Sonntag, 16. April 2017

The Rum Cask Hampden Distillery 1990 26YO

(the English part is below, just skip the German part) 


Willkommen zurück zu BAM!

Heute kommt eine brandneue Abfüllung vom deutschen Abfüller The Rum Cask zur Verkostung. Leider war er viel zu schnell ausverkauft. Dieses Review ist also leider ein Rum aus der Historienkiste. Es ist der The Rum Cask Hampden Distillery 1990 26YO!

Zur Abfüllung:

Es ist wunderschön, dass The Rum Cask das Mark für uns in Erfahrung bringen konnte und es auch auf das Label packte. Es ist das Mark J.M.C.. Sollte es ihnen nicht bekannt sein, dann sind sie hier bestimmt nicht alleine. Auf den ersten Blick erkannte ich es auch nicht. Aber ich erinnerte mich an ein anderes Mark, welches uns Cadenhead nannte. Die Rums aus 2000 hatten das Mark J.M.L.R.. Es sieht auf den ersten Blick wie das Mark des Importeurs aus. Dies stimmt auch. Erst auf den zweiten Blick erkennt man auch das Mark der Destillerie, welches sich darin verkürzt versteckt. J.M. steht höchstwahrscheinlich für Jamaica Main. So wie es auch schon bei anderen Marks der Fall war, bezeichnen diese Buchstaben das Ursprungsland oder die Destillerie und danach den Stil. M.D.U. (Main Diamond Uitvlugt), MPM (Main Port Mourant) oder BMMG (Barbados Main Mount Gay) sind gute Beispiele hierfür. Die Rums aus dem Jahr 2000 haben also den Stil „L.R.“. Sieht man sich nun die existierenden Marks aus Hampden an, dann fällt einem sofort L.R.O.K. auf, mit einem Estergehalt von 200 – 400 bei einem reinen Liter Alkohol. Es könnte für Light Rum Owen Kelly stehen. Dermot Owen Kelly war damals der Eigentümer der Hampden Plantage. Was hat dies nun alles mit diesem Rum und J.M.C. zu tun? Das Hampden Mark muss demnach mit C beginnen und tatsächlich gibt es eines: CH (C Diamant H) mit einem Estergehalt von 1300 – 1400 bei einem reinen Liter Alkohol. C könnte Continental (Kontinental) bedeuten. Der Diamant mit dem H (Hampden) ist das ganz alte Mark der Plantage. Also „Continental Hampden“. Zwischen beiden Stilen rangiert das uns allen bekannte Mark HLCF, welches Hampden Light Continental Flavour(ed) bedeuten könnte und einen Estergehalt von 500 – 700 bei einem reinen Liter Alkohol. Bei verschiedenen Tastings, die ich privat für mich durchführte, kann ich diese Reihenfolge des Estergehaltes am Gaumen bestätigen. Am schwächsten ist 2000 (LROK), gefolgt von 1992/1998 (HLCF), dann kommt 1993 und am stärksten schließlich war und ist 1990 (CH). Warum auf einigen Fässern das Mark HLCF direkt angegeben wurde, wie es beim Cadenhead Dated Distillation Hampden HLCF 1992 13YO der Fall war, kann ich nicht erklären. Genauso verwirrend aber sind da auch die Cadenhead Abfüllungen Cadenhead's Dated Distillation Uitvlugt Distillery PM 1991 14YO und Cadenhead's Dated Distillation Uitvlugt Distillery MPM 1998 12 YO, welche beide Port Mourants und auch geschmacklich derselbe Stil sind. Vielleicht sind jeweils unterschiedliche Quellen oder Händler schuld an diesem Verwirrspiel. Aber genug davon. Das Review wird sonst viel zu lang. 

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Verkostung The Rum Cask Hampden Distillery 1990 26YO:

Preis: Der Preis betrug 169,90€ für die 0,5l Flasche. Die Abfüllung war leider sehr schnell vergriffen. 

Alter: Das offizielle Alter beträgt 26 Jahre.

Alkoholstärke: Der Rum wurde mit einer Fassstärke von 61,9%vol abgefüllt.

Destillationsverfahren: Es war offensichtlich eine Pot Still mit zwei nachgeschalteten Retorten. Eine dreifache Destillation also.

Farbe: Sattes Gold. 

Viskosität: Fette Tropfen gleiten träge am Glas hinab und visualisieren eine hohe Öligkeit.

Nase: Eine wunderschöne Kombination von Säure (Buttersäure?), einer leichten Süße und fruchtigen Estern entschwebt dem Rum nach über 2 Stunden im Glas. Weit weg vom Glas rieche ich Vanille, süße Papaya, Mango, starke Ananas, Holzkohle, süßes Karamell und Toffee. Selbst weit entfernt im Raum sind noch gut Esteraromen riechbar. Nur schwach erkenne ich noch Leder und Eiche. Tief im Glas beherrschen Ester, Medizin, Rauch, Leder, Toffee und exotische Früchte den Ersteindruck. Nach dieser langen Zeit zum Atmen brennt der Alkohol zwar nicht mehr so stark, ist aber dennoch deutlich präsent. Die Säure überwiegt langsam die Süße. Im Hintergrund Eiche, Anis und schwache Nuancen von Eukalyptus. Ananas und Zitrusfrüchte, darunter Limonen, nach einem Schwenk des Glases. Der Alkohol und die Medizin werden dadurch allerdings wieder stärker und intensiver. Der Rum profitiert deutlich von einer längeren Standzeit im Glas. Es nimmt ihm einerseits die Stärke und Schärfe, gibt ihm dafür aber Zeit zur vollen Entfaltung. Kein Rum für Leute die es eilig haben.

Gaumen: Saure Ester fluten den Mundraum. Dann rauscht der Alkohol heran. Langsam kommen Ananas, papayas, Toffee und Kräuter zum Vorschein. Dann Medizin, Rauch und Anis. Die Kräuter werden stärker. Die sauren Aromen sind zwar immer noch deutlich schmeckbar, verlieren jedoch langsam an Kraft. Eiche, Holzkohle, Mangos und Leder. Der Rum flacht langsam ab. Die Ester werden schwächer, die Kräuter im Gegenzug immer ausgeprägter. Der Geschmack wandelt sich nun zum Pflanzlichen. Die Süße der Nase ist nicht schmeckbar. Dafür ist die Säure zu Beginn zu stark. Beim zweiten Schluck sind besagte Säure und der Alkohol nun deutlich stärker. Der Rum dreht noch einmal auf. Geballte Ananas und Zitrusfrüchte. Anis, Eiche, Holzkohle und Kräuter. Wieder wandelt sich das Geschmacksprofil. Der Rum reizt die Mundschleimhaut enorm. Der Rum hat wesentlich mehr Kraft als der Duncan Taylor. Medizin, Kräuter, Zitrone und Ester nach längerer Zeit. Selbst nach einer Minute ist der Rum immer noch gut schmeckbar. Wie eine ölige und kraftvolle Rumessenz. Beim dritten und letzten Schluck steigern sich noch einmal Alkohol und Säure. Zitronen, Ananas, Limonen und Ester. Wieder Anis und Kräuter. Erneut schmeckt der Rum pflanzlich am Ende.

Abgang: Papayas, Rauch, Holzkohle und Ester. Dann Mangos, Eiche und Leder. Kräuter und ein Hauch von Ester bleiben am Gaumen haften. Nach dem zweiten Schluck mehr Ester, Zitrusfrüchte, Limonen und Kräuter. Wieder Ester am Ende. Nach dem letzte Schluck Ester, saure Limetten, süße Ananas und Anis. Die Ester bleiben extrem lange am Gaumen haften. Wunderschön trocken am Ende. 

