellungen auf die individuelle Zielgruppe einzugehen und vermarket es dementsprechend. Also eine Art Baukasten System. Das Ergebnis hatte jeder von uns schon einmal im Glas: Es sind Blends. Auch Spcied Rums zählen hierzu. Der Grundstoff Rum wurde billig und in Massen hergestellt. Beide sind (hoffentlich) aus Rum hergestellt und somit aus dem ein oder anderen Baustein. Bausteine sind Rums aus kontinuierlichen oder diskuntinuierlichen Brennblasen sein mit mal mehr und mal weniger Geschmack bis hin zu fast neutralem Alkohol der sich bestens für Blends eignet. Rums aus Pot Stills sind allerdings nicht ganz so billig herzustellen. Nur im Anfangsstadium einer kleinen Destillerie findet man diese vielleicht mit einer Spezialisierung-Strategie. Es gilt aber ob jung oder alt eingesessene Brennerei: Goße Destillerien können und wollen sich hierüber nicht finanzieren. Die Zielgruppe ist zu klein und speziell. Man verdient hier einfach nicht genug.
 
Noch drei Rums aus der Port Mo(u)rant Vat Still
Wieder zurück zu British Guiana im 19. Jahrhundert: Eine Liste der Mitwirkenden der Paris Universal Exhibition im Jahre 1867 listete folgende Plantagen, welche Rums nach Paris schickten: Schoon Ord, La Grange, Blairmont, Cumings Lodge, Goldstone Hall, Bee Hive, Taymouth Minor, Rose Hall, Nismes, Montrose, Mon Repos, Hope, Hope and Experiment, Adelphi, Anna Catharina, und Great Diamond. [47] Darunter auch viele gefärbte Rums. 
Bei der nächsten Paris Universal Exhibition im Jahre 1878 waren es diesmal viel mehr Plantagen: Anna Catharina, Aurora, Blairmont, Chateau Margot, Cornelia Ida, Cane Grove, Cove and John, De Willem, Great Diamond, Greenfield, Houston, Herstelling, Helena, Hope, La Grange, La Resouvenir, La Union, La Bonne Intention, Leonora, Lusignan, Melville, Mon Repos, Metenmeerzorg, Ogle, Providence (D.C. / Demerara Coast; eigentlich Demerara river west bank), Peter's Hall, Philadelphia, Ruimveldt, Rose Hall, Smythfield, Stewartville, Success (E.C. / East Coast; Demerara), Tuschen de Vrienden, Uitvlugt, Vreed en Hoop, Wales, Windsor Forest, Zeeburg, Zeelugt. [194] 

Bei der Calcutta International Exhibition 1883/84 waren es schon andere Plantagen. Erwähnt werden mindestens Chateau Margot, La Bonne Intention, Cane Grove, Leonora, Farm, Belle Plaine, Enterprise, Taymouth Manor, Cornelia Ida. Reliance, Tuschen de Vrienden. [226]

Eine Quelle aus 1893 erwähnt wieder einige Plantagen, welche bei der Worlds Columbian Exposition Chicago mit Rum-Samples vertreten waren: Peter's Hall, Success, Anna Regina, Cane Grove (Cave Grove gab es nicht), Hope, Houston, La Bonne Mere, La Bonne Intention, La Jalousie, Maryville, Melville, Nismes, Ogle, Port Mourant, Rose Hall, Schoon-Ord, Skeldon, Tuschen-de-Vrienden, Uitvlugt, Versailles und Wales. Nur Wales und Nismes boten einzig ungefärbte Rums an. Alle anderen stellten ungefärbte und gefärbte Rums aus. [179]

In einer anderen Quelle wird angegeben, dass Port Mourant auch 1927 noch gefärbte Rums herstellte. [57] Abfüllungen von Cadenhead, Berry Bros & Rudd und Bristol von 1974 & 1975 sind solche gefärbten Exemplare aus der Double Wooden Pot Still. Jedoch wurden sie nicht mehr bei Port Mourant selber gebrannt, sondern in der Uitvlugt Distillery, huldigen jedoch diesem alten Stil. Viele der hier aufgezählten Namen verschwanden für immer aus dem Gedächtnis der meisten Menschen. Viele dieser Plantagen hatten auch eine Zuckerfabrik, die in den jeweiligen Katalogen der Exhibitions durch die bereitgestellten Zuckerproben indirekt bestätigt werden.




 ------------------------------------------------------------------
 
Kapitel 3
-
Rumproduktion & Rum-Export in British Guiana / Guyana

Rum-Blends created with rums from Guyana (partly)
Wohin ging der ganze Rum eigentlich? Während die Rums aus Jamaika hauptsächlich nach Großbritannien, Deutschland und die Vereinigten Staaten verschifft wurden, kamen Rums aus British Guiana nur nach Großbritannien, Kanada und die anderen britischen Besitztümern jener Zeit. Dies belegt eine Quelle aus dem Jahr 1938, also relativ kurz vor dem Einmarsch der Wehrmacht in Polen und dem Beginn der Apokalypse der Moderne. [90] Deutschland war traditionell eher an Rums aus Jamaika interessiert. Demeraras waren hierzulande beinahe unbekannt.
Rum und Zucker sind untrennbar miteinander verbunden. Gerade der Zuckermarkt blickt auf eine sehr turbulente Zeit zurück. Beginnen wir mit dem 19. Jahrhundert. Der erwartete Zusammenbruch des Zuckermarktes mit dem Ende der Sklaverei 1838 stellte sich in British Guiana nicht ein. Doch traf der Sugar Duties Act im Jahre 1846, welcher alle importierten Zucker gleichstellte und mit einem einheitlichen Einfuhrzoll (tariff) belegte, die Wirtschaft der Kolonie hart. Die vollständige Umstellung dauerte bis 1851. Damit fiel der letzte Schutz des britischen Empires für kolonialen Zucker. Die britischen Kolonien mussten sich nun gegen Länder wie Kuba und Brasilien durchsetzen, welche immer noch auf billige Sklaven zurückgreifen konnten. [93] [94]

Der Preis stabilisierte sich erst wieder um 1880 für einige Jahre, bis die erste richtige große Krise Mitte der 1880er einschlug. Hauptsächlich verursacht wurde diese Krise durch massiv subventionierten Rübenzucker in Europa. Einige Länder, darunter Frankreich, Deutschland, Holland, Belgien, Russland und Österreich überboten sich gegenseitig mit Subventionierungen. Um 1884 flutete billiger Rübenzucker den britischen Markt und begann auch den amerikanischen Markt zu betreten. Für weiteren Ärger sorgten britische Zuckerhersteller, welche mit gelbem Färbemittel ihren Zucker kolorierten, um ihn optisch mit dem typischen Demerara Zucker jener Zeit auf eine Stufe zu stellen, der in jener Zeit in den englischen Lebensmittelläden sehr weit verbreitet war. [95] [96] [97] Ein weiterer Nachteil war die Tatsache, dass europäische Zuckerhersteller Holzkohle verwendeten, um den Zucker sämtliche Nebenstoffe zu entziehen, um so weiße Zuckerkristalle zu gewinnen. Diese hatten gegenüber dem unschönen gräulichen Zucker aus den Kolonien einen erheblichen optischen Vorteil. [99] 

Als schließlich die USA 1893 einen Einfuhrzoll (tariff) auf Zucker einführten ging es endgültig für ganze 10 Jahre mit der Wirtschaft der Kolonie bergab. Viele Plantagen wurden verlassen oder gingen Pleite. Damit sie ein Gefühl dafür bekommen, welche Landmengen mit Zuckerrohr in British Guiana zu jener Zeit kultiviert waren, möchte ich die folgende Tabelle mit der Nummer 14 anfügen. [419] Sie ist auf eine Quelle von 1896 zurückzuführen. Zum Verständnis: ein Acre (englische Maßeinheit) sind 4046,86 m². Ein Hektar (10.000 m²) sind ungefähr 2,47 Acres.

Jahr Fiskalisches Jahr Anzahl der Zuckerrohr-Anwesen Zuckerrohr
in Acres
Zuckerrohr
in Hektar
(umgerechnet)
1882
(1881- 82)
106
79.262
32.076
1883
(1882-83)
104
79.037
31.985
1884
(1883-84)
105
79.502
32.173
1885
(1884-85)
105
75.344
30.491
1886
(1885-86)
105
76.200
30.837
1887
(1886-87)
97
76.560
30,983
1888
(1887-88)
96
76.625
31.009
1889
(1888-89)
96 78.271 31.675
1890
(1889-90)
95 79.243 32.069
1891
(1890-91)
96 78.307 31.690
1892
(1891-92)
79 76.100 30.797
1893
(1892-93)
74 69.814 28.253
1894
(1893-94)
70 68.321 27.649
1895
(1894-95)
65 67.921 27.487
1896
(1895-96)
64 65.908 26.672

Man kann wunderschön erkennen, das die Anbaufläche trotz sinkender Anzahl der Anwesen entweder gleich blieb oder sich sogar noch bis 1890 steigerte, bevor sie unweigerlich durch den Aufstieg der Zuckerrübe in Europa abfiel. Im fiskalischem Jahr 1898-99 gab es schließlich nur noch 64 Anwesen, von denen 55 Destillerien besaßen. Diese sind mir auch namentlich alle bekannt. Der Höhenflug des Rübenzuckers änderte sich erst mit dem Brüssler Sugar Act im Jahre 1902. Durch dieses Gesetz wurden die Subventionen in Europa abgeschwächt. Besonders deutlich kann man die Entwicklung dieser Zeit in der Anzahl der Destillerien ablesen. Im fiskalischem Jahr 1880-81 gab es noch 109 Destillerien in British Guiana. Eine Quelle aus 1903, also ein Jahr nach dem Brüssler Sugar Act, listet für das fiskalische Jahr 1901-02 nur noch 53 Destillerien. Das ist eine Reduzierung um ganze 56 Anwesen, welche Rum produzierten. [98] [89] Diese Zahl spricht doch eine deutliche Sprache wie ich finde.

Die Preise blieben nun relativ stabil bis 1910. Die große Dürre vom August 1911 bis April 1912 hatten eine signifikante Auswirkung auf die Ernten und beeinflusste auch noch das folgende Jahr 1913. [100] Erst mit dem Beginn des 1. Weltkrieges begann eine kurze Zeit der Blüte des Zuckermarktes. Der Krieg verwüstete die europäischen Zuckerrübenfelder und entfachte den Bedarf nach karibischen Zucker und Rum. Doch diese Blütezeit währte nicht lange. Nach dem Krieg wurde der Zugang zum deutschen Markt durch Restriktionen behindert und der amerikanische Markt wurde 1919 mit dem Beginn der amerikanischen Prohibition de facto für Rum aus British Guiana geschlossen. [101] [102]

Warehouse of Demerara Distillers Limited
Quelle: www.velier.it
Die große Depression in den 30igern des letzten Jahrhunderts hinterließ auch ihre Spuren auf dem Zuckermarkt. Die Nachfrage war weitaus geringer als das Angebot. Von 1930 bis einschließlich 1933 waren die Exporte für Rum auf einen sehr niedrigen Stand gesunken (Tabelle 9, 10 & 11). Im Jahre 1933 endete schließlich die amerikanische Prohibition und die Zahlen stiegen wieder leicht. Ab 1935 erschütterten jedoch schwere Unruhen die britischen Kolonien. Der Höhepunkt dieser Unruhen in British Guiana gipfelte im Jahre 1939 auf der Leonora Plantage. Was mit einem Streik für bessere Bezahlung begann, endete schließlich in einer Schießerei mit mehreren Toten. Erst mit dem Beginn des 2. Weltkrieges endeten diese Unruhen vorerst. [103] [104]

Richtig durchstarten konnten die verbliebenen Destillerien in British Guiana wieder erst mit einem Weltkrieg. Anhand der Exportzahlen und dem damaligen Marktwert kann man dies wunderschön erkennen (siehe Tabelle 12). Ab 1947 gab es nur noch 9 überlebende Destillerien (siehe Tabelle 1). Alle anderen mussten entweder aufgeben oder wurden von den größeren Plantagenbesitzern aufgekauft, welche die Stürme am Zuckermarkt besser überstanden hatten. Die Konsolidierung der Destillerien blieb weiter im vollen Gang und endete erst nach der Unabhängigkeit Guyanas mit der Nationalisierung aller Brennereien und Zuckerfabriken. Im Jahre der Unabhängigkeit Guyanas waren nur noch 5 der 9 Destillerien übrig. In seinem Buch Rum berichtete Dave Broom von nur noch drei Destillerien im Jahre 1971. Auch Hugh Barty-King & Anton Massel erwähnen dieses Jahr in ihrem Buch Rum Yesterday and Today. Bis zum heutigen Tag hat es nur noch eine einzige dieser drei Brennereien geschafft. 

Nach der Verstaatlichung (1976) im Jahre 1977 wurde von der Guyana Liquor Company (dem Vorläufer von D.D.L.) die Modernisierung der Werft in der Water & Schurmaker Streets angetrieben und im Jahre 1978 wurde ein neues Bulk Terminal zur Abfertigung und Beladung von Bulk-Tankern fertiggestellt. Seit jenem Jahr verlässt Rum Guyana fast ausschließlich nur noch in rostfreien Stahltanks. Nur wenn ein Kunde es ausdrücklich wünschte wurde der Rum in Fässer verkauft. Zu Beginn im Jahre 1978 betrug die Kapazität des Lagerhauses 250.000 Gallonen. [419] Wie kommt der Rum dann heutzutage ins Fass? Ganz einfach. Nachdem der Rum Europa erreicht wird er dort von den Käufern oder Lagerhausbesitzern in Fässer umgefüllt. Diese stammen entweder aus eigenem Bestand, werden von Destillerien gekauft oder werden importiert. Manchmal werden dort dem Anschein nach die Fässer zu oft verwendet, was sehr blasse Abfüllungen, wie einige Versailles Rums aus 1990 und das 1998er Batch aus Uitvlugt erklären dürfte.  


Importeur für Rums nach UK (Liverpool)
(This is a screenshot) 
Quelle: www.cylex-uk.co.uk
Wie kommt es das niemand hier mal kontrolliert ob die Fässer auch was taugen? Gibt es kein Qualitätsmanagement? Nun verehrte Leser, sehen sie sich die Bilder von Destillerien und ihren Lagerhäusern mal an. Um die ganze Raumhöhe zu nutzen stapelt man die Fässer auf Paletten übereinander. An einige Fässer würde man, durch die Aneinanderreihung gar nicht erreichen. Es wäre ein immenser Aufwand alles aus dem Lager zu transportieren um die Qualität des Fasses zu kontrollieren. Das macht keine Destillerie, sei ihr Produkt nun Rum oder Whisky. Das Problem hat am Ende der Blender. Dieser muss aus diesen verschiedenen Variationen der Reife innerhalb eines Jahrgangs etwas „brauchbares“ erschaffen. Wenn nötig wird von den offiziellen Abfüllern, der optischen Einheit wegen, Zuckercoleur verwendet. Hiermit kann man diese Reifeschwankungen zwischen verschiedenen Batches verschleiern / ausgleichen.  Alles andere wäre zu kostenaufwändig und würde denke ich auch niemals einem Spirits Manager einer Destillerie einfallen. Die Einzigen, welche die Qualität ihrer Fässer kontrollieren und gegebenenfalls ein zweites Ex-Bourbon Fass verwenden („2nd Bourbon barrel“), sind die unabhängigen Abfüller. Hier spielt ein Fass eine größere Rolle als bei einer Destillerie, in der im Jahr mehrere Tausend Fässer und mehr befüllt oder abgefüllt werden.  

Der letzte Jahrgang mit Fasslieferung aus Guyana nach Europa war vermutlich 1977. Dafür gab es aber auch praktische Gründe. Diese nennen die Autoren Hugh Barty-King & Anton Massel in ihrem Buch Rum Yesterday and Today. Für 250,000 Gallonen Rum benötigte man früher 5,000 Fässer und annähernd 700 Arbeiter welche 3 Monate damit beschäftigt waren die Fässer vorzubereiten und abzufertigen. All das reduzierte sich auf einen Monat und weniger als 100 Arbeiter zur Abfertigung. Rum wurde zur Massenware (daher auch Bulk-Handel, Bulk = Masse(n) / Hauptmasse etc.). Der Rum erreichte unter anderem den englischen Hafen Liverpool und wurde von dort zu den jeweiligen Käufern in UK transportiert. [419] [420] [421] 

Falls sie noch die romantische Vorstellung von Schiffen voller Rum-Fässer aus Guyana im Kopf haben, dann verbannen sie diese bitte aus ihrem Kopf. Diese Zeiten sind lange vorbei. Eine Bestätigung dieser Praxis bekam ich von Doug McIvor, Spirits Manager von Berry Bros & Rudd auf der Finest Spirits in München im Jahre 2014. Nur noch einige Inselnationen verkaufen ihren Rum in Fässer. Guyana gehört hier aber nicht mehr dazu. Eine solche Firma, welche ihren Sitz in Liverpool hat und mit Bulk-Rum handelt ist „The Main Rum Company Limited”. Diese handelt auch unter anderem mit Rum aus Guyana. [422]




 ------------------------------------------------------------------
 
Kapitel 4
-
Die Tradition des Färbens 
(Colouring does matter)

Gefärbte Rums aus der Enmore Distillery
 (Guyana, 20. Jahrhundert)
Als ich in die Rum-Szene einstieg, dies war 2011, hörte ich von dem Gerücht, dass es Rums aus Guyana gab, deren Fässer mit Melasse ausgestrichen wurde, und somit dem Connaisseur eine ganz besonderes Geschmackserlebnis eröffneten. Beweise hierfür fand ich in meinen Nachforschungen in 2013 aber nie (deshalb auch Gerücht), bis ich mein Such- und Denkmuster gründlich änderte. Zufällig stieß ich auf ein uraltes Handbuch für Pflanzer in British Guiana aus dem 19. Jahrhundert. In diesem wurden dem zukünftigen Pflanzer Vorschläge unterbreitet, wie unter anderem ein Zuckeranwesen zu führen sei. Dort wurde auch die Thema der Herstellung und die Praxis des Färbens von Rum behandelt. Von ausgestrichenen Fässern stand dort nichts. Stattdessen wurde dort sogar die Vorgehensweise zur Herstellung dieses Färbemittels erläutert. Es war, natürlich, eine Art Zuckercouleur.Hier ein Auszug aus dem Handbuch für Pflanzer von Alexander Mac Rae (einem Pflanzer der Kolonie British Guiana) aus dem Jahr 1856:

The proper manufacture of good colouring matter for rum is very important. For this purpose the best sugar should be selected and placed in sufficient quantity in a pan on an independent fire. The sugar must be constantly stirred with a wooden paddle during the action of the fire on the pan, in order to prevent its getting a singed taste or flavour ; and when it it comes to a consistency, making it difficult to keep it in motion with the paddle, the fire must be withdrawn, and high wines gradually added to it under the agitation of the paddle, until it comes to a consistency of thick cream, so that the whole will be perfectly dissolved. After this, it should be put into a cask placed on end, with two cocks, one about six inches from the bottom of the cask, the other about two inches from the bottom, and allow to remain undisturbed, in order to its depositing the sediment, until it runs off from the upper cock entirely free of sediment. It may the be used for colouring the rum, and about three pints of good colouring matter well concentrated ought to be sufficient for 100 gallons of spirit ; but different markets require different shades of colour, and to regulate the shade of colour the rum must be left to the judgment of the person entrusted therewith. Great care must always be taken that the colouring matter does not impart any cloudiness to the rum, because when rum is cloudy the value of it is greatly deteriorated. I would always recommend colouring matter to be made in large quantities, because the longer it is kept the purer it becomes.” [438]

Gefärbter Rum aus der Uitvlugt Distillery
 (Guyana, 20. Jahrhundert)
Man sollte den besten Muscovade Zucker nehmen, den man herstellen konnte und sollte diesen braunen Zucker mit Rückständen vom Zuckerrohr behaftet in einem flachen Kessel über offenem Feuer erhitzen bis er schmolz. Er sollte solange mit einer Art Holzpaddel in Bewegung gehalten werden, bis es fast kaum noch möglich wäre ihn zu bewegen. Man sollte ihn deshalb ständig in Bewegung halten, um einen verbrannten Geschmack zu verhindern. Ähnlich beim Kochen wie mit Zwiebeln. Wenn sie eine Soße fertigen und auch Zwiebeln verwenden und zuvor anbraten ums sie zu karamellisieren, dann würden sie dies nicht bis zu dem Punkt tun, an dem diese zu Röstzwiebeln werden. Diese würden den Geschmack der Soße zu sehr dominieren (außer das war natürlich ihre Absicht). So auch hier. Hat man die gewünschte klebrige und dicke Konsistenz erreicht ist der Kessel vom Feuer zu entfernen (immer noch stetig rührend) und mit „High Wines“, also mit einem Feinbrand aus Rum, wieder herab zu verdünnen, bis er eine cremige Substanz bildet. Beim gewöhnlichen Zuckercouleur wird dies mit Wasser gemacht.

Diese Substanz wurde dann in Holzfässern gelagert, welche über zwei Auslässe verfügten. Eines befand sich am unteren Ende an der Seite (1 Inch vom Boden entfernt = 2,54cm) und ein weiteres 10 Zentimeter über dem Ersten (exakt 4 Inch = ca 10 cm). Warum tat man dies? Ganz einfach werte Leser. Man ließ der Mischung Zeit, damit sich die schweren Schwebstoffe des Färbemittels nach unten absetzen konnten. Diese wollte man nicht im Rum haben. Je länger man dies tat, desto reiner wurde das Färbemittel. Hierzu bekam ich die Information, dass Luca Gargano (Verlier S.p.A.) berichtete, wie man in der Vergangenheit dieses Färbemittel in Fässern lagerte und damit andere „Marks“ für Rum erschuf. Diese Information stammt wohl von D.D.L. Diese Beschreibung passt wie die Faust aufs Auge auf diese Vorgehensweise und verifiziert seine Aussage. Wollte man das Sediment auslassen, so öffnete man den unteren Auslass. Wollte man eine Portion zum Färben, so öffnete man den oberen Auslass und gab das Mittel dem Rum hinzu.

Hinweis auf das Färbemittel des Navy Blends Pussers
Es gab keine Fässer welche mit Melasse ausgestrichen waren. Es hat sie nie gegeben. Der Mythos entsprang aber einem bestimmten Effekt, welcher einigen Abfüllern in U.K. auffiel, als sie die gefärbten Rums abfüllten. Meinem Kollegen Flo wurde von einem Whisky-Abfüller aus Deutschland fast beiläufig erwähnt, dass die letzten Flaschen einer Abfüllung aus den 70igern vom Rest des Fasses am aromatischsten waren. Das heißt am Boden des Fasses hatte sich ein Film aus Schwebstoffen abgesetzt. Dies musste auch anderen Abfüllern in U.K. aufgefallen sein, darunter auch Bristol und Berry, Bros & Rudd. Auch Doug McIvor erzähle mir diese Version Anfang 2014 von ausgestrichenen Fässern. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich dieses Handbuch und seinen Inhalt allerdings schon und konnte mir keinen Reim hierauf machen.

Der „Aha-Effekt“ kam bei einer Tastingsession diesen Jahres, indem ich einige Demerara von Velier herab verdünnte und in Samplefläschchen ablagerte. Ich ließ den Rum mehr als zwei Tage mit dem Wasser homogenisieren bevor ich die Fläschchen wieder in die Hand nahm. Was ich dann sah war wie eine Erleuchtung. Es hatte sich eine dünne Schicht von Sediment am unteren Ende gebildet und schwebte wie eine Wolke im Rum. Ich wusste das diese Rums gefärbt waren und wusste sofort was sich geändert hatte. Der Sättigungsgrad des Rums hatte sich durch den niedrigeren Alkoholgehalt verändert und hatte das gelöste Färbemittel, welches sich nicht mehr binden konnte, da nicht mehr Alkohol (das Bindeglied) vorhanden war und es wieder freigab. Mit Wasser kann man nicht soviel auflösen, als wie mit Alkohol. Genau dies ereignet sich in jedem Fass. Durch den Anteil der Engel sinkt der Alkoholgehalt und das freigegebene Färbemittel sinkt zu Boden und sammelt sich dort. Dies war der Ursprung des Mythos für ausgestrichene Fässer. Hierzu warf ich wieder einen Blick in das Pflanzer-Handbuch. Hier stand genau dieser Nebeleffekt, welcher den Rum zu „cloudy“ werden ließ, wenn man es mit der Anwendung des Mittels übertrieb. Dies sollte man vermeiden, da der Rum sonst an Wert verlöre. Diese Wolke verschwindet, wenn man den Rum bewegt oder im Fläschchen schüttelt, bildet sich jedoch wieder zurück, wenn man den Rum ruhen lässt.

Verdünntes Sample mit
Sedimentablagerung (1)
Verdünntes Sample mit
Sedimentablagerung  (2)
Das Färbemittel in der Vergangenheit war also eine alkoholhaltige Zuckercouleur-Masse. Melasse wurde nicht verwendet. Was D.D.L. heutzutage verwendet kann ich nicht sagen, da ich niemals in der Destillerie Vorort war und der Hersteller garantiert nicht seine Tricks einem wildfremden Menschen wie mir verrät. Da der Rum für den Export nicht mehr in Fässer gelangt sondern in Tanks transportiert wird, wird dieses Färbemittel in die Tanks gegeben. 

Warum tat man dies? Was war der Ursprung dieser Tradition, die mindestens im 19. Jahrhundert oder vielleicht sogar schon im 18. Jahrhundert existierte? Eine Spur (von 1989) führte mich zur British Navy. Angeblich verlangte die British Navy einen gefärbten Rum, um ihn von Wasser deutlich optisch unterscheiden zu können. [439] Ob dies auch tatsächlich so war, kann ich nicht sagen. Eine andere Quelle behauptet, dass dieser Rum gefärbt sein sollte um eine schlechte sichtbare Qualität des Wasser zu verschleiern, was für die Angabe bei einigen Autoren und Webseiten stimmen könnte, dass Rum auch zum Desinfizieren des Wasser benutzt wurde. Hier ein Auszug der Quelle von 1984: 

"The rum was a dark blend of five rums from Demerara and Trinidad which had been blended and bottled on the island of Tortola in the Crown Colony of the British Virgin Islands. The colour was also in keeping with tradition, since this naturally golden rum was always darkened to camouflage any cloudiness in the water when it was mixed with the rum to produce the grog." [440]


Fakt jedoch ist, dass Rums im Navy-Style allesamt dunkel und gefärbt sind. Zumindest der Blend als Endprodukt war dies. Wären sie ungefärbt so dunkel gewesen, dann wären sie allesamt Holzbomben gewesen, die fast ungenießbar sind (holzig, bitter). So etwas konnte man in meinen Augen schlecht Seeleuten auftischen, um sie bei Laune zu halten. Aber es müssen nicht zwangsläufig alle Rums darin gefärbt gewesen sein. Den „Navy-Tot“ gibt es nicht mehr in der British Navy. Der Rum des Navy-Styles hat allerdings bis heute überlebt. Wer sich für das Thema Zuckercoleur und Färben beim Whisky interessiert, dem sei dieser englische Artikel sehr ans Herz gelegt. Zum Abschluss noch ein Zitat von einer Quelle aus 1949, gedruckt vom H.M. Stationery Office, über den Zustand der Zuckerindustrie in British Guiana: 

Next the colouring matter, burnt sugar, is added in varying quantities to suit the particular markets to which the different consignments are to be sent. It is a curious fact that Canada and North Britain like their rums dark-coloured, true "Nelson's blood," while a more anaemic hue is in demand in the Midlands and almost pure white is preferred in the South of England. When finally mixed to the right colour and matured, the rum is poured into casks and stored in bond under strict control of Customs officials. We inspected the books and organization of a number of these distilleries and rum stores and were impressed by the efficient way in which they were run.” [463]


British Guiana und die Royal Navy


Tot Issue Royal Navy (1)
Quelle: www.pussersrum.com
Rums aus British Guiana wurden lange Zeit im Blend der Royal Navy verwendet.Anfang des 20. Jahrhundert bestand dieser hautpsächlich aus Rums von British Guiana und Trinidad. Ab wann man die Rums aus dieser Kolonie verwendete ist mir leider nicht bekannt. Hierzu ein Interview vom 7. Juli (Tuesday) 1908 mit einem Mr. Frederick Henry Dumas Man. 


"Mr. Frederick Henry Dumas Man called. 

12992. (Dr. Bradford) What is your firm? -- E. D. and F. Man, Colonial Brokers.

12993. That is a firm of old-standing, is it not? – It dates back to 1783.

12994. How long have you yourself been in the business? -- Twenty-Nine years.

12995. What is the nature of your business? -- We deal in Colonial produce – sugar, rum, cocoas, etc. We have got from three-quarters to seven-eighths of the rum trade, and a small fraction of the sugar trade.

