Montag, 28. Dezember 2020

St. Lucia Distillers Chairman's Reserve Master's Selection RA & RTN 2011 9YO

 

(the English part is below, just skip the German part)


Ich hoffe ihr hattet eine besinnliche Weinachtszeit. Kommen wir zum Zweiten Review auf B.A.M. seit meiner längeren Auszeit. Das heute ein Rum aus St. Lucia an der Reihe ist stand schon seit dem letzten Review fest. Aber welcher nun genau? Schließlich gab es zwei interessante Abfüllungen in Deutschland. Die Erste folgt heute mit dem Review des St. Lucia Distillers Chairman's Reserve Master's Selection RA & RTN 2011 9YO!

Zur Abfüllung:

Hätte ich mein Comeback erst im Januar 2021 gemacht, dann hätte ich wohl die heutige Abfüllung verpasst. Dank Patrick Lingel und Johannes Breit wurde ich auf eine Aufteilung dieser Abfüllung aufmerksam, die unter der Aufsicht von TheRumCask stattfand. So konnte ich mir die letzte Flasche dieser Abfüllung in dieser Aufteilung sicherstellen. Da es aber zu Verzögerungen im Versand zu TheRumCask kam und der Rum schon bei einem großen deutschen Shop ausverkauft war, wurde ich etwas nervös. Schließlich war ich der letzte bei der Teilung und für mich war diese Lieferung nicht selbstverständlich. Zum Glück kam die Flasche von TheRumCask wohlbehalten an. Kurz danach war die Abfüllung fast überall verschwunden. All dies weckte Erinnerungen in mir an die „The Secret Treasures Selection Priveé“-Reihe. Da war der Ausverkauf zwar nicht so schnell, aber damals zögerte ich zu lange mit einer Neubestellung, was ich im Nachhinein bereut habe. Danke Patrick und Johannes für diese Gelegenheit! Diese Abfüllung wäre meiner Aufmerksamkeit sonst wohl gänzlich entgangen. Allerdings kam es zu Verzögerungen meinerseits, weswegen dieses Review sich verspätete. Angepeilt war eine Veröffentlichung vor Weihnachten. Es gab allerdings auch einen guten Grund diese Abfüllung und damit auch das Review hinauszuzögern. Mehr davon im Fazit.

Seitdem meinem Weggang hat sich einiges im Marken-Bereich dieser Destillerie getan. Von den Single Casks welche exklusive Pot-Still Destillