Sonntag, 19. März 2017

Silver Seal Jamaica Rum Hampden Distillery 1992 23YO

(the English part is below, just skip the German part) 

Herzlich Willkommen!

Schön das ihr es mal wieder in meine Ecke des Rums geschafft habt. Nach Fiji ist es mal wieder Zeit für einen Hampden. Es ist ein weiterer Rum aus dem Jahrgang 1992 und er kommt aus Italien. Es ist der Silver Seal Jamaica Rum Hampden Distillery 1992 23YO!

Zur Abfüllung:

Aus diesem Jahrgang hatten wir bisher nur einen Vertreter in hochprozentiger Fassstärke.  Es war der Cadenhead Dated Distillation Hampden HLCF 1992 14YO. Kein schlechter Rum, aber leider nicht die Crème de la Crème dieser jamaikanischen Destillerie. Ja ich weiß: Jammern auf hohem Niveau. Allerdings haben mich zu viele Abfüllungen in dieser Hinsicht verwöhnt, oder gar verdorben. Andere Rums, hauptsächlich solche mit kontinuierlichen Brennblasen hergestellt oder Blends, welche diese zu einem Großteil beinhalten, sind weit unter diesem Niveau. Aber dies ist natürlich nur meine bescheidene Meinung. Besagte Abfüllung von Silver Seal wurde im letzten Jahr abgefüllt und bestand aus nur einem einzigen Fass, welches die Nummer 17 besaß, und ganze 248 Flaschen mit einer verdünnten Trinkstärke von 50% hervorbrachte. Betrachtet man die letzten Preisentwicklungen, dann könnte diese Verdünnung auf die Reduzierung des Flaschenpreises abgezielt haben. Die Preise für Fässer alter Rums, besonders aus Jamaika und Guyana, sind allem Anschein nach die letzten 3 Jahre geradezu explodiert. Bisher sind im Vergleich dazu „weniger populäre“ Rums aus z.B. St. Lucia, Fiji oder Barbados noch davon ausgenommen. Erfreuen tut mich diese Entwicklung nicht, aber es könnte zu einem positivem Bild des Rums beitragen und ihn aus der billigen Spirituosenecke bringen. Rum hat mehr als Bacardi & Co anzubieten. Zumindest versuche ich diesem ganzen Preiswahn etwas Positives abzugewinnen. Ändern kann man daran im Moment eh nichts. Aber auf der anderen Seite war die Verfügbarkeit an verschiedenen Rums nicht so groß, wie sie z.B. heute existiert, als die Preise noch niedrig waren. Alles hat seine Vor- und Nachteile und es wird auch in der Zukunft noch Abfüllungen geben, die ein gutes Preis-Leistungsniveau besitzen. Gehört dieser Rum dazu? Wir werden sehen. Über die Destillerie habe ich in der Vergangenheit schon genug geschrieben. Also fasse ich mich kurz und beginne gleich mit dem Tasting. 

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Verkostung Silver Seal Jamaica Rum Hampden Distillery 1992 23YO:

Preis: Die letzten Preise für diese Abfüllung, die ich online gesehen habe, reichten von 366€ 309€ (Frankreich) bis 400€ (Dänemark) für die 0,7l Flasche. Der Preis zu Release war anscheinend um die 250€.

Alter: Das offizielle Alter beläuft sich auf 23 Jahre im Fass.

Alkoholstärke: 50%vol.

Destillationsverfahren: Offensichtlich war es eine Pot Still mit nachgeschalteten Retorten. 

Farbe: Gold.

Viskosität: Der Rum bildet einen öligen Film auf der Glaswand und fließt in vielen langgezogenen Streifen zurück zum Glasboden.

Nase: Der Rum durfte über eine Stunde atmen. Die ersten Impressionen sind Ananas, Medizin, Rauch und Nagellackentferner. Der Alkohol brennt in der Nase. Schwache Lederaromen und Eiche. Kräuter und Anis im Hintergrund. Weiter weg vom Glas Ananas, Kirschen, Leder und Toffee. Ein Hauch von Anis. Leichte Esteraromen. Tief im Glas dominieren Esteraromen vermischt mit mit Medizin, Rauch, Kirschen und Kräuter. Papayas? Holzkohle und Eiche kommen zum Vorschein. Anis und ein Hauch von schwarzem Tee. Gewürze und… Weizen? Nach einem Schwenk kann man kurzzeitig grasige Aromen riechen. Ja. Definitiv Gräser im Glas. Die Nase wirkt nicht so kompakt wie der Cadenhead Dated Distillation Hampden HLCF 1992 14YO. Zuckerrohr. Sehr kurz und schwach blitzt Jod auf. Wieder Anis und Kräuter. Aromen verblassen leider bei einer sehr langen Standzeit und werden schwächer. Nach dem Schwenk ist der Rum wesentlich intensiver.

Gaumen: Der Ersteindruck ist sehr sanft. Das Brennen ist vergleichsweise schwach. Ester, Kunststoff, Ananas, Papayas und saure Pepperoni. Eiche, Leder und Toffee. Anis und Kräuter kommen zum Vorschein. Holzkohle. Schwach Medizin. Kirschen? Gräser? Zuerst schmeckt der Rum zu Beginn leicht sauer. Dann wird der Geschmack immer pflanzlicher und herber. Gewürze? Leider flacht der Rum durch die Verdünnung im Mund schnell ab. Beim zweiten Schluck Medizin, Rauch und ein stärkeres Brennen des Alkohols. Ananas, Kirschen, Eiche, Anis und Kräuter bilden dann die dominantesten Eindrücke.Dann kommen grasige Aromen und Zuckerrohr zum Vorschein. Gewürze und Nelken. Ananas und Kräuter am Ende. Beim dritten und letzten Schluck wieder Medizin, Rauch und ein milchiger Geschmack. Kräuter, Gras und Zuckerrohr. Ananas und Papayas. Wieder wandelt sich das Geschmacksprofil hin zum Pflanzlichen. Holzkohle und Eiche. Spuren von Zimt. Der Gaumen ist deutlich milder als der des Cadenhead Dated Distillation Hampden HLCF 1992 14YO. 