12996. Is your trade exclusively in Jamaican rum? – Not at all—any rum. 
 
13009. You are employed by the Admiralty, are you not? -- Yes, we buy their rum.

13010. Do you buy all the rum for the Navy? -- Yes, all.
... 
13036. Do you think that would generally be the view of people who are engaged in the trade of rum generally and not confined to Jamaican rum? -- I am sure that would be their view. We once supplied the Admiralty with Jamaica rum (they usually take Demerara and Trinidad) and the sailors did not like it so well. 

13037. But you sell more Jamaica rum than anything else, do you not ?—No, I do not think so. It varies according to the crop.

13038. You do not know which predominates ?—What we call the proof rum, that is rum other than Jamaica.

13039. The bulk of the Navy rum, what is that? --That would be proof rum – not Jamaican. 

13040. Proof rum, I take it, is an expression of your own over there? -- A trade expression. It means to say that the rum is sold per proof gallon. 

13041. (Dr. Bradfort) But that rum is largely patent still rum? -- Chiefly patent still rum." [441]

Tot Isse Royal Navy (2)
Quelle: royalnavymemories.co.uk
Wer war Mr. Frederick Henry Dumas Man? Er war der Großenkel von James Man. James Man, ein Fassmacher, gründete die Firma E.D. & F. Man im Jahre 1783. Diese Firma erhielt von ihren Namen 1860 von Edward Desborough Man und jenem Frederick Henry Dumas Man. [442] Diese Firma war bis zum Jahre 1970 für den Einkauf der Rums zuständig, welche zu diesem Navy Blend verarbeitet wurden. Diese Firma gibt es heute noch. Diese Quelle von 1908 verrät uns außerdem, dass der Hauptbestandteil des Navy-Blends Patent Still Rum war. Auch ein Auszug von 1924 aus einer Debatte im British Parliament erwähnt noch diese beiden Bezugsquellen: 

"Mr. AMMON: The number of ratings over 20 years of age who are in receipt of rum ration in kind is approximately 43,000 ; the number, also, over 20 years of age, who are in receipt of money allowance in lieu is approximately 27,000. The cost price to the Admirality of rum ration is about 3/4 d. per man, and the rum is obtained principially from Demerara and Trinidad."[443] 

Doch der Blend musste in der Zwischenzeit umgestellt worden sein (für wie lange ist mir nicht er sichtlich), da in einer Debatte im British Parliament 1956 folgende Worte gefallen sind:

Commander Agnew: I agree, but I did not experience those conditions.While I was looking through the Votes in connection with the necessary arrangements to be made in respect of victualling yards abroad, it struck me that there was one item connected with salaries and wages of the police which has undergone a very marked increase this year as compared with the Estimates for the previous year.
They relate to overtime, which has shown very great increase from £700 to £5,500. It is possible that the wages and salaries of the police have been increased all round and that this has caused inflation of the figures, or there may be shortage of men on police duty at the victualling yards and in consequence they may have had to do overtime to keep the full roster of protection. I should be grateful for information on that point. What is the present source of supply of the rum issued to the Royal Navy? It used to be very good dry rum from British Guiana, but I understand that almost all the vintage stocks were purloined by the Army in World War I and that the Admiralty has never quite caught up with the quality.

Tot Isse Royal Navy (3)
Quelle: en.wikipedia.org
Mr. K. Robinson: Did the hon. and gallant Member experience the particularly nasty Australian rum that we had during the war?

Commander Agnew: I do not think I met it. It was only by connivance and a slight irregularity that I was able to get a quantity of rum, but never sufficiently frequently to become a connoisseur. Does the Admiralty still use British Guiana rum and keep it in store, maturing it in victualling yards for a reasonable number of years before issuing it to the Fleet?

Mr. R. Bell: My hon. and gallant Friend the Member for Worcestershire, South (Commander Agnew) has referred to grog. I was interested in the comments he made about the vintage grog. I have heard that the Army nobbled the stock, but I have also heard it suggested that the Army laid it down as port. The trouble with the Navy was that, having got some fine dry rum it used to wet it and issue it to the men as grog. 



Mr. Ward: The answer to the question about the seamen's new uniform is that, if there are no unforeseen production difficulties we should be able to start issuing it to the Fleet in about six months' time. It will cost about £28,000 a year more than does the existing uniform. 
The hon. Member for St. Pancras North (Mr. K. Robinson) asked about the reduction in the amount of money provided for victualling. I can say that there is no decrease whatever in the standard of the food but there is, of course, a smaller number of men in the Navy, which accounts for the reduction in that figure. 
Several hon. Members have talked about grog and grog money. I must confess that I used to like rum until about fifteen years ago, when I made the mistake of walking round a rum factory in Jamaica. The smell was so abominable that I have never been able to drink rum since. Nevertheless, I understand that it is very popular in the Navy. Supplies come, not from British Guiana or, my hon. and gallant Friend the Member for Worcestershire, South (Commander Agnew) will be glad to hear, from Australia, but from Jamaica or Barbados.” [444]

Gefärbter Rum aus der Caroni Distillery
 (Trinidad, 20. Jahrhundert)
Mr. Ward berichtet also, dass zum fraglichen Zeitpunkt (1956) Rums von Jamaica oder Barbados verwendet wurden. Er macht auch die britische Armee dafür verantwortlich, dass diese Vorräte von Rums aus British Guiana im Ersten Weltkrieg entwendet hatte und seit jenem Zeitpunkt man nicht mehr an die alte Qualität anknüpfen konnte. Mr. R. Bell hingegen warf der Royal Navy indirekt vor guten Rum zu vergeuden. Interessante Standpunkte. Ob Rums aus British Guiana zu einem späteren Zeitpunkt wieder hinzugefügt wurden ist mir leider nicht ersichtlich. Pussers Limited, welche die Formel zu Herstellung erworben hat müsste eine Antwort darauf haben, was zuletzt verwendet wurden ist. Konsultiert man deren Hompepage, dann findet man tatsächlich die Aussage, dass Rums aus Guyana und Trinidad verwendet werden. Wie weiter oben (Tradition des Färbens) schon zitiert, bestand der Blend aus Fünf Rums aus diesen beiden Inseln. Dies könnten die Stile P.M., E.H.P., eine leichte Version und eine schwere Version von Caroni, und ein fünfter unbekannter Stil gewesen sein. Natürlich ist dies eine reine Vermutung meinerseits. Was man nun als Ersatz für Caroni nimmt kann hier nur gemutmaßt werden. Die Zwischenzeitliche Umstellung, die sogar im British Parliament erwähnt wird, könnte für die häufige Verwirrung gesorgt haben, dass es hauptsächlich Rums aus Jamaica waren, wie es sogar auf der englischen Seite von Wikipedia angeführt wird. Für wie lange die Royal Navy Rums aus eine der anderen beiden Quellen bezog ist mir (noch) nicht bekannt. Eine andere Quelle nennt sogar Rums von Demerara (British Guiana), Trinidad und Barbados. [445] Man muss allerdings kein Genie sein um zu vermuten, dass es wohl früher Rums aus den geschlossenen Destillerien Caroni (Trinidad), Uitvlugt (zuvor Albion und davor Port Mourant) und Enmore waren. In gerade beiden zuletzt genannten befanden sich die hölzernen Stills, welche von Pussers immer wieder erwähnt werden und angeblich für den besonderen Geschmack des Blends sorgen. Auch Caroni besaß ganz früher eine solche hölzerne Coffey Still (mehr hierzu in einem gesonderten Artikel zu Trinidad) aus guyanesischem Greenheart.


-----------------------------------------------------------------


Kapitel 5
-
Die Stills und Brennereien in British Guiana

Demerara Sugar Factory (1916), British Guiana
Quelle: www.guyanatimesinternational.com
Ganz früher waren drei Typen von Stills in Guyana weit verbreitet. Es gab die traditionelle Pot Still, die Vat Still und verschiedene Continuous Stills. Hier ein Auszug aus einer Quelle von 1908:

In British Guiana the destilleries are of three kinds:
1. Those using pot, or vat stills which are practically only modified pot stills.
2. Those using both pot stills or vat stills and Coffey or other continuous rectifying stills.
3. Those using only Coffey or other continuous rectifying stills.“ [82]

Die traditionelle Pot Still (komplett aus Kupfer) ist so gut wie verschwunden und es verblieben nur noch zwei Arten von Stills aus jener Zeit: Die Vat Still und die Continuous Stills. Die Versailles Single Wooden Pot Still und die Port Mourant Double Wooden Pot Stills entsprechen von ihrem Aufbau her der Vat Still, werden aber immer wieder als Pot Stills bezeichnet. Im Grunde ist die Vat Still auch nichts anderes als eine modifizierte Pot Still mit einer Fassbauweise (Vat = Fass) aus Holz. Nur der Kopf und Hals bestehen aus Kupfer. Den Aufbau beschreibt eine Quelle aus 1908 so:

Versailles Single Vat Still
Quelle: thefloatingrumshack.com
Vat stills consist of cylindrical wooden vessels built of staves strongly hooped with wrought iron. They have high copper domes covering openings in the heads of the vessels which communicate with a retort or retorts of the Jamaican pattern, but, as a rule, the retort acts as the lowest vessel of a rectifying column. As in Winter's still a spiral pipe or a series of small perpendicular pipes descend down the interior of the column through which cold water is whenever distillation is in progress, and by which the spirits vapour undergoes a process of rectification as it ascends the column before passing into the condenser. The vat stills are heated by injection of steam.” [83]

Die „Köpfe“ (domes) der Vat Still bestehen also aus Kupfer und sie werden durch eingeleiteten Dampf im Inneren angeheizt. Nach der eigentlichen Still ist eine Rektifikationskolonne in Reihe geschaltet, welche den Alkoholgehalt am Ende der Destillation erhöht. Diese Rektifikationskollone ist im Prinzip nichts anderes als eine Art Column Still. Selbst der Port Mourant Double Vat Still ist eine solche Kolonne nachgeschaltet um das Destillat am Ende auf den gewünschten Alkoholgehalt zu bringen. 

Heute sind nur noch diese beiden Vertreter übrig geblieben. Ganz früher gab es jedoch viele Pot oder Vat Stills. Die Quelle von 1908 sagt etwas von 42 aktiven Destillerien im Juli 1906, 32 davon besaßen eine Pot oder Vat Still. Nur drei Destillerien besaßen entweder eine Pot oder Vat Still zusammen mit einer Continuous Still. Lediglich 7 Destillerien besaßen nur Continuous Stills. [82] Wie oben schon einmal geschrieben: 1880-81 waren es laut einer anderen Quelle noch ganze 109 Destillieren in British Guiana. Allerdings verringerte sich ihre Anzahl schon bis 1900-01 auf nur noch 53. [90]

Port Mourant Double Vat Still in the front
Versailles Single Vat Still in the middle left
Both rectification columns are in the back right
Copper Pot Still in the back left
Two Column Still in the far back left (on the top)
Quelle: thefloatingrumshack.com
Dies änderte sich drastisch bis 1914. In diesem Jahr waren es nur noch ganze 36 Destillerien in British Guiana. Davon verwendeten 27 die Pot oder Vat Still und 9 die Continuous Still. [84] Die Continuous Stills wurden zum Großteil vor Ort gebaut und bestanden dann aus heimischen Holzarten (Greenheart). Dies belegt eine Quelle von 1919. Also waren sehr viele Continuous Stills in jenen Tagen aus Holz. Die Quelle erwähnt zehn große „Continuous rectifying stills“ für das Jahr 1919. [85] Der Umstieg auf Continuous Stills aus Metall erfolgte also erst später. Die einzige davon übrig gebliebene Variante ist die Enmore Wooden Continuous Still. Heute wird sie gewissermaßen als Kulturgut bei DDL zur Schau gestellt und auch verwendet.
Ein kleiner Treppenwitz der Geschichte: Die frühere Great Diamond Plantage besaß 1908 eine Coffey Still und eine Vat Still. [86] Sie war also eine der drei Destillerien, welche beide Typen verwendete. In jenen Tagen waren diese aber fast alle aus Holz. Diamond, welche die Great Diamond Plantage einmal war, besaß also höchstwahrscheinlich eine hölzerne Continous Still, verschrottete diese irgendwann aber und verwendete stattdessen eine metallene Continuous Still. Es existiert also eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit, dass Diamond also selbst einmal eine eigene Wooden Continuous Still besaß. Welch Ironie der Geschichte, dass sie nun wieder abermals eine dieses Typs besitzen, nachdem sie diesen Typ zu einem nicht näher bekannten Datum aus dem Inventar geworfen haben. Dasselbe gilt ebenso für die Vat Still. Hier gibt es keine Zweifel an deren Existenz in meinen Augen. Diese wurde wahrscheinlich zuerst verschrottet, da laut der Quelle die Coffey Still eine ähnliche Qualität lieferte, die der Vat Still in nichts nach stand. Später dann, wurde wohl auch sie gegen eine Column Still mit höherem Produktionsvolumen aus Metall ausgetauscht. Hat da jemand vielleicht aus den Fehlern früherer Tage etwas gelernt? 

Mon Repos Sugar Factory (Bitish Guiana)
Quelle: www.guyanatimesinternational.com
Zurück zu den Destillerien und den verwendeten Stills. Für das Jahr 1921 listet eine Quelle nur noch 30 aktive Destillerien. 21 Brennereien verwendeten ausschließlich eine Pot oder Vat Still. Drei dagegen beide Arten von Stills und nur 6 setzten auf Continuous Stills. [87]Machen wir nun einen Sprung ins Jahr 1938. Hier schließt die Destillerie des Houston Anwesens (ehemals Zorg en hoop) für immer seine Pforten. [88] Ab diesem Zeitpunkt gab es nur noch 9 verbliebene Destillerien. Wenn man nun eine logische Verknüpfung mit den Produktionszahlen von Tabelle 1 aus 1950 im Anhang zieht, dann kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass es sich bei den beiden Pot Stills um die Versailles und die Port Mourant Still handeln muss. Seit also ungefähr 1938 sind sie schon die letzten Vertreter ihrer Art. Ab 1938 waren es nur noch 9 Destillerien. Ihre Namen haben es bis heute geschafft im Gedächtnis zu bleiben.
 
Im Jahre 1949 hatten nachweislich nur noch 9 der 16 Zuckerfabriken in der Kolonie British Guiana (Demerara, Essequebo, Berbice) eine Destillerie in ihrer Anlage integriert, um die übrig gebliebene Melasse, ist ja „nur“ ein Nebenprodukt der Zuckerindustrie, zu verarbeiten. Dazu gehörten u.a. auch Albion, Blairmont, Enmore, Skeldon & Port Mourant. [19] Auf einer anderen Liste, welche sich selbst anscheinend auch auf einen Stand von 1949 beruft, waren es nur 15 statt 16 Zuckerfabriken. [23] Darunter werden die „BIG 9“ mehr oder weniger vollständig mit Eigentümer erwähnt. Die Zuordnungen sind allerdings etwas verwirrend.
Die im Anhang erwähnten Tabellen entnahm ich den jeweiligen Quellen. Aufgrund von Limitierungen der Seitenansichten war das jedoch nicht ganz einfach. Wenn sie die Links kontrollieren, dann sollte Ihnen auch auffallen, was ich mit dieser Aussage meine.



------------------------------------------------------------------
 
Kapitel 6
-
Bookers Guiana“

Die Flagge von British Guiana [190]
Quelle: http://commons.wikimedia.org
Möchte man die ganze Geschichte erzählen, dann muss man auch auf die Booker Gruppe eingehen, welche den Zuckermarkt in British Guiana im 20. Jahrhundert erheblich dominierte. Diese beginnt 1815 als Josias Booker (Senior, 1793 - 1865) das damalige British Guiana erreichte. Im Jahre 1834 wurde die Firma Booker Brothers & Co. in British Guiana schließlich von Josias Booker Senior gegründet. [106] [107] Nach und nach kaufte die Firma schließlich eine Plantage nach der anderen. Kleinere Plantagen, welche die turbulenten Zeiten jener Jahre schwerer überstanden als Besitzer größerer Ländereien und bankrott gingen, wurden mit größeren Plantagen konsolidiert und ihre Namen verschwanden teilweise. Am 30. April 1849 kaufte Josias Booker nachweislich die Plantage Profit für 10,220 G$. [112] Josias Booker Junior steuerte sogar zur London International Exhibition 1862 einen gefärbten Rum bei (Anhang A Position 67), welcher aus der Plantage Greenfield stammte. Dieser war 47 % über britischem Overproof und wurde durch eine Patent Steam Still von T.F.M'Fablane gebrannt. Bookers war also schon sehr früh im Rum-Geschäft tätig. [178] 

Werbung der Firma Bookers Rum Company
Quelle: archive.org
© Thomas Skinner & Co. (Publisher) Ltd (London)
© Thomas Skinner of Canada Limited (Montreal)
Neben der Firma Booker Brothers & Company gab es noch andere Firmen, welche ein Interesse an British Guiana hatten. Eine davon geht auf John McConnell (1829 - 1890) zurück, welcher 1846 nach British Guiana kam. [49] [109] Er arbeitete eng mit den Bookers von Anfang an zusammen und erwarb ein Sechstel der Firma in 1854. Schließlich gründete John McConnell seine eigene Firma, die John McConnell & Company, im Jahre 1874 in London mit ihm als alleinigen Eigentümer. [52] Diese nutzte er nicht nur um die Bookers zu unterstützen, mit Gütern und finanziellen Mitteln, sondern auch für seine eigenen Geschäfte. [109]

Im Jahre 1881 stirbt Josias Booker (Junior) und John H. Booker, ein jüngerer Bruder, war das letzte Familienmitglied, welches noch an der Firma Booker Brothers & Company beteiligt war. Schließlich verkaufte John H. Booker seine Anteile in 1885 und John McConnell verblieb im Besitz der drei Firmen Booker Brothers & Company, George Booker & Company und John McConnell & Company. [56] [369] Dafür bekam John Unterstützung von seiner eigenen Familie in Form seiner beiden Söhne. Arthur John McConnell kam 1889 in die Firma und Frederick Vavasour McConnell 1890. Es waren diese beiden Herren, welche die drei Firmen schließlich unter einem neuen Namen in Jahre 1900 konsolidierten: Bookers Bros., McConnell & Company Limited. [108] John McConnell war nachweislich Landbesitzer. Ihm gehörte die Plantage Tuschen de Vrienden, die zur Paris Universal Exhibition desselben Jahres Zucker schickte. [110] 

Der Bookers Bros., McConnell & Co., Limited gehörten 1917 schließlich folgende Plantagen: Cane Grove, La Bonne Intention, Mon Repos, Port Mourant, Rose Hall, Skeldon, Tuschen-de-Vrienden, Uitvlugt und Vryheids Lust. [111] Im Jahre 1934 waren es schon deutlich mehr. Hinzu kamen Spinglands, Friends, Mara, Lusignan, Success, La Ressouvenir, Wales, Versailles, Hoaston und Schoon Ord. [113] Später stand eine weitere Fusion an. 1939 fusionierte die Bookers Bros., McConnell & Co., Limited mit Messrs Curtis, Campbell & Co. (Curtis, Campbell & Co, Ltd). Dies brachte die Plantagen Albion, Enmore und Ogle in den Besitz der Bookers Gruppe. [115] [116] Ein Nachfahre des Gründers von Curtis, Campbell & Co, Ltd wurde später der Chairman der Bookers Gruppe. Sein Name war John "Jock" Middleton Campbell. John Campbell, der Chairman der Booker Gruppe von 1952 bis 1967, erlebte die Unabhängigkeit und Gründung Guyanas. Er arbeitete schon mit Forbes Burnham und dessen Vorgänger Cheddi Jagan zusammen, als dieser noch Premier der Kolonie British Guianas war. Als Forbes Burnham am 26. Mai offizieller Pime Minister Guyanas wurde begann der Umschwung. Die neu gewählte Regierung der ehemaligen Kolonie verfolgte eine kommunistische Ideologie, welche sich später noch als verheerend für die Wirtschaft erweisen sollte.

Werbung der Firma Bookers Rum Company
Quelle: archive.org
© Thomas Skinner & Co. (Publisher) Ltd (London)
© Thomas Skinner of Canada Limited (Montreal)
Nach den Ereignissen der politischen Krise im Jahre 1953 wundert es freilich niemanden, dass die Direktoren der Booker Group sich für eine Diversifikation der Aktivitäten entschieden. Man begann sich in England im Bereich der Industrie und des Lebensmittelverkaufs zu betätigen. Aber zuerst übernahm die Booker Gruppe im Jahre 1955 die Firma S. Davson & Company Limited, was ihnen das Blairmont Anwesen (mit Providence und Bath) einbrachte. [114] [117] Im Jahre 1956 übernahm Bookers dann die Firma George Fletcher & Company (ein Industriebetrieb) und 1957 folgte Alfred Button & Sons (eine kleine Supermarktkette). Im Jahre 1962 wird die Nigerian Sugar Company gegründet und Bookers war daran beteiligt. Der Name der Firma verkürzte sich 1968 zu Booker McConnell Limited. Im Jahre 1976 kam es schließlich zu den 1953 angedeuteten politischen Entscheidungen. Die Zucker- und Bauxitindustrie, sowie alle anderen wichtigen Firmen, wurden unter dem „Vesting of Property( Acquisition or Purchase) Act, 1975“ verstaatlicht. Das Jahr 1976 steht für das letzte Jahr in dem sich die Zuckerbetriebe in privater Hand befanden. [372]

Die Booker Gruppe musste ihre Plantagen und ihre Unternehmen in Guyana ultimativ der guyanesischen Regierung übergeben und bekam dafür eine Entschädigung von annähernd 500 Millionen guyanesischer Dollar. [118] Damit endete die Macht der Booker Gruppe in Guyana abrupt. Die Firma besteht bis zum heutigen Tage noch. Aufgrund dieser Macht, die das Unternehmen in jenem Jahrhundert besaß, witzelten die Guyaner, dass British Guiana eigentlich „Bookers Guiana“ heißen müsste. [119] 

Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Die folgenden Jahre waren ein wirtschaftliches Desaster für Guyana. Das Land musste mit einer rasanten Inflation resultierend in einem Verfall der Löhne und einer wachsenden Ineffizienz der Betriebe kämpfen. Der Wert von 200 G$, einem Monatslohn in 1977, lag bei tatsächlichen 120,77 G$ und fiel bis 1980 auf 102,07 G$. Bei der Zuckerindustrie sah es nicht viel besser aus. 1976 wurden noch 332.457 Tonnen Zucker erwirtschaftet. Bis 1984 fiel diese Produktionsleistung auf 241.861 Tonnen und 1988 waren sogar nur noch 167.660 Tonnen und die Talfahrt ging bis 1990 noch weiter in den Keller. Die Regierung unter Desmond Hoyt sah schließlich ein das man selbst nicht mehr weiter kam und lud im Jahre 1990 ein Subunternehmen von Bookers namens “Booker Tate” nach Guyana ein, um ihnen bei der Verwaltung der Betriebe zu helfen. [373] 

Neue Fabrik bei Skeldon 2008 (noch nicht fertiggestellt)
Quelle: pmtcalumni.org
Dieses Subunternehmen wurde 1988 von der Booker PLC und Tate & Lyle als Joint-Venture geformt. Tate & Lyle war lange im Zuckergeschäft auf Trinidad aktiv und somit vereinten beide Firmen ihre Erfahrungen in diesem Bereich. Booker Tate unterstand zwar der Regierung und handelte quasi nicht mehr wie früher im Alleingang, aber Bookers war wieder zurück in Guyana. Im Jahre 1990 unterschrieben sie eine „Volle operative Management-Vereinbarung“. Booker Tate selbst wirbt auf der eigenen Homepage damit, das bis 1996 die Produktionsleistung auf 280.000 Tonnen gesteigert werden konnte. Im Jahre 2002 wurde schließlich fast an den alten Rekord von 1976 mit 331.067 Tonnen angeknüpft. Im Jahre 2004 kaufte die TSB Sugar Holdings (Proprietary) Limited (TSB), ein Zuckerhersteller aus Südamerika, das Subunternehmen Booker Tate. 2005 unterschrieb man einen Vertrag zur Errichtung einer neuen Zuckerfabrik bei Skeldon. [374] [375] Allerdings ist nicht alles eitler Sonnenschein. Eine SWOT-Analyse von GuySuCo ergab, dass genau diese neue Skeldon Fabrik, neben der bei Wales, die Schwächste war. Die Probleme fingen aber angeblich schon bei der 2. Ernte in 2008 an. [376] Im Jahre 2009 endete Booker Tates Engagement in Guyana mit der Fertigstellung der neuen Fabrik. 

Die momentane Entwicklung lässt keinen Zweifel daran, in welche Richtung wieder einmal die Tendenz der Zuckerproduktion in Guyana geht. Hierzu ein paar offizielle Zahlen des staatlichen Betriebes Guyana Sugar Corporation (GuySuCo).

10 Jahres Rückblick von GuySuCo 2000-2009

Jahr
Zucker
(Tonnen)
Melasse
(Tonnen)
2000
273.318
108.703
2001
284.474
118.103
2002
331.052
137.794
2003
302.378
127.201
2004
325.317
138.140
2005
246.071
115.732
2006
259.549
107.501
2007
266.482
115.048
2008
226.267
99.280
2009
233.736
109.598


Such man nun nach den Produktionszahlen der letzten Jahre, um sich ein vollständiges Bild der Gesamtsituation und der Entwicklung der Zuckerproduktion in Guyana zu verschaffen, dann muss man leider feststellen, dass kein Stopp des Abwärtstrends zu beobachten ist. 

2010 – 221.000 Tonnen Zucker [448]
2011 – 237.000 Tonnen Zucker [448]
2012 – 218.070 Tonnen Zucker [449]
2013 – 186.500 Tonnen Zucker [450]

Das einzige, was man kurzfristig dieser Entwicklung abgewinnen kann ist, dass Demerara Distillers Limited (fast) unabhängig vom Zuckermarkt ist. Sollte GuySuCo eines Tages nicht mehr existieren, so muss dies nicht zwangsläufig das Ende der letzten Destillerie in Guyana bedeuten. Langfristig betrachtet steigen aber damit die Produktionskosten, wenn man die Melasse aus anderen Ländern importieren muss und nicht mehr direkt vor der eigenen Haustüre einen Lieferanten zur Hand hat. Trinidad Distillers Limited (Angostura) kann hiervon ein Liedchen singen. Dort wurde der staatliche Betrieb zur Herstellung von Zucker samt der Caroni Destillerie geschlossen und die Destillerie von Angostura muss ihre Melasse aus anderen Ländern importieren. Auswirkungen auf die Rum-Industrie wird es definitiv haben. Wie tief diese sein werden, wird die Zeit zeigen. Abschließend lässt sich leider feststellen: Zwar sind die Produktionsstätten in Guyana nun getrennt (Rum & Zucker), hängen aber immer noch schicksalshaft miteinander zusammen. In anderen Industrien ist diese Bindungsgemeinschaft weniger dramatisch, den Getreide, wie es für die Whisky-Herstellung benötigt wird, wird man immer herstellen, da es ein Grundnahrungsmittel darstellt. Zucker allerdings kann man nicht nur aus Zuckerrohr gewinnen, sondern auch aus der Zuckerrübe, aus deren Melasse sich allerdings kein Rum herstellen lässt, da dieser aus Zuckerrohr hergestellt werden muss, damit er als ein solcher genannt werden darf.