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Fazit: Ein Rum mit sehr hoher Qualität. Allerdings besitzt er auch ein Merkmal, welches eventuell einigen Genießern nicht gefallen dürfte. Es ist der hohe Säuregehalt. Man merkt es besonders im Abgang, wenn man den Rum nicht lange genug im Mund verweilen lässt und anstatt kleiner Schlückchen mehr Rum in den Mund nimmt. Im letzteren Falle macht sich allerdings dann auch der Alkohol mit über 60%vol wesentlich mehr bemerkbar. Bei kleinen Mengen ist der Rum ein absolutes Vergnügen. Bei größeren Mengen im Mund wirkt er zu stark am Gaumen. Verstehen sie mich nicht falsch: Ich mag es, wenn ein Rum kraftvoll ist und auch sehr viel Geschmack mitbringt. Einer meiner Lieblingsrums aus Port Mourant hat 65%vol und ist am Gaumen einfach nur eine Dampfwalze. Dieser Rum ist für mich persönlich der äußerste Grenzfall. Vor dieser Abfüllung war ich der Meinung, ein Rum des Marks DOK müsste zwangsläufig alles was die Qualität betrifft in den Schatten stellen. Nach zwei Tastings bin ich nun der Meinung, dass DOK für den puren Genuss zu hart wäre. Die Bestätigung hierfür werde ich vielleicht bald bekommen. Der Unterschied von 1993 auf 1990 ist spürbar. Eine weitere Steigerung wäre eher kontraproduktiv, da auch der Säuregehalt des Rums höher ausfällt. Damit würde die Qualität in meinen Augen eher „negativ“ belastet werden. Sie wird zwar vermutlich noch hoch sein, aber ich bezweifle massiv das Rums mit DOK in einem vergleichbarem Alter dieser Abfüllung oder denen aus 1993 (in Fassstärke) an Klasse ebenbürtig wären. Wer es mehr ruhig liebt und dennoch auf starke Ananasaromen nicht verzichten will oder kann, der wäre mit dem Jahrgang 1993 in Fassstärke besser beraten. Ich persönlich mag es kraftvoll, aber eine Stufe mehr als diese Abfüllung ist höchstwahrscheinlich zu viel des Guten für mich. Diese Rums waren auch nie für den puren Genuss geschaffen. Das sollte man sich auch vor Augen halten. Ihr Zweck um 1900 herum war es den Deutschen einen preiswerten Rum mit guter Qualität in Form eines Rumverschnitts zu liefern. Also eine Mischung aus Rum mit neutralem Alkohol aus der Heimat. Das ist die Schattenseite der Entstehung dieser Rums. Andere Verkoster mögen eine andere Meinung vorweisen, ich bleibe jedoch bei meinem Standpunkt. Mehr Ester/Säure wäre hier nicht besser. Ich gebe zu mich geirrt zu haben. Außerdem lässt mich dieser Rum ein wenig sprachlos zurück. Ich fand Berichte, dass Hampden Rums mit einem Estergehalt von 3000(!!) bei einem reinen Liter Alkohol herstellte. Damals wurde der Rum als Kunstprodukt verschrien. Heute kann ich mir ansatzweise vorstellen, warum der Rum zuerst boykottiert wurde. Er ist mindestens doppelt so krass wie diese Abfüllung, was nur sehr schwer vorstellbar erscheint. Um einen Missbrauch und Imageschaden zu verhindern, wurde schließlich der maximale Estergehalt von der jamaikanischen Regierung auf 1600 begrenzt. Vielleicht werde ich eines Tages die hohe Wertung bereuen, wenn Velier seine tropischen Hampden Rums veröffentlichen wird. Aber für den Moment ist dies in meinen Augen der Beste Hampden. Er ist aber nicht der gefälligste Rum dieser Destillerie. Er erfordert Zeit und Geduld. Ich wünsche Euch allen noch ein schönes Osterwochenende!

Marco 

(95/100) 


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Welcome back to BAM!



Today a brand new bottling the German bottler The Rum Cask comes to taste. Unfortunately, it was sold out too quickly. So this review is about a rum from the “history chest”. It's the The Rum Cask Hampden Distillery 1990 26YO!

The Bottling:

It's beautiful that TheRumCask was able to get the information about the mark and in fact did slap it on the label. It is the mark J.M.C. If you don't recognize it then you are not alone. At first glance I did not recognize it either. But it remembered me of another mark printed on the front label on a bottled rum from Cadenhead. It was a rum made in 2000 and it had the mark J.M.L.R.. It looks at first glance like the mark of the importer. This is true. Only at second glance I did realize the mark of the distillery, which hides shortened it. J.M. means most likely for Jamaica Main. As it was already the case in other marks, these letters indicate the country of origin or the distillery and then the style. Like M.D.U. (Main Diamond Uitvlugt), M.P.M. (Main Port Mourant) or B.M.M.G. (Barbados Main Mount Gay), which are good examples. So the rums made in 2000 and released by many bottlers have the style "L.R.". If one looks at the existing Marks of Hampden, then L.R.O.K. immediately jumps into sight. This style has an ester content of 200 – 400 per liter of absolute alcohol. It could simply mean Light Rum Owen Kelly. Dermot Owen Kelly once owned the Hampden estate and factory. What does this have anything to do with this rum and J.M.C.? The Hampden mark must according to this theory start with an C, and in fact there is one: C◊H (C Diamond H) with an ester content of 1300 to 1400 per liter of absolute alcohol. C could mean Continental. The diamond with H (Hampden) is the very old Mark of the plantation. So "Continental Hampden". Between the two styles is the known Mark H.L.C.F. which could mean Hampden Light Continental Flavour(ed), It has an ester content and 500 – 700 per liter of absolute alcohol. In various tastings, which I did for myself, I can confirm this order of ester content on the palate. The weakest is 2000 (L.R.O.K.), followed by 1992/1998 (H.L.C.F.), then comes 1993, and the yet most powerful was and is 1990 (C◊H). One question remains. Why the different kinds of marks? The direct ones from Hampden and the mix-up like this one? For example the mark H.L.C.F. was specifically mentioned on the front label of the Cadenhead Dated Distillation Hampden HLCF 1992 13YO. I cannot fully explain this. Equally confusing are some other Cadenhead bottlings. The Cadenhead's Dated Distillation Uitvlugt Distillery PM 1991 14YO and the Cadenhead's Dated Distillation Uitvlugt Distillery MPM 1998 12 YO. They are practically the same style. It's Port Mourant. Why the different marks then? Perhaps the different sources (importers) or cask sellers are to blame for this confusion. The marks of rum have been regarded with much ignorance in the past. But enough of that. The review is getting to big. 

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Tasting The Rum Cask Hampden Distillery 1990 26YO:

Price: The price was 169,90€ for a 0.5l bottle. The rum was unfortunately sold out very fast.

Age: The official age is 26 years.

ABV: The rum was bottled with a cask strength of 61.9% vol. An amazing strength after all this time.

Process of distillation: It was obviously a Pot Still with two retorts in series. So basically a triple distillation.

Colour: Rich gold.

Viscosity: Fat drops glide lazily down the glass and visualize a high oiliness.

Nose: A magnificent combination of acid (butyric acid?), a slight sweetness and fruity esters is permeating the air once the cover has been removed. I let it breathe for more than 2 hours. More than enough time. A little away from the glass I smell vanilla, sweet papayas, mangoes, strong pineapples, charcoal, sweet caramel and toffee. Even far away in the room I can still smell the ester flavours. I recognize weak leather and oak. Deep in the glass esters, medicine, smoke, leather, toffee and exotic fruits are dominating the first impression. After this long time (2 hours) the alcohol burns not as strong as I did expect, but it is still clearly present. The acid outweighs slowly the sweetness. In the background oak, anise and weak hints of eucalyptus. Pineapples and citrus fruits, including lemons, after a panning of the glass. The alcohol and medicine flavours are thereby however getting stronger and more intense. The rum is benefiting significantly from a longer breathing time in the glass. It takes away the strength and sharpness on the one hand, but gives him time to fully develop its fully flavour profile. No rum for rushers mind you.

Palate: Sour esters are flooding the entire oral cavity. Then the alcohol rushes in and burns on the tongue. Slowly pineapples, papayas, toffee and herbs are emerging. Then medicine, smoke and anise. The herbs are getting stronger. Although the acidic flavours are still well tasted, but slowly they are losing strength. Oak, charcoal, mangoes and leather. The rum flattens slowly. The esters are getting weaker, the herbs in return become more pronounced. The taste is changing now to a herbal profile. The restrained sweetness of the nose is not tasted at all. For this, the acid is just too strong at the beginning. During the second sip said acid and the alcohol are now much stronger. The rum in general is becoming more powerful. Concentrated pineapple and citrus fruits. Anise, oak, charcoal and herbs. Again, the taste profile converts. The rum irritates the oral mucosa enormous. The rum has much more power than the Duncan Taylor. Medicine, herbs, lemon and esters for a long time. Even after one minute in the mouth the rum is still full of flavour. It's oily and powerful like a rum-essence. During the third and last sip the alcohol and acid are even more increasing. Lemon, pineapples, lime and esters. Again, anise and herbs. The rum taste herbal at the very end.

Finish: Papayas, smoke, charcoal and esters. Then, mango, oak and leather. Herbs and a touch of esters remain on the palate. After the second sip more ester, citrus, lemons and herbs. Again ester at the end. After the last sip more esters, sour lime, sweet pineapples and anise. The esters adhere extremely long on the palate. Beautifully dry at the end. I like a dry rum. 

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Conclusion: A rum with very high quality. However, it also has a feature that possibly makes it negative to some connoisseurs. It is the high acidity. You notice it especially in the finish if you don't let the rum stay long enough in the mouth and instead of small sips your taking much more rum into the mouth. In the latter case, also the alcohol with more than 60%abv is much more noticeable. However, if you dfink it with small amounts the rum is an absolute delight. For larger quantities in the mouth it is too strong on the palate. Too brutal. Do not get me wrong: I like it when a rum is powerful and delivers also a lot of flavour. One of my favoured Port Mourants has 65%abv and is acting like a steamroller on the palate. This rum is for me personal the outermost limit. Prior to this bottling I felt a rum of the mark DOK would inevitably put everything in terms of quality in the background. Now after two tastings, I am now of the opinion, that DOC would be too hard for the pure enjoyment. I may soon get the confirmation for myself. The difference between 1993 and 1990 is noticeable. A further increase would be counterproductive, because the acid content of the rum is also higher. The quality would be burdened "negative" in my opinion. It will presumably still be high, but I doubt a massive rum of DOK in a similar age will be fully equally those from 1993 (in cask strength) or equal to this rum made in 1990. Who loves it more quiet and yet does not want to give up strong pineapple flavours should look for a Hampden 1993 in cask strength. I personally like it a powerful, but one step more than this bottling is probably an overkill for me. You should keep in mind that these rums were never made for pure enjoyment. Their purpose was to provide the Germans an affordable “rum” with good quality in the form of a Rumverschnitt. A replacement or substitute. So a mixture of rum and neutral alcohol produced at home. This is the dark side of the development of these rums. Other tasters may present a different opinion, but I stick to my guns. More ester / acid would not be better. I admit I was wrong about a DOK would be pure heaven. By now I doubt it. In addition, this rum leaves me a little speechless. I found reports that Hampden produced rums with an ester content of 3000 (!!) per liter of absolute alcohol. At that time the rum was deemed unsaleable because everyone thought it was an artificial product. Today I can imagine to some extent why the rum was boycotted at first. It is at least twice as more pronounced as this bottling, which seems hard to imagine. In order to prevent misuse and damage to its image (of Jamaica rum), the Jamaican Government limited the maximum ester content per law. Maybe one day I will regret the high ranking if Velier will release its tropical Hampden rums. But for the moment this is in my opinion the best Hampden. Well, the best continental aged Hampden. But it is not the most pleasant rum of this distillery. It needs time and patience. I wish you all a nice Easter weekend!

Marco 

(95/100)

Sonntag, 2. April 2017

El Dorado Demerara Rum Rare Collection Enmore EHP 1993 21YO

(the English part is below, just skip the German part) 


Es ist mal wieder Zeit.

Zeit wofür? Für einen Demerara Rum auf B.A.M.! Hierbei handelt es sich um ein Review, das ich viel zu lange hinausgezögert habe. Eigentlich wollte ich heute eine andere Abfüllung präsentieren, aber eine beinahe zweiwöchige Erkältung zwingt mich jetzt diesen „alten“ Rum auszugraben. Es ist der Dorado Demerara Rum Rare Collection Enmore EHP 1993 21YO!

Zur Abfüllung: 

Diese Abfüllung war der älteste von drei Demerara Rums von El Dorado unter der neuen Rare Collection Serie. Wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, dann wurde die Serie Anfang 2016 auf den europäischen Markt geworfen. Die anderen beiden Rums waren der Dorado Demerara Rum Rare Collection Port Mourant PM 1999 15YO mit 61,4%vol und der Dorado Demerara Rum Rare Collection Versailles VSG 2002 13YO mit 63%vol. Alle drei Rums präsentierten sehr bekannte Marks, bzw Stile aus Guyana. Ein jeder für sich einzigartig und verbunden mit einem besonderen Brennapparat. Dieser Rum stammte aus der hölzernen Enmore Coffey Still, welche nach den Original-Plänen von Aeneas Coffey (1780 – 1852) aus guyanesischem Grünherzholz (lat. Chlorocardium rodiei) gebaut wurde. Dieses Holz zeichnet sich durch eine relativ hohe Dichte und Festigkeit aus. Aus ihm wurden auch die alten Londoner Docktore in England erbaut. Es war sogar lange Zeit ein Exportartikel der ehemaligen Kolonie. Es zählt zu den Tropenhölzern, was den heutigen Handel damit moralisch etwas fragwürdig erscheinen lässt. Aber selbst dieses hartnäckige Holz muss in einem nicht näher bekanntem Zeitraum ausgetauscht werden. Dieser variiert je nach Belastung und Verwendung. Die Schwachstelle des alten Docktores ware die Wasserlinie. Ähnlich dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Ab wann diese Coffey Still zum Enmore Anwesen kam ist mir leider nicht bekannt, es dürfte aber zweifelsohne im 19. Jahrhundert gewesen sein. Leider sagt der Brennapparat alleine nichts über den eigentlich Rum aus. Es einige Marks, welche diese Still herstellen kann. Dies ist eine Eigenart der Diamond Distillery, denn ein Apparat ist in der Lage mehrere Stile zu brennen. Glücklicherweise ist dieser hier gut bekannt, denn es ist der ursprüngliche Rum, durch den das Enmore Anwesen berühmt wurde. Der Stil heißt EHP. Lange dachte ich, es würde Edward Henry Porter heißen, es könnte aber genauso gut auch Enmore Henry Porter bedeuten. Letztendlich ist es auch auch nur eine Randnotiz, denn der Rum ist das entscheidende. Deswegen kommen wir auch gleich zur Verkostung! 

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Verkostung El Dorado Demerara Rum Rare Collection Enmore EHP 1993 21YO:

Preis: Die Preise die ich in Deutschland und Österreich fand reichen von 237,30€ bis hin zu 275,00€. Ein kleiner Tipp: Im Ausland (Österreich ausgenommen) kann man diese Abfüllung erheblich günstiger kaufen.

Alter: Das offizielle Alter laut Label beläuft sich auf 21 Jahre.

Alkoholstärke: Der Rum wurde mit einer Trinkstärke von 56,5%vol abgefüllt.

Destillationsverfahren: Es wird die Enmore Wooden Continuous Coffey Still angegeben.

Farbe: Sehr dunkler Bernstein.

Viskosität: Dicke Tropfen fließen langsam an der Glaswand hinab und ein öliger Film verbleibt auf dem Glas.

Nase: Der Rum durfte über eine Stunde lang im Glas atmen. Die ersten Eindrücke sind Zuckerrohr, dunkler Muscovado-Zucker, Kräuter, Karamell und Früchte. Altes Holz, Gewürze, Zimt, Leder und ein Hauch von Anis. Ein leichter Klebstoffgeruch schwebt im Glas. Weiter weg rieche ich Papayas, Toffee, Leder, Zuckerrohr, Zimt und Tabak. Vanille? Tief im Glas dominieren Eiche, Anis, Gewürze, Klebstoff und exotische Früchte. Wieder Papayas und Mangos. Alte Tabakblätter. Der Rum riecht sehr reif, aber EHP ist in meinen Augen noch gut erkennbar. Die Aromen von braunem Muscovado, vermischt mit einer leichten Süße, umschmeichelt tief im Glas die Sinne. Nach einer Weile glaubt man Röst- und Raucharomen vom Fass erkennen zu können. In der Nase macht der Rum einen sehr guten Eindruck.
 
Gaumen: Zuckerrohr, Kräuter und Eichenaromen fluten den Gaumen. Dann brennt der Alkohol auf der Zunge. Kaum lässt das Brennen nach öffnet sich der Rum. Dunkler Rohrzucker, Früchte, Leder, Karamell und Toffee betören den Gaumen. Eine leichte Süße ist schmeckbar. Kräuter und Zuckerrohraromen kommen immer mehr zur Geltung. Tabak, Zimt, Rohrzucker und Eiche nach langer Zeit im Mund. Selbst nach einer Minute ist der Rum noch immer minimal süßlich. Beim zweiten Schluck kurz Klebstoff am Gaumen, dicht gefolgt von Früchten, Kräuter und Zuckerrohr. Wieder erst kurz brennend, dann leicht säuerlich und schließlich süßlich am Gaumen. Mangos, Papayas, Karamel und Anis vom Fass. Gewürze, darunter Zimt und Nelken. Beim zweiten Schluck ist die Süße nicht so sehr ausgeprägt als wie beim Ersten. Sehr reif und doch auch leider sehr glatt am Gaumen 

Abgang: Zuckerrohr, Eiche und Kräuter formen den beginn des Abgangs.Dann Papayas, Karamell und Gewürze. Zimt und Anis huschen kurz über den Gaumen. Kurz schmeckt man einen leichten Anflug von Tanninen. Nach dem zweiten Schluck wieder Kräuter, Eiche und Rohrzucker. Dann Gewürze, Tabak und Früchte. Der Abgang ist leicht trocken. 