Abgang: Ananas, Holzkohle und Ester. Dann Rauch und Medizin. Kräuter am Ende. Nach dem zweiten Schluck Wieder Medizin, Ananas und Ester. Das Profil flacht langsam ab. Anis, Kräuter und Ananas am Ende. Nach dem dritten und letzten Schluck Ananas, Kräuter und saure Ester. Anis und Gewürze. Sehr pflanzlich am Gaumen und trocken am Ende. 

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Fazit: Ein ordentlicher Hampden, der leider etwas zu sehr verdünnt wurde. Das macht sich nach längerer Zeit im Mund besonders bemerkbar. Die schon zu Beginn erwähnte Tatsache, dass ich schon viele Rums aus Hampden mit hoher Qualität im Glas hatte, zwingt mich persönlich auch zu dieser relativ durchschnittlichen Bewertung. Ein guter Rum, keine Frage. Mir persönlich wäre er aber niemals diesen Preis wert. Ich möchte es noch einmal betonen: Dies ist meine persönliche Meinung. Während es dem Cadenhead Dated Distillation Hampden HLCF 1992 14YO an Reife und Klasse mangelte, so ist die Aromastärke einzelner Nuancen beim Silver Seal Jamaica Rum Hampden Distillery 1992 23YO deutlich schwächer, hat dafür aber mehr Reife zu bieten. Er ist deswegen nur geringfügig besser als der Cadenhead und das obwohl zwischen beiden ganze 9 Jahre liegen. Vielleicht wäre man besser beraten gewesen, den Rum auf 55%vol. zu verdünnen, als ihn sofort auf 50% herabzusetzen. Aber die Entscheidung trifft nun einmal der Abfüller und einige Reviewer sind Feuer und Flamme was diese Abfüllung betrifft. Ich gehöre leider nicht dazu. Rums aus 1998 in Fassstärke mit demselben Mark (HLCF) waren hier ein Stück besser.  Sie hatten mehr Kraft. Und das sage ich nicht weil ich dafür bezahlt werde oder ich eine persönliche Abneigung gegen Silver Seal habe, sondern weil mich diese Rums als Kunde im Vergleich mehr überzeugt haben. Man mag nun darüber argumentieren, dass mehr Wasser auch mehr Aromen bedeutet, aber dafür büßt man enorm an Körper und Kraft ein, was sich leider bei Hampden mehr bemerkbar macht, als wenn man z.B. Mount Gay aus Barbados oder Worthy Park aus Jamaika verdünnt. Diese Rums haben sehr wenig Ester, aber dafür mehr Körper anzubieten. Aber dafür ist Hampden nun einmal Hampden. Nur die Rums aus 1990 haben bisher einer großen Verdünnung standgehalten. Der Stil HLCF mit der Hälfte an Ester, verträgt da leider nicht so viel Wasser und bei dieser Abfüllung merkt man diese Achillesferse von Hampden deutlich am Gaumen nach etwa einer Minute. Ob sie diesen Rum brauchen müssen als mündiger Käufer natürlich selber beurteilen. Dieses Review spiegelt nur meine persönliche Meinung wieder, welche sich aus einigen Cross-Tastings und Vergleichen mit anderen Rums speist. Bevor ich zum Ende komme, möchte ich noch auf zwei neue Blogs hinweisen. Es ist „RumBoom“, welcher ausschließlich in deutscher Sprache erscheint, und „Single Cask Rum“, welcher Reviews in englischer Sprache verfasst. Ich wünsche beiden Bloggern viel Erfolg und vor allem eine gute Ausdauer. Euch dagegen wünsche ich noch einen schönen Sonntag! 

Marco

(86/100)

Nachtrag: Ich habe die Preise geupdated. An meiner Meinung ändert sich aber nichts.

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Welcome!

Nice of you to drop by into my little corner of rum. After some rum from Fiji it is time again for a Hampden. This is another rum from the vintage 1992 and it is bottled by an Italian bottler. It's the Silver Seal Jamaica Rum Distillery Hampden 1992 23YO!

The Bottling: 

When it comes to this vintage we only had one rum in high-proof cask strength so far on this blog. It was the Cadenhead Dated Distillation Hampden HLCF 1992 14YO. Not a bad rum, but unfortunately not the crème de la crème of this unique Jamaican distillery. Yes, I know: whining on a high level. However, I have been spoiled by too many bottlings in this regard. Other rums, mainly those produced by continuous stills or blends containing them to a large or big extent, are far below this level. But of course this is just my humble opinion. Said rum of Silver Seal was bottled last year and consisted of only a single barrel, which had the number 17, and did produce 248 bottles with a diluted drinking strength of 50%abv. Considering the recent price developments, this dilution may have its reason to reduce the bottle price. The prices for Barrels of old rum, especially from Jamaica and Guyana are apparently skyrocketed in the last 3 years. So far "less popular" rums, like from St. Lucia, Fiji and Barbados, are still excluded from this trend. I am truly not delighted at all about this development, but there is nothing we costumers can do about it for now. The best course of action is trying to see some positive side-effects. Rum gets out of the cheap-booze-corner which is, at least in Germany, often associated with the likes of Bacardi or some other industrialized spirits under the name of rum. But rum has much more to offer. At least I try to see some positive things in this crazy development in the recent years. Plus the availability of rums in general is much better now than it was in the past. Granted, the prices were low, but the there were not much bottlings released per annum in that period. Everything has its advantages and disadvantages, and I still believe there will be bottlings that have a good price-performance level in the future. Does this rum fall under them? We will see. I have written enough about this distillery in the past. So let us not delay the tasting any further. 

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Tasting Silver Seal Jamaica Rum Hampden Distillery 1992 23YO:

Price: The latest prices for this bottling, at least the one that I have seen online, ranged from 366 309€ (France) to 400€ (Denmark) for the 0,7l bottle.The price at release was apparently around 250€.

Age: The official age is 23 years.

ABV: 50%abv.

Process of distillation: Obviously it was a pot still with two retorts.

Colour: Gold.

Viscosity: The rum forms an oily film on the wall and flows down in many long stripes back to the glass bottom.

Nose: The rum was allowed to breathe for over one hour. The first impressions are pineapple, medicine, smoke and nail polish remover. The alcohol burns in the nose. Weak leather aromas and oak. Herbs and anise in background. Further away from the glass pineapples, cherries, leather and toffee. A touch of anise. Some light ester flavours. Deep in the glass dominate ester flavours mixed with medicine, smoke, cherries and herbs. Papayas? Charcoal and oak appear. Anise and a hint of black tea. Spices and... wheat? After a pan of the glass I can smell briefly grassy flavours. Yes. Definitely grass in the nose. The rum is not as compact as the Cadenhead Dated Distillation Hampden HLCF 1992 14YO. Sugarcane. Very briefly weak iodine. Again anise and herbs. Unfortunately the flavours are fading out after a very long time. After a panning of the dram the rum is much more intense.