------------------------------------------------------------------
 
Kapitel 7
-
United Rum Merchants
(Bookers Rum-Kartell)

Quelle: www.rum.cz
Was geschah nach der Nationalisierung in Guyana auf dem europäischen Rum-Markt und was für einen Einfluss hatte Bookers? Um die ganze Entwicklung und auch die gesamte Dimension zu verstehen muss man etwas weiter ausholen. Im Jahre 1946 wurde die Firma United Rum Merchants durch den Zusammenschluss der drei Firmen Alfred Lamb & Son Limited, White Keeling (Rum) Limited und Portal, Dingwall & Norris Limited gegründet. [427] [429] Was waren dies für Firmen? Die Firma Alfred Lamb & Son Limited wurde 1849 von Alfred Lamb gegründet. Dieser verstarb 1895 und hinterließ die Firma seinem Sohn Charles H. Lamb, welcher zuvor ins Geschäft miteinstieg. Durch den Tod des Gründers kamen noch Alfred B. Lamb und W. J. Godwin mit in die Firma. 1908 zog sich Alfred B. Lamb aus dem Geschäft zurück und 1919 wurde ein gewisser Charles T. Brend Partner der Firma. Die berühmteste Marke dieser Firma war „Lamb's Navy Rum“. [333] [338] Die Firma Portal, Dingwall & Norris Limited besaß die Markenrechte an „Lemon Hart“ Rum. Diese ist auf die Firma Lemon Hart & Sons Limited zurückzuführen. Diese wurde von Mr. Lemon Hart im Jahr 1804 gegründet. Im Laufe des Jahrhunderts gelangte die Marke schließlich in den Besitz von Portal, Dingwall & Norris Limited und so zum Portfolio von URM. [453] [454] [455] Die Firma White Keeling (Rum) Limited entstand durch den Zusammenschluss der beiden Firmen Henry White & Co. (gegründet 1842) und E. H. Keeling & Son (gegründet 1822). Die berühmteste Marke dieser Firma war der „Red Heart“ Rum aus Jamaika, welche auf Henry White, dem Gründer von Henry White & Company, zurückzuführen ist. [456] [457]


Quelle: www.rum.cz
URM besaß also diese drei Firmen als Subunternehmen. Genau jene Firma (URM) wird 1947 in die Booker Gruppe eingegliedert und agierte von London aus. Im Jahre 1951 kam das neue Subunternehmen Bookers Rum Company Limited unter das Dach von United Rum Merchants. Diese regelte ab 1951 das Blenden und die Marketing-Aktivitäten von Rum aus British Guiana. Den Bulk-Rum und einige andere Produkte verwaltete ein weiteres, neues Subunternehmen, welches ebenfalls 1951 hinzu kam. Es war die Booker Produce Limited. Diese Firmen regelten das Geschäft rund um Rum. [427] [429] Bookers hatte also exklusiven Zugang auf die Produktionsstätten in British Guiana und konnte die Rumproduktion maßgeblich beeinflussen. Auch könnte Bookers die Preise ohne große Konkurrenz festgelegt haben, gab es im Jahr der Unabhängigkeit (1966) doch nur noch den Konkurrenten Diamond Liquors in diesem Land. Natürlich hat Lambs neben Lemon Hart nicht nur Rums aus British Guiana abgefüllt, sondern auch Blends aus Jamaika und anderen Inseln. Nach Bookers gezwungenen Abschied aus dem Zuckergeschäft in Guyana und mit dem verbundenen Verlust der Produktionsstätten und Destillerien entschied man sich wohl langfristig aus dem Rumgeschäft zurückzuziehen. Im Jahre 1984 wurde das Subunternehmen United Rum Merchants, welches Booker 1947 ins Unternehmen eingliederte, samt Markenrechte an Allied-Lyons verkauft. Darunter waren auch die Marken „Lemon Hart“, „Red Heart“, „Black Heart“ und „Lamb's Navy Rum“.

Quelle www.rum.cz
Der Name des Unternehmens änderte sich 1994 von Allied-Lyons zu Allied Domecq Spirits & Wine Limited. Diese wiederum wurde im Jahre 2005 vom französischen Großkonzern Pernaud Ricard aufgekauft und der Besitz von Allied Domecq Spirits & Wine Limited aufgeteilt. Die Markenrechte an „Lamb's Navy Rum“ wurden an Corby Distilleries verkauft. „Black Heart“ befindet sich noch immer im Besitz der Allied Domecq Spirits & Wine Limited. Die Rechte an „Lemon Hart“ wurden 2010 von Pernod Ricard an die Mosaiq Incorporated verkauft. [458] [459]

Der größte Konkurrent und Gegenspieler von United Rum Merchants auf dem 'Dark Rum' Markt war Seagram's, mit seinen bekannten Marken 'OVD' (Old Vatted Demerara) und „Wood's Old Navy Rum“. Beide wurden ebenfalls mit Rum aus Guyana (British Guiana) hergestellt. Auch Seagram's verkaufte seine traditionsreichen Marken. Heute sind diese im Besitz der William Grant & Sons Limited. [460]

Mit all diesen Entwicklungen und Markengrößen kann man nun vielleicht eher abschätzen, was für ein Gigant Bookers am Rum-Markt einst gewesen war. Bookers war zur Mitte des 20. Jahrhundert quasi der Vorläufer für die heutigen Großkonzerne, wie Diageo und Pernaud Ricard. Solche Megakonzerne sind also keine komplette Neuentwicklung der Gegenwart, sondern nur eine konsequente Weiterentwicklung von Marktkonzentration, deren erneuter Zerfall und Neuordnung, aber auch ein Ergebnis von staatlichem Einfluss auf die Märkte. Schließlich gestalten Staaten die Rahmenbedingungen für die Märkte. Heute gibt es nur noch eine einzige Destillerie in Guyana, deren Mutterfirma in der Hand des Staates ist. Das Monopol zur Herstellung von Rum in Guyana wurde zwar de facto Realität, aber es war nicht Bookers welcher am Ende als Sieger der Entwicklung hervorging. Aber auch der Staat Guyana kann sich, durch die Inflation infolge der Verstaatlichung der Betriebe und dem Verlust von Produktivität, nicht ganz als Sieger betrachten.


Der Rum-Markt im Wandel
(Eine Meinung) 

'OVD'  = 'Old Vatted Demerara'
Das Konkurrenz Produkt von Seagram's
Quelle: www.thewhiskyexchange.com
Ein möglicher Grund für den Verkauf von United Rum Merchant im Jahre 1984 könnte auch die gestiegene Bedeutung von weißen Rum sein, wie ihn Barcadi schon vor der kubanischen Revolution verkörperte. Der 'Dark Rum' Markt hingegen verlor immer mehr an Boden. Mit der Aufgabe des 'Navy Tot' in der Royal Navy im Jahre 1970 begann endgültig der Wandel. Es gab und gibt noch den alten Kundenstamm, welcher unter anderem in der Royal Navy diente, den Navy Tot auch noch genießen durfte und mit dieser Art von dunklen Rum in seinem Heimatland Schottland auch noch aufwuchs. Hierzu ein Zitat über den Zustand des 'Dark Rum' Marktes von 1989, also kurz vor dem Fall des eisernen Vorhangs und der Wiedervereinigung Deutschlands: 

In the UK two brands vie for first place in the standard dark rum market: Seagram's Captain Morgan, and United Rum Merchants' (URM) Lamb's Navy. Allied-Lyons purchased URM from Booker McConnell in 1984. Seagram and URM also compete in Scotland where OVD (Old Vatted Demerara), Seagram's Scottish brand leader, is in a close race with Black Heart from URM. In both markets the Seagram brands lead, but only just. So how are Seagram and URM tackling the problem of a declining market? Seagram's UK marketing manager for spirits, John Cornish, describes the problem: 'If you look at the dark rum market place, it's being drunk by predominantly older and is concentrated into a relatively small proportion of heavy users. That's fine at the moment, but you are looking at the next ten years. That market is going to disappear and you haven't got the same level of heavy usage in the age group 25 to 45.' These long term problems have led both companies to pitch for younger drinkers in the past. Their quandary is how to attract the young without alienating the old. However, dark rum's youth appeal has thus far failed to emerge, so Captain Morgan is still directing its ads at the older macho man. This year's budget is estimated at about £1.6m. URM's Lamb's Navy is also being handled gently. There have been some label changes and a new hexagonal bottle, but there are no drastic alterations planned for the brand's image.“ [462] 

"I Play ball...!"
Sinngemäßt übersetzt heißt das:
"Ich mach mit...!"
Anm.: Hiermit ist nicht das Ballspielen gemeint.
Geschickte Werbung mit Wortspielen von 1950
Quelle: www.capitalbay.com
Die Kunden starben also nach und nach weg. Die Jugend hingegen wurde mit leichten und weißen Rum umworben. Dies kann ich auch aus meiner eigenen Jugendzeit bestätigen. 'Bacardi' und 'Havana Club' sind europaweit bekannt und verkörpern diese Art des 'neuen Rums', welcher nach Ende des 1. Weltkrieges vor allem in den USA immer mehr an Boden gewann. Andere Autoren schrieben zu diesem Thema halbe oder ganze Bücher, wie dieser Wandel stattfand. Deswegen möchte ich nicht ganz darauf eingehen, da es wirklich den Rahmen sprengen würde. Doch was änderte sich wirklich?

Patent Still Rum, also Rum gewonnen aus kontinuierlichen Brennblasen, ist an sich nichts Neues und existiert schon seit dem 19. Jahrhundert. Wie ich oben schon zitiert habe, bestand der Navy Blend zur Zeit um 1900 herum auch schon mehrheitlich aus Patent Still Rums. [441] Auch auf Kuba brannte man schon länger diese Art des leichten Rums. Was änderte sich also? Es waren die Kunden und diese wiederum wurden in meinen Augen von der Werbung massiv umworben und auch umerzogen. Die neue Leichtigkeit war der weiße Rum. Dunkle und schwere Rums standen sogar im Verdacht den 'Kater' zu verursachen, da sie doch allzu böse Fuselöle und zu schwere Geschmacksstoffe enthalten. Hierzu ein Zitat von 1990 das diese Meinung wiederspiegelt: 

"Seale believes one reason white rum enjoyed renewed growth was "Because is does not produce the hangovers and headaches of coulered rum". Caramel and other additives, along with the wooden casks dark rum was aged in, affected the colour and flavour of the rum, he said. And, he added, they contributed to the negative "after effects" of drinking as well." [461] 

Auch weibliche Reize mussten herhalten.
Hier allerdings noch sehr dezent.
Replik einer Werbung von 1940 -1960
Quelle: www.zazzle.de
Das sich dieser 'Kater' auch nach einer Zechtour mit weißen Rum einstellt (oder von zu viel Wein oder Bier) und nichts anderes als ein Anzeichen einer Vergiftung ist, wird dabei anscheinend geflissentlich ignoriert. Alkohol ist ein Gift für den Körper. Punkt. Darüber gibt es nichts zu debattieren und schönzureden. Auf die Dosis und Qualität kommt es aber an. Hierzu braucht man verantwortungsvolle Konsumenten und auch Produzenten. Ich persönlich will lieber eine hohe Qualität dieses Giftes in kleinen Mengen konsumieren, als mich mit leichten und billigen Industrierum in Masse die Birne wegzuknallen. Aber eine Destillerie lebt von Umsatz durch Masse und nicht durch solch kleine Konsumenten, wie ich sie darstelle. Das Mr. Seale also 1990 diese Meinung propagierte ist mir für mich nur allzu leicht nachzuvollziehen. Er war kurz davor Produzent zu werden (bis dato hatte er noch nicht die Foursquare Destillerie) und wollte außerdem als Abfüller überleben. Auch an diesem Punkt gibt es nichts zu debattieren. Weiter vorne habe ich schon das Problem des Kapitalismus und des globalen Marktes angesprochen. Und als Kunde im Informationszeitalter sollte man immer aufpassen, von wem gewisse Informationen eigentlich stammen.

Was wäre eine Lösung? Verbote wie in den USA, die zur Prohibition geführten haben zeigten, dass es nichts bringt den Verbraucher in dieser Hinsicht gesetzlich zu etwas zu zwingen. Die Qualität des Alkohols wurde hingegen schlechter durch die illegalen 'Mondscheinbrenner' oder 'Schwarzbrennereien'. Diese lagen außerhalb der Einflussnahme des Staates durch das Verbot. Auch hierüber füllten andere Autoren ganze Bücher. Bildung und Aufklärung über dieses Thema halte ich für viel wichtiger als die Keule mit der Aufschrift 'Verbot' zu schwingen, in der Hoffnung, man erschaffe damit eine neuere und bessere Welt. Ein Verbot bewirkt außerdem, dass die Einflussnahme des Gesetzgebers bei Null liegt, da sich alles in den illegalen Bereich verschiebt, der sich nicht um für die Interessen des Staates und seiner Bürger schert. Man überließ diesen Markt in Amerika der organisierten Kriminalität. Ist dies eine bessere Welt? Mit Überwachung und Kontrolle, die in der heutigen und digitalen Zeit wirklich einfacher geworden ist dank GPS-Tracker und Smartphones? Diese gab es damals noch nicht. Es ist wie mit Terrorismus liebe Leser. Es gibt keine totale Sicherheit. Nicht einmal in einem totalen Überwachungsstaat, denn dort sind sie als Bürger nicht mehr vor der Polizei und dem Staat sicher. Aber ich schweife vom Thema ab.

"Kapitän Morgan ist hier!" von 1951
Werbung a la "Yo-Ho-Ho-Ho"
Suggeriert den Eindruck, dass dieser
Rum nur was für echte Piraten ist.
Trendy, aber realitätsfern.
 Quelle: www.pinterest.com
Es gab also einen Trend weg von gefärbten und gealterten Rums hin zu kurzfristig gereiften Rums, denen man die Farbe und alle schweren Inhaltsstoffe, die auch Geschmacksträger sind, wieder mittels Kohlefilter entzog. Diese 'blassen Burschen' eroberten den Rum-Markt nach und nach. Für Kunden, die etwas besonderes suchen füllen Großkonzerne auch ältere Rums ab, die allerdings zur optischen Farbgebung durch die Reifeschwankungen in den Fässern mit Zuckercouleur gefärbt werden. Ganz kam die Industrie also nie weg von Zuckercouleur, allerdings wird hier der Zusatz nicht vor dem Altern ins Fass hinzugegeben, wie es bei den dunklen Rums der Fall ist und einer langen Tradition entsprach (siehe Kapitel 4), sondern kurz vor dem Abfüllen. Viele Konsumenten fürchten hier zu recht das ein Alter vorgetäuscht wird, welches gar nicht existiert. Ich möchte dies etwas anders formulieren: Viele Hersteller täuschen eine Reife vor die nicht existiert. Je reifer ein Rum ist desto aromatischer wird er. Natürlich hat das seine Grenzen und hängt maßgeblich vom Ausgangsmaterial, der Fermentation und der Destillation ab. Dies ist das 1x1 des Rums, auf das ich hier aber nicht ins Detail eingehen werde, da es den Rahmen sprengen würde. Man kann also aus einem leichten Industrierum, gewonnen aus einer Patent Still, keinen jamaikanischen Pot Still Rum durch Alterung im Fass 'heranzüchten'. Deswegen macht eine lange Reifung eines solchen Produktes ab einem bestimmten Punkt auch keinen Sinn mehr. Zum Einen da ab einem unbekannten Zeitpunkt das Fass den Geschmack dominieren würde, da der Rum dem nicht standhalten kann durch eigene Geschmacksträger. Zum Anderen weil eine längere Reife auch mehr Kosten verursacht und den heutigen Profiteuren zu lange dauert. 

Eine noch etwas freizüglichere Werbung.
Diese lässt nicht nur optisch tief blicken.
Quelle: recluse.me
Die konsequente Fortführung dieses profitorientierten Gedankengutes ist die Einführung von Abfüllungen, auf denen gar keine Altersangabe mehr vorhanden ist. Eine sogenannte 'NAS', welche für 'No-Age-Statement' steht. Zum 'Aufpeppen' des Geschmacks von jungen Rums (Whiskys) unbekannten Alters mischt man ein bisschen von älteren Exemplaren hinzu, pimpt die Farbe mit Zuckercouleur auf und gibt ihm noch einen 'hippen' oder lustigen Namen, am besten mit Tradition verbunden oder aus der Vergangenheit der Destillerie oder dem Land aus dem der Rum kommt und fertig ist der Goldesel, mit denen man vom Kunden noch mehr Geld für wenig Produktionskosten verlangen kann. Das nenne ich „Kapitalismus in Reinkultur“. Zwar bin ich auch ein Verfechter der Reife und halte nicht unbedingt etwas von Altersangaben, da selbst alte Rums, wenn sie unreif sind, nicht das viele Geld wert sind das sie kosten, aber solch eine Praxis kann ich persönlich nicht für gut befinden. Wie sie darüber denken bleibt als mündiger Käufer ganz Ihnen überlassen. 

In dieselbe Kerbe schlagen auch „Spiced Rums“. Szenegetränke die sich nicht mehr Rums nennen dürfen, da diese offensichtlich Additive enthalten, die laut EU-Gesetz nicht zugelassen sind um noch als „Rums“ durchzugehen. Darunter fallen natürliche oder künstliche Geschmacksverstärker wie Vanille oder andere Gewürze. Billig herzustellen, einfach zu vermarkten und auch für jüngere Generationen mehr zugänglich. Und mit dem passenden Marketing fühlt man sich als Konsument gleich wie ein Pirat aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. Die Werbung macht's möglich. Captain Morgen und Hollywood sei Dank. 


Sie erinnern sich noch ans "Arschgeweih"?
Auch Bacardi wollte voll im Trend
jener Tage sein und war "mit dabei".
Quelle: recluse.me
Das dieses erwähnte EU-Gesetz die selbe Dichtigkeit besitzt wie ein Nudelsieb macht die Angelegenheit natürlich nicht einfacher. Zucker zum Beispiel ist nicht explizit verboten und Zuckercouleur ist zur Gestaltung der optischen Farbgebung auch zugelassen, sehr zum Ärger von Puristen. Gegen die Zugabe von Zucker habe ich per se eigentlich nichts. Ich hasse es nur, wenn ein Getränk zu süß ist. Mein Geschmack hat sich im Laufe der Jahre erheblich verändert. Dies und die Tatsache, dass man hierdurch aber eine minderwertige Qualität des Rums deutlich aufwerten und verschwinden lassen kann, ist allerdings aus verbraucherrechtlicher Sicht mehr als fragwürdig. Dies war auch damals unser Hauptkritikpunkt. Unser Fehler damals bestand aber in der Tatsache, dass wir dies nicht deutlich genug klar gestellt und so kommuniziert haben. Viele sahen schlicht nur „ihren Lieblingsrum in Gefahr“ und wurden somit taub, blind und sogar trotzig wie kleine Kinder. Dies war einer meiner Gründe der Community den Rücken zu kehren. Warum seine Zeit auch verschwenden, wenn man sie viel effizienter in Nachforschungen wie diese hier stecken kann? Diese „Premium Rums“ verkaufen sich auch weiterhin recht prächtig. Aber ich habe schon des öfteren gehört und auch gelesen, dass auch hier wohl das Ende des Machbaren erreicht ist und die Qualität dem Anschein merkbar schlechter geworden ist. Einige Firmen, die diese Praxis benutzt haben, wurden durch ihr eigenes Marketing und den daraus resultierenden Erfolg wohl total überrollt. Der Anteil der „älteren Rums“ in den Solera - Pyramiden wird durch den höheren Abzug aus den Fässern wohl immer geringer und der abgefüllte Blend aus wohl jüngeren Rums immer „sprittiger“. Hört man hier einen gewissen Zynismus meinerseits? Nicht wirklich. Ich halte hier nichts von einem Kleinkrieg, welcher nur den Graben zwischen Süßrumtrinker und den Käufern von Single Casks der Unabhängigen Abfüller (Plantation Rum zählt hierzu nicht) noch mehr vertiefen würde. Außerdem wäre meine Kritik auch etwas zahnlos, verehrte Leser. Warum? Ich kann nicht gegen Zucker „schimpfen“ und auf der anderen Seite Rums, welche der Tradition der Navy wegen gefärbt wurden, für genial befinden. Ich wäre ein dann Heuchler. Von denen gibt es auf der Welt schon genug. Beide Rum-Stile wurden verändert und sind laut EU-Gesetz normale Rums. Das ist ein Faktum. Ob man diese Praxis nun für gut befindet oder nicht: Dem Gesetz, der Masse an Konsumenten, dem Markt oder "Experten" ist das egal. Es bleibt jedem selbst überlassen sich eine Meinung darüber zu bilden. Ich will keine Rums mit zweifelhafter Qualität im Glas haben, bei denen für mich immer der Verdacht im Raume steht, dass "nachgeholfen" wurde. Als Verbraucher fühle ich mich hier... nennen wir es mal milde: Im Stich gelassen. Bei den Demeraras und jamaikanischen Rums wusste ich seit langem was ich im Glas habe. Ich bereue meine Entscheidung des Rückzuges aus der Community dennoch bis heute nicht. Ich persönlich glaube an die Freiheit der Wahl, auch wenn ich das Gesetz für mehr als verbesserungswürdig halte. Die Einführung neuer Bezeichnungen oder Kategorien wäre hier eine Idee. Auch fehlt eine eindeutige Deklarationspflicht zum Inhalt und auch ein Überwachungsorgan zu deren Einhaltung. Die beste Regelung nützt nichts, wenn man es nicht überprüft. Mit einem Gesetz als „Placebo“ ist niemandem gedient. Da ist man in Schottland und beim Whisky viel weiter. Aber so lange die Rum-Lobby am längeren Hebel sitzt und die Masse sich an diesen „Premium Rums“ aufgeilt und nur so mit Medallien überschüttet, wird sich nichts verändern. Der Kapitalismus, Werbung, Auszeichnungen und "Experten" bestimmen wo es lang geht. Der Markt interessiert sich nicht für die Meinung einiger unabhängiger und eigenbrötlerischer Connaisseure, wie ich sie darstelle.

Englische Bücher über Rum und die Zuckerindustrie
Wer sich für die Geschichte des Wandels und auch den Einfluss der Cocktail-Szene mit ihren Kreationen auf den Rum-Markt etwas näher betrachten will und welcher der englischen Sprache mächtig ist, dem sei das Buch „...and a Bottle of Rum“ von Wayne Curtis und das Buch „Rum“ von Dave Broom empfohlen. Letzteres gibt es auch auf Deutsch. Auch die längst vergriffenen Bücher „Rum Yesterday and Today“ von Hugh Barty-King & Anton Massel und „The Sugar Industry in the late 19th Century“ von R. W. Beachey waren hier unschätzbare Informationsquellen über den Wandel dieses Getränks. Diese Bücher möchte ich nicht mehr in meinem persönlichen Besitz missen. Viele andere Bücher sind leider noch nicht auf englisch publiziert worden. Hiervon interessieren mich einige französische Exemplare. Mal sehen wann diese "international" werden.

Abschließend lässt sich für mich festhalten: Der Wandel kam bedingt durch den Wandel des Konsumverhaltens, durch die Werbung der großen „Platzhirsche“ auf dem Markt und durch den globalen Konkurrenzdruck auf die Hersteller mit den damit verbundenen extremen des Kapitalismus (schnell, viel und billig). Besonders der letzte Punkt verhalf der Patent / Coffey / Column Still zum Siegeszug, war sie doch der Inbegriff der Effizienz und des daraus entstehenden 'reinen Rums'. Rein ist hier auch als geschmacksarm zu betrachten. Ein Hersteller mag mir noch so sehr die Vorzüge dieser Brennblase preisen: Ich weiß warum er von dieser Art des Destallierens so sehr schwärmt und es hat definitiv immer etwas mit Profit, also harten Dollars / Euros oder schlichtem Überleben im Hinterkopf zu tun und nichts mit Tradition, Leidenschaft und Hingabe, wie uns oft Käufern weisgemacht wird.



------------------------------------------------------------------

Kapitel 8
-
„The Big 9“
(1938 - 2013)


Zwischen den Jahren 1937 und 1938 schloss die Destillerie des Houston Anwesens (vormals: Zorg en Hoop) in Demerara für immer ihre Pforten. Ab dem Jahre 1938 waren es nur noch diese verbliebenen 9 Destillerien, die „Big 9“. Alle anderen waren bis dorthin verschwunden. Hierbei handelt es sich um die letzten überlebenden Destillerien, deren Fabriken zu großen, zentralen Einheiten bis zu diesem Zeitpunkt heran anwuchsen. Kleinere Anwesen wurden entweder aufgegeben oder von diesen erfolgreicheren Unternehmen aufgekauft und somit geschluckt. Aber auch ihre Zeit sollte noch kommen.

Bonne Intention (Demerara)

Geschichte

Detaillierter Kartenausschnitt v. 1783 [210]
Quelle: www.Gahetna.nl
Eine Witwe Changuion wird als Besitzerin der Plantage Nummer 48 La Bonne Intention auf einer Karte von 1798 erwähnt. Auch in einem Buch von 1888 wird diese Frau erwähnt. Doch dies ist noch nicht der früheste Hinweis. [122] [123] [125] Auf einer anderen Karte von 1786 wird ein F. Changuion (François Changuion) als Besitzer der Plantage Nummer 27 an der Ostküste des Flusses Demerara gelistet. Diese Plantage ist wohl die spätere La Bonne Intention Plantage der Witwe Changuion. Die Position der Plantagen auf den Karten von 1786 und 1798 ist fast identisch. [126] [127]



Kartenausschnitt von 1784 [207]
Quelle: www.Gahetna.nl
Dieser Francois (Daniel) Changuion war um 1771 für kurze Zeit sogar der kommissarische (ad interim) Kommandeur der Kolonie von Demerara. [203] [204] Die Plantage La Bonne Intention ist in meinen Augen auf diesen Mann zurück zu führen. Eine Karte von 1784 erwähnt F. Changuion als Besitzer des Lots 27 an der Ostküste der Kolonie Demerara. Zwischen 1759 und 1784 müsste die Plantage La Bonne Intention also gegründet worden sein, denn um 1759 gab es an der Ostküste der Kolonie Demerara noch keine Plantagen. Eine weitere Karte aus 1783 zeigt sogar eine detallierte Ansicht der späteren la Bonne Intention Plantage. [210]



Kartenausschnitt von 1786 [127]
Quelle: http://dpc.uba.uva.nl
Zur Zeit der Emanzipation (1834-38) besaßen Charles Anthony Ferdinand Bentinck und Henry John William Bentinck die Plantage La Bonne Intention. [166] Am 26. Januar 1848 kaufte Alex M. Laren diese für G$30.200. Um ca. 1860 besitzen dieser A. McLaren und ein gewisser P.M. Watson die Plantage. [153] In einem Interview vom 14. September 1870 erklärt ein Mr. Russell, dass er Miteigentümer der Plantage ist. [169] Eine Quelle von 1882 (Timehri) listet sogar die expliziten Daten (und Marks) der Plantagen La Bonne Intention (L.B.I.) und Beterverwagting (B.V.W.) für dieses Jahr. Beide Plantagen gehörten immer noch Mr. William Russel und die Rum Produktion betrug 80.238 Gallonen bei 43,2% overproof. [377] Dieser William Russel kaufte 1863 auch die Plantage Tuschen De Vrienden. William Russell wurde vor seinem Tode noch zum Ritter geschlagen. Er verstarb starb im März 1888. [162] Dieser William Russell wird von einer anderen Quelle zusammen mit den Erben von Josias Booker (Junior) und John McConnell als Eigentümer der Plantage La Bonne Intention ebenfalls auf 1882 datiert. [163]

Kartenausschnitt von 1792 [209]
Quelle: www.Gahetna.nl
Im Handbuch zu British Guiana von 1909 ist für diese Plantage die Firma „Plantation La Bonne Intention Limited“ gelistet. [378] Am 28. Oktober 1916 wechselt die La Bonne Intention Plantage abermals den Besitzer und gehörte von nun an einem lokalen Syndikat. [379]

Ab 1923 taucht die Plantage La Bonne Intention nicht mehr direkt auf, allerdings ist sie hinter der Bezeichnung “Ressouvenir Estates” versteckt. Die “The Success and Le Ressouvenir Company Limited” im Handbuch zu British Guiana von 1909 verschmilzt mit der Plantage La Bonne Intention zwischen 1916 und 1923. Damit gehörte sie spätestens ab 1923 der Booker Brothers McConnell & Company Limited, welche die Plantage Success an der Ostküste Demeraras 1902 von der in 1901 liquidierten Colonial Company abkaufte. Ihr Nachfolger, die New Colonial Company, besaß dieses Anwesen nicht mehr. Bookers verschmolz zuerst Success (E.C. Demerara) und La Ressouvenir miteinander und zwischen 1916 - 1923 kam La Bonne Intention zu den „Ressouvenir Estates“ hinzu. 

Auf dem Anwesen wurde 1959 eine neue Fabrik in Betrieb genommen und die alte Anlage wurde stillgelegt. [380] Das Anwesen wurde durch die Verstaatlichung im Jahre 1976 an die Guyana Sugar Corporation übergeben. 2011 wurde die La Bonne Intention Fabrik schließlich geschlossen. Das Zuckerrohr von dort wird nun gegenwärtig in der Fabrik bei Enmore verarbeitet. [381]

La Bonne Intention Distillery

Kartenausschnitt vom Oktober 1798 [212]
Quelle: www.Gahetna.nl
Auf der Plantage La Bonne Intention wurde im Jahre 1798 ausschließlich Baumwolle angepflanzt. Um 1833 wurde dann nachweislich Zucker angebaut. Die Umstellung erfolgte also vermutlich irgendwann zwischen 1798 und 1833. [7] Und tatsächlich: eine Quelle aus 1851 listet für die Ernte des Jahres 1829 nur noch Zuckerrohr (600,000 Lbs). Im Jahre 1835 wurde dann neben Zuckerrohr (538,657 Lbs) auch Kaffee geerntet (3,000 Lbs), verschwand dann aber in den Folgejahren wieder spurlos. [222] Es ist also höchstwahrscheinlich, dass die Rum-Produktion erst im 19. Jahrhundert begann. Auf der Calcutta International Exhibition 1883/84 vertrat die La Bonne Intention Plantage mit einigen anderen Mitbewerbern British Guiana in der Kategorie Rum. [226] 


Kartenausschnitt von 1798 [122]
Quelle: http://dpc.uba.uva.nl/
1954 produzierte die La Bonne Intention Distillery noch 89.883 Gallonen Rum. Einer weiteren Quelle nach zu urteilen produzierte sie auch noch 1959 139.790 Gallonen Rum. Für das Jahr 1960 fehlt ein Eintrag in der betreffenden Spalte. [4] Ab 1963 wird sie auch in einem anderen Bericht nicht mehr erwähnt. [2] [3] Dies erweckt den Eindruck, dass die La Bonne Intention Distillery im Jahre 1960 von der Bildfläche verschwand. Was ist passiert? Ich möchte hier mal eine Quelle zitieren: 

The Volume of production at Guyana Distilleries Uitvlugt distillery had been increased three times since it was first built by Bookers in 1960. For under a scheme of rationalisation it had taken over the output of four distilleries scrapped in 1969.“ [159]


Die Uitvlugt Destillerie, welche um 1960 von Bookers entweder neu gebaut oder modernisiert wurde, übernahm also bis 1969 den Ausstoß an Rum von vier eingestellten Destillerien. So interpretiere ich diesen Text. Es ist schließlich kein Zufall, dass ab diesem Jahr wirklich viele Destillieren unter Bookers verschwanden. Ich möchte aber noch anmerken, dass ab 1967 nicht mehr Booker an den Hebeln der Macht saß, sondern die neue Regierung Guyanas. Das erste Opfer der erwähnten Rationalisierung war die La Bonne Intention Distillery. Das letzte aktive Jahr war 1959.

Kartenausschnitt von 1823 [185] [186]
Quelle: http://en.wikipedia.org
Es ist kein Zufall, das für dieses Jahr die Inbetriebnahme einer neuen Zuckerfabrik geplant war. Diese neue zentrale Fabrik sollte das Zuckerrohr der Anwesen von La Bonne Intention, Houston und Ogle übernehmen. Die Fabrik von Ogle wurde noch am Ende des Jahres 1958 Außer Dienst gestellt. [380] Diese neue Fabrik auf dem Anwesen La Bonne Intention beherbergte keine Destillerie mehr. Nach der Modernisierung von Uitvlugt im Jahre 1960 wurde das brauchbare Inventar von La Bonne Intention zur Uitvlugt Distillery gebracht oder verschrottet.

Das Mark zur Identifikation der Destillerie wird von vielen Autoren mit L.B.I. angegeben. Tatsächlich findet man diese Abkürzung auch in Verbindung mit dem La Bonne Intention Estate. [27] Welche Stills es von der La Bonne Intention Distillery letztendlich bis nach Diamond geschafft haben könnten ist denke ich eine reine Spekulation. Ich habe eine Flasche aus der Post – La Bonne Intention Ära mit der Angabe Continuous Still aus 1998 gesehen. Aber das könnte fast jede Column Still bei DDL sein, außer vielleicht jene aus Enmore und die beiden Savalle aus Uitvlugt. Eine Vermutung werde ich auch hier nicht äußern.

Mark from La Bonne Intention LBI


Gegründet: Zwischen 1759 und 1783 

Gründer: Francois (Daniel) Changuion

Lage: An der Ostküste Demeraras, zwischen dem Fluss Demerara und dem Mahaica Creek.

Status: Destillerie geschlossen in 1959 ; Zuckerfabrik in 2011 geschlossen

Stills: Nicht mehr nachzuvollziehen





Skeldon (Berbice)

Geschichte

Kartenausschnitt vom Oktober 1798 [212]
Quelle: www.Gahetna.nl
William Ross (1787 -1840) war der Sohn von Hugh Ross III of Kerse and Skeldon (Ayrshire). Um 1804 erreichter er Berbice als ca. 17 Jähriger Mann. William Ross bekam 1834 als Eigentümer der Skeldon Plantage £17295 2S 6D Entschädigung für 326 Sklaven. Der Name Skeldon geht also auf schottische Wurzeln zurück. Er war verheiratet mit Helen Elizabeth Drummond Ross. [128] [129] In einem Verzeichnis der Kolonisten von British Guiana findet man seinen Namen. [130] Die Ostküste von Berbice wurde 1799 nur bis zum Devils Creek für Plantagen zugänglich gemacht. [182] Von 1799 bis 1802 musste dann die Fertigstellung bis zum Fluss Corentyne an der Grenze zu Surinam erfolgt sein. Auf einer Karte von 1802 wird für die Lots am Westufer des Flusses Corentyne weder eine Anpflanzung, noch Namen von Besitzern oder Plantagen erwähnt. Vor 1802 konnte es also noch keine Plantage mit dem Namen Skeldon gegeben haben. [219] [220] Zwischen 1802 und 1834 müsste also die Plantage Skeldon von William Ross gegründet worden sein. 


Kartenausschnitt von 1802 [219] [220]
Quellen: www.Gahetna.nl  & www.Gahetna.nl
Das Mark S.W.R. von Skeldon steht angeblich für die Initialen „Sir William Russel“. Es diente zur Identifikation des Sugar Estates. [24] Theoretisch könnte das Mark auch für Skeldon William Ross stehen. Dieser war immerhin der Gründer dieses alten Anwesens. Was Sir William Russel mit der Skeldon Plantage verbindet habe ich nicht herausgefunden. Helen Elizabeth Drummond Ross (1811 - 1863) heiratete nach dem Tod ihres Mannes William einen gewissen Charles Metcalfe im Jahre 1846 und nahm seinen Namen an. [404] Die Plantage Skeldon gehörte laut einer Quelle 1860 immer noch Mrs. Ross (unter dem neuen Namen Mrs. Metcalfe). [384]



Skeldon am Westufer [193]
Quelle:  www.rootsweb.ancestry.com
Laut einer Quelle von 1882 besitzen die Erben von William Ross immer noch die Plantage Skeldon. Leider werden keine expliziten Namen erwähnt. [382] Im Handbuch zu British Guiana von 1909 werden „The Trustees of John McConnell deceased“ erwähnt. Hiermit sind seine beiden Söhne und die 1900 gegründete Booker Bros.,MCConnell & Comany Limited gemeint. [378] Eine Quelle spricht davon, dass noch John MCConnell zu seiner Lebzeiten die Plantage Skeldon erwirbt. Da John McConnell im Jahre 1890 stirbt bedeutet dies, dass die Plantage zwischen 1882 und 1890 in den Besitz der (noch nicht fusionierten) Booker Gruppe gelangt. [405] Die Skeldon Plantage verblieb bis zum gezwungenen Verkauf an die Regierung im Subunternehmen Bookers Demerara Sugar Estates Limited. Das Skeldon Estate gehört nun zur Guyana Sugar Corporation (GuySuCo) und wird noch heute für die Zuckerrohranpflanzung verwendet. Erst im Jahre 2009 wurde eine neue Zuckerfabrik bei Skeldon errichtet. 
 
Skeldon Distillery

© E.H.
Ab wann wurde auf der Skeldon Plantage Zuckerrohr angepflanzt? Ich möchte zu den Küsten-Plantagen von Berbice eine Quelle zitieren: “Cotton thrives best on the coast estates, and it is on these therefore that it is principally cultivated.” [183] Das würde sich mit der geplanten Anpflanzung auf der Karte von 1802 decken. Dort wird für den gesamten Bereich Baumwolle als Anpflanzung genannt. Zum Zeitpunkt der Erstellung gab es aber für alle Lots noch nicht einmal Besitzer. Theoretisch wäre also eine Zuckeranpflanzung ab 1802 möglich gewesen. [219] [220] Aber nach einem Bericht von 1847 zu urteilen, erfolgte die Umstellung auf Zuckerrohr erst zwischen dem 1. Januar 1838 und dem 31. Dezember 1845. Für den 1. Januar 1838 wird noch Baumwolle als Anpflanzung gelistet. Der Zusatzhinweis „Converted into sugar“ für das Jahr 1845 weist daraufhin, dass bis zum 31. Dezember 1845 die Anpflanzung geändert wurde. [172] Der erste von mir gefundene öffentliche Auftritt der Skeldon Plantage im Rum-Geschäft war auf der Worlds Columbian Exposition Chicago im Jahre 1893. [179] Die Plantage hat vermutlich schon viel früher Rum gebrannt, aber definitiv nicht vor dem 1. Januar 1838.


© E.H.
Die Skeldon Distillery produzierte nachweislich bis 1960. In diesem Jahr waren es noch ganze 66.070 Gallonen. Im Vergleich zum Vorjahr, mit 147.531 Gallonen, recht wenig. [4] Der Grund hierfür ist recht einfach und doch ernüchternd. Die Destillerie wurde noch im Jahre 1960 stillgelegt. Dies belegt auch ein entsprechender Hinweis. [6] Ein weiterer guter Hinweis sind die Produktionszahlen in Tabelle 4. Ab 1961 gibt es keinen Eintrag mehr. Die Zuckerproduktion wurde allerdings weitergeführt. Damit war ab diesem Jahr eine weitere Destillerie aus Guyana verschwunden. Es ist kein Zufall, dass gerade in 1960 Booker die Destillerie in Uitvlugt aufrüstete und danach die Skeldon Distillery in der Zuckerfabrik einstampfte. Wie oben bereits erwähnt, war wohl im Rahmen der Rationalisierung unter Bookers diese Destilliere, nach der La Bonne Intention Distillery, das zweite Opfer seit der Modernisierung in 1960. Es sollten noch weitere Destillieren folgen.

Zwei Abfüllungen von Velier aus 1973 und 1978 geben beide eine Coffey Still als Ursprung an. Was genau dies für eine Still damals bei Uitvlugt gewesen sein soll ist mir nicht bekannt, denn zu diesem Zeitpunkt gab es ja die alte Skeldon Distillery nachweislich nicht mehr. Beide Rums stammen aus der Post – Skeldon Ära und können unmöglich noch von dieser Destillerie sein. Ich fürchte aber, dass keine einzige Still aus dieser Brennerei überlebt hat.

Die alte Skeldon Zuckerfabrik
Quelle: pmtcalumni.org

Gegründet: Zwischen 1802 – 1834

Gründer: William Ross

Lage: An der Küste Corentyne, nahe der Grenze zu Surinam. Genauer gesagt am Westufer des Auslaufs vom Fluss Corentyne.

Status: Destillerie geschlossen in 1960 ; Neue Fabrik ging 2009 in betrieb.

Stills: Nicht sicher nachvollziehbar. Vermutlich verschrottet.



Blairmont (Berbice) 

Kartenausschnitt von 1780 (1771) [187]
Quelle: http://en.wikipedia.org/
Geschichte 

Lambert Blair (1767 – 1815) war ein irischer Plantagenbesitzer und Händler, der durch Sklavenhandel genug Geld erwirtschaften konnte und um 1799 7 Plantagen in Berbice besaß. Darunter Utile & Paisible und 5 nur nach Nummern bekannte Plantagen (Lots) an den Ufern des Flusses Berbice. Laut dieser Quelle sind das Lot 17, 18 19, 20, 37 & 38. Lambert Blair bekam bei der Emanzipation 1834 £83,530 8S 11D als Entschädigung für seine 1.598 Sklaven. [131] Ihren Namen bekam die Plantage wohl erst nach 1799. Eine Webseite behauptet, dass die Karte von 1780, welche auch hier in diesem Artikel zu sehen ist, aus dem Jahre 1771 stammt. Das würde bedeuten, dass die spätere Blairmont Plantage als Lot schon 1771 existierte. [206]


Kartenausschnitt von 1802 [219] [220]
Quellen: www.Gahetna.nl  & www.Gahetna.nl
Unter den Slots 3 - 10 gegenüber von New Amsterdam ist auf einer Karte vom Oktober 1798 weder der Name Blairmount/Blairmont noch Lambert Blair zu finden. Dafür bestätigt diese Karte den Besitz von Utile & Paisable (Lot 18 Westufer). Die unbenannten Lots 3, 5, 17, 18, 19 & 37 an der Westküste von Berbice auf dieser Karte listen ebenfalls den Namen Blair oder nach dem Namen Blair im Folgeslot „&“, was in etwa bedeutet „Wie vorherige Plantage“. [212] Die Plantagen mit „Compy.“ bezeichnen die Plantagen im Besitz der Dutch West India Company. Auf welchen Stand sich die oben genannte Quelle bezieht, ist mir nicht klar ersichtlich.  


Kartenausschnitt von 1802 [219] [220]
Quellen: www.Gahetna.nl  & www.Gahetna.nl
Auf einer Karte von 1802 ändert sich nämlich das Bild. Hier gehören Lot 3 - 5 nicht mehr Lambert Blair und dafür wanderte Lot 20 in seinen Besitz. Hier sind nun auch endlich die Namen der Plantagen zu finden. Bath (Lot 16), Catharina's Rust (Lot 17), Naarstigheid (Lot 18), Onderneemig (Lot 19) und Jacoba Wihelmina (Lot 37). Der Name der Plantage Bath dürfte einigen Lesern vielleicht etwas sagen. [213] [214] [219] [220] Lambert Blair besaß auch noch an der Corentyne Küste östlich von Berbice einige Plantagen (Lot 42 & 43), die aber um 1802 noch nicht genutzt wurden. Es werden hier keine Anpflanzungen oder gar die Namen der Plantagen erwähnt. [219] [220] 
 
 
Kartenausschnitt vom Oktober 1798 [212]
Quelle: www.Gahetna.nl
Lambert Blair war der Gründer der Plantation Blairmont. Diese wurde aber ursprünglich „Blair Mount“ genannt. Die Quelle des Autors war „Rev. James Williams' "Dutch Plantations in the Berbice and Canje Rivers" [34] 1834 gehörte die Plantation Blairmount einem James Blair. Er war der Neffe und Erbe von Lambert Blair. James Blair (1788 - 1841) wurde später ein Mitglied des Parlaments und vertrat die Interessen der Plantagenbesitzer. [15] [164] [165] 1867 wird ein gewisser H.S. Blair (Plantation Blairmont) als Unterstützer der Paris Universal Exhibition 1867 gelistet. Er steuerte unter anderem gefärbte und ungefärbte Rums bei. [47]
 

Kartenausschnitt vom Oktober 1798 [212]
Quelle:  www.Gahetna.nl
Dieser H. S. Blair, dessen voller Name William Henry Stopford Blair lautete, war der Schwager und Erbe von James Blair. Seine Schwester war Elizabeth Catherine, die jüngste Tochter von Lieut.-General the Hon. Edward Stopford, welche James Blair 1815 geheiratet hatte. Falls ihr euch nun wundert warum dieser Mann Blair heißt: Er übernahm den Namen seines Schwagers. [176] Dieser Stopford Blair gewann 1862 auf der International Exhibition desselben Jahres mit seinem Rum eine Medaille unter der Kategorie Rum, mit der Bemerkung „Good, full of Charakter.“. [177] William Henry Stopford Blair verstarb kurz nach der Paris Universal Exhibition im September 1868. 

Blairmont, Albion & Port Mourant [192]
Quelle: www.rootsweb.ancestry.com
Die Plantage wechselte bis 1882 den Besitzer und gehörte in jenem Jahr einem gewissen H. K. Davson. [382] Hiermit ist Sir Henry Katz Davson gemeint. Sir Henry Katz Davson lebte von 1830 bis 1909. [383] Seine Firma, die Messrs. Henry K. Davson and Company mit Sitz in London hatte eine Verbindung zur S. Davson & Company Limited in Berbice. [168] Laut dem Handbuch von British Guiana von 1909 befand sich das Anwesen im Besitz der „The Blairmont Sugar Plantation Company Limited“, welche ein Subunternehmen von S. Davson & Company Limited war. Die Nachbarplantage Bath gab es 1909 auch noch und unterstand direkt der S. Davson & Company Limited. [378] Zum Blairmont Anwesen gehörte allerdings schon zu jener Zeit auch die Plantage Providence am Ostufer des Flusses Berbice. Später wurde auch die Plantage Bath dem Anwesen hinzugefügt und die dortige Zuckerfabrik geschlossen.


Im Jahre 1955 wurde eine engere Zusammenarbeit der S. Davson & Co. Ltd mit dem Subunternehmen Bookers Sugar Estates Limited angekündigt. [114] Dies bedeutete nichts anders als die Überführung des Blairmont Anwesens in den Besitz der Booker Gruppe. Dort verblieb es bis zur Verstaatlichung aller Anwesen und Fabriken im Jahre 1976. Das Blairmont Sugar Estate wird heute noch von der GuySuCo genutzt.
 

Blairmont Distillery

© E.H.
Auf einer anderen Karte der Kolonie Berbice aus dem Jahre 1802 bauten die wenigen Plantagen auf der gegenüberliegenden Uferseite von New Amsterdam (also das Westufer des Flusses Berbice) fast ausschließlich Kaffee an. [171] Für den 1. Januar 1838 wird dann nachweislich in einem Bericht die Anpflanzung von Zuckerrohr dokumentiert. [172] Die Umstellung erfolgte wahrscheinlich also zwischen 1802 und 1838. Die erste nachweisliche Rum-Produktion ist durch die Auszeichnung von William Henry Stopford Blair im Jahre 1862 verzeichnet. Vielleicht gibt es noch einen älteren Hinweis, aber dies ist der Älteste, den ich fand. 
Die Blairmont Distillery produzierte ebenfalls nachweislich bis 1960. Hier waren es noch 272.699 Gallonen Rum. Ab 1963 wird sie in dem anderen bereits erwähnten Bericht ebenfalls nicht mehr gelistet. [2] [3] [4] Sieht man sich nun weitere Tabellen an, so gibt es ab dem Jahr 1963 keine weiteren Produktionszahlen. Die Blairmont Distillery wurde also höchstwahrscheinlich schon 1962 geschlossen. [41] Im Rahmen der Rationalisierung wurde die Destillerie wohl eingestellt und ihr brauchbares Inventar zur Hauptanlage der Booker Gruppe nach Uitvlugt gebracht. Zur Paris Universal Exhibition im Jahre 1867 lieferte Blairmont zwei Varianten an Rums (ungefärbt/gefärbt). Also hatte auch Blairmont die Tradition des Färbens praktiziert. [47] 

© E.H.
Für die Blairmont Distillery wird von einigen Autoren das Mark B. angegeben. Broom schrieb auf Seite 82 "... and Blairmont B within a Diamond.". Schaut man sich das Label des Velier Blairmont 1991 Full Proof Old Demerara an, dann bedeuten die Klammern <> eine Andeutung eines Diamanten. Diese neueren Rums, nach 1963, haben eine French Savalle auf dem Label als Angabe. Die beiden French Savalle Stills sollten aber laut Sascha von der Uitvlugt Distillery übernommen worden sein. Heißt das jetzt, dass sie beide auch ursprünglich aus Uitvlugt stammten oder eine später mit der Aufgabe von Blairmont 1962 hinzukam? Eine interessante Theorie, für die es aber keinen Beweis gibt, da ich das Alter beider Savalle Stills nicht kenne. Es ist aber auch plausibel, dass es keine Still nach Uitvlugt geschafft hat. Eine weitere nicht unmöglich erscheinende Möglichkeit wäre, dass eine ganz frühere hölzerne Continuous Still unter Bookers verschrottet wurde und dafür eine der beiden French Savalle Stills in Uitvlugt dessen Kapazität übernahm. Das Anfang des 20. Jahrhundert sehr viele Continuous Stills aus lokalem Holz gebaut, bzw. erneuert wurden, habe ich ja weiter oben bereits geschrieben. Ab wann die Umstellung auf moderne Continuous Stills aus Metall erfolgte wird, wenn überhaupt, nur noch sehr schwer nachzuvollziehen sein.
 


Die Blairmont Zuckerfabrik
Quelle: www.internationalsteam.co.uk
Gegründet: Zwischen 1802 - 1834

Gründer: Lambert Blair

Lage: Auf der Westseite des Flusses Berbice, gegenüber von New Amsterdam.

Status: Geschlossen 1962

Stills: Die French Savalle Still wurde entweder verschrottet oder nach Uitvlugt überführt und von dort nach Diamond zu DDL. Eine mögliche frühere Brennblase aus Holz hat es definitiv nicht bis nach Diamond geschafft.



Albion (Berbice)


Geschichte 


Karte von Berbice ca. 1720 [188]
Quelle: http://en.wikipedia.org/ 
Auf einer anderen Karte von ca. 1720 sieht man noch keine einzige Plantage an der Küste des Flusses Berbice. [121] Auf einer Karte von 1802 befinden sich an der Küste östlich von New Amsterdam zwar schon sehr viele Plantagen, aber fand ich keine Liste mit Namen, welche auch zu dieser Karte gehört. [171] Zu Beginn wurde nur die Region entlang des Flusses Berbice mit Plantagen überzogen. Laut zweier Quellen wurden entweder 1791 oder 1796 die ersten Plantagen an der Küste von Berbice als Lots errichtet. [182] [205] Laut einer der beiden Quellen wurden bis 1799 alle Plantagen bis zum Devil's Creek an der Ostküste errichtet. Bis 1802 wurde die Corentyne Küste dann vollständig in Lots aufgeteilt und erschlossen. 

Auf einer Karte von 1802 findet man die Namen der Besitz der Lots an der Corentyne Küste östlich von Berbice. Dabei stechen zwei Namen besonders hervor. Nämlich die Namen Innes (Lot 5) und Ross (Lot 6). [219] [220] Der Name Ross ist auf John Ross zurückzuführen. John Ross wird als Besitzer der Plantage Nigg in der Ausgabe 16885 der London Gazette erwähnt. Diese Erwähnung ist auf den 16. Februar 1814 datiert. [214] Der Name Innes ist auf William Innes zurückzuführen. William Innes und John Bond erhalten beide als Entschädigung zur Freilassung von 225 Sklaven auf der Plantage Albion die Summe von £10.725 13S und 1D von der britischen Regierung. [120] Was hat die Plantage Nigg nun mit der Plantage Albion zu tun?

Kartenausschnitt von 1802 [219] [220]
Quellen:  www.Gahetna.nl  & www.Gahetna.nl
Beide Plantagen werden am 7. Juni 1847 für 1000 Dollar verkauft. Hierbei werden sogar die Lots erwähnt. Albion hatte laut dieser Quelle den Lot 5 und Nigg den Lot 6. [215] Dies deckt sich nun mit den Namen aus der Karte von 1802. Folglich existierte Albion nachweislich schon um 1802, nur gab es dort noch keine Anpflanzung. [219] [220]

Das Albion Estate wird auch namentlich in einem Brief von Henry Light an Lord John Russel erwähnt. Darin wird der Beginn der Zuckerrohranpflanzung auf dem Albion Estate im nächsten Monat angekündigt. Das Schreiben stammt vom 15. September 1840. [1] Interessanterweise schreibt Henry Light, dass Albion zum ersten Mal seine Produktion aufnehmen wird. Ich denke hiermit ist die Zuckerrohrproduktion gemeint, denn das Estate ist, wie wir oben festgestellt haben, weit älter als dieses Datum. Interessanterweise befinden sich an der Küste auf der Karte von 1802 ausschließlich Plantagen, welche Baumwolle kultiviert hatten oder dafür vorgesehen waren. 1802 wurde dort aber leider nichts angepflanzt, auch kein Zuckerrohr. [171]

Nach einem Bericht änderte sich dies nicht bis zum 1. Januar 1838. Ab dem 31. Dezember 1846 wird dort die Plantage mit dem Zusatz „Converted into sugar“ angegeben. Dies würde sich auch mit dem oben erwähnten Schreiben decken und zwischen 1838 und 1846 wurde auf Zuckerrohr umgestellt. [172]

1860 gehörte die Plantage Albion der Firma Cavan Brothers and Company. [384] Sie blieb in deren Besitz bis zum Jahre 1865. In besagtem Jahr wurde die Colonial Company Limited gegründet. Diese öffentliche Firma kaufte die Plantagen und Anwesen der Firmen Messrs Cavan, Lubbock & Co. (ehemals Cavan Brothers and Co.) und Messers Wm. Burnley Hume & Company. Diese befanden sich in Demerara, Berbice, Trinidad und Barbados. [385] Die Colonial Company Limited wurde 1901 liquidiert und Albion wurde in die New Colonial Company Limited überführt. [386] Diese Firma lebte nur bis zum Jahre 1913. In besagtem Jahre wird auch sie liquidiert. [387] Albion kam dann schließlich in die Hände der Firma Curtis, Cambell & Company Limited.. Mit dem späteren Zusammenschluss von Messrs. Curtis Campbell & Co und Booker Bros., McConnell & Company Limited wechselte das Albion Estate ab dem 20. Oktober 1939 den Besitzer und gehörte ab diesem Jahr zur Booker Gruppe. [113] [115] Das Sugar Estate wird auch weiterhin noch für die Zuckerrohrproduktion unter GuySuCo eingesetzt.

Albion Distillery 


Mark from Albion AW (Enmore Still)
Im Jahr 1966 wurden in der Albion Distillery nachweislich noch 370.622 Gallonen Rum produziert. [2] Laut den Autoren Hugh Barty-King und Anton Massel verschmolz auch die Albion Destillerie mit einem der drei Überlebenden bis 1971, wobei Diamond Liqours mit der Diamond Distillery ausscheidet.Das heißt, dass zwischen 1967 und 1971 die Albion Distillery aufgelöst wurde. Wie oben bereits schon einmal erwähnt, übernahm die Uitvlugt Distillery die Kapazität von vier Destillieren von 1960 bis 1971. Drei Destillieren waren dieser Umstellung schon zum Opfer gefallen. Albion ist also die letzte und vierte Destillerie, welche wohl in diesem Zeitraum eingestampft wurde. Das hieße also, dass in der Albion Distillery zwischen 1967 und 1969 der Betrieb eingestellt wurde. Warum 1969? Weil gerade explizit 1969 als Ende der Rationalisierung im Zusammenhang mit der Uitvlugt Distillery erwähnt wird, vermute ich auch dieses Jahr als das letzte aktive Jahr der Destillerie. Hierzu kann ich nun endlich etwas handfestes berichten. Ingvar Thomsen, ein dänischer Journalist, führte im Jahre 2005 ein Interview mit Yesu Persaud durch. Hier kommt die Information von Mr. Persaud, dass Albion bereits im Januar des Jahres 1968 geschlossen wurde. 1969 war Albion also schon längst geschlossen. [464]

Folgende Marks kenne ich aus Albion: A.N. und A.W.. Velier gibt beim Velier Albion 1986 Full Proof Old Demerara 25 YO das Mark A.W. und eine Wooden Continuous Still an (auf der Box). Beim Velier Albion 1994 Full Proof Old Demerara 17YO ist das Mark A.N. und ebenfalls eine Wooden Continuous Still angegeben. Der Velier 1983 Full Proof Old Demerara 25 YO hat ebenfalls das Mark A.N. und hat auch die Angabe Wooden Continuous Still. Das Mark des Velier Albion 1989 Full Proof Demerara kenne ich leider nicht, hier wurde auch eine Wooden Continuous Still auf dem Label angegeben. Alle Rums stammen aber aus der Post – Albion Ära nach 1969.

Das Mark A.N. könnte auf den Zusammenschluss der beiden Plantagen Albion und Nigg hindeuten. Es waren direkte Nachbarn. Eine Quelle aus 1841 listet zudem ein Sugar Estate Albion and Nigg. [196] Dieser Stil wurde mit einer hölzernen Coffey Still gebrannt. Dieser Stil wurde laut den Abfüllungen von Velier mit einer hölzernen Coffey Still gebrannt. Laut dem Chart von Stefanie Holt wird dieser aber heutzutage mit einer French Savalle Still hergestellt. Gab es hier eine Umstellung? Es sieht wohl ganz danach aus. 
 

An dem Mark A.W. soll die Port Mourant Still beteiligt sein. Laut Luca Gargano kam die Double Vat Still nicht direkt nach der Schließung der Port Mourant Distillery nach Uitvlugt sondern zuerst nach Albion. Sie verbrachte in der Albion Distillery eine scheinbar unbekannte Zeitspanne und steckte ursprünglich hinter diesem Rumstil. Aber ab wann verließ sie Albion wieder? Man könnte nun annehmen, dass dies mit der Schließung der Albion Distillery einher ging. Aber warum veröffentlichte dann Cadenhead einen 36YO Rum aus Uitvlugt mit dem Mark P.M. und der Angabe Pot Still aus dem Jahrgang 1964 (1964 – 2001)? Albion existierte bis mindestens 1967. 