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Fazit: Ein solider und guter Rum ohne große Ecken und Kanten. Aber gerade der letzte Punkt ist seine Schwachstelle. Er ist zu glatt am Gaumen. Ein Vergleich mit dem Velier Enmore Full Proof Old Demerara 1998 9 YO verdeutlichte den Unterschied nicht nur, er hebt ihn ganz krass hervor. Die Reife am Gaumen gefühlt hoch und teilweise auch schmeckbar. Das gewisse Etwas fehlt allerdings. Versteht mich nicht falsch. Der Rum ist gut. Meine beiden Flaschen habe ich 2016 im Ausland bestellt. Ich bereue den Kauf nicht. Hätte ich auch nicht sehr viele der alten Velier Range im Glas gehabt, dann hätte ich vermutlich dem Rum eine bessere Bewertung gegeben. Aber mit meinen bisherigen Erfahrungen und dem Referenzmaterialien kann ich dem Rum nur die unten angegebene Punktezahl geben. Aber was sind die Alternativen zu diesem Rum? Bezüglich EHP kenne ich keine, oder sie fällt mir gerade nicht ein. Die blanke Tatsache, dass mittlerweile wahnsinnig hohe Preise für die alten Rums von Velier geboten werden und diese DDL Abfüllungen mehr als ein Jahr in den Läden liegen und immer noch nicht ausverkauft sind, spricht in meinen Augen für einen Fehlstart des neuen Labels. Was hat DDL erwartet? Die PR war gefühlt fast nicht existent und zu Beginn gab es nur Reviews von Bloggern oder professionellen Reviewern. Ich persönlich gewann den Eindruck, dass DDL sich nicht wirklich Mühe gab. Warum? Auf dem Karton steht eindeutig: 

These unique individual numbered bottles refer to a special rum Marque, from one of the heritage stills and a special cask number: Each personalized bottle is hand filled and hand labeled under direct supervision of our Master Distiller to ensure perfect quality.“ 

Auf dem Label der Flaschen steht weder eine Flaschen- noch eine Fassnummer. Personalisierte Flaschen? Die Labels auf den Flaschen einer Abfüllung sehen alle gleich aus. Absicht oder Schlendrian? Egal was die Ursache auch gewesen sein mag: Liebe zum Detail, Leidenschaft für ein Produkt oder die Wertschätzung des eigenen Erbes, sehen anders aus. An der Qualität des Inhalts ändert dieses lieblose Auftreten natürlich gar nichts. Schließlich darf man auch nicht vergessen, dass dieser Rum 21 Jahre in den Tropen reifte. Einen Rum zum Spottpreis habe ich nie erwartet. Dennoch hinterlässt diese überhastete Veröffentlichung und das lieblose Auftreten einen bitteren Beigeschmack und lässt in einem die Vorahnung keimen, dass diese Serie nicht fortgesetzt werden wird, was durchaus sehr schade wäre. Meiner Meinung nach hat Demerara Rum ein besseres Management verdient als das, was DDL hier abgezogen hat. Vielleicht ist es auch nur meine Meinung. Bis zum nächsten Mal.

Marco 

(85/100) 



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It's time again.

Time for what? For a Demerara rum on BAM! This is a review that I have delayed too long. Actually I wanted to present a different bottling, but a nearly two-week cold forces me now to dig up this "old" rum. It is the Dorado Demerara Rum Rare Collection Enmore EHP 1993 21YO!

The Bottling: 

This bottling was the oldest of three Demerara rum from El Dorado under the new Rare Collection series. If my memory serves my right, then this series was thrown on the European market in early 2016. The other two rums were the Dorado Demerara Rum Rare Collection Port Mourant PM 1999 15YO with 61.4%abv and the Dorado Demerara Rum Rare Collection Versailles VSG 2002 13YO with 63%abv. All three rums are presenting very well-known Marks, or styles from Guyana. Each unique in itself and associated with a particular distilling apparatus. This rum was made with the Enmore Wooden Continuous Coffey Still, which was build by the original plans of Aeneas Coffey (1780 - 1852) with Guyanese greenheart wood (lat. Chlorocardium rodiei.). This timber is characterized by a relatively high density and a remarkable durability. Once the old London dock gates in England were built with this kind of wood. It was even a long time an export product of this former colony. It is a tropical wood, which makes today’s trading appear morally somewhat questionable. But even this remarkable wood must be replaced in an unspecified period of time. This varies depending on the use. The vulnerability of the old dock gates was the waterline. Similar to the motto "little strokes fell big oaks." I have no knowledge when this Coffey Still came to the Enmore Estate, but it must have been undoubtedly in the 19th century. Unfortunately, the distilling apparatus alone says nothing about the rum (style). This still cane make more than one style. This is a peculiarity of the Diamond Distillery. A distilling apparatus can create more than one style and is thus representing long gone estates or experiments. Fortunately, this one is well known because it is the original rum through which the Enmore estate was known and famous in England. The style is called EHP. Long I thought it would mean Edward Henry Porter, but it could as well also mean Enmore Henry Porter. Ultimately, it is just a side note, since the rum is the key. That's why we come straight to the tasting! 