Palate: The rum is very gentle on the first impression. The burning is comparatively weak. Esters, plastics, pineapples, papayas and sour peppers. Oak, leather and toffee. Anise and herbs. Charcoal. Weak medicine. Cherries? Grass? First of rum tastes at the beginning slightly acidic. Then the taste changes to a more herbal profile. Spices? Unfortunately, the rum quickly becomes flat by the dilution in the mouth. During the second sip medicine, smoke and a stronger burning of the alcohol. Pineapple, cherry, oak, anise and herbs then form the most dominant impressions. Then come grassy flavours and sugar cane. Spices and cloves. Pineapple and herbs at the end. During the third and last sip again medicine, smoke and a milky flavour. Herbs, grass and sugar cane. Pineapples and papayas. Again the flavour profile is changing towards a herbal profile. Charcoal and oak. Traces of cinnamon. The palate is much milder than that of Cadenhead Dated Distillation Hampden HLCF 1992 14YO.

Finish: Pineapple, charcoal and esters. Then smoke and medicine. Herbs at the end. After the second sip again medicine, pineapple and esters. The profile slowly flattens. Anise, herbs and pineapple at the end. After the third and last sip pineapple, herbs and acidic esters. Anise and spices. Very herbal on the palate and dry at the end.

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Conclusion: A solid Hampden, which has been diluted down with water just a little bit too much. This is particularly noticeable after a long time in the mouth. I already did mention that I have been spoiled by too much Hampdens in the past. A good deal of them were very good. Some also were Top Class. These experiences are forcing me to give this rum the score you can see right at the bottom of the review. It is a good rum, no doubt about that. But it is not the cream of the crop. I want to emphasize it again: This is my personal opinion. While the Cadenhead Dated Distillation Hampden HLCF 1992 14YO lacked maturity and class, the aroma strength of the individual nuances are considerably weaker in the Silver Seal Jamaica Rum Distillery Hampden in 1992 23YO, but it does have more maturity to offer. It is therefore only slightly better than the Cadenhead even though between the two rums is a distance of 9 years. Perhaps a dilution down to 55%abv would have been better and the rum quality would have not suffered that much. But this decision is up to the bottler. And the rum is apparently not soo “bad” (remember when I said whining on a high level?) as my score would indicate it. Some reviewers are love it. Unfortunately I am not one of them. Imho the younger rums from TRC with the vintage 1998 and the same mark were better. Maybe because of the fact they did not get no additional water. I am not saying this because I get paid to do so or I do love TRC more than Silver Seal. I have nothing against Silver Seal nor do I dislike their rums. This score is based upon cross-tastings with rums of the same distillery and the same style (mark). One might also argue that more water means more flavours because you reduce the density of the rum, but in return you loose tremendously in body and strength of those flavours and aromas, which unfortunately is a great deal and significantly more noticeable with rums made by Hampden. Rums made by Mount Gay on Barbados or Worthy Park in Jamaica do not suffer from this phenomenon. These rums have very little ester, but have more body to offer. But Hampden is Hampden. So far only the rums made in 1990 have withstood a large dilution with water. The style HLCF has only half the esters and so unfortunately does not bear well so much water. This Achilles heel of Hampden is clearly noticeable on the palate after about one minute when you do drink this rum. So do you need this rum? This is, once again, something you have to decide for yourself. This review reflects only my personal opinion, which is based on cross-tastings and comparisons with other rums. Before I end the review I would like to mention two new blogs. It is "RumBoom, which appears only in the German language, and “Single Cask Rum“, which reviews rums in English. I wish success and above all a good endurance to both authors. I wish you guys a nice Sunday! 

Marco

(86/100)

Addendum: I have updated the prices. My opinion, however, is unchanged.

Sonntag, 5. März 2017

The Rum Cask Fiji Rum South Pacific Distillery 2001 15YO

(the English part is below, just skip the German part) 

Willkommen zurück!

Heute kommt der vorerst letzte Ausflug zur kleinen Inselnation Fidschi im pazifischen Ozean. Und es handelt sich um eine aktuell noch verfügbare Abfüllung und dürfte damit für viele interessant sein, welche die vohrerigen Reviews lasen, aber die Rums nicht kannten. Die heutige Abfüllung ist der The Rum Cask Fiji Rum South Pacific Distillery 2001 15YO!

Zur Abfüllung: 

Dieser Rum ist der Nachfolger vom The Rum Cask Fiji Rum South Pacific Distillery 2003 10YO. Es handelt sich um denselben Jahrgang, der auch schon den Blackadder Finest Fiji Rum South Pacific Distillery 2001 11YO hervorbrachte. Diesen dürften nur die wenigsten Leser überhaupt kennen. Den TRC-Vorgänger aus 2003 dagegen dürften wesentlich mehr Leute im Glas gehabt haben. Zumindest was die Leser dieses kleinen bescheidenen Blogs anbelangt. Dieser Rum ist auch ganze vier Jahre älter als der Blackadder, und hat damit schon gute Chancen ein Stück weit besser zu sein. Eine Garantie ist das natürlich nicht, da alle Fässer nicht gleich sind. Aber diese Grundlagen sind wohl jedem Leser mittlerweile gut bekannt, vor allem wenn sie aus dem Whiskybereich zum Rum gekommen sind. Dort gibt es haufenweise Informationen zu diesem Thema und auch genau so viele Meinungen. In Verbindung mit der Fassreife oder der Fassqualität wird auch immer wieder gern das Für und Wider von NAS-Abfüllungen debattiert. Anstelle von Jahrgang und Alter besitzen die Whiskies oft fantasievolle Namen, ohne dem Käufer einen wirklichen Informationsgehalt zu bieten. Frische oder neu ausgebrannte Eiche kann zwar mehr Aromen ins Fass bringen, aber macht es dadurch automatisch das Destillat besser? Nicht wenn der Stil zu „rein“ oder das Profil zu flach ist. Dieses Problem existiert mehr beim Rum als beim Whisky. Ein grandioses und negatives Beispiel hierfür ist der Jahrgang 1998 aus der im Jahre 1999 geschlossenen Uitvlugt Destillerie in Guyana, welcher in den letzten Jahren sehr vermehrt aufgetaucht ist. Dieser wurde mit einer kontinuierlichen Brennblase hergestellt. Die kontinentale Reifung konnte ihm nichts positives hinzufügen. Diese Entwicklung zu einem leichten und reinem Profil hat geschichtliche und ökonomische Gründe. Sie liegen in der Entwicklung der Zuckerindustrie begraben, an welche die Brennereien lange gebunden waren. Lustig wird es dann nur, wenn man mit PR versucht dem Käufer glaubhaft zu machen, dass man dies aus Leidenschaft gemacht hätte. Aber das ist ein anderes Thema. Leider liegt mir keine Information bezüglich der Flaschenanzahl vor. Zur Brennerei und Fidschi habe ich in den vorherigen Reviews auch schon genug geschrieben. Beginnen wir also mit der Verkostung! 