Ich fand etwas sehr interessantes, dass etwas Klarheit in dieses Rätsel bringen könnte. Ich fand eine Art beruflichen Lebenslauf eines gewissen Harold Birkett. Was hat dieser Mann nun mit allem zu tun? In der Auflistung seiner Aktivitäten ist folgender Eintrag zu lesen:

Albion Distilleries, Albion, Guyana (1965 - 1967)
Manager - Fermentation, distillation, aging, blending, warehousing rum for 10,000 liter/day pot still batch rum plant and 6000 liter/day continuous still rum plant.“ [224] 

Das Albion Anwesen in den 1920igern
Quelle: chs-jccss.org
Es gab 1947 nur noch zwei Distillerien die Pot / Vat Stills besaßen. Versailles existierte 1965 noch und somit kann diese erwähnte Pot Still nur die Port Mourant Still sein. Eine Quelle im Internet listet die Produktionsdaten der Stills. Diffordsguide erwähnt eine Produktionskapazität der Port Mourant Still mit 3000 Gallonen der ersten Vat Still und 2000 Gallonen der zweiten Vat Still. 10.000 Liter wären 2641,72 US Gallonen oder 2199,69 britische (imperial) Gallonen. Leider weiß ich nicht, wie viel Rum aus annähernd 3000 Gallonen Maische ("Wash") gebrannt werden können. Ich fürchte diese Zahlen verraten einem Brennmeister mehr als mir. Dennoch erhärtet dieser Hinweis in meinen Augen den Verdacht, dass die Port Mourant Still tatsächlich eine Weile bei Albion gestanden haben könnte. [224] [225]

Das Albion Anwesen in der Moderne
Quelle: chs-jccss.org
Wie kam dann die Abfüllung von Cadenhead mit der Angabe Uitvlugt und P.M. Aus 1964 zustande? Wenn nicht nur die Still sondern auch Fässer voll gereiften Rum nach Uitvlugt gelangten, dann stimmen auch die Angaben von Cadenhead. Dieser Rum wäre dann allerdings nicht komplett kontinental gereift. Dies kann man aber nun leider nicht mehr nachvollziehen, da er komplett vom Markt verschwunden ist. Ich denke man kann sicher davon ausgehen, dass die Port Mourant Still erst mit der Stilllegung der Albion Distillery nach Uitvlugt gelangte. Luca Garganos könnte also recht haben. Leider fehlt mir hierzu eine weitere Quelle, um diese Sache endgültig zu klären. 

Ein Rum von Velier mit dem Namen Albion aus 1986 listet aber eine Wooden Continuous Still als Ursprung auf dem Label. Das muss nun zwangsläufig nichts bedeuten, denn ein Rum-Stil ist nicht unlösbar mit einer Still verbunden. Der Stil A.W. könnte also früher wirklich in der Port Mourant Still und später mit der Enmore Still destilliert worden sein. Eine Quelle bezüglich Diamond behauptet auch, dass ihre damalige hölzerne Coffey Still eine vergleichbare Qualität lieferte als es die Vat Still vermochte. [86] Es ist also durchaus theoretisch möglich.


© E.H.
Das es eine ursprüngliche Still aus der Albion Distillery bis nach Diamond geschafft hat bezweifle ich gewaltig. Es deutet vieles darauf, dass der ganz frühe Rum aus Albion aus einer hölzernen Coffey Still stammte. DDL listet aber nur eine einzige verbliebene Wooden Coffey Still und jene stammt eben aus Enmore. Ich denke es ist sicher anzunehmen, dass man den Geschmack der anderen Brennblase gut genug mit der aus Enmore nachahmen konnte und die ursprüngliche Still aus Albion außer Dienst stellte. Ob dies nun über Enmore oder über Uitvlugt zu Diamond geschah, ist denke ich eher zweitrangig. Diese Still gibt es in meinen Augen nicht mehr. 

Warum bin ich mir nun so sicher, dass es eine Wooden Coffey Still in Albion gab? Sehen wir uns die Zahlen wieder einmal an. Diese Continuous Still in Albion produzierte 6000 Liter Rum pro Tag. [20] Eine Quelle aus 1983 sagt hierzu etwas interessantes: “The versatile John Dore-Tri Canada continuous still can process wash at a rate of 250 proof gallons an hour, replacing a wooden 'Coffey' still making 120 gallons an hour.” [20] Eine Coffey Still aus Holz konnte also ungefähr 120 Gallonen an Rum in der Stunde produzieren. Bei 12 Arbeitsstunden wären dies 1440 Gallonen. Dies wären ca. 6546,37 Liter (bei britischen/imperial Gallonen) oder 5450,99 Liter (US Gallonen). Dies würde nun fast passen. Allerdings weiß ich nicht, wie lange damals dort ein Arbeitstag war. Auch war nicht jede Coffey Still absolut identisch. Ich denke der Output variierte ein wenig, aber nicht gewaltig zwischen den einzelnen Coffey Stills. In meinen Augen kann man sicher von einer hölzernen Coffey Still bei Albion ausgehen. Diese wurde mit der Aufgabe der Albion Distillery allerdings verschrottet und kam nicht nach Uitvlugt.

© E.H.

Gegründet: Zwischen 1802 - 1803

Gründer: William Innes

Lage: Das Estate liegt westlich des Dorfes Rose Hall (heute eine Stadt mit ca. 8000 Einwohnern) an der Ostküste des Flusses Berbice. Genauer gesagt an der Küste Corentyne, westlich des Port Mourant Estates.

Status: Destillerie geschlossen im Januar 1968

Stills: Die Wooden Coffey Still aus Albion wurde verschrottet.


Versailles (Demerara)


Geschichte

Kartenausschnitt von 1759 [132]
Quellen: http://dpc.uba.uva.nl
Für dieses Estate müssen wir etwas weiter ausholen. Die Plantage befand sich etwas nördlich der Plantage La Grange auf der Karte von 1798. Dieselbe Plantage hieß 1759 noch Plantage des Granges. Die Plantagen von 1759 mit den Nummern 2, 3 & 4 zerfielen später auf der Karte von 1798 in die Namen Meer Zorgen, Schoon Oord, 't Goed Fortuin, Versailles, Klein Poederoyen. Auf dieser Karte von 1759 findet man schon den Namen L'amirault. Er war Teilhaber an der damaligen Plantage Jerusalem am Ostufer des Flusses Demerara. [132] [122]

Auf zwei Karten von 1776 wird die Plantage Versailles das erste Mal erwähnt. Besitzer ist ein gewisser Pierre L'amirault. Dann muss es wohl einen Wechsel des Besitzers gegeben haben. Auf Karten von 1783 und 1784 wird ein gewisser Cornette als Besitzer gelistet. 1786 wird wieder P. Lamirault als Besitzer des Lots 8 gelistet. Dies ändert sich bis 1798 nicht. Dann wird L. Lamirault als Eigentümer der Plantage Versailles (Lot 8) gelistet. Damit ist Marie Jeane Luisa Lamirault gemeint. [217] [218] [122]

Kartenausschnitt von1783 [211]
Quelle: http://www.gahetna.nl
Diese Marie Jeane Luisa Lamirault wird im Verzeichnis der Kolonisten von British Guiana geführt. [133] Die Plantage Versailles wird schließlich 1816 von Marie Jeane Luisa Lamirault zum Verkauf angeboten. Diese Frau war die Witwe von F.C. DeCornette. [134] Entweder heiratete sie F.C. DeCornette nach dem Tod von Pierre L'amirault (ihren 1. Ehemann), behielt aber ihren früheren Namen bei oder sie war die Tochter von Pierre L'amirault und hatte diesen Mann geheiratet. Was jetzt genau zutrifft kann ich leider nicht sagen. 

Später gehörte das Versailles Estate der Pln Versailles & Schoon Ord Ltd., was auf einen Zusammenschluss mit der Schoon Ord & Meerzorg Plantage von 1831 nahelegt. [23] Die Schoon Ord Plantage befindet sich etwas weiter südlich, also nicht weit weg von der Versailles Plantage. [53] In einer Fußnote wird die Aussprache von Versailles und Schoon Ord erklärt. Ver-sales und Skoon-Ord.[35] Die Plantage Goed Fortuin lag zwischen den Plantagen Versailles und Schoon Ord. [45]


Kartenausschnitt von 1786 [127]
Quelle: http://dpc.uba.uva.nl/ 
Zur Zeit der Emanzipation registrierte ein gewisser Francis de Ridder im Jahre 1832 351 Sklaven auf der Plantage Versailles. Dieser Herr könnte die Plantage direkt von Marie Jeane Luisa Lamirault im Jahre 1816 gekauft haben. [409] Später gelangte die Plantage Versailles in den Besitz eines gewissen John Croal (1789 – 1853). [410] Bei seinem Tod hinterließ er nicht nur die Plantage Versailles sondern auch die Plantagen Palmyra und Malgre Tout. [411] Zwischenzeitlich gelangte die Plantage Versailles schließlich in den Besitz der Firma Thomas Daniel & Company. Im Jahre 1882 besaßen die Erben von Thomas Daniel noch die Plantage Versailles zusammen mit der Plantage Chateau Margo. [382] Eine Quelle von 1985 erwähnt das Anwesen von Versailles, bestehend aus den ehemaligen Plantagen „Malgrè Tout“ und die südliche Hälfte von „Klien Poderoyen“. [388] Es musste wohl also ein Zusammenschluss zwischen 1853 und 1882 stattgefunden haben. 

Kartenausschnitt von 1792 [209]
Quelle: www.Gahetna.nl
Das Anwesen wurde 1896-97 von der Firma Meers. Wieting and Richter Limited gekauft. Diese formte ein lokales Syndikat, welches im Handbuch von British Guiana von 1909 im Zusammenhang mit dem Anwesen genannt wird. Es hieß „The Versailles Plantation Company Limited“. [389] [378] 1917 wird Wieting & Richter wieder im Zusammenhang mit der „VERSAILLES Plantation Company, Ltd“ erwähnt. [390] Wieting & Richter besaßen auch die Plantage Nismes, welche bis 1922 anscheinend mit Versailles fusionierte, da in besagtem Jahr die Firma „Versailles and Nismes Sugar Estate Companies, Ltd“ erwähnt wird. [391] Schließlich wird in einer Quelle von 1929 das Anwesen direkt mit der Booker Bros., McConnell & Co., Ltd in Verbindung gebracht, welche dort als Besitzer von Versailles angegeben werden. [393] Der Name änderte sich bis 1934 zu Versailles Estate Limited. [113] Bis zum Jahre 1937 verschmilzt die Plantage Schoon Ord mit Versailles und der neue Name war fortan „Plantation Versailles & Schoon Ord, Estates Limited“. [395] Der Name änderte sich anscheinend noch einmal, denn 1949 wurde das Anwesen im besitz von „Plantation Versailles & Schoon Ord Limited“ gelistet. [396]

Das erwähnte VSG Mark von Sascha, welches eine Verbindung zum Versailles Estate aufweist, könnte eine Kombination aller drei Plantation sein (Versailles, Schoon Ord, Goed Fortuin), denn wie wir gesehen haben, übernahm das Anwesen Versailles eine Vielzahl von anderen Plantagen. Das Mark SXG könnte ebenfalls auf zwei der Plantagen hinweisen (Schoon Ord & Goed Fortuin). Fest steht, dass die Schoon Ord Plantage nachweislich 1867 Rum brannte und einige Samples davon zur Paris Universal Exhibition brachte. Darunter waren nicht nur ungefärbte Rums sondern auch eine gefärbte Variante. [47] Die Versailles Zuckerfabrik schloss 1978 unter der GuySuCo. [10] Das Versailles Estate wird heute nicht mehr von der GuySuCo verwendet.

Versailles Distillery

Auf der alten Karte von 1798 wird als kultivierte Pflanze Kaffee angegeben. [122] [123] In einer Auflistung der Sklavenbestände aller Sugar Estates in British Guiana von 1833 pflanzte die Plantage neben Kaffee dann auch schließlich Zuckerrohr an. [7] Im Zeitraum von 1838 bis 1846 wurde der Anbau von Kaffee schließlich fallen gelassen und es wurde ausschließlich nur noch Zuckerrohr angepflanzt. [172] Die Versailles Plantage baute laut einer anderen Quelle 1829 schon mehr Zucker (192,850 Lbs) als Kaffee (66,340 Lbs) an. Im Jahre 1842 waren es sogar nur noch 678 Lbs Kaffee. 1845 wird Kaffee überhaupt nicht mehr erwähnt. [180] 



Kartenausschnitt vom Oktober 1798 [212]
Quelle: www.Gahetna.nl
Der Bau einer Zuckermühle auf der Versailles Plantation wird ebenfalls in einem Bericht über Holzladungen von 1854 am Rande erwähnt. [8] Fast so als ob es nicht wichtig wäre. Aber eine Mühle ermöglicht schon einmal eine direkte Verarbeitung des Zuckerrohrs auf der Plantage und damit auch anfallende Melasse zur Rumproduktion. Die Rum-Produktion begann also wahrscheinlich erst im 19. Jahrhundert. Sowohl die Nachbarplantage Schoon-Ord als auch Versailles vertraten British Guiana bei der Worlds Columbian Exposition in Chicago 1893 mit Rum-Samples. [179] Schoon Ord, welche später mit Versailles verschmolz, trat bereits viel früher bei der Paris Universal Exhibition im Jahre 1867 öffentlich mit Rum-Samples auf.  


Kartenausschnitt von 1798 [122]
Quelle: http://dpc.uba.uva.nl/
Die Versailles Distillery war nachweislich bis 1966 noch aktiv im Rum Geschäft. In diesem Jahr waren es noch 58.290 Gallonen. [9] Die Produktionszahlen aus 1967 (3.406.000 Gallonen) suggerieren den Eindruck, dass es die erwähnten Destillerien aus 1966 (2.642.076 Gallonen) in dem Bericht auch noch im Jahre 1967 gegeben haben müsste, da die Rumproduktion erheblich gesteigert wurde. Sicher ist dies nicht, da die einzelnen Destillerien für dieses eine Jahr nicht angegeben sind. Aber ab 1971 wird sie definitiv bei den Zusammenschlüssen der Destillerien nicht mehr erwähnt. D.h. zwischen 1967 – 1971 verschwand auch diese Destillerie. Laut dem Interview von Ingvar Thomsen wurde die Destillerie des Anwesens erst im November 1978 geschlossen. Dies bedeutet, dass die Rum-Destillerie zusammen mit der Fabrik in diesem Jahr außer Betrieb genommen wurde. [464] Betrachtet man die Produktionszahlen, dann war Versailles fast immer der kleinste Produzent. Hatten sie wirklich nur diese eine Single Wooden Pot Still? Es scheint fast so. 

Von diesem alt ehrwürdigen Estate stammt die bereits erwähnte Single Wooden Pot Still. Nach dem Verschwinden der Versailles Distillery wurde sie zur Enmore Distillery transferiert. Sie war berühmt für ihre goldenen Rums zur langen Lagerung. [21] Hier gibt es keine Zweifel. Diese Still ist bei Diamond noch aktiv und stammt auch aus Versailles. Laut Diffordsguide wurde die Single Wooden Pot Still / Single Vat Still 2006 erneuert und teilweise mit neuen Holz ausgestattet. [173] 
 
Mark from Versailles VSG

Gegründet: Zwischen 1759 und 1776

Gründer: Pierre L'amirault

Lage: Das Versailles Estate lag auf der Westseite des Flusses Demerara. Also Gegenüber der Hauptstadt Georgetown und südlich von der Stadt Vreed En Hoop (Peace and Hope / Friede und Hoffnung).

Status: Destillerie & Fabrik wurden im November 1978 geschlossen.

Stills: Single Wooden Pot Still (Single Vat Still)





Enmore (Demerara) 


Geschichte

Kartenausschnitt v. 1784 [207]
Quelle: www.gahetna.nl 
Angeblich wurde das Enmore Sugar Estate um 1840 herum gegründet. Dies behaupten zumindest einige Quellen. Das dies so nicht stimmt werden wir gleich feststellen. Thomas Porter (1748 – 1815) war ein englischer Händler aus Tobago der sein Glück in British Guiana suchte und auch fand. Er kaufte 1782 Lot 27 auf der Ostseite des Demerara um Baumwolle anzupflanzen. Mit nur 20 Sklaven begann er. 1798 besaß Thomas Porter die Plantagen Hoope (Hope), Paradise und eine nicht beim Namen bekannte Plantage. 1800 kehrte er zurück nach England und baute dort das „Mansion Rockbeare House”. Seine Plantagen hinterließ er seinen beiden Söhnen Henry und Thomas II. [135] [136] [137]

Kartenausschnitt v. 1786 [127]
Quelle: http://dpc.uba.uva.nl/ 


Eine der Quelle nennt zwar das Lot 27, allerdings weiß ich nicht auf welche Karte sie sich bezieht. Eine Karte aus 1784 gibt für das Lot 44 an der Ostküste der Kolonie Demerara einen gewissen Porther an. Ich denke es ist anzunehmen, dass hiermit Thomas Porter gemeint ist. [207] Eine weitere Karte aus 1792 spricht Thomas Porter schon zwei Plantagen zu, bestehend aus drei Lots. Das Lot 24 ohne Namen mit der Nachbarplantagen Haslenton gehört zur Plantage Hope Lot 25 und die Plantage Paradise Lot 27. [208] [209]



Kartenausschnitt v. 1792 [209]
Quelle: www.Gahetna.nl
Sein Sohn Henry Porter (1791 – 15. Oktober 1858) bekam als Entschädigung für seine 569 Sklaven auf der Plantage Enmore von der britischen Regierung die Summe von £35,960 14S 8D. [138] Die Plantage Paradise ging an seinen Bruder Thomas II. Dieser bekam £19295 8S 0D für 385 Sklaven auf dieser Plantage als Entschädigung. [139] Die Plantage Enmore bekam ihren Namen wohl also unter Henry Porter. Ihre Nachbarn Porters Hope und Haslenton identifizieren sie als die Plantage ohne Namen, welche bis mind. auf 1792 (Lot 24) zurückzuführen ist. Ich nehme an, dass Enmore vielleicht sogar die erste Plantage von Thomas Porter war.



Rums from the Enmore Coffey Still ELCR & EHP
Walter Rodney schreibt in seinem Buch von 1979 E.H.P. was used as the call letters for Enmore, commemorating E. Henry Porter.“ [26] Damit ist der vermutliche Gründer von Enmore Edward Henry Porter gemeint. In einem Buch von 1957 werden bei Enmore folgende Marks in Verbindung mit diesem Estates gebracht. NP, KFM, EHP, MXE und KF. [27] Die Initialen KFM werden in Verbindung mit der Plantation Lusignan gebracht. Die Plantage Mon Repos (MXE) verschmolz mit der Plantage Lusignan (KFM) im Jahre 1930. [28]

Das Mark von Mon Repos MXE könnte Mon Repos & Endragt bedeuten. Die Mon Repos Plantage wird tatsächlich mit diesem Namen in der Liste von 1833 erwähnt. [16] Und sie brannte nachweislich 1867 Rum für die Paris Universal Exhibition 1867. [47] Das Mark E.H.P. kann auf die hölzerne Continuous Still zurückgeführt werden. Die ursprüngliche Still von Enmore. Später kam erst die hölzernen Vat Still aus Versailles dazu. Ein weiteres Mark ist E.L.C.R. und laut Velier stammt diese ebenfalls von der Enmore Still. [170] Dieses Mark definiert also einen leichten Rum aus dieser hölzernen Still, während hingegen der Rum mit EHP einen mittleren Körper zu besitzen scheint. Wofür ELCR steht ist nicht ganz geklärt. Einige Forenmitglieder im Minsitryofrum glauben es bedeutet Enmore Light Coloured Rum. Wie wäre es stattdessen mit Enmore Light Coffey/Column Rum? Leider gibt es hierfür keinen Beweis und ich tendiere eher zur ersteren Variante.

 
Rums from Enmore with the marks REV & KFM
Über das Mark KFM fand ich noch etwas interessantes: K.F.M. means K.F. McKenzie. The rum in question was made from muscovado molasses, and was distinguished even from the Lusignan rum which was a by-product of the 83. 84. vacuum-pan. Generally speaking, Guiana rum did not enjoy as high a reputation as that of Jamaica.“ [29] Die Lusignan Plantage brannte also anscheinend Rum mit dem Mark KFM. Über die Plantage Lusignan fand ich auch etwas. Kenneth Francis Mackenzie (1749 – 1831) geboren in Redcastle, Ross-shire in Schottland kaufte zwischen den späten 1780igern und den frühen 1790igern die Plantage Lusignan. Ihm zu Ehren wurde das Mark der Lusignan Plantage zu K.F.M. [140] [141] Eine spätere Verschmelzung beider Plantagen erscheint also naheliegend, da auch ein Rum mit diesem Mark unter Enmore gebrannt wurde. Die Plantagen Enmore, Lusignan und ihre Fabriken gehörten um 1948 der Enmore Sugar Estates Ltd. [32] Dies würde die Verschmelzung bestätigen und die Verwendung des Marks im Jahre 1957 auch erklären.
 
Kartenausschnitt vom Oktober 1798 [212]
Quelle:www.Gahetna.nl
Wofür R.E.V. steht muss sich erst noch zeigen. Vorerst fand ich hierzu keine Informationen. Die Marks A.W.M. (Pot Still), V.N.L. (Column Still), X.P.D. (Pot Still) und E.D.G. (Column Still?) und ihre Bedeutung bleiben auch vorerst im Dunkel der Zeit verborgen. Das Mark N.P. könnte für die Plantage Non Pareil (oder auch manchmal Nonpareil) stehen, welche sich in direkter Nachbarschaft zur Enmore Plantage befand. [30] Die Plantagen Enmore and Non Pareil wurden anscheinend auch später zusammengefasst. Dies erweckt die gemeinsame Erwähnung beider Plantagen in einer Auflistung. [31] Non Pareil selbst wurde später zu einem Dorf und in den 1940iger Jahren aufgegeben. [48] Diese Plantage besaß nachweislich eine Zuckerfabrik, welche in ihrem äußeren Aufbau auf der Calcutta International Exhibition 1883-84 schematisch vorgestellt wurde. Diese Plantage könnte also durchaus auch in der Vergangenheit Rum gebrannt haben. [181] 

Bild der alten Enmore Plantage (Datum unbekannt)
Quelle: inguyana.blogspot.de
Die Plantage befand sich 1860 noch immer im Familienbesitz und den Erben von Henry Porter, welcher 1858 verstorben war. Ludovic Porter, ein Familienmitglied, wird als Manager der Plantage angegeben. [384] Eine Quelle von 1882 wird da etwas genauer. Nach ihr war Henry Aylmer Porter der Besitzer der Enmore Plantage im Jahre 1882. [382] Dieser Mann lebte bis 1902. Im Handbuch zu British Guiana von 1909 werden als Besitzer die Verwalter von Henry Porter (verstorben) angegeben. Hiermit ist wohl Henry Aylmer Porter gemeint, welcher 7 Jahre zuvor verstorben war. [378] Den nächsten Hinweis den ich fand betrifft das Jahr 1923. Hier wird die Booker Brothers McConnell & Company Limited als Verwalter des Anwesens genannt. Allerdings waren sie nicht die Besitzer. Für wen sie es verwalteten haben ist dort nicht zu finden. [392] Auch eine Quelle von 1927 erwähnt die Bookers als Verwalter von Enmore. [394] Erst eine Quelle von 1934 gibt als Besitzer der Enmore Estates, Limited die Firma Curtis Campbell & Company an. Ab wann diese in den Besitz des Anwesens von Enmore gelang habe ich leider nicht herausfinden können. [113] Was danach allerdings geschah ist klar. Mit dem Zusammenschluss von Curtis Campbell & Company mit der Bookers Bros., McConnell & Company. gelangt Bookers an das Enmore Anwesen. Das Anwesen selbst verbleibt im Subunternehmen Enmore Estates Limited. [396] [13] Das Enmore Anwesen wird weiterhin von der GuySuCo genutzt. Seit 2011 übernimmt die Zuckerfabrik bei Enmore das Zuckerrohr des La Bonne Inention Anwesens. [381]

Enmore Distillery


Kartenausschnitt von 1798 [122]
Quelle: http://dpc.uba.uva.nl/
Bis 1813 produzierte die Enmore Plantation hauptsächlich Baumwolle. Ab jenem Jahr wurden die Produktion von Baumwolle schrittweise auf Zucker umgestellt, da der Preis für Zucker immer weiter stieg und der für Kaffee und Baumwolle sank. Im Jahre 1829 wurde noch Kaffee (22,785 Lbs) und Baumwolle (55,500 Lbs) angebaut. 1830 machte Zucker (60,000 Lbs)schon den Hauptanteil der Ernte aus. Kaffee (8,600 Lbs) und Baumwolle (3,300 Lbs) waren aber noch minimal vertreten. [180] Um 1832 herum war die Enmore Plantation eine blühende Zuckerplantage mit ungefähr 728 Sklaven. [11] Auch auf der Enmore Plantage wurde in meinen Augen nicht früher als im 19. Jahrhundert mit dem Brennen von Rum begonnen.
 
Bei der London International Exhibition 1862 war Enmore nur mit einer Zuckerprobe vertreten (Anhang A Position 15). Sie wurde von einem gewissen Ludovic Porter gestiftet. [178] Zur Paris Universal Exhibtion 1867 wurden wieder nur einige Sorten Zucker, gewonnen aus Vakuumkörpern (vacuum pans), zur Verfügung gestellt (Anhang A Positionen 26 & 28). [47]


Kartenausschnitt von 1823 [185] [186]
Quelle: http://en.wikipedia.org
Mit dem Zusammenschluss von Messrs. Curtis Campbell & Co und Booker Bros., McConnell & Company Limited gehörte das Enmore Estate ab dem 20. Oktober 1939 zur Booker Gruppe. Damit gehörte später sowohl das Estate Versailles als auch Enmore zur Booker Gruppe. [115] Die Versailles Distillery wurde nach der Unabhängigkeit Guyanas 1966 geschlossen. Ihre Single Wooden Pot Still kam nach Enmore. Die Enmore Distillery wurde später in die Demerara Distilleries Limited überführt, welche ein Subunternehmen der Guyana Distilleries Limited war. Dieser Name wird uns bei der Uitvlugt Distillery noch einmal begegnen. [160] Dieses Unternehmen blieb bis 1966 ihm Besitz der Booker Gruppe und wurde 1966 verkauft.

Im Jahre 1983 fusionierten schließlich die Guyana Distilleries Limited (Uitvlugt), mit ihrem Subunternehmen der Demerara Distilleries Limited (Enmore), mit der Diamond Liquors Limited (Diamond) zum Unternehmen Demerara Distillers Limited (DDL), welches bis heute noch existiert. [161] Laut Sascha wurde die Enmore Distillery 1993 geschlossen. Stimmen aber die Angaben einiger unabhängiger Abfüller, dann wurde noch 1995 auf der Enmore Plantation Rum gebrannt. Ab 1995 wurden dann alle Stills zur Uitvlugt Distillery transferiert (zumindest das was zu gebrauchen war). Gemäß den Informationen des Interviews von Ingvar Thomsen allerdings wurde die Enmore Destillerie im April 1994 geschlossen. Da diese Information relativ „zeitnah“ gegeben wurde (2005) und von Yesu Persaud stammt, halte ich sie auch für glaubwürdig. [464] Das Sugar Estate wird hier ebenfalls noch benutzt und es wurde später eine Verpackungsfabrik errichtet. Die letzte verbliebene Wooden Coffey Still bei DDL stammt aus der alten Enmore Distillery. Sie besteht hauptsächlich aus Holz und soll um 1880 herum gebaut worden sein.

Rums with the mark MEA


Gegründet: Zwischen 1784 – 1792 (1798 - 1823)

Gründer: Thomas Porter (Lot) / Henry Porter (Namen)

Lage: Das Estate lag an der Ostküste des Flusses Demerara. Also zwischen dem Fluss Demerara und dem Mahaica Creek.

Status: Destillerie geschlossen im April 1994 ; Fabrik noch aktiv

Stills: Wooden Coffey / Continuous Still




Port Mourant (Berbice)

Geschichte 

Marks from Port Mourant MP, MPM, UPM
Das Port Mourant Sugar Estate wurde laut DDL im Jahre 1732 gegründet. Dazu fand ich keine Quelle außer DDL selbst. Aber ich fand etwas anderes, wenn auch nicht ganz so alt. Ein gewisser Esq. Stephen Mourant wird im Verzeichnis der Kolonisten erwähnt. Er verstarb am 19. April des Jahre 1824. Auch ein William Carabin Mourant ist dort zu finden. [142] Das Port Mourant Estate wird in einer Ausgabe der London Gazette im Jahre 1823 als Besitztum von Stephen Mourant erwähnt. [143] Der Name des Estates geht also auf diese Familie zurück. Zur Gründung von Port Mourant werde ich weiter unten noch etwas mehr ins Detail gehen. 