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Tasting El Dorado Demerara Rum Rare Collection Enmore EHP 1993 21YO:

Price: The prices in Germany and Austria ranging from 237.30 € to 275.00 €. You can buy the rums much cheaper in other countries.

Age: The official age, according to label, is 21 years.

ABV: The rum was bottled with a drinking strength of 56.5%abv.

Process of distillation: The rum is made with the Enmore Wooden Continuous Coffey Still.

Colour: Very dark amber.

Viscosity: Thick drops flow slowly down to the glass and an oily film remains on the wall.

Nose: The rum was allowed to breathe for over an hour in the glass. The first impressions are sugar cane, dark Muscovado sugar, herbs, caramel and fruits. Old wood, spices, cinnamon, leather and a hint of anise. A slight glue flavour is floating in the glass. Further away papayas, toffee, leather, sugar, cinnamon and tobacco. Vanilla? Deep in the glass dominate oak, anise, spices, glue and exotic fruits. Again, papayas and some mangoes. Old tobacco leaves. The rum smells very mature, but EHP is in my eyes still recognisable. The flavors of brown muscovado, mixed with a slight sweetness, caresses the senses deep in the glass. After a while you think you can recognize roasting and smoke flavors from the barrel. The rum leaves a very good impression in the nose.

Palate: Sugar cane, herbs and oak flavours flood the palate. Then the alcohol burns on the tongue. After the burning is fading out the rum opens itself. Dark cane sugar, fruits, leather, caramel and toffee infatuate the palate. There is a slight sweetness. The herbs and sugar cane flavours are becoming more and more dominant. Tobacco, cinnamon, brown sugar and oak after a long time in the mouth. Even after one minute, the rum is still minimal sweet. In the second sip short glue-like flavours on the palate, followed by fruits, herbs and sugar cane. Again only shortly burning, then slightly sour and finally sweet on the palate. Mangoes, papayas, caramel and anise. Spices including cloves and cinnamon. In the second sip the sweetness is not so much pronounced as it was in the first. Very mature, but also very smooth on the palate. Too smooth.

Finish: Sugar cane, oak and herbs form the beginning of finish. Then papayas, caramel and spices. Cinnamon and anise flitting briefly on the palate. Shortly you can taste a slight touch of bitter tannins. After the second sip again herbs, oak and brown cane sugar. Then spices, tobacco and fruits. The finish is slightly dry. 


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Conclusion: A solid and good rum without corners and rough edges. But the last points are its weakness. He is too smooth for my taste. A comparison with the Velier Enmore Full Proof Old Demerara 1998 9 YO shows not only the differences, he highlights it quite well. The maturity on the palate is high and sometimes tasted. However, I miss something special or unique. Do not get me wrong. The rum is good. I ordered two bottles of this in 2016. I do not regret the purchase. My rating would have been better if I would have not had that many rums of Velier in my drams. I am nearly certain of this. But with my experience and reference materials I can give the rum just the below shown score. Does this makes the rum bad? Not at all. And what are the alternatives to this rum? Regarding EHP I do not know any. The bare fact that the old Veliers are sold for insanely high prices and these DDL bottlings are still available after more than a year in the shops and not sold out, speaks for itself. The new start for this series was anything but good. What did DDL expect? The PR was felt almost non-existent and at the beginning there were only reviews from bloggers or professional reviewers. Personally, I got the impression that DDL did not really make an effort. Why? Let me quote something printed on the box: 

"These unique individual numbered bottles refer to a special rum Marque, from one of the heritage stills and a special cask number: Each personalized bottle is hand filled and hand labeled under direct supervision of our Master Distiller to Ensure perfect quality." 

On the label of the bottles is neither a bottle nor a cask number. Personalized bottles? The labels on the bottles of this bottling all look the same. Intention or simply carelessness? No matter what the cause may have been: love for details and passion for a product and appreciateing the own heritage looks different. Of course this loveless appearance does not change anything on the quality of the content. Finally, we must not forget that this rum was matured in the tropics for 21 years. I did not expect a dirty cheap rum. But this hastened release and loveless appearance leaves a bitter taste and germinates in a premonition that this series will not continue, which would be quite a shame. In my opinion, Demerara rum deserves a better management than what DDL did pull off. Maybe it's just my opinion. As a lover of Demerara rums I am just disappointed. Not by it's content, but by it's treatment. Enough said. 

Marco 

(85/100)