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Verkostung The Rum Cask Fiji Rum South Pacific Distillery 2001 15YO:

Preis: Die 0,5l Flasche kostet 49,90€. Das wären 69,86€ für eine imaginäre 0,7l Flasche.

Alter: Das offizielle Alter beträgt 15 Jahre.

Alkoholstärke: Der Rum wurde mit 59,3%vol abgefüllt.

Destillationsverfahren: Das offizielle Verfahren ist eine Pot Still. 

Farbe: Heller Bernstein. 

Viskosität: Der Rum fließt träge in vielen Streifen zurück zum Glasboden.

Nase: Der Rum durfte lange Zeit im Glas atmen. Zwischendurch habe ich das Glas noch einmal benetzt, ohne den Deckel abzunehmen. Das erste was ich rieche sind Esteraromen, süßer Honig, Vanille und Rosinen. Leder, Toffee, Karamell und Eiche. Weiter weg vom Glas erkenne ich einen Hauch von Vanille, Karamell, Honig und eine ganz dezente Süße. Tief im Glas beherrschen schwache Ananasaromen, Zitrusfrüchte, Honig, Bienenwachs, Gummi und dezente Esteraromen. Nach über einer Stunde kitzelt der Alkohol nur noch leicht in der Nase. Eiche, Holzkohle und Gewürze. Sehr schwacher Rauch und Medizin durchsetzen alle anderen Aromen wie Nebel ein Bergtal im frühen Morgengrauen. Auch Kräuter und Zuckerrohr kann ich erkennen. Zimt im Hintergrund. Limetten? Ein säuerlicher Geruch liegt im Glas. Er verdrängt die Süße, welche weiter Weg vom Glas zu erkennen ist. Nach einem frischen Schwenk riecht man geballte Zitrusfrüchte, Gummi, Medizin und dezente Esteraromen. Die Nase ist zuerst süßlich, dann wird sie mit der Zeit sauer.

Gaumen: Zuerst schmeckt der Rum leicht süß auf der Zunge, dann brennt auch schon der Alkohol im Mundraum. Medizin, Zitrusfrüchte, Rosinen, Gummi und Rauch sind die ersten Eindrücke, sobald der Alkohol ein wenig nachlässt. Eiche, Toffee und Leder vom Fass. Ester sind kurz nach dem Abebben des Alkohols schmeckbar, verschwinden aber leider relativ schnell. Zuckerrohr, Bienenwachs und Kräuter. Das Gummi wird immer dominanter am Gaumen. Auch der Geschmack nach Medizin wird stärker. An Früchten erkenne ich schwach Papayas und Aromen von Ananas. Karamell, verwoben mit Bienenwachs und am Ende nur noch Kräuter am Gaumen. Beim zweiten Schluck brennt der Alkohol intensiver am Gaumen. Wieder ist der Rum leicht süß, wandelt sich aber dann zu einem leicht säuerlichen Geschmack. Ester, Gummi, Zitrusfrüchte und schwache Ananasaromen. Medizin und Rauch sind nun dominanter als beim ersten Schluck. Kräuter, Zuckerrohr, Anis, Eiche, Toffee und Leder. Mit der einsetzenden Verdünnung im Mund kommt wieder das Bienenwachs zum Vorschein. Kurz Rosinen. Karamell, Nelken, Wachs, Kräuter und Rosinen am Ende. Der Rum ist sehr mundwärmend. Holzkohle? Zimt? 

Abgang: Medizin, Karamell, Vanille und Gummi. Dann Zuckerrohr und…. Krokant? Anis, Kräuter und Mangos. Am Ende Bienenwachs mit Kräuter. Trocken am Gaumen. Nach dem zweiten Schluck Gewürze, Zimt, Karamell und Medizin. Dann Gummi und Kräuter. Sehr kurz Zuckerrohr. Bienenwachs, Mangos und Medizin. Sind das Pilze ganz am Ende? Ich bin mir nicht sicher. Das Mundgefühl am Schluss ist leicht trocken. 