Im Jahre 1824 verstarb Stephen Mourant, wie man einer Ausgabe der London Gazette vom 4. Januar 1825 entnehmen kann. [365] Der vermutlich direkt nächste Besitzer des Estates war Donald Ross. Während der Emanzipation bekam Donald Ross im Jahre 1835 von der britischen Regierung für seine 147 Sklaven £12,083 14S 9D. Donald Ross verstarb 1839 und in diesem Jahr wurden wieder etwaige Gläubige des Port Mourant Estates aufgerufen ihre Ansprüche geltend zu machen. Donald Ross hatte drei Brüder: George, Hector und John Ross, welche allesamt Plantagenbesitzer in British Guiana waren. [144] [365] Am 26 März 1842 wurde das Estate dann schließlich an einen gewissen M. von Rader für G$ 32.000 verkauft. Zu diesem Zeitpunkt wurde auf dem Estate nachweislich immer noch Zuckerrohr angepflanzt. [12] Die Handelsmarke des Demerara Rums P.M. stand für die Plantage Port Mourant. P.M. waren also ihre Initialen, bzw. ihr Mark. [33] Unter Velier wurde ein Rum von 1997 mit dem Mark U.P.M. veröffentlicht. Das U. steht anscheinend für Uitvlugt (Uitvlugt Port Mourant). Das würde auch Sinn ergeben, da zu diesem Zeitpunkt die Port Mourant Still dort stand. Mein Dank geht hier an Cyril von durhum.com. P.M. Steht, wie gesagt, ohne Zweifel für Port Mourant. Das Mark M.P.M ist eine veränderte Version des Stils P.M. und wurde bereits von WMCadenhead und Velier abgefüllt. Es steht höchstwahrscheinlich für Modified Port Mourant. Die Bedeutung des Marks G.M. (Pot Still) ist mir noch nicht bekannt. Cadenhead füllte einige Rums aus den Jahrgängen 1974 & 1975 mit diesem Mark ab. Was ich allerdings sagen kann ist, dass der Rum am Gaumen und im Abgang sehr leicht daher kommt. Vielleicht eine leichte Version von P.M.? Wer weiß.

Am 24. Juli 1851 wird die Firma John Kingston & Company im Zusammenhang mit der Port Mourant Plantage erwähnt, als diese wieder einmal verkauft werden soll. Einer anderen Quelle nach kaufte John Kingston, der Inhaber jener Firma, die Port Mourant Plantage 1852 und behielt diese bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. [367] [368] Was geschah danach? Ich fand etwas ganz interessantes. Im Jahre 1906 wurde die Firma George Fletcher and Company von Booker Bros., McConnell & Company mit der Lieferung einer neuen Zuckermühle beauftragt. Es ist genau diese Firma, welche Bookers später im Jahre 1956 aufkaufte um sich neben dem Zuckergeschäft weitere Geschäftsfelder zu eröffnen. Man kannte die Firma also schon sehr lange. Bookers musste die Port Mourant Plantage also zwischen 1900 und 1906 gekauft haben und formte ein Subunternehmen, welches im Handbuch von British Guiana von 1909 genannt wird. Es ist die „Plantation Port Mourant Limited.“ [378] [397] Bookers gab bis zur Verstaatlichung dieses Anwesen nicht mehr her. Bis 1960 wird das Anwesen in die Booker Sugar Estates Limited überführt. [13] Es gibt Hinweise, dass das Port Mourant Sugar Estate mit dem Albion Sugar Estate organisatorisch zusammengefasst wurde, was auch möglich erscheint, da beide Nachbarn waren.

Port Mourant Distillery


Kartenausschnitt von 1780 (1771) [187]
Quelle: http://en.wikipedia.org/ 
Laut einigen Autoren gibt es die Port Mourant Distillery schon seit der Gründung der Plantage im Jahre 1732. Auf welche Quellen sie sich beziehen ist mir nicht bekannt. Diese Aussage setzt allerdings in meinen Augen auch voraus, dass dort auch seit jenem Jahr Zucker angebaut werden musste, da der Rum damals nur ein Nebenprodukt der Zuckerindustrie war. Ich fand bei meinen Nachforschungen etwas interessantes heraus. Auf einer Karte von 1802 sind alle Plantagen an der Küste zum Meer östlich von New Amsterdam sämtlich Baumwolle-Plantagen. Dort gab es also keine einzige Zuckerrohr-Anpflanzung an der gesamten Küste im Jahre 1802. Somit fällt auch eine Verwertung der Melasse einer Nachbarplantage aus. Auf der Port Mourant Plantage kann also erst frühestens im 19. Jahrhundert Rum gebrannt worden sein. [171] Dazu möchte ich auch noch eine andere Quelle aus 1841 zitieren:


Kartenausschnitt von 1802 [219] [220]
Quellen: www.Gahetna.nl  & www.Gahetna.nl
 Before Berbice surrendered to the British, in 1796, almost all the plantations were at a distance from the coast, considerably up the banks of the Berbice and the Canje; but within a very short time after the colony came into our possession, the plantations were greatly extended. The west coast was first cultivated; and, in the year 1799, that to the eastward of the river Berbice, as far as the Devil's Creek, was cleared and cultivated. This part was surveyed and cut into two parallel lines of estates, with a navigable canal between them for the convenience of water-carriage. Behind the second row of estates run the river Canje, both the banks of which are cultivated with sugar, coffee and plantains. The estates are distinguished as follows: those on the line facing the sea are the coast estates; the second line consists of the canal estates; and the remainder are called the Canje estates.” [182] 

Kartenausschnitt vom Oktober 1798 [212]
Quelle: www.Gahetna.nl
Eine andere Quelle aus 1888, ein gewisser Pieter Marinus Netscher schreibt, dass der Gouverneur von Berbice Abraham Jacob van Imbijze van Batenburg schon am 12. Januar 1791 46 Lots mit jeweils 500 Acre am Westufer der Küste von Berbice errichten ließ, hauptsächlich für Baumwolle. [205] Auf einem Teilausschnitt einer Karte von 1799 kann man die Plantagen an der Ostküste bis zum Devils Creek sehen. Dieser Teilausschnitt würde sich mit Aussage der anderen Quelle aus 1842 decken, dass es bis 1799 an der Ostküste Berbices eben nur bis zum Devils Creek Plantagen gab. Eine weitere Karte vom Oktober 1798 bestätigt diese Annahme. Dort gibt es ebenfalls nur Plantagen bis zum Devils Creek. [212] Den Namen Mourant findet man dort auch nicht.

Es kann also gar keine Plantage mit dem Namen Port Mourant vor 1791, 1796 oder sogar 1798 an der Ostküste von Berbice gegeben haben, egal welche der Quellen man nun den Vorzug geben möchte. Die Karte aus 1780 (angeblich aus 1771) zeigt nur die Plantagen am Fluss Canje. Das an der Küste als erstes Baumwolle angepflanzt wurde, belegt auch ein entsprechender Hinweis, der sich mit der Karte aus 1802 deckt: “Cotton thrives best on the coast estates, and it is on these therefore that it is principally cultivated.” [183] Auf besagter Karte aus 1802 findet man an der Corentyne Küste in Berbice den Namen Mourant auch nicht. [219] [220] Einen weiteren Hinweis liefert eine Ausgabe der London Gazette vom 30. Mai 1813: 

London Gazette, Ausgabe 16794, 26. Oktober 1813
Quelle: www.thegazette.co.uk
Whereas I the undersigned, by authority obtained from His Excellency J. Murray, Brigadier-General and Acting Governor of Berbices dependencies, &c. &c. &c. granted upon a petition of F. Cort, as attorney of Charles Simpson, John Wilson, and Alexander Grant, who are attornies for John and Robert Gladstone, of Liverpool, Merchants, have caused to be taken in execution and sequestration, the cotton estate Port Mourant, situated on the Corentyne coast of this Colony, with all its slaves, buildings, cultivations, &c. the property of the said Stephen Mourant.“ [216] 

Wenn es noch irgendwelche Zweifel gab, dann dürften diese hiermit endgültig ausgeräumt sein. Es gab 1813 eine Baumwolle - Plantage mit dem Namen Port Mourant in Berbice. Zucker wurde dort aber nicht kultiviert. Das später ein entsprechender Kulturwechsel bei der Anpflanzung erfolgte ist dagegen unbestreitbar. Auch Pieter Marinus Netscher schreibt, dass die Anpflanzung von Baumwolle nicht lange währte und Kaffee und Zucker diese rasch verdrängte. Ein genauer Zeitraum wird leider nicht genannt. Ein Bericht von 1847 gibt eine Zuckerrohr-Anpflanzung für den Zeitraum vom 1. Januar 1836 bis zum 31. Dezember 1846 an. [172] Die Umstellung musste also zwischen 1813 und 1836 erfolgt sein. Früher kann es die Port Mourant Distillery in meinen Augen auch nicht gegeben haben. Und tatsächlich habe ich etwas interessantes gefunden. Ich zitiere aus einer Ausgabe (17764) der London Gazette vom 13. November 1821: 

London Gazette, Ausgabe 17764, 13. November 1821
Quelle: www.thegazette.co.uk
Sale by Execution.- First Proclamation 
Whereas I the undersigned by the virtue of authority received from His Honour Henry Beard, Esq. President of the Honourable the Courts of Criminal and Civil Justice of this Colony, dated the 19th January and 20th March 1821, granted upon the petitions presented by H. Stall, qq the heirs of the Late William Ord, deceased, plaintiff, against Stephen Mourant, defendant, have caused to be taken in execution, and placed under sequestration, the sugar estate called Port Mourant, situated on the Corentyn Coast, within this colony, with all its cultivation, slaves, buildings, and further appurtenances whatsoever thereto belonging ; be it therefore known, that I the undersign, or the Marshal for the time being, intend to sell at execution sale, after expiration of one year and six weeks, from the 2nd day of April 1821, the abovementioned estate called Port Mouant, with all its cultivation, slaves, buildings, and further appurtenances whatsoever thereto belonging and specified in the inventory, laying at the Marshal's Office, for the Inspection of those concerned, in order to recover, out of the proceeds of the sale of the said estate (if possible) such sum of money for which the same was taken in execution, and put under sequestration : all conformably to the regulations of the Honourable Court of Civil Justice of this Colony, dated the 20th December 1820, respecting the sale of the estates by execution therein. 
The first proclamation published, by beat of drum, from the Court-House of this colony, and further dealt with according to law.--Berbice, 15th April, 1821.“ [364]


Demerara Rums from Guyana
bottled by Bristol Spirits Limited
Das Anwesen wurde also zwischen 1813 und 1821 auf Zucker umgestellt. In diesem Zeitraum wurde höchstwahrscheinlich auch die Port Mourant Distillery gegründet, um die anfallende Melasse der Zuckerproduktion in Rum umwandeln zu können. Die Plantage selbst wurde zwischen 1802 – 1813 gegründet.   
  
Nun gibt es aber eine interessante  Möglichkeit, oder besser gesagt eine Theorie, die ich leider nicht nachprüfen kann. Was wäre, wenn DDL ihr Statement auf eine Inschrift der metallenen Kupferteile der Vat Stills stützt, auf denen das Jahr 1732 zu lesen wäre? Was würde dies bedeuten? Nach obiger Recherche wäre der einzige und konsequente Schluss, dass Stephen Mourant eine oder beide Stills von einer anderen Plantage kaufte, die ihren Betrieb am oberen Flusslauf des Flusses Berbice aufgab oder sogar aus der angrenzenden niederländischen Kolonie Surinam. Auch dort wurde Rum gebrannt. Die Port Mourant Vat Stills wären demnach wahrscheinlich alte Stills von einer unbekannten Plantage, die ab der Erleichterung der Handelsbeziehungen im Jahre 1732 diese Kupferteile für die Stills gekauft hat. Vielleicht auch aus England. Das Holz wurde dann in Guyana selbst besorgt, oder die Stills könnten per Auftrag auch in England angefertigt worden sein, so wie die Enmore Coffey Still auch angeblich zu Beginn hergestellt wurde. Das Holz der Kolonie wurde ja auch exportiert. Dies ist nun alles sehr theoretisch und bleibt eine so lange Vermutung bis man herausgefunden hat worauf sich DDL stützt, wenn es um das besagte Jahr 1732 geht. Die Destillerie an sich ist in diesem Jahr nicht gegründet worden. Die Möglichkeit, dass die kupfernen Teile der beiden oder einer der Stills so alt sein könnten und von woanders zugekauft wurden, nämlich während der Umstellung von Baumwolle auf Zuckerrohr zwischen 1813 und 1821, bleibt aber bestehen. Da allerdings das Holz in regelmäßigen Abständen ausgetauscht wird sind diese metallenen Teile die einzigen Komponenten, die noch so alt sein können.  

© E.H.
Wann wurde die Port Mourant Distillery nun geschlossen? Dazu weiß anscheinend niemand etwas greifbares, oder will es zumindest nicht öffentlich machen. Sehen wir doch einmal in die bereits erwähnten Produktionsberichte. 1954 wurden noch 215.884 Gallonen Rum gebrannt. [3] Aber 1958 fehlt von ihr bereits jede Spur. Sie ist in dem Bericht von 1958 – 1960 nicht mehr dabei. [4] Die Port Mourant Distillery wurde also anscheinend 1954 – 1958 stillgelegt. Und tatsächlich: wirft man wieder einen Blick in die Produktionstabellen, so war das letzte aktive Jahr 1955. [42] Auch diverse Quellen nennen dieses Jahr und bringen es in Verbindung mit der Schließung der Port Mourant Factory. [43] [44] 

Damit wäre auch das Schicksal der Port Mourant Distillery endgültig geklärt. Sie fiel wohl ebenfalls der Rationalisierung unter Bookers zum Opfer. Allerdings kam die Double Vat Still zuerst nach Albion und nicht nach Uitvlugt. Sie blieb bei Albion bis zur Schließung der dortigen Destillerie zwischen 1967 und 1969. Erst dann kam die Double Vat Still zur Hauptanlage der Bookers Group. Bei Albion schrieb ich schon ausführlich zu diesem Thema und verweise gern auf diese entsprechenden Abschnitte. Alle Rums ab 1955 sollten also nicht mehr von diesem alten Estate stammen. Auch hier, wie bei Versailles, gibt es keine Zweifel an der Identität der Still. Sie stammt wirklich aus Port Mourant und wird bei DDL auch verwendet.
© E.H.

Gegründet: Plantage zwischen 1802 – 1813 ; Distillerie zwischen 1813 - 1821

Gründer: Stephen Mourant

Lage: Das Estate befand sich östlich des Dorfes Rose Hall (heute eine Stadt mit ca. 8000 Einwohnern) an der Ostküste des Flusses Berbice. Genauer gesagt an der Küste Corentyne.

Status: Fabrik und Destillerie geschlossen in 1955

Stills: Double Wooden Pot Still (Double Vat Still)







Uitvlugt (Demerara) 

Kartenausschnitt von 1776 [217]
Quelle: http://www.gahetna.nl/
Geschichte


Es gibt zwei Karten von 1759. Auf einer ist kein Hinweis zu den Plantagen an der Westküste von Demerara zu finden. Auf einer anderen dagegen wurden handschriftliche Hinweise hinzugefügt. Dort wird ein gewisser Johan Frederik Boode als Besitzer der Plantage Groote en Klyne Uitvlugt erwähnt. Die Plantage Cornelia Ida gehörte zu diesem Zeitpunkt e Hon v. Rynevelt & Zoonen. Diese Notiz muss also zwischen 1759 und 1786 anzusiedeln sein, da J. Boode diese Plantage nachweislich 1786 zugeschrieben wird. [132] [145] 


Kartenausschnitt von1784 [207]
Quelle: http://www.gahetna.nl
Eine Karte von 1783 zeigt an der Westküste eine Plantage mit einem Besitzer Namens Boode. [210] [211] Vergleicht man die Namen der Besitzer der Nachbarplantagen mit den Karten von 1784 und 1798, dann ergibt sich das folgende Bild. [122] [207] Das bedeutet, dass die spätere De Uitvlugt Plantage (1798) J.F. Boode schon 1783 gehörte (Lot 21 auf der Karte 1784). Die Namen der Besitzer der Nachbarplantagen haben sich bis 1798 nur geringfügig geändert und bestätigen dies. Eine weitere Eingrenzung erlaubt eine Karte von 1776. Dort wird auch die Plantage De Uitvlugt zusammen mit dem Namen Boode erwähnt. [221] Uitvlugt muss also zwischen 1759 und 1776 gegründet worden sein.



Kartenausschnitt von 1786 [127]
Quelle: http://dpc.uba.uva.nl/ 
Johan Berend (oder auch Barend) Christoffer Frederick Boode wurde am 17. Februar 1733 in Blankenburg (Brunswick) geboren und verstarb am 28. Dezember 1796 in Demerara. Er besaß fünf Plantagen in Demerara und Essequebo. Darunter auch die Uitvlugt Plantage und Cornelius Ida. Letztere wurde später von Enkelin Anna Catherina Duker geerbt. Eine der Quellen, Jean-Paul Arnoul behauptet, dass Johan Berend Christoffer Frederick Boode schon 1749 ankam. [146] [147] [127]

Andreas Christian Boode (gelegentlich auch Andries Christian Boode oder Andrew Christian Boode genannt) (1765 – 1844) war auch ein niederländischer Plantagenbesitzer. Er war der Sohn von Johan Berend Christoffer Frederick Boode. J. F. Boode registrierte 306 versklavte Personen von A.C. Boode (seinem Sohn) auf dem Groote en Klijn Uitvlugt Estate 1832. Dafür bekam er während der Emanzipation der Sklaven £14.236 16S 6D von der britischen Regierung zugesprochen. Laut dem Verzeichnis der Kolonisten von British Guiana verstarb er im Jahre 1844. Auf einer Webseite wird ein genaueres Datum genannt und zwar der 31. Oktober 1844. [147] [148] [149]


Kartenausschnitt von 1792 [209]
Quelle: www.Gahetna.nl
Die Plantage Groote en Klijn Uitvlugt Estate, welche 1833 erwähnt wird, hat die Nachbarplantagen Zeeburg und Vrees an Hoop. Die Plantage De Uitvlugt um 1798 hat die Nachbar Zeebergen und Vrees en Hoop. Ich denke man kann mit Gewissheit annehmen, dass die spätere Groote en Klijn Uitvlugt Plantage die frühere De Uitvlugt Plantage war. Es gibt, was die Geburtsdaten des John Christian Boode angeht, einige Unstimmigkeiten. Einmal wird er im Jahre 1824 schon als 18 Jahre ausgewiesen und ein anderes mal, im Kolonialverzeichnis, wird das Geburtsjahr 1816 angegeben. Das Todesdatum ist bei beiden Quellen jedoch identisch. Es ist der 1. Februar 1870. [147] [150]



Kartenausschnitt vom Oktober 1798 [212]
Quelle: www.Gahetna.nl
DDL selbst gibt an, dass das Uitvlugt Sugar Estate im 18. Jahrhundert gegründet wurde. Auf welche Quellen DDL sich beruft ist mir nicht bekannt. Die Bedeutung des Namens wird mit „Flowing out“ übersetzt. [25] Im Jahre 1841 wird die Uitvlugt Plantation erwähnt. [36] In einem Buch werden mit dem Estate Uitvlugt folgende Marks in Verbindung gebracht: ICB/U, DK, ICB/C und ICB. [37] Welche ehemaligen Plantagen sich dahinter verbergen ist noch zu klären. ICB/U wird mit Uitvlugt selbst von vielen Autoren in Verbindung gebracht. Eine mögliche theoretische Erklärung dieses Marks wäre eventuell der Name des Gründers (Johan Christoffer Boode / Uitvlugt). Allerdings wird Johan mit „J“ und nicht mit „I“ geschrieben. Vielleicht wurde im Laufe der Zeir aus dem „J“ ja ein „I“ oder es hat einen triftigen Grund für diese Schreibweise. Das ist wie gesagt alles rein theoretisch und ich habe keinen Beweis hierfür. Laut einem Bericht von K&L Wine merchants steht dieses Mark für Isaac Christiany Boody / Uitvlugt. [418] Diese Information kommt anscheinend von D.D.L. oder GuySuCo und klingt nach einer verzerrten und abgänderten Version von Johan Christoffer Boode. D.K. war das Mark der Plantage De Kinderen, welche sich westlich von Uitvlugt befand. Das Mark SP ICBU ist auf dem Velier Uitvlugt 1988 Full Proof Old Demerara 17 YO zu finden. Was SP bedeutet ist mir nicht bekannt. Zwei neue Rums von Velier weisen die Marks U.L.R. und M.G.S. auf. U.L.R. steht für Uitvlugt Light Rum. Was sich hinter Modified G.S. verbirgt ist noch nicht ganz klar. Beide Rums sollen aber aus der French Savalle Still stammen. Vielleicht steht das S für Savalle, aber wer weiß das schon.

Die Uitvlugt Zuckerfabrik mit dem "Mark" am Schlot
Quelle: guysuco.com
Andreas Christian Boode (1765 – 1844) hatte einen Sohn und eine Tochter. Diese Tochter, Phoebe Boode, heiratete 1826 einen gewissen Isaac William Webb Horlock. [408] Die Plantagen bekam nach dem Tode von Andreas Christian Boode sein Sohn John Christian Boode. Das Mark lautet nach K&L Wines „Isaac Christiany Boody / Uitvlugt“. Hat dieser Isaac William Webb Horlock also irgendetwas mit dem Isaac im Mark der Plantage zu tun? Vielleicht gab es eine Partnerschaft zwischen den beiden Herren, die zu dieser Abkürzung führte. Dies kann ich leider weder bestätigen noch dementieren. Die Plantage Uitvlugt befindet sich 1860 im Besitz eines gewissen J.C. Boode. [384] Hierbei handelt es sich um John Christian Boode (1807 – 1870), dem einzigen Sohn von Andreas Christian Boode. John Christian Boode heiratete Clementina-Elizabeth-Mary Bayntun, die Tochter von Admiral Sir Henry-William Bayntun am 6. Juni 1834. Er hatte zwei Töchter und verstarb am 1. Februar des Jahres 1870. [406] [407] [408] Danach musste die Plantage wohl verkauft worden sein, denn A.C. McCalman(?), die Erben von Josias Booker und John McConnell besaßen die Plantage Uitvlugt im Jahre 1882. [382] McConnell verblieb als Einziger im Jahre 1885 im Besitz dieser Plantage, als der letzte der Familie Booker, John H. Booker, im Jahre 1885 seine Anteile an John McConnell verkauft. [369] Im Handbuch zu British Guiana von 1909 werden als Besitzer die Verwalter von John McConnell („Trustees of John McConnell (deceased)“) erwähnt. [378] Hiermit sind seine beiden Söhne und die von ihnen um 1900 herum fusionierte Firma, die Bookers Bros McConnell & Company Limited, gemeint. Ab 1934 wurde sie dann im Subunternehmen Booker Demerara Sugar Estates gelistet. An diesem Besitzstand sollte sich bis zur Enteignung der Firma im Jahre 1976 nichts mehr ändern. Die Fabrik und das Anwesen werden heute noch von GuySuCo genutzt.


Uitvlugt Distillery  

Auf der Karte von 1798 wird noch Kaffee auf der De Uitvlugt Plantage angepflanzt. [122] [124] In einem Bericht über die Sklaven um 1833 wird auf der Groote en Klijn Uitvlugt Plantage schon teilweise Zuckerrohr neben Kaffee angepflanzt. [7] Ab dem 1. Januar 1838 wird auf der nun Uitvlugt genannten Plantage nachweislich nur noch Zucker angebaut. [172] In Zeit von 1798 und 1833 musste also die Umstellung der Anpflanzung erfolgt haben. Und tatsächlich: Sieht man sich eine weitere Quelle an, dann findet man für das Jahr 1829 fast nur noch Zucker (874,350 Lbs) und einen sehr minimalen Anteil an Kaffee (5,000 Lbs). Bei der Ernte im Jahre 1832 ist dieser vollständig verschwunden. [181] Ich halte einen früheren Betrieb der Uitvlugt Distillery weit vor 1798 für ausgeschlossen.


Kartenausschnitt von 1798 [122]
Quelle: http://dpc.uba.uva.nl/
Ob die beiden ursprünglichen French Savalle Stills, die nun als eine vier Säulen Anlage bei Diamond zusammengebaut wurden, wirklich aus dem 18. Jahrhundert stammen, ist in meinen Augen nicht so sicher. Wieso? Armand Savalle und sein Sohn Dèsirè Savalle erfanden die Savalle Still im 19. Jahrhundert. Ein US Patent der Savalle Still ist auf das Jahr 1868 datiert. Wie kann man eine Still aus dem 19. Jahrhundert ins 18. Jahrhundert zurück datieren? [174] [175] Das Alter des Estates hat leider nichts mit der Geschichte der Destillerie zu tun. Das Estate ist schließlich älter und dementsprechend wird gern mit diesen Gründungsjahren der Plantagen Werbung gemacht. Eine kleine Augenwischerei, wie ich persönlich finde. Hier wird indirekt eine Tradition suggeriert, die so nicht existiert hat.

© E.H.
1960 wurde die Destillerie von Bookers erneuert und gehörte dem Subunternehmen Guyana Distilleries. Sie übernahm seit jenem Jahr die Produktion von vier Destillerien, welche der Rationalisierung innerhalb des Unternehmens zum Opfer fielen. Da Port Mourant 1955 schon geschlossen wurde kann sie hier auch nicht mit diesen vier Destillerien ab 1960 gemeint sein. Die fraglichen Destillerien waren: La Bonne Intention (1960), Skeldon (1960), Blairmont (1962) und Albion (1967 - 1969). Anscheinend wurden die Stills dieser Destillerien entweder übernommen oder wurden überflüssig, wenn man schon eine ähnliche Still besaß. Alle vier genannten Destillerien gehörten nach und nach der Booker Gruppe. Guyana Distilleries blieb bis zum (gezwungenen) Verkauf aller Besitztümer an die guyanesische Regierung im Jahre 1976 auch im Besitz der Booker Gruppe. [159]

Johann Barend Christoffer Fredric Boode
Porträt gemalt von Anton Graff
Quelle: search.ancestry.com
Am 27. August 1975 wurde die Destillerie unter der Hand der Regierung anscheinend wieder erneuert und in Uitvlugt eröffnet. Der Minister of Ecomnomic Development Desmond Hoyte hielt dort eine Rede. [40] Im Jahre 1983 fusionierten schließlich die Guyana Distilleries Limited (Uitvlugt) mit der Diamond Liquors Limited (Diamond) zum Unternehmen Demerara Distillers Limited, oder kurz DDL. [161]

Der letzte gebrannte Jahrgang aus der Port Mourant Double Vat Still bei Uitvlugt war 1999. Sowohl Bristol Spirits Limited, A.D. Rattray und Plantation Rum haben diesen Jahrgang bisher veröffentlicht. Laut dem Interview von Ingvar Thomsen wurde die Uitvlugt Destillerie noch im Dezember des Jahres 1999 dicht gemacht. Dies war also tatsächlich der letzte Jahrgang dieser Destillerie. [464] Dann kamen alle noch zu gebrauchenden Stills zur Diamond Distillery und dort stehen sie auch noch heute. Um die Jahrtausendwende konnte sie auch dort Dave Broom auf seiner Reise für sein Buch Rum bestaunen. Man kann sie auf der offiziellen Homepage von DDL bewundern. Auch hier wird das Uitvlugt Sugar Estate noch genutzt.

Von Uitvlugt selbst blieben nur die French Savalle Stills erhalten. Eine Art Column Still, welche ein leichtes Destillat produziert. Ob beide nun wirklich aus der Uitvlugt Distillery stammen oder eine von Blairmont übernommen wurde ist anscheinend von offizieller Seite aus geklärt. Hier kommt die Info das beide Stills von Uitvlugt stammen. Ob dies wirklich stimmt ist denke ich nicht mehr sicher nachzuvollziehen, aber möglich wäre es, dass eine ursprünglich von Blairmont stammt. An der Aussage, dass beide Stills von Uitvlugt sind ändert sich ja nichts, wenn eine der beiden ursprünglich bei Blairmont stand und übernommen wurde. Dies geschah ja bereits 1962 und bis 2000 verging eine sehr lange Zeit.
© E.H.


Gegründet: Zwischen 1759 und 1776

Gründer: Johan Berend (Barend) Christoffer (Christopher) Frederick (Fredric) Boode

Lage: An der Westküste (nicht Westufer!) des Flusses Demerara. Das gleichnamige Dorf hat ungefähr 2000 Einwohner.
Status: Destillerie geschlossen im Dezember 1999

Stills: French Savalle Still(s). Jede Still hat zwei Säulen. Zusammen ergeben sie eine Vier-Säulen-Anlage.




Diamond (Demerara)


Kartenausschnitt von 1759 [132]
Quellen: http://dpc.uba.uva.nl
Geschichte

Laut Diffordsguide wurde die Diamond Distillery um 1670 herum gegründet. Ich fand keinen Hinweis für diesem Zeitraum. Vielleicht kommt diese Information wieder einmal selbst von DDL. Das frühesten nachweisliche Datum das ich finden konnte war das Jahr 1753. In diesem Jahr wurde die Diamond Plantage einem John Carter zugesprochen. [151] Das ist nun weit nach 1670. Allerdings fand ich einige Informationen, welche das Jahr 1670 unrealistisch erscheinen lassen. 