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Fazit: Ich habe diesen Rum zuerst in einer ersten Sessions mit allen Fidschi-Rums meiner Sample-Bibliothek verglichen. Bei einer zweiten und einer dritten Session machte ich einen alleinigen Vergleich mit dieser Abfüllung und dem Rum von Blackadder. Der Unterschied zwischen beiden Rums ist zwar nicht kolossal, aber doch groß genug um ihn eine geringfügig bessere Bewertung zu geben. Dies ist also, bis jetzt, der beste Rum aus Fidschi den ich im Glas hatte. Ich habe mir mit dieser Entscheidung bewusst Zeit gelassen und wollte mich nicht zu einem schnellen Review kurz nach der Veröffentlichung drängen lassen. Diese Zeit war sinnvoll investiert. In der Nase wird der Unterschied nur dann deutlich ersichtlich, wenn man den Rum sehr lange atmen lässt. Am Gaumen dagegen ist es ein bisschen einfacher, wobei auch hier die Differenzen nicht gewaltig, aber doch genug vorhanden sind. Das Preis-Leistungsverhältnis für einen Rum mit 15 Jahren in Fassstärke ist aus meiner Sicht absolut Top. Das sage ich als Kunde. Wer den Vorgänger verpasst hat oder ihn mochte, der wird hier eine wesentlich reifere und in meinen Augen auch bessere Version des alten Rums vorfinden. Dies ist allerdings nur meine Meinung. Der Stil ist und bleibt gewöhnungsbedürftig und hat etwas von einem Whisky. Für einen Whiskytrinker könnte der Rum vielleicht „nicht genug Rum“ sein. Rums in dieser Qualität brauchen sich vor schottischen Whiskies nicht zu Verstecken. Sie ist mehr als ebenbürtig in meinen Augen und fern von den nahezu reinen oder geschmacksarmen Destillaten, welche in der Mitte bis gegen Ende des 19. Jahrhundert auftauchten und nur deshalb Rum genannt werden dürfen, weil die Regulierungen ein Witz sind. Ich kann auf eine große Diversifikation verzichten, welche aus diesen Regulierungen hervorgeht, wenn die große Mehrheit in meinen Augen nur absoluter Schrott ist. Aber ich schweife ab. Dies ist nicht der richtige Ort. Sollten sie den Stil von Fidschi überhaupt nicht kennen, dann rate ich wie üblich vor einem Blindkauf ab. Machen sie an einer Flaschenteilung mit oder kaufen sie ein Sample im offiziellen Shop des Abfüllers. Diesen Service bieten leider nicht viele Abfüller in Europa an. Mit einer allerdings immer größer werdenden Anhängerschaft von Single-Cask Rums ist dies aber auch nicht mehr wirklich notwendig. Dennoch möchte ich diesen Service hervorheben, da er sich wohltuend von der Masse abhebt. Ob sie diesen Rum brauchen müssen sie als Käufer, wie immer, selbst entscheiden. Ich wünsche Euch allen noch ein schönes Restwochenende! 

Marco 

(90/100)



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Welcome back!

Today is, for the time being, our last journey to the small island nation Fiji in the Pacific Ocean. The bottling is a relatively new and available for purchase, which might attract some more attentions as it was the case with the preceding reviews. Today's bottling is The Rum Cask Rum Fiji South Pacific Distillery 2001 15YO!

The Bottling:

This rum is the successor of The Rum Cask Rum Fiji South Pacific Distillery 2003 10YO. It's the same vintage that already spawned the Blackadder Finest Rum Fiji South Pacific Distillery 2001 11YO. Only a few readers do know about this bottling. The predecessor from 2003 bottled by TRC was much more known by comparison. At least as far as the readers of this little blog are concerned. This rum is whole four years older than the Blackadder, and has thus a good chance to be better in quality. Hwoever, a longer maturation period is not a guarantee for a better quality. But these basics and probably every reader does know them very well, especially if they are coming from the whisky scene. There are tons of information about this topic and also many opinions about it can be found. The influence of the barrel aging or barrel quality is mostly linked in the debates about the pros and cons regarding “NAS-bottlings”. Instead of stated age and vintage the whiskies often have fanciful names, without offering any real information to the buyer. Although fresh or newly burned oak can bring more flavours into the destillate, but does this automatically improve the spirit contained in it? Not if the style is to 'pure' or the profile is too shallow. This problem exists more in rum as in whisky. A terrific and negative example of this is the 1998 vintage from the closed Uitvlugt distillery in Guyana. Those bottlings have emerged on the market the last years and they were produced with a continuous still, probably the Savalle French Column one. The continental maturation was unable to positively contribute to the flavour profile of the rum and I doubt that more oak would help it. This “trend” to light and pure rums is based on historical and economic reasons in connection with the sugar industry, to which the rum distillers were tied for a very long time, before they were finally separated in own companys in most cases. It only gets really funny, when the PR tries to tell you that they did the switch to super modern continuous rum stills out of “passion and love for the spirit”. But who would really believe that nonsense anyways? But that's another topic. Unfortunately, there is no information provided by TRC regarding the number of bottles. I have already written enough about the distillery in the last reviews and I don't want to recapitulate myself just to have some more lines to write. So lets start with the actual tasting, shall we? 

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Tasting The Rum Cask Fiji Rum South Pacific Distillery 2001 15YO:

Price: The 0.5 liter bottle costs €49.90. That would be €69.86 for an imaginary 0,7l bottle.

Age: The official age is 15 years.

ABV: The rum was bottled with 59.3% abv.

Process of distillation: The official procedure is a pot still.

Colour: Bright amber.

Viscosity: The Rum flows in many streaks sluggishly back to the glass bottom.

Nose: The rum was allowed to breathe for a long time in the glass. In between, I have watted the glass again by panning the rum in it, without lifting the lid. The first flavours I smell are esters, sweet honey, vanilla and raisins. Leather, toffee, caramel and oak. Further away from the glass I recognize hints of vanilla, caramel, honey and a very subtle sweetness. Deep in the glass dominate weak pineapple aromas, strong citrus fruits, honey, beeswax, rubber and discreet ester flavours. After about an hour the alcohol tickles only slightly in the nose. Oak charcoal and spices. Very small amount of smoke and medicine are permeating all other flavours such as fog a mountain valley in the early dawn. I can also recognize herbs and sugar cane. Cinnamon in the background. Limes? A sour smell hovers in the glass. He ousted the sweetness, which is continued to be recognize further away from the glass. After a fresh swing of the glass you smell concentrated citrus, rubber, medicine and discreet ester flavours. The nose is first sweet, then it becomes acidic over time.

Palate: First the rum tastes slightly sweet on the tongue, then the alcohol burns in the entire mouth. Medicine, citrus fruits, raisins, rubber and smoke are the first impressions after the alcohol softens a bit. Oak, toffee and leather from the cask. Esters are tasted shortly after the ebbing of the alcohol, but unfortunately disappear relatively quick. Sugar cane, beeswax and herbs. The rubber is more dominant on the palate. Even the taste of medicine gets stronger. At fruit I recognize weak papayas and aromas of pineapples. Caramel interwoven with beeswax and in the end herbs on the palate. During the second sip the alcohol burns more intense on the palate. Again, the rum is first slightly sweet, but then turns into a slightly sour taste. Esters, rubber, citrus and weak pineapple aromas. Medicine and smoke are now more dominant than it was the case with the first sip. Herbs, sugar cane, anise, oak, toffee and leather. With the onset of dilution in the mouth the beeswax comes back. Short raisins. Caramel, cloves, wax, herbs and raisins at the end. The rum is warming up the mouth, in a good way. Charcoal? Cinnamon?

Finish: Medicine, caramel, vanilla and rubber. Then sugarcane and .... Brittle? Anise, herbs and mangoes. At the end beeswax and herbs. Dry on the palate. After the second sip spices, cinnamon, caramel and medicine. Then rubber and more spices. Briefly very weak sugar cane. Beeswax, mango and medicine. Are the mushrooms at the very end? I'm not sure. The mouthfeel in the end is pleasantly dry. 

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Conclusion: I first compared this rum in a first session with all Fiji rums contained in my sample library. In a second and a third session, I made a comparison with the this bottling and the one of Blackadder. Although the difference between the two rums is not colossal, it is still substantial to give it a different rating. So this is, so far, the best rum from Fiji I had the glass. I did take my time on purpose on bringing up this review. I did not want to be pushed to an early bird review shortly after the release. The time up until to this review was well spent. On the nose the difference will only be clearly seen if you let both rums breath for a very long time in the glass. Regarding the palate it is a bit easier to spot the differences, although they are not massive. The price-performance ratio for a rum with an age of 15 years in cask strength is absolutely top in my point of view. I say this as a customer. This rum will be interesting for those who missed the direct predecessor of this bottling or to anyone who does know it and in fact did like it. It is a mature and better version of the rum from 2003. However, this is only my opinion. The style is and will be something you have to get used to. It has certain parts in it, which do me remind of whiskies. Some people from the whisky-scene or rum-drinkers might object it because it is not rummy enough or too strange on the palate. Rums in this quality are fully equal to Scotch whisky. This is solely my opinion of course. It's the right stuff. Not the “silent” pure ones which did pop up in the mid and late 19th century and are still being repeatedly called rum because the regulations are a joke in that regard. I don't need a big diversification in rum, if the majority in my opinion is next to useless and using this lax regulation as an advantage. But I digress. This is not the right place. If you do not know the rums of Fiji, then I recommend you not to buy this one blind. Participate in a bottle-sharing or get a sample straight from the online-shop of the bottler in order to get in touch with this most interesting style. Sadly not many bottler do offer samples. Its more like a “buy it or leave it” approach to the customer. However, with enough people you can make bottle-sharings anyways, so I do not think they see the need for a service like this. So, do you need this rum? That's something you have to decide for yourself. I can only speak for myself when I say that it was worth my money. But please bear in mind that I love medium to heavy type of rums. That's it for today. I wish you all a nice weekend! 

Marco 

(90/100)

Sonntag, 19. Februar 2017

Cadenhead Dated Distillation Hampden HLCF 1992 13YO

(the English part is below, just skip the German part) 


Willkommen zurück zu B.A.M.!

Nach Fidschi ist mal etwas Abwechslung angesagt. Heute verschlägt es uns wieder einmal nach Jamaika. Es ist eine alte Abfüllung, die schon vor meiner Zeit ausverkauft war. Es ist der Cadenhead Dated Distillation Hampden Distllery HLCF 1992 13YO!

Zur Abfüllung: 

Dieser Rum war vor dem Beginn meiner Rum-Karriere im Jahre 2012 so gut wie weg. Ich kannte ihn lange nur vom Hörensagen. Flo schwärmte damals von ihm. Zum damaligen Zeitpunkt lag mein Interesse und Schwerpunkt nicht bei Jamaika. Nach unserer Trennung änderte sich dies, aber diese Abfüllung hatte ich für eine sehr lange Zeit nicht auf dem Schirm. Erst ein Sample von Pietro ermöglichte es mir, diesen Rum selbst einmal zu verkosten. Allerdings liegen zwischen 2006 und 2017 Welten. Es gab inzwischen sehr gute Rums aus den Jahren 1993 und 1998, ja sogar eine ganz unverhoffte Abfüllung von Duncan Taylor gab uns noch einmal die seltene Gelegenheit den Jahrgang 1990 in einer höheren Trinkstärke kennenzulernen. Dieses Glück wird sich voraussichtlich noch einmal wiederholen, allerdings dieses Mal nicht zu einem Schnäppchenpreis wie damals. Worauf ich hinaus möchte? Lassen Sie es mich so ausdrücken: Es gab sehr viele gute Rums, die das Niveau mittlerweile sehr weit angehoben haben. Für diese Abfüllung vielleicht etwas zu hoch und genau hier liegt die Crux der Bewertung von Rums. Wie will ich fair und kritisch eine Qualität bewerten, wenn ich nur sehr wenige Rums eines Stils kenne? Es geht zwar, allerdings wirken dann einige Punktebewertungen aus der Retrospektive etwas absurd, wenn man dann einen richtigen Kracher oder Fail im Glas hatte. Ich bin von den bisher veröffentlichten Rums aus Hampden zu sehr verwöhnt worden. Das gebe ich öffentlich zu. Der Habitation Velier Hampden Distillery 2010 6 YO weckte ihn mehr sehr große Erwartungen an ältere Rums direkt aus dem Fasslager von Hampden. Dafür müssen wir uns allerdings noch etwas gedulden. Hätte ich also diese Abfüllung von Cadenhead viel früher im Glas gehabt, dann hätte ich die Jahrgänge 1993 und 1998 ein wenig anders betrachtet und vielleicht auch bewertet. So geschah es bei mir genau umgekehrt. Bei dieser Abfüllung fehlen die Angaben der Monate, sowohl beim Destillieren als auch beim Abfüllen. Das Mark HLCF sagt uns außerdem, dass der Rum 500 – 700 mg an Ester bei einem reinen Liter Alkohol besitzt (LAA - Liters Absolute Alcohol). Beginnen wir doch gleich mit der Verkostung. 

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Verkostung Cadenhead Dated Distillation Hampden HLCF 1992 13YO:

Preis: Der ursprüngliche Preis mag von 60 – 70€ rangiert haben. Der heutige Wert unter Sammler und Genießer ist mir nicht bekannt.

Alter: Wie schon erwähnt beläuft sich das offizielle Alter auf 13 Jahre im Fass. 

Alkoholstärke: Der Rum wurde damals mit einer Trinkstärke von 66,2%vol abgefüllt.

Destillationsverfahren: Keine Geheimnisse hier. Es war eine Pot Still.

Farbe: Blasses Gold.

Viskosität: Dicke Streifen fließen zurück zum Glasboden und benetzen das Glas mit einem dünnen Film.