Detaillierter Kartenausschnitt v. 1783 [211]
Quelle: http://www.gahetna.nl 
Bei diesen Informationen sticht der Name Laurens Storm van's Gravesande hierbei besonders hervor. Laurens Storm van's Gravesande war der niederländische Kommandeur der Kolonie Essequibo von 1742 bis 1772 und war zu Beginn der Sekretär von Kommandeur Herman Gelskerke. Er erreichte Essequibo im Jahre 1738. Nach dem Tod von Gelskerke Jahre 1742 wurde Gravesande das Kommando über die Kolonie Essequibo übertragen. [198] [199] Dieser Storm van's Gravesande gründete quasi die Kolonie Demerara, gelegen zwischen den Flüssen Berbice und Essequibo, im Jahre 1746. Die Gründung von Demerara ist auf wirtschaftliche Schwierigkeiten in der Kolonie Essequibo und seinem administrativen Talent zurückzuführen. [200] Ich möchte hierzu eine Quelle zitieren:


Detaillierter Kartenausschnitt v. 1784 [207]
Quelle: http://www.gahetna.nl 
However, the difficulties were overcome, the first applicant being Andries Pietersen, probably a Swede, who got the consent of the Company in 1745 and received a grant, on the 3rd of April, 1746, of 2,000 acres on or near the Coeleriserabo Creek. Four other grants were made on the same day, all up the Demerara River, one on the Camoeny of 1,000 acres to Bastian Christiansen, probably another Swede. Christianburg was granted later to Christian Finet of the same nationality.” [201] 

Der erste Landzuspruch durch Storm van's Gravesande in der Kolonie Demerara, und damit die Gründung der ersten Plantage, ist also auf das Datum des 3. April 1746 zurück zu verfolgen. Vorher gab es dort also keine Landverteilungen und dem zur Folge auch keine Plantagen. Das macht Diamond vor 1746 weit mehr als unrealistisch. Eine weiter Quelle untermauert diese Annahme:
 
Kartenausschnitt von 1786 [127]
Quelle: http://dpc.uba.uva.nl/ 
On the promptings of Storm van's-Gravesande, the first plantation on the Demerara was established in 1746, and six years later the rapid growing new settlement had its first commander appointed, although he remained subordinate to the now director-general of Essequibo.” [202]

Dies alles lässt in meinen Augen nur einen Schluss zu: Die Plantage Diamond wurde also zwischen 1746 und 1752, bis zur Erwähnung von John Carter, dem vermutlich ersten Besitzer dieses Landstücks, gegründet. Der Name John Carter wird auch auf einer alten Karte der Kolonien Essequebo und Demerara von 1759 als Eigentümer erwähnt. Es wird außerdem noch das Jahr 1753 genannt. Die Besitztümer befanden sich auf der Ostseite des Flusses Demerara. Laut der Karte war es schon damals eine Zuckerplantage. 

Kartenausschnitt von 1792 [209]
Quelle: www.Gahetna.nl
Auf einer Karte von 1798 verschwindet der Name Diamond und an dessen Stelle auf der Ostseite tauchen die Plantagen Klein Diamant (J. van Ryneveld & Zoon) Groot Diamant (Gehrecke) auf. Anscheinend wurde die Diamond Plantage in zwei kleinere Plantagen aufgeteilt, oder die Groote Diamant war die frühere Diamond Plantage von 1759. Die Nachbarplantage Golden Grove im Süden ist auf beiden Karten immer noch fast an derselben Stelle und untermauert diese Vermutung in meinen Augen. [132] [122] [123] [151] Eine Detailkarte von 1783 vermittelt den Eindruck, dass die beiden Plantagen Little Diamond und Great Diamond schon früher als 1798 auftauchten. [211] Ein Vergleich mit anderen Karten lässt diese Vermutung begründet erscheinen.

Kartenausschnitt vom Oktober 1798 [212]
Quelle: www.Gahetna.nl
Zwischenzeitlich besaß die Diamond Plantage ein gewisser Samuel Welsh. Die Quelle nennt das Jahr 1762 für diesen Plantagenbesitzer. [152] Danach erlebte sie einige Wechsel was den Besitzer angeht. Am 4. Oktober 1848 wird die Plantage Great Diamond von einem M. Steele & G.H. Loxdale für 9.050 guyanesische Dollar gekauft. Zum fraglichen Zeitpunkt wurde dort Zucker angepflanzt. [153] Im Jahre 1856 folgte dann die Plantage Little Diamond. [154] Ab diesem Jahr finde ich die Plantage Little Diamond nicht mehr. Die Great Diamond Plantage selbst wird noch in der London Gazette Ausgabe vom 10 November 1876 unter den Ausgezeichneten Siegern der Philadelphia International Exhibition erwähnt. [155] Die Firma Steele Loxdale and Company kauft also die Anwesen Great Diamond 1848 und Little Diamond in 1856. [398] Besagte Firma allerdings hörte auf am 31.12.1860 zu existieren. [399] Was geschah nun mit den Plantagen? 

Sandbach, Tinne & Co in Liverpool (McInroy Sandbach & Co in Demerara ; 1861 änderte sich der Name zu Sandbach Parker & Co.) kaufte beide Anwesen (1856 hatten sie schon Anteile am Anwesen Little Diamond). Little Diamond verschwindet aus den Aufzeichnungen der Zuckeranwesen. Der Name der anderen Plantage änderte sich später zu “Diamond”. Aber bis zum Jahre 1910 wird sie gelegentlich immer noch Great Diamond genannt. [156] [157] Die im Jahre 1891 neu gegründete Demerara Company übernahm das Diamond Anwesen zusammen mit dem Anwesen Wales und der Plantage in 1891 von Sandbach, Parker & Company Limited. [400] 

Die Destillerie des Diamond Anwesens wurde 1967 in eine neue Firma, die Diamond Liquors Limited, überführt und somit vom direkten Zuckergeschäft getrennt, verblieb allerdings noch immer unter dem Dach der Demerara Company Holding. [401] [158] Bis 1969 verblieb das Anwesen im Besitz der Demerara Company Holding, welche ihre drei Subunternehmen „Demerara Company”, “Sandbach Parker” und “Diamond Liquors” an “Jessels securities” verkaufte. Schließlich gelangte das Anwesen am 26. Mai 1975 durch Verstaatlichung [Vesting of Property (Acquisition or Purchase) Act] in die Hände der guyanesischen Regierung. [402] [403] 2010 kündigte GuySuCo bereits eine Schließung des Diamond Estates an. [54] Diesen Worten folgten offenbar auch Taten, als das Estate wirklich seine Pforten auch um 2012/2013 herum schloss. [55]

Diamond Distillery


Kartenausschnitt von 1798 [122]
Quelle: http://dpc.uba.uva.nl/
Auf den beiden Plantagen Klein Diamant und Groot Diamant wurde laut der Karte von 1798 Kaffee angepflanzt. Die damalige Diamond Plantage von John Carter pflanzte um 1759 noch Zucker an. Es scheint also einen Kulturwechsel gegeben zu haben. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde dann wieder auf Zucker umgestellt. 1833 bauten beide Plantagen sowohl Zucker als auch Kaffee an. Eine Zuckermühle zum Ernten des Zuckerrohrsaftes wird dort jedoch nicht vermerkt. D.h. es gibt keinen sicheren Beweis, dass die damalige Diamond Plantage Zuckerrohr presste und auch daraus Melasse zum Brennen von Rum gewann. Theoretisch hätte man zwar zur südlichen Nachbarplantage De Vrindshap (The Friendship) gehen können, wo die nächste verzeichnete Mühle stand. Aber es gibt hierfür keinen Beweis. In meinen Augen kann in der Diamond (Groote Diamant, Great Diamond) Distillery also frühestens Anfang des 19. Jahrhundert mit dem Brennen von Rum begonnen haben. [132] [122] [123] Im Jahre 1838 wurde nachweislich auf beiden Plantagen nur noch Zucker angepflanzt. Kaffee war anscheinend nicht mehr profitabel genug, also ließ man diese Anpflanzung völlig fallen. [172] Dies bestätigt auch eine andere Quelle von 1851. [180]

Kartenausschnitt von 1823 [185] [186]
Quelle: http://en.wikipedia.org
Zur Paris Universal Exhibition 1867 schickten die Erben von Steele and Loxdale neben zwei Zuckersorten auch 7 ungefärbte Rums (Anhang A Positionen 88 - 94). Zwei davon waren laut Katalog 9 Jahre alt (Positionen 89 & 94). Das heißt es kann von einer gesicherten Destillation im Jahre 1857-58 auf der Great Diamond Plantage ausgegangen werden. Eine weitere Quelle aus 1851 erwähnt in einer Tabelle die Produktion einiger Proof Gallons of Rum auf der Great Diamond Plantage. [223] Dies heißt also, dass kurz nachdem Steele und Loxdale die Plantage 1848 erwarben dort spätestens das Destillieren von Rum begann. [47]

Im Jahre 1983 fusionierte die Diamond Liquors Limited (Diamond) mit der Guyana Distilleries Limited (Uitvlugt) und ihrem Subunternehmen der Demerara Distilleries Limited (Enmore) zu Demerara Distillers Limited. [161] Die heutige Diamond Distillery (Demerara Distillers Limited) befindet sich auch in der Nähe des Diamond Sugar Estates, an den Ostufern des Flusses Demerara südlich von Georgetown, direkt an der East Bank Public Road, welche von Georgetown zum Cheddi Jagan International Airport führt. [50] [51] Die Installation einer großen Destillerie mit einer kontinuierlichen Brennblase auf der Diamond Plantage wird in einem Buch von 1891 erwähnt. [18] Diamond ist einer der letzten überlebenden Rum-Hersteller aus den alten Zeiten. Unter Demerara Distillers Limited wurden fast alle Brennblasen der bereits erwähnten Destillerien unter einen Hut gebracht. Dieses Kulturgut wird von DDL gern auch als eine Art Aushängeschild verwendet, was man auf der Webseite des Herstellers auch sehen kann. 

Mark from Diamond <> W & SVW
Mir sind drei Marks von Diamond bekannt. Der Velier Diamond 1981 Very Old Demerara 31 YO hat das Mark S<W>. Das bedeutet wohl ein S und ein W in einem Diamanten. Der Velier Diamond 1996 Full Proof Old Demerara 15 YO das Mark S.V.W.. Der Velier Diamond 1993 Full Proof Old Demerara 12 YO hat einen Diamanten und rechts daneben ein W. Dieses dürfte höchstwahrscheinlich identisch mit dem <W> des Rums von 1981 sein. Hier ist das W im Diamanten und nicht daneben. Vielleicht ist dieses identisch mit dem <W> des Rums von 1981. Was sich genau hinter den Buchstaben verbirgt ist mir leider nicht bekannt. Vielleicht die Initialen eines früheren Besitzers (Samuel Welsh)? Vielleicht auch nicht. Vielleicht steht W für Welsh oder ist das Mark einer unter Sandbach übernommenen Plantage. Mit Diamond verschmolzen im Laufe der Jahrzehnte die Plantagen Providence, Herstelling, Farm (& Vrede Rust), Peter's Hall und Ruimveld(t).


© E.H.
Betreiben wir nun etwas Gehornakrobatik liebe Leser. Ein neuer Rum von Velier aus Diamond mit dem Jahrgang 1999 und 15 YO hat das Mark <S>, also ein S in einem Diamanten. Auch habe ich ein Foto mit der Kombination S.S.N gesehen. Dieses befindet sich auf dem Label des Velier Diamond 1996 Full proof Old Demerara 16 YO. Ein neuer Blend von Luca Gargano enthielt Rums aus Diamond von 1995 mit dem Mark <SV>. Als ich diese Kombinationen sah habe ich etwas nachgedacht und mir fiel etwas auf. Das Mark SVW könnte aus einer Kombination von <SV> und <W> stehen. Man hätte dann lediglich die Klammern der Diamanten weggelassen. Selbiges ergibt sich beim Mark S.S.N. Dieses könnte höchstwahrscheinlich eine Kombination aus <S> und S.N. sein. Dieses Mark S.N. Habe ich allerdings noch nicht gesehen und laut dieser Theorie könnte es in einem Diamanten gewesen sein, also <SN>. Natürlich ist dies rein theoretisch, aber durchaus möglich. Das Mark S<W> könnte ein verändertes Mark sein (ähnlich M.P.M.). Leider gibt es hierfür keinen Beweis, oder zumindest habe ich ihn noch nicht finden können. Im Laufe der Jahrzehnte absorbierte Diamond genügend Plantagen, die sich hinter genau jenen Marks verbergen könnten. Welches ursprünglich zu Diamond gehörte ist mir noch nicht ganz klar. Gemäß den Informationen von Ingvar Thomsen wird das Mark S.V.W. für die 1950iger Jahre für die Diamond Destillerie erwähnt. Vielleicht ist dieses das ursprüngliche Mark und damit auch der originale Rum-Stil dieses alten Anwesens? [464]

 
© E.H.
Welche Stills nun ursprünglich bei Diamond vor der Konsolidierung standen kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ich schätze aber es dürfte vielleicht eine der Metal Column Stills sein, welche Sascha auf seiner Seite erwähnt. Auf einigen Rums mit Diamond auf dem Label wird auch eine Coffey Still angegeben. Aber dies ist eine Vermutung meinerseits.


Gegründet: 1753

Gründer: John Carter

Lage: Es befand sich südlich von Georgetown am Ostufer des Flusses Demerara.

Status: Aktiv

Stills: Metal Column / Coffey Still (Metal Continuous Still)






------------------------------------------------------------------


Kapitel 9
-
Lost Distilleries of British Guiana 

Von den im fiskalischen Jahr 1898-99 noch 55 existierenden Destillerien mussten bis 1938 46 ihren Betrieb aufgeben. Diese sind mir auch namentlich bekannt und ich kenne auch ihre Geschichten, mehr oder weniger. Beim nächsten großen Update des Artikels auf Version 3.0 werde ich diese eventuell näher beleuchten und etwas näher in den Fokus rücken. Aber fürs erste bleibt es bei dieser Form. Als kleinen Teaser möchte ich hier noch eine Tabelle für das besagte fiskalische Jahr zitieren.



5. The number of Distilleries licensed and their output according to Fiscal Districts is shewn in the following statement:--

1898 - 1899”
District
Number
Gallons
Bulk
Proof
North Essequebo
3
124,047
178,527.48
South Essequebo
4
82,465
118,720.65
Essequebo River
2
30,529
43,830.12
West Coast, Demerara
8
283,482
409.074.86
Foward
17
520,523
750,153.11
West Bank, Demerara
6
82,220
117,827.69
Georgetown
4
175,127.25
267,048.44
East Coast, Demerara
8
291,814.75
416,119.94
Mahaica
7
273,631
399,435.44
West Coast, Berbice
2
148,246
213,011.34
Berbice River
5
169,676
244,968.17
New Amsterdam
4
331,591
488,111.62
Corentyne
2
110,489
165,586.67

55



Die hier nun gelisteten Plantagen vertraten mit Rums bei diversen internationalen Ausstellungen die Kolonie British Guiana. Viele Namen sind in Vergessenheit geraten und wohl nur noch den Einheimischen Guyanas bekannt. Dieser kleine Abschnitt ist eine Art Nachruf für diese verschollenen Brennereien.


Anna Catharina
(Demerara, West coast)
(Karte v. 1798, Lot 18, Kaffee & Baumwolle)

Paris Universal Exhibition 1867
(ungefärbt & gefärbt)
Paris Universal Exhibition 1878
(ungefärbt & gefärbt)

Adelphi
(Berbice, New Amsterdam)

Paris Universal Exhibition 1867
(ungefärbt & gefärbt)

Anna Regina
(Essequibo, east coast)

Worlds Columbian Exposition Chicago 1893
(gefärbt und gealtert)

Aurora 
(West coast Essequibo)
(Karte v. 1798, Lot 44)

Paris Universal Exhibition 1878
(ungefärbt & gefärbt)

Bee Hive 
(New Bee Hive)
(Demerara, East coast)
(Karte v. 1798, Lot 6, Baumwolle)

Paris Universal Exhibition 1867
(ungefärbt & gefärbt)

Belle Plaine
(Wakenaam Island, Essequebo river)

Calcutta International Exhibition 1883-84
(weiß & gefärbt)

Better Hope 
(Beter Hoop; Beeter Hoop) 
(Demerara, East coast)
(Karte v. 1798, Lot 58)
(Karte v. 1823, Lot 15)

London International Exhibition 1862
(ungefärbt & gefärbt)

Cane Grove
(West bank, Mahaica creek)

Paris Universal Exhibition 1878
(weiß & gefärbt)
Calcutta International Exhibition 1883-84
(weiß)

Chateau Margo 
(Chateau Margot)
(Demerara, East coast)
(Karte v. 1798, Lot 49, Kaffee & Baumwolle)

Paris Universal Exhibition 1878
(weiß & gefärbt)
Calcutta International Exhibition 1883-84
(weiß)

Cornelia Ida
(Demerara, West coast)
(Karte v. 1798, Lot 17, Kaffee & Baumwolle)

Paris Universal Exhibition 1878
(weiß & gefärbt)
Calcutta International Exhibition 1883-84
(weiß & gefärbt)

Cuming's Lodge
(Demerara, East coast)
(Karte v. 1798, vermutlich Lot 65 oder Lot 66)
(Karte v. 1823, Lot 9)

Paris Universal Exhibition 1867
(gefärbt)

Cove and John 
(John & Cove; ehemals Cove und The John)
(Demerara, East coast)
(Karte v. 1798, Lot 19 & 20 , Baumwolle)
(Karte v. 1823, Lot 49 & 50)

Paris Universal Exhibition 1878
(gefärbt)

De Willem
(Demerara, West coast)

Paris Universal Exhibition 1878
(weiß & gefärbt)

Enterprise
(Demerara, East coast)
(Karte v. 1798, Lot 30, Baumwolle)

Calcutta International Exhibition 1883-84
(weiß)

Farm 
(The Farm)
(East bank of the Demerara river)
(Karte v. 1798, Lot 18, Kaffee)

Calcutta International Exhibition 1883-84
(weiß & gefärbt)


Greenfield 
(Demerara, East coast)
(Karte v. 1798, Lot 5, Baumwolle)

London International Exhibition 1862
(gefärbt)
Paris Universal Exhibition 1878
(gefärbt)

Goldstone Hall 
(Berbice, New Amsterdam, Canje Creek)
Paris Universal Exhibition 1867

(ungefärbt & gefärbt)

 Hope 
(Hoope)
(Demerara, East coast)
(Karte v. 1798, Lot 25, Baumwolle)
Paris Universal Exhibition 1867
(ungefärbt & gefärbt)
Paris Universal Exhibition 1878
(weiß & gefärbt)
Worlds Columbian Exposition Chicago 1893
(weiß & gefärbt)

Hope and Experiment 
(Berbice, East coast)
Paris Universal Exhibition 1867
(ungefärbt & gefärbt)

Herstelling 
(East bank of the Demerara river)
(Karte v. 1798, Lot 16, Kaffee)

Paris Universal Exhibition 1878
(weiß & gefärbt)

Houston
(ehemals Zorg en Hoop) 
(East bank of the Demerara river)
(Karte v. 1798, Lot 9, Kaffee & Kakao & Zucker)
(Karte v. 1823, Lot 7)

London International Exhibition 1862
(gefärbt und 4 Jahre alt)
Paris Universal Exhibition 1878
(gefärbt)
Worlds Columbian Exposition Chicago 1893
(weiß & gefärbt)

Helena
(De Helena) 
(Mahaica creek, West side)
(Karte v. 1798, Lot 11, Baumwolle)

Paris Universal Exhibition 1878
(gefärbt)

La Grange 
(West bank of the Demerara river)
(Karte v. 1798, Lot 12, Kaffee)
Paris Universal Exhibition 1867
(gefärbt)
Paris Universal Exhibition 1878
(weiß, gefärbt)

Leonora
(De Leonora) 
(Demerara, West coast)
(Karte v. 1798, Lot 21, Kaffee & Baumwolle)

Paris Universal Exhibition 1878
(weiß & gefärbt)
Calcutta International Exhibition 1883-84
(2x weiß)

La Jalousie
(The Jalousie) 
(Demerara, West coast)
(Karte v. 1798, Lot 10, Kaffee)

Worlds Columbian Exposition Chicago 1893
(weiß & gefärbt)

La Bonne Mere 
(Mahaica creek, West bank)

Worlds Columbian Exposition Chicago 1893
(weiß & gefärbt)

La Resouvenir 
(Le Resouvenir) 
(Demerara, East coast)
(Karte v. 1798, Lot 51, Baumwolle)

Paris Universal Exhibition 1878
(weiß & gefärbt)

La Union
(L'Union) 
(Essequibo, West coast)
(Karte v. 1798, Lot 14, Kaffee)

Paris Universal Exhibition 1878
(weiß & gefärbt)

Lusignan 
(Demerara, East coast)
(Karte v. 1798, Lot 39, Baumwolle)

Paris Universal Exhibition 1878
(gefärbt)

Maryville 
(Leguan Island, Essequibo river)

Worlds Columbian Exposition Chicago 1893
(weiß & gefärbt)

Melville 
(Mahaica Creek, West side)

Paris Universal Exhibition 1878
(gefärbt)
Worlds Columbian Exposition Chicago 1893
(weiß & gefärbt)

Mon Repos 
( Demerara, East coast)
(Karte v. 1798, Lot 44, Baumwolle)

Paris Universal Exhibition 1867
(gefärbt)
Paris Universal Exhibition 1878
(gefärbt)

Montrose 
(Demerara, East coast)
(Karte v. 1798, vermutlich Lot 53 & 54, Baumwolle)
(Karte v. 1823, Lot 18)

London International Exhibition 1862
(ungefärbt & gefärbt)
Paris Universal Exhibition 1867
(ungefärbt & gefärbt)

Metenmeerzorg
 (Meer Zorg & Met Zorg) 
(Demerara, West coast)
(Karte v. 1798, Lot 26 & 27, Baumwolle)

Paris Universal Exhibition 1878
(gefärbt)

Nismes
(Nimes) 
(West bank of the Demerara river)
(Karte v. 1759, Lot 7, Kaffee)
(Karte v. 1798, Lot 14, Kaffee)

Paris Universal Exhibition 1867
(ungefärbt & gefärbt)
Worlds Columbian Exposition Chicago 1893
(weiß)

Ogle
(ehemals La Reduit) 
(Demerara, East coast)
(Karte v. 1798, Lot 62)

Paris Universal Exhibition 1878
(gefärbt)
Worlds Columbian Exposition Chicago 1893
(weiß & gefärbt)

Peter's Hall
(Petershall) 
(East bank of the Demerara river)
(Karte v. 1759, Lot 7, Zucker)
(Karte v. 1798, Lot 12, Kaffee)

Paris Universal Exhibition 1878
(weiß)
Worlds Columbian Exposition Chicago 1893
(weiß und/oder gefärbt)

Philadelphia 
(Essequibo, West coast)
(Karte v. 1798, Lot 17, Baumwolle)

Paris Universal Exhibition 1878
(2x gefärbt)

Providence (Berbice)
(Berbice, East bank of the river Berbice)

London International Exhibition 1862
(gefärbt)

Providence (Demerara)
(East bank of the Demerara river)
( Karte v. 1798, Lot 13, Zucker)

Paris Universal Exhibition 1878
(weiß & gefärbt)

Rose Hall 
(Berbice, Canje Creek, später an der east coast of Berbice) 

Paris Universal Exhibition 1867
(ungefärbt & gefärbt)
Paris Universal Exhibition 1878
(weiß)
Worlds Columbian Exposition Chicago 1893
(weiß & gefärbt)

Reliance 
Berbice, Canje Creek)

Calcutta International Exhibition 1883-84
(weiß & 2x gefärbt)

Ruimveldt 
(Ruimveld; ehemals Ruim Zigt) 
(East bank of the Demerara river)
(Karte v 1798, Lot 8, Kaffee)
(Karte v. 1823, Lot 6)

Paris Universal Exhibition 1878
(weiß & gefärbt)

Success
(Succes) 
(Demerara, East coast)
(Karte v. 1798, Lot 50, Baumwolle)

Paris Universal Exhibition 1878
(weiß)
Worlds Columbian Exposition Chicago 1893
(weiß und/oder gefärbt)

Smythfield
(Smithfield) 
(Berbice, East Bank of the river Berbice)

London International Exhibition 1862
(gefärbt)
Paris Universal Exhibition 1878
(weiß & gefärbt)

Schoon-Ord 
(West bank of the Demerara river)
(Karte v. 1798, Lot 10, Kaffee)

Paris Universal Exhibition 1867
(ungefärbt & gefärbt)
Worlds Columbian Exposition Chicago 1893
(weiß & ungefärbt)

Stewartville
(Stuart Ville; ehemals Vrees en Hoop) 
(Demerara, West coast)
(Karte v. 1798, Lot 22, Kaffee & Baumwolle)

Paris Universal Exhibition 1878
(weiß & gefärbt)

Taymouth Manor 
(Essequibo, West coast)

Paris Universal Exhibition 1867
(gefärbt)
Calcutta International Exhibition 1883-84
(weiß & gefärbt)

Tuschen de Vrienden
(Essequebo, East river bank near the coast)

Paris Universal Exhibition 1878
(2 x gefärbt)
Calcutta International Exhibition 1883-84
(gefärbt)
Worlds Columbian Exposition Chicago 1893
(weiß & gefärbt)

Vreed en Hoop
(Vreede en Hoop) 
(West bank of the Demerara river)
(Karte v. 1798, Lot 5, Kaffee)

Paris Universal Exhibition 1878
(weiß)

Wales 
(West bank of the Demerara river)
(Karte v. 1823, Lot 23)

Paris Universal Exhibition 1878
(weiß & gefärbt)
Worlds Columbian Exposition Chicago 1893
(weiß & gefärbt)

Windsor Forest
(Windsor Forrest) 
(Demerara, West coast)
(Karte v. 1798, Lot 9, Kaffee)

Paris Universal Exhibition 1878
(gefärbt)

Zeeburg
(Zeebergen) 
(Demerara, West coast)
(Karte v. 1798, Lot 24, Kaffee & Baumwolle)

Paris Universal Exhibition 1878
(gefärbt)

Zeelugt
(Zeelucht) 
(Demerara, West coast)
(Karte v. 1798 Lot 1, Zucker & Kaffee)

Paris Universal Exhibition 1878
(weiß & gefärbt) 


Dies sind jetzt nur jene Plantagen, die bei einem öffentlichen Ereignis ihre Kolonie British Guiana vertreten haben. Eine Quelle von 1851 listet noch weitere Plantagen, welche anscheinend Rum brannten. Ihre Namen waren Kitty, Vryheid's Lust & Anchor Sheet, Cuming's Lodge, Montrose, Felicity, Amersfort, Vive La Force, Golden Grove, Eccles, Profit, Richmond Hill, Good Intent, Nouvelle Flandres, Cloonbrock, Garden of Eden, Aberdeen, Better und Henrietta.Diese Namen werden Ihnen beim Durchstöbern der alten Landkarten immer wieder begegnen.
Ferner bestätigt diese Quelle auch die Produktion von Rum an den oben erwähnten Plantagen Nismes, La Bonne Intention, Great Diamond, Greenfield, La Grange, Windsor Forrest, Maryville und Zeeburg. [223]


------------------------------------------------------------------


Kapitel 10
-
Die Anfänge der Gegenwart 
(Demerara Distillers Limited)

Screenshot von der D.D.L. Webseite
Dies ist KEINE Werbung!
 Copyright gehört DDL
Die Anfänge dieser Firma gehen auf ein Subunternehmen Bookers zurück. Offiziell wurde Demerara Distillers Limited 1952 gegründet. Diesen Namen fand ich aber in den 1950igern nicht. Stattdessen findet man eine ganz andere Firma: Es ist die Albion Distilleries Limited. Diese Firma könnte 1952 gegründet worden sein und errichtete auch gegen Ende 1956 eine neue Destillerie auf dem Albion Anwesen. Es war diese Firma, welche die Vat Stills von Port Mourant (geschlossen in 1955) übernahm und auf dieser neuen Destillerie bis Januar 1968 verwendete, bevor Albion geschlossen wurde und das Inventar noch unter Bookers nach Uitvlugt gebracht wurde. [423] [424] In einem Jahrbuch der Karibik von 1960 fand ich schließlich die Firma „Guyana Distillers Limited“. [451] Im Jahr 1960 wurde auch die neue Hauptanlage bei Uitvlugt in Betrieb genommen. Uitvlugt befand sich dem Anschein nach also 1960 im Besitz der Firma Guyana Distillers Limited und die Destillerie bei Albion gehörte der Albion Distillers Limited. 

Im Jahre 1960 wurde also, wie schon mehrfach erwähnt, eine neue Destillerie auf dem Uitvlugt Anwesen erbaut und in Betrieb genommen. Dort wurde auch ab jenem Jahr, für wie lange ist mir nicht bekannt, Gin für den lokalen Markt und die West Indies hergstellt. Es war die Bookers Rum Company Limited, welche den Rum blendete und zusammen mit dem Gin exportierte. Hergestellt allerdings wurde er nicht von Bookers Rum Company Limited sondern von der Albion Distillers Limited. Diese Firma besaß die Destillerien in Albion, Uitvlugt, Enmore, Versailles, La Bonne Intention (geschlossen 1951), Skeldon (geschlossen 1960) und Blairmont (geschlossen 1962). Die Albion Destillerie wurde im Januar 1968 geschlossen und mit Uitvlugt zusammengelegt und die kleine Destillerie in Versailles wurde mit der Zuckerfabrik 1978 geschlossen und das Inventar nach Enmore gebracht. Albion Distilleries Limited scheint ab 1972 endgültig verschwunden zu sein. Ein Jahrbuch der Karibik aus 1972 erwähnt die Firma Albion Distillers noch. Ab diesem Zeitraum verschwindet sie jedoch. Auch die Spur zur Firma Bookers Rum Company verliert sich ab diesem Jahr. Nur Guyana Distillers Limited scheint noch zu existieren. [452] Bis 1975 bleiben nur noch die Destillerien in Versailles, Enmore und Uitvlugt übrig. Ich denke es wäre nur eine Frage der Zeit gewesen, bis auch Bookers die Destillerien in Versailles und Enmore stillgelegt hätte und die nutzbare Ausrüstung zur Hauptanlage bei Uitvlugt gebracht hätte. Doch es kam anders. [428]

Screenshot von der D.D.L. Webseite
Dies ist KEINE Werbung!
 Copyright gehört DDL
Was ist mit der Destillerie bei Diamond? Diese gehörte zuerst Sandbach, Parker & Company und später der Demerara Company Limited (ab 1891) und wurde 1967 in die Diamond Liquors Limited überführt, welche fortan das Geschäft rund um Rum verwaltete. 1969 kaufte die Firma „Jessel securities“ die Subunternehmen von der Demerara Company in British Guiana, ging Pleite und die Subunternehmen wurden schließlich verstaatlicht. Im Jahre 1976 nahm die staatliche Firma Guyana Liquors Corporation (G.L.C.) die Diamond Liquors Limited nach der Verstaatlichung unter ihre Fittiche. Es folgte folgte auch das Subunternehmen von Bookers, die Guyana Distilleries Limited. Die Guyana Liquors Corporation besaß 1976 also die letzten Destillerien in Guyana: Uitvlugt, Versailles, Enmore und Diamond. Es war auch GLC, welche den Umbau der Werft und den Bau des neuen Bulk-Terminals für Tanker in 1977 und 1978 plante und veranlasste. Im Jahre 1983 wurden genau jene beiden Firmen zur Demerara Distillers Limited (D.D.L.) fusioniert. Im Rahmen einer Effizienzsteigerung und Kosteneinsparung wurden schließlich alle Stills auf einem Gelände zentralisiert. Dies bedeutete die Schließung der Enmore Destillerie 1993-95 und die Schließung der Uitvlugt Destillerie im Jahre 2000. Es verblieben nur Fässer als eine Art Warenlager in Uitvlugt. Demerara Distillers Limited gehört formal zur Guyana Liquors Corporation. Im Jahre 1992 wurde die Marke „El Dorado“ mit einem 15 jährigen Blend gestartet. Es existierte auch ein 12 jähriger Blend, den „King of Diamonds 12 YO“. Daneben gab es auch einen „Fruit Cured Rum“, der wohl der Nachfolger des „Bookers Fruit Cured Rum“ darstellte, und einen Rum namens „High Wine('s)“. Offenbar wollte man sich nicht ganz vom Bulk-Handel abhängig machen. Die Rums der Marke El Dorado werden direkt in Guyana abgefüllt und dann exportiert. Im Jahre 2002 kam der El Dorado 21 YO zum Portfolio der Hausmarke. Auch verschwand der „King of Diamonds 12 YO“ und an seine Stelle trat der El Dorado 12 YO. Wann genau dies allerdings geschah ist mir nicht bekannt. Zum Portfolio gehören auch noch jüngere Rums. Der vermutlich erste „El Dorado 25 YO“ kam 2005/2006 als erster Verteter seiner Art auf den Markt (Distilled 1980). Seit dem gibt es immer wieder mal Veröffentlichungen dieser limitierten „Premuim Blends“. Für Aficionados oder Connaisseure führte DDL im Jahre 2007 die „Single Barrel“-Serie ein. Hierzu füllte man die Stile (Marks) EHP (Enmore), ICBU (Uitvlugt) und PM (Port Mourant) ab. In Europa bekommt man diese eher zu utopischen Preisen. 

Wie viele andere offizielle Abfüller verwendet DDL Zucker um seine Rums abzurunden oder sie der breiteren Masse mehr zugänglich zu gestalten. Ein Hobby-Connaisseur namens Jonny Dreier hatte diese mit einer eigenen Methode auf deren Zuckergehalt hin überprüft und die Ergebnisse sind ziemlich ernüchternd. Der mit Abstand am stärksten „gedopte“ Rum ist der El Dorado 25 YO, was mich aber nicht wirklich überrascht. Warum? Ein Rum mit 25 Jahren in den Tropen hat einen massiven Holzeinfluss hinter sich. Dieser Geschmack ist gewöhnungsbedürftig und dürfte der breiteren Masse weniger zugänglich sein, als er für Aficionados oder Connaisseure ist. Diesen holzigen und kantigen Geschmack kann man mit Zucker in den Hintergrund drängen und gut überdecken. Die einzigen zuckerfreien und mir bekannten Produkte von DDL sind die Single Barrel Rums. Hiervon kenne ich nur die „PM“-Version und diese ist zwar gut, wurde aber leider mit 40% zu Tode verwässert. Die Qualität kommt aber in die Nähe der in der Vergangenheit abgefüllten Rums des Stils PM der unabhängigen Abfüller. 
 


--------------------------------------------

Fazit:

© E.H.
Die Tatsache, dass selbst uralte Rums mit exakten Angaben auf den Labeln schon aus den Tagen nach den Schließungen der jeweiligen betroffenen Destillerien stammen, bringt eine gewisse Ernüchterung mit sich. Bei den Wooden Pot Stills ist dies weniger dramatisch, als es das zum Beispiel bei Albion, Blairmont, La Bonne Intention und Skeldon der Fall ist. Wer glaubte, einen Rum aus den alten Destillerien in den Händen zu halten, der hat sich geirrt. Die Stills haben dann entweder schon ihren Standort geändert oder wurden möglicherweise außer Dienst gestellt, wenn es bereits Stills mit ähnlichen Geschmacksprofilen gab.

Aus ökonomischer Sicht des Betreibers / Herstellers macht eine solche Vorgehensweise auch Sinn. Die Marks auf den Fässern sind also nicht mit den Stills direkt verbunden. Sascha vermutet, dass sie den verschiedenen Rum-Stilen zuzuordnen seien.

Als Beispiel seien hier der Cadenhead Dated Distillation Enmore KFM 12 YO und 16 YO von 1991 genannt. Die angebene Pot Still wäre die Versailles Single Wooden Pot Still. Das Mark K.F.M. gibt die ehemalige Plantage Lusignan an. Ein Rum auf dieser Plantage wurde auch tatsächlich gebrannt. Mit was für einer Still ist nicht mehr sicher nachzuvollziehen. [29] Als Enmore die Lusignan Plantage übernahm (lange vor der Aufgabe von Versailles), übernahm sie auch dessen Rumstil und vielleicht auch dessen Stills. Das Know-How um den Rum zu brennen hätten sie übernehmen können. Der fragliche Rum von 1991 wurde mit der Still gebrannt, die als einzig nachweisliche Single Wooden Pot Still bei Enmore übrig blieb: jene von Versailles. Wenn man nur eine Single Wooden Pot Still braucht um verschiedene Stile herzustellen, warum dann mehrere davon aufheben? Die Versailles Still ist leider die einzige Pot Still bei Enmore, welche auch verlässlich existierte. Oder genauer gesagt: Die einzige Single Wooden Pot Still, welche überhaupt erhalten blieb.

© E.H.
Falls sie sich jetzt denken „Moment einmal.... Versailles ist doch VSG?“ Ja, das ist sie in der Tat. Der Rumstil VSG wurde auf der alten Versailles Plantage gebrannt und wurde ebenfalls mit dieser Pot Still hergestellt. Aber wie ich es schon einmal formulierte: eine Still kann mehrere Geschmacksprofile herstellen. Der VSG Rum-Stil stammt aus der Versailles Plantage, der dort auch gebrannt wurde. Der KFM Rum-Stil von 1991 stammt auch aus dieser Pot Still, welche 1991 bei Enmore stand, entspricht aber dem alten Stil der Lusignan Plantage, welche weit vor Versailles übernommen wurde. Ältere Rums mit diesem Mark direkt aus Lusignan sind leider nicht erhalten geblieben. Es gibt nur den Hinweis, dass Lusignan Rum brannte. Das hieße, dass diverse Pot Still Rums mit der Aufschrift Enmore zwar ein anderes Mark hatten (also nicht VSG), aber dennoch aus dieser alten Single Wooden Pot Still stammen. Ich vermute ebenfalls, dass einige Marks sich wahrscheinlich auch zu sehr ähnelten und bei dem Zusammenschluss der Plantagen wohl für immer verschwanden. Hieß der Rum aus Versailles schon immer VSG? Wohl kaum, denn die anderen beiden Plantagen in dem Kürzel (Schoon Ord, Goed Furtuin) kamen erst später hinzu, nachdem das Anwesen wahrscheinlich Rum brannte. . Die Plantage Versailles war ja in der Worlds Columbian Exposition in Chicago 1893 zusammen mit Schoon Ord bei den Ausstellern. Angeblich tat dies ja bereits jede Plantage schon seit dem 17. Jahrhundert. Was passierte mit dem Rum-Stil von der Plantage Schoon Ord, die nachweislich schon 1867 Rum zur Paris Universal Exhibition schickte? Was passierte mit dem alten Versailles Stil vor der Verschmelzung? Fragen, auf die es keine Antwort gibt. 
Ich hoffe ich habe sie hier nicht zu sehr verwirrt. Es ist zumindest eine sehr interessante Theorie. Leider gibt es hierfür keine weiteren Hinweise oder schriftliche Erwähnungen. Ich betone es noch einmal: Das sind Vermutungen meinerseits.

Bliebe wieder die Frage nach den Stills. Warum zum Beispiel zwei ähnliche Stills behalten, wenn man nur eine benötigt? Es ist kostengünstiger eine davon zu verschrotten und eine im aktiven Dienst zu behalten. Wer aber Rums aus der Single Wooden Pot Still und der Double Wooden Pot Still einmal probiert hat, der weiß auch, dass man die eine Still nicht durch die andere ersetzen konnte. Zu unterschiedlich waren die Rums. Dieser glückliche Umstand erhielt uns vielleicht die Versailles Single Wooden Still. Ihr Geschmack war höchstwahrscheinlich nicht mit der Port Mourant Double Wooden Pot Still nachzuahmen.

Eine kleine Anmerkung in eigener Sache: Es gab viele Plantagen mit ein und demselben Namen zur gleichen Zeit. Mon Repos ist zum Beispiel so ein Fall. Es gab eine Plantage dieses Namens in der Kolonie Berbice am Flussufer des gleichnamigen Flusses und eine in der Kolonie Demerara an der Ostküste am Meer. Sehen sie sich die Karten ruhig an und machen Sie sich selbst ein Bild von dieser Situation. Dasselbe Spiel bei Providence und vielen anderen Namen. Der fehlende Einfallsreichtum jener Zeit könnte also heute noch teilweise für etwas Verwirrung sorgen. ;)

 -------------------------------------------------------------------------------

Intention

Eigentlich wollte ich mit diesem Artikel in erster Linie meine eigene Neugier stillen. Zu Beginn war es nicht einmal ein Artikel. Es war nur ein Haufen voller Notizen und Links in einer Textdatei, die mir nach einigen Wochen über den Kopf wuchsen. Also entschloss ich mich dazu, Ordnung in dieses Chaos zu bringen und so nahm der spätere Artikel seine Grundform an. Im Laufe der Zeit wurde er immer größer und ich fügte immer mehr Details nachträglich hinzu. Das kann man an der chaotischen Vergabe der Nummern der Fußnoten wunderschön sehen. Was mich im Laufe der Zeit immer mehr überraschte, waren die Halbwahrheiten, die im Netz ihr Unwesen trieben. Das Gründungsjahr von Port Mourant beispielsweise war eine dieser Halbwahrheiten, oder besser gesagt, einer der Irrtümer. Mehrere koloniale Quellen und Karten belegen, dass es eine Zuckerrohr-Plantage mit diesem Namen um 1732 an der Ostküste von Berbice niemals gegeben haben kann, geschweige denn eine Destillerie. Port Mourant war zu Beginn eine einfache Baumwolle-Plantage. Daraus kann man, und da werden sie mir zustimmen verehrte Leser, nur sehr schwer Melasse für Rum gewinnen. Worauf sich dieses Jahr 1732 bezieht, ist mir verborgen geblieben.

Eine Frage, die ich mir zu Beginn stellte, beantwortet dieser Artikel allerdings nicht, nämlich warum DDL selbst keine Nachforschungen unternahm, um mehr Details fürs Marketing ihrer Rums zu besitzen. Ich habe hierzu leider keine schlüssige Erklärung finden können und könnte über etwaige Motive nur mutmaßen. Es ist in jedem Fall schade, da DDL besser als wohl jeder andere an einigen Stellen Licht ins Dunkeln bringen könnte.


 
-------------------------------------------------------------------------------

Abschließende Gedanken


Ich hoffe, dass ich einige Missverständnisse bezüglich Demerara Rums ausräumen konnte. Ich behaupte nicht alles zu wissen. Auch werde ich nicht behaupten, dass diese Arbeit vollständig oder gar perfekt ist. Sie ist voller Löcher und viele Fragen sind immer noch unbeantwortet. Aber ich beginne langsam zu verstehen, dass einige Fragen wohl niemals beantwortet werden. Demerara Rum wird niemals diese Aura des Vergessenen verlieren. Und ich muss gestehen... ich bin darüber sehr froh. 
Aber wozu die ganze Arbeit? Interessiert es den Käufern in der heutigen vom Konsum geprägten und schnellen Zeit überhaupt noch, welche Geschichte sich in ihren Gläsern befindet? Ist Rum für viele nicht einfach „nur“ eine Cocktail-Zutat und kein ernsthafter Sipper? Ist für den puren Genuss bei all den nicht angegebenen Additiven ein Whisky nicht etwas ernsteres und ehrlicher als ein Rum? Wer bin ich überhaupt, dass ich es wage eine solche Aussage zu treffen? Bin ich ein romantisch verklärter Nerd? Vielleicht ein bisschen. Wer ist schon perfekt. Bin ich ein Experte? Zum Glück nicht. Davon gibt es schon zu viele in der Szene (und auf der Welt). Zu diesem Haufen will ich weder zugeordnet werden noch ein Teil davon sein. Bin ich ein Amateur und verrückt nach Rum? Unbestreitbar.

Marco Freyer
(kein Experte)




---------------------------------------------------------------------------------------------

Anhang – Tabellen 


Tabelle 1: Rumproduktion in British Guiana 1947 – 1951 (proof gallons) [60]

Anwesen
Region
1947 1948 1949 1950 1951
Skeldon
Berbice
337.666 311.288 336.197 167.028 173.768
Port Mourant
Berbice
296.987 348.358 219.033 112.806 230.938
Albion
Berbice
347.655 326.127 312.386 138.993 172.268
Blairmont
Berbice
251.003 373.342 322.481 215.652 278.602
Enmore
Demerara
549.816 476.962 347.991 181.776 251.843
La Bonne Intention
Demerara
204.310 221.947 235.657 63.674 129.534
Diamond
Demerara
643.784 748.969 805.403 795.036 797.823
Versailles
Demerara
83.578 114.224 85.773 42.498 46.233
Uitvlugt
Demerara
423.535 672.474 480.246 402.697 303.345
Total
--------
3.138.734 3.591.788 3.126.167 2.090.152 2.384.354


 Tabelle 2: Rumproduktion in British Guiana 1950 – 1954 (proof gallons) [3]

Anwesen
Region
1950
1951
1952
1953
1954
Skeldon
Berbice
167.028
173.768
66.255
66.636
107.756
Port Mourant
Berbice
112.806
230.938
143.569
305.773
215.884
Albion
Berbice
138.993
172.268
151.173
164.466
209.570
Blairmont
Berbice
215.652
278.602
181.550
174.709
250.583
Enmore
Demerara
181.776
251.843
189.641
173.960
237.851
La Bonne Int.
Demerara
63.674
129.534
53.348
99.641
89.883
Diamond
Demerara
796.834
797.823
806.814
806.121
829.358
Versailles
Demerara
42.498
46.233
48.392
56.976
93.404
Uitvlugt
Demerara
492.697
303.345
158.339
250.339
182.465
Total
-------------
2.090.152
2.384.354
1.763.309
2.007.306
2.216.757
 
Tabelle 3: Rumproduktion in British Guiana 1954 – 1958 (proof gallons) [42]

Anwesen
Region
1954
1955
1956
1957
1958
Skeldon
Berbice
107.756
214.943
277.801
306.662
230.382
Port Mourant
Berbice
215.884
364.973
---------------
---------------
---------------
Albion
Berbice
209.570
264.848
668.470
619.275
554.381
Blairmont
Berbice
250.583
201.416
239.488
290.053
219.193
Enmore
Demerara
237.851
318.765
401.677
431.179
358.919
La Bonnet Int.
Demerara
89.883
133.207
207.457
257.033
207.032
Diamond
Demerara
829.358
863.996
1.013.882
1.072.966
1.299.542
Versailles
Demerara
93.404
99.512
42.880
61.203
41.663
Uitvlugt
Demerara
182.465
342.619
461.580
552.433
527.082
Total
-------------
2.216.757
2.804.279
3.312.944
3.500.804
3.438.194


Tabelle 4: Rumproduktion in British Guiana 1958 – 1960 (proof gallons) [4]

Anwesen
Region
1958
1959
1960
Skeldon
Berbice
230.382
147.531
66.070
Albion
Berbice
554.381
368.206
474.339
Blairmont
Demerara
219.193
184.381
272.699
Enmore
Demerara
358.919
281.849
251.309
La Bonne Int.
Demerara
207.032
139.790
-----------
Diamond
Demerara
1.299.542
1.027.273
995.773
Versailles
Demerara
41.663
44.047
72.957
Uitvlugt
Demerara
527.082
702.816
812.628
Total
-------------
3.438.194
2.895.896
2.897.775

Tabelle 5: Rumproduktion in British Guiana 1959 – 1963 (proof gallons) [41]

Anwesen
Region
1959
1960
1961
1962
1963
Skeldon
Berbice
147.531
66.070
---------------
---------------
---------------
Albion
Berbice
368.206
424.339
317.609
291.269
449.724
Blairmont
Berbice
184.381
272.699
163.412
180.664
---------------
Enmore
Demerara
281.849
251.309
274.170
295.067
303.642
La Bonne Int.
Demerara
139.790
---------------
---------------
---------------
---------------
Diamond
Demerara
1.027.273
995.773
1.045.386
1.127.983
888.277
Versailles
Demerara
44.047
72.957
60.886
70.411
50.630
Uitvlugt
Demerara
702.816
812.628
929.370
848.938
846.326
Total
---------------
2.895.896
2.897.775
2.790.833
2.814.332
2.538.599



Tabelle 6: Rumproduktion in British Guiana 1963 – 1966 (proof gallons) [2]

Anwesen
Region
1963
1964
1965
1966
Albion
Berbice
449.724
409.997
409.360
370.622
Enmore
Demerara
303.642
361.357
268.676
206.562
Diamond
Demerara
888.277
1.015.489
1.413.362
1.234.178
Versailles
Demerara
50.630
56.388
56.384
58.290
Uitvlugt
Demerara
846.326
1.216.172
1.056.485
774.424
Total
---------------
2.538.599
3.059.402
3.204.267
2.642.076

Im Jahre 1967 wurden insgesamt 3.406.000 Gallonen Rum produziert. [2] Die detaillierten Aufzeichnungen enden mit der Unabhängigkeit Guyanas im Jahre 1966.

Anmerkung: Ich habe nicht jede einzelne Zahl auf volle Korrektheit überprüft und sie auch nicht am Ende der Spalten zusammengezählt. Die Lesbarkeit der Quellen war einfach zu schlecht.
 
Tabelle 7: Rum Export 1903 – 1914 (Britisches Pfund) [61] [62] [63] [64]

Jahr
Rum Export 
(proof gallons)
Wert  
(£)
1903
4.298.368
136.691
1904
3.959.222
102.687
1905
2.684.667
63.370
1906
3.578.193
124.149
1907
3.368.796
109.859
1908
2.640.988
96.860
1909
3.501.185
185.582
1910
3.017.734
128.598
1911
2.515.176
95.215
1912
3.022.831
115.820
1912
2.384.183
149.011
1913
3.260.986
204.140
1914
3.489.729
231.839

Tabelle 8: Rum Export 1915 – 1919 (Britisches Pfund) [65] [66] [67]

Jahr
Rum Export 
(proof gallons)
Wert
(£)
1915
4.698.230
457.725
1916
4.384.834
626.490
1917
3.415.920
558.111
1918
2.614.481
243.174
1919
4.342.769
491.767

Tabelle 9: Rum Produktion und Export (proof gallons) 1919 – 1933 [91] [92]

Jahr
Rum 
produced
Rum 
exported
1919
3.464.403
4.342.769
1920
2.810.685
1.772.178
1921
1.806.651
2.228.164
1922
520.141
422.168
1923
1.180.072
420.996
1924
2.077.619
769.304
1925
1.277.900
1.148.124
1926
1.622.966
789.643
1927
1.436.010
1.081.120
1928
1.745.293
1.269.923
1929
1.838.353
1.109.482
1930
1.571.371
846.319
1931
1.002.267
722.076
1932
840.617
645.511
1933
1.239.355
883.019

Tabelle 10: Rum Export 1926 – 1936 (Britisches Pfund) [68] [69] [70] [71]

Jahr
Rum exported
(proof gallons)
Wert
(£)
1926
789.643
83.098
1927
1.081.020
107.592
1928
1.269.923
120.060
1929
1.109.482
102.390
1930
846.319
75.619
1931
722.076
70.759
1932
645.511
59.742
1933
883.019
79.846
1934
1.120.090
101.339
1935
----------
--------
1936
1.444.877
132.573

Tabelle 11: Rum Export 1927 – 1938 (Guyana Dollar) [72]

Jahr
Rum exported 
(proof gallons)
Wert
($)
1927
1.081.020
362.970
1928
1.269.923
576.287
1929
1.109.482
491.476
1930
846.319
362.970
1931
722.076
339.644
1932
645.511
286.760
1933
883.019
383.262
1934
1.120.090
486.426
1935
1.073.406
422.663
1936
1.444.877
638.351
1937
1.248.598
543.241
1938
1.069.225
474.458


Tabelle 12: Rum Export 1935 – 1950 (Guyana Dollar) [73] - [81]

Jahr
Rum exported
(proof gallons)
Wert
(G$)
1935
1.073.406
422.660
1936
1.444.877
636.351
1937
1.248.598
513.241
1938
1.069.225
474.458
1939
978.817
430.114
1940
1.824.450
743.975
1941
1.343.937
783.180
1942
946.496
586.409
1943
1.472.208
947.245
1944
-----
------
1945
2.208.796
2.451.335
1946
1.694.785
1.784.590
1947
1.724.845
1.978.632
1948
2.319.345
2.612.679
1949
3.683.088
4.763.533
1950
2.656.037
3.597.113

Anmerkung: Aufgrund der schlechten Qualität der Lesbarkeit einiger Quellen, kann die eine oder andere Zahl vom Originaldokument abweichen.

Tabelle 13: Firmen und ihre Subunternehmen der Sugar Estates 1934 (29 Estates) [113]

Anwesen
Eigentümer
Subunternehmen
von
Skeldon
Booker Demerara Sugar Estates
Booker Bros., McConnell & Co ., Ltd
Port Mourant
Booker Demerara Sugar Estates
Booker Bros., McConnell & Co ., Ltd
Springlands
Booker Demerara Sugar Estates
Booker Bros., McConnell & Co ., Ltd
Rose Hall
Booker Demerara Sugar Estates
Booker Bros., McConnell & Co ., Ltd
Friends
New Friends, Ltd
Booker Bros., McConnell & Co ., Ltd
Mara
Mr Manoel Viuira
Booker Bros., McConnell & Co ., Ltd
Cane Grove
Booker Demerara Sugar Estates
Booker Bros., McConnell & Co ., Ltd
Lusignan
Enmore Estates, Ltd
Booker Bros., McConnell & Co ., Ltd
La Bonne Intention
The Ressouvenir Estates, Ltd
Booker Bros., McConnell & Co ., Ltd
Vryheids Lust
The Ressouvenir Estates, Ltd
Booker Bros., McConnell & Co ., Ltd
Success
The Ressouvenir Estates, Ltd
Booker Bros., McConnell & Co ., Ltd
La Ressouvenir
The Ressouvenir Estates, Ltd
Booker Bros., McConnell & Co ., Ltd
Wales
Wales Estate, Ltd
Booker Bros., McConnell & Co ., Ltd
Versailles
Versailles Estate, Ltd
Booker Bros., McConnell & Co ., Ltd
Uitvlugt
Booker Demerara Sugar Estates
Booker Bros., McConnell & Co ., Ltd
Hoaston
Pln. Hoasten Sugar Estates Co., Ltd
Booker Bros., McConnell & Co ., Ltd
Schoon Ord
Schoon ord Sugar Estates, Ltd
Booker Bros., McConnell & Co ., Ltd
Albion
The Corentyne Sugar Co., Ltd
Curtis, Campbell & Co, Ltd
Enmore
Enmore Estates, Ltd
Curtis, Campbell & Co, Ltd
Ogle
The Ogle Company, Ltd
Curtis, Campbell & Co, Ltd
Blairmont
The Berbice Development Co.,Ltd
S. Davison& Co., Ltd
Bath
The Berbice Development Co.,Ltd
S. Davison& Co., Ltd
Providence, Berbice
The Berbice Development Co.,Ltd
S. Davison& Co., Ltd
Diamond
Demerara Co, Ltd
Messrs, Sandbach, Parker & Co.
Farm
Demerara Co, Ltd
Messrs, Sandbach, Parker & Co.
Providence, Demerara
Demerara Co, Ltd
Messrs, Sandbach, Parker & Co.
Leonora
Demerara Co, Ltd
Messrs, Sandbach, Parker & Co.
Ruimveld
Demerara Co, Ltd
Messrs, Sandbach, Parker & Co.
Harrington Court
Hoq. R. E. Brassington
Mr. C. R. Jacobs

Tabelle 14: Anzahl der Anwesen mit der dazugehörigen Anbaufläche in Acre und Hektar  [419]

Jahr Fiskalisches Jahr Anzahl der Zuckerrohr-Anwesen Zuckerrohr
in Acres
Zuckerrohr
in Hektar
(umgerechnet)
1882
(1881- 82)
106
79.262
32.076
1883
(1882-83)
104
79.037
31.985
1884
(1883-84)
105
79.502
32.173
1885
(1884-85)
105
75.344
30.491
1886
(1885-86)
105
76.200
30.837
1887
(1886-87)
97
76.560
30,983
1888
(1887-88)
96
76.625
31.009
1889
(1888-89)
96 78.271 31.675
1890
(1889-90)
95 79.243 32.069
1891
(1890-91)
96 78.307 31.690
1892
(1891-92)
79 76.100 30.797
1893
(1892-93)
74 69.814 28.253
1894
(1893-94)
70 68.321 27.649
1895
(1894-95)
65 67.921 27.487
1896
(1895-96)
64 65.908 26.672

Tabelle 15: Die Anzahl der lizenzierten destillerien in ihren jeweiligen Distrikten [446]

District
Number
Gallons
Bulk
Proof
North Essequebo
3
124,047
178,527.48
South Essequebo
4
82,465
118,720.65
Essequebo River
2
30,529
43,830.12
West Coast, Demerara
8
283,482
409.074.86
Foward
17
520,523
750,153.11
West Bank, Demerara
6
82,220
117,827.69
Georgetown
4
175,127.25
267,048.44
East Coast, Demerara
8
291,814.75
416,119.94
Mahaica
7
273,631
399,435.44
West Coast, Berbice
2
148,246
213,011.34
Berbice River
5
169,676
244,968.17
New Amsterdam
4
331,591
488,111.62
Corentyne
2
110,489
165,586.67

55



Tabelle 16: 10 Jahres Rückblick von GuySuCo 2000-2009 [447]

Jahr
Zucker
(Tonnen)
Melasse
(Tonnen)
2000
273.318
108.703
2001
284.474
118.103
2002
331.052
137.794
2003
302.378
127.201
2004
325.317
138.140
2005
246.071
115.732
2006
259.549
107.501
2007
266.482
115.048
2008
226.267
99.280
2009
233.736
109.598


Quellenverzeichnis: Bitte hier klicken

1 Kommentar:

  1. Hallo Marco,

    das ist ein unglaublich umfassender und spannender Beitrag. Vielen Dank für deine Mühe. Das "kein Experte" am Ende entfernst du aber besser. :)

    Viele Grüße
    Sebastian

    AntwortenLöschen