Nase: Ananas, Kräuter, Nagellack-Entferner, Papayas und Toffee entweichen dem Glas. Dazu gesellen sich noch Eiche, Leder und Holzkohle. Nach einer Stunde im Glas sticht der Alkohol immer noch leicht in der Nase. Dies ist allerdings bei der hohen Trinkstärke nichts ungewöhnliches. Weiter weg vom Glasrand erkenne ich Esteraromen, Ananas, papayas, Medizin und Klebstoff. Toffee. Tief im Glas wird die Nase mit starker Medizin, Rauch, Ester, Ananas, Holzkohle und Papayas bombardiert. Kräuter. Anis und schwarzer Tee im Hintergrund. Auch Zuckerrohr ist darin enthalten. Das Anis wird mit der Zeit stärker. Ein Hauch von Kirschen schwebt im Glas. Sauerkirschen? Mangos? Ich bin deswegen unschlüssig, weil der Rum doch etwas kompakt ist. Allerdings ist er selbst nach 13 Jahren im Fass immer noch stürmisch. Man riecht die Unreife. Die Nase ist nur sehr schwach süß und weist allerdings auch einen gewisse Säuregehalt auf, will sagen: Er riecht sauer.

Gaumen: Ester, Klebstoff und der Geschmack von Kirschwasser füllt den Mundraum. Zumindest schmeckt er kurzzeitig leicht nach einem Kirschwasser. Dann kommt auch schon der Alkohol und brennt auf der Zunge und verdrängt einige der Aromen. Langsam kommen Medizin und Rauch zum Vorschein. Der Alkohol lässt etwas nach. Kräuter, Toffee und Anis. Der Rum wird zusehends milder im Mund und das Brennen lässt immer mehr nach. Der Geschmack wandelt sich. Die Medizin wird schwächer und der Rum wird pflanzlicher im Mund. Zuerst schmeckt er leicht säuerlich am Gaumen. Kirschen, Rauch, Kräuter und immer noch etwas Medizin. Die Ester verschwinden. Beim zweiten Schluck Ester, Medizin und Rauch. Jetzt ist die Unreife mehr präsent als zuvor. Ein leicht milchiger Geschmack begleitet das Brennen. Kirschen, Ananas, Papayas, Kräuter und Anis. Wieder erst säuerlich, dann wandelt sich der Rum hin zum pflanzlichen Geschmack und die Medizin und die Säure werden schwächer. Holzkohle? Die Früchte verblassen. Noch mehr Kräuter, Eiche und Toffee. Beim dritten und letzten Schluck noch mehr Medizin und Rauch. Die Unreife legt noch einmal etwas nach. Ansonsten ändert sich das Bild wenig. Wieder Ester, Kirschen und Kräuter und der Wandel des Geschmacksprofils hin zum Pflanzlichen. 

Abgang: Ananas, Papayas, Toffee und Leder. Dann Ester, kurz Kirschen und Kräuter. Ein Hauch von Zuckerrohr und Ester verweilen sehr lange am Gaumen. Beim zweiten Schluck Ananas, Ester, Kirschen, Kräuter und dieses Mal Anis. Am Ende Kräuter und Ester. Beim letzten Schluck Ananas, Medizin, Rauch und Kirschen. Kräuter und Anis am Ende. Der Rum ist leicht trocken. 

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Fazit: Eines vorweg: Ich habe diesen Rum mit zwei anderen Abfüllungen aus 1992 verglichen und dementsprechend die unten angezeigte Punktezahl vergeben. Die Vergleichskandidaten waren der Silver Seal Jamaica Rum Hampden Distillery 1992 23YO und der Samaroli Jamaica Rum Hampden Distillery 1992 24 YO mit 54%vol. Zusätzlich habe ich außerdem die Abfüllung mit den zwei Rums von TRC aus 1998 verglichen. Alle Rums haben in meinen Augen denselben Stil (Mark) und ich muss leider gestehen, dass der Cadenhead den Rums von The Rum Cask nicht das Wasser reichen kann. Die Abfüllung ist gut, keine Frage. Allerdings schmeckt man doch teilweise noch die jugendliche Frische, welche in großen Mengen im Rum Fire Velvet Overproof mit 63%vol zu finden ist, welcher nicht gealtert ist. Selbst nach 13 Jahren ist sie hier in diesem Rum von Cadenhead noch immer zu schmecken. Sie ist zwar nicht so brutal wie beim Velvet, aber sie ist immer noch vorhanden. Dieses Manko besitzen die Rums von TRC nicht. Allerdings muss man auch berücksichtigen, dass zwischen den Abfüllungen viele Jahre Abstand und einige Jahre mehr im Fass liegen. Dennoch bleibe ich bei meiner Meinung, dass dieser Rum sich nur im gehobenen Mittelfeld bewegt, selbst für Hampden. Ich kann die Aufregung, welche diese Abfüllung damals produziert haben muss teilweise nachvollziehen, allerdings ist diese Sichtweise nicht von Romantik geprägt. Die Rums wurden alle zeitgleich nebeneinander verkostet und nicht mit vielen Jahren Abstand dazwischen. Dies ist unter anderem ein Grund, warum ich so viel Wert auf eine große Sample-Bibliothek lege. Erinnerung sind etwas trügerisches. Man neigt zur romantischen Verklärung von Ereignissen und Eindrücken. Ein „Echtzeit-Vergleich“ ist da schon etwas ernüchternder. Ich trauere dieser Abfüllung in keinster Weise nach, denn es gab zwischen diesem Rum bis heute sehr viele gute Hampden, die man hätte kaufen können. Mein Dank geht noch einmal an Pietro für die einzigartige Gelegenheit dieses Stück Geschichte zu verkosten. Grazie Mille! 

Marco 

(86/100) 


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Welcome back to BAM!

After some rums from Fiji some variety is called for. Today we once again turn our attention to Jamaica. It is an old bottling, which was sold out before my time. It is the Cadenhead Dated Distillation Hampden Distllery HLCF 1992 13YO!

The Bottling:

This rum was gone at the beginning of my rum career in 2012. I only knew of him by hearsay. Flo seemed to love him. But at that time my interest and focus was not in Jamaica. However, this changed after we separated our ways. But this bottling was for a very long time not on my radar. True, I had a lot of rums to buy to close the gap in the Jamaica section of this blog but I knew no possible source. Only a sample of Pietro enabled me to taste this rum. I did make the review very recently and did not touch it before, even the sample is now a little while in my possession. But the situation has changed gravely between 2006 and 2017. We had a number of very good bottling distilled in 1993 and 1998, we even had a uniquely and unexpected chance to taste the vintage 1990 at a higher strength thanks to Duncan Taylor and we might get the same chance again, but not at such a cheaply rate at is was once the case. You might ask yourself now where am I getting with this. Let it put me this way: All these rums were at a very good or even on a high level of quality. They have raised the bar and expectation permanently after their release. Maybe it was raised too high for an old bottling such as this. This is the crux of making a proper rum review. How can I make a fair and critically evaluation of the quality, when I only have one or two rums of one distillery or the same style at my disposal. Technically you can still do it, but then you might embarrass yourself when you look back on the old review from a retrospective point of view in the future, after you've tasted a truly great or epic fail of the said style. It might look absurd. I've been spoiled by the previously published rums from Hampden too much. I openly admit that. The Habitation Velier Hampden Distillery 2010 6 YO even created big expectations in my book when it comes to older tropical rums made from this distillery. But we will have to wait until this happy event will eventually become reality. So if this said bottling from Cadenhead would have been my first rum before the vintages 1993 and 1998 I would possibly given him a higher rating. I am not sure about this, but the chance is there. This is also the reason why I am hesitating in reviewing some rums, even if I do have a sample on hand. I am lacking of rums to compare them quality-wise. Flo got this rum in the “proper order”. I experienced it after the aforementioned good vintages. Curiously the months are not mentioned on the label. So the resulting official age is the absolute resulting minimum that could be possible. Why did Cadenhead not mention the month of the bottling? The Mark HLCF on the label does tells us that the rum contains 500-700 mg of ester in one pure liter of alcohol (LAA - liter Absolute Alcohol). Let's start with the tasting. 

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Tasting Cadenhead Dated Distillation Hampden HLCF 1992 13YO:

Price: The original price was probably around 60 - 70. I do not know the current value among collectors and connoisseurs, but the sample itself is dear to me.

Age: As already mentioned the official age is 13 years.

ABV: The rum was bottled with a drinking strength of 66.2%abv.

Process of distillation: No secrets here. It was a pot still.

Color: Pale gold.

Viscosity: The rum flows in thick stripes back to the glass bottom.

Nose: Pineapple, herbs, nail polish remover, papayas and toffee are hovering above the glass. These aromas are joined by oak, leather and charcoal. After an hour in the glass the alcohol still slightly stings into the nose. No surprise if you bear the high strength in mind. Further away I recognize ester flavours, pineapple, papayas, medicine and a glue-like flavour. Some toffee. Deep in the glass the nose is getting bombarded with strong medicine, smoke, esters, pineapple, charcoal and papayas. Herbs. Anise and black tea in the background. Even sugar cane is in this mix. The anise is getting stronger over the time. A touch of cherries also floats in it. Sour cherries? Mangos? I'm hesitant to name some flavours because the rum is very compact. It gives me a hard time. However, it is still young and stormy, even after 13 years in the barrel. You can smell the immaturity. The nose does have a very weak sweetness but also a certain acidity. It smells sour.

Palate: Ester, glue-like flavours and the tastes of kirsch fills the mouth. At least it tastes briefly slightly after a Kirschwasser (aka Kirsch). Then the alcohol burns on the tongue and displaces some of the flavours. Slowly medicine and smoke emerge. The alcohol intensity decreases. Herbs, toffee and anise. The rum becomes noticeably milder in the mouth and the burning is fading out. The taste is changing. The medicine is weaker and the rum becomes increasingly herbal in taste. At the beginning it tastes slightly acidic on the palate. Cherries, smoke, herbs and still some medicine. The esters disappear. With the second sip esters, medicine and smoke. Now the immaturity is more present than before. A slight milky flavour is accompanying the burning. Cherries, pineapple, papaya, herbs and anise. Again first sour, then the rum converts towards the herbal flavor. The medicine and the acid are getting weaker. Charcoal? The fruits are fading out. Even more herbs, oak and toffee. In the third and last sip more medicine and smoke. The immaturity is now at maximum. But the overall picture is not changing. Again esters, cherries and herbs and then the change of the flavor profile toward the herbs.

Finish: Pineapple, papayas, toffee and leather. Then esters, briefly cherries and herbs. A touch of sugar cane and esters are dwelling very long on the palate. After the second sip pineapple, esters, cherries, herbs and this time anis. At the end herbs and esters. At the last sip pineapple (again), medicine, smoke and cherries. Herbs and aniseed at the end. The rum is slightly dry. I like that. 

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Conclusion: First of all: I have compared this rum with two other bottlings from 1992 and accordingly gave it the score you can see at the bottom of this review. The comparison candidates were the Silver Seal Jamaica Rum Distillery Hampden 1992 23YO and the Samaroli Jamaica Rum Distillery Hampden 1992 24YO with 54% vol. In addition, I have also compared this bottling with the two rums of TRC made in 1998. All rums have in my opinion the same style (Mark) and unfortunately I have to confess that the Cadenhead is weaker than both rums bottled by The Rum Cask. The rum is good, no question. However, you can still taste the youth (immaturity), which can be found in large quantities in the Rum Fire Velvet Overproof with 63% vol, which is not aged. Even after 13 years you can find these specific flavour compounds in this Cadenhead. Although it is not as brutal as it is the case with the Velvet, but it is still present. The rums bottled by TRC do not possess this shortcoming. However, one must also consider that there are many years distance bewteen these bottlings and a few more years have passed (in the barrel as well). However, I stand by my opinion that this rum is only ranked in the upper middle, even for an Hampden. I can understand the excitement that must have aroused after the release. At least partially. My point of view is not influenced by Romanticism. The rums were all tasted at (nearly) the same time side by side and not with many years distance between the tastings. This is one of the reasons why I put so much priority of having a large sample library. Memories are somewhat deceptive. One tends to the romantic glorification of events and impressions. A "real-time comparison" is more realistic and sometimes a bit sobering. I do not mourn the passing of this bottling because there were many good releases after this bottling. We had more than good replacements for this. My thanks goes again to Pietro for the unique opportunity to taste this little piece of history. Grazie Mille! 

Marco 

(86/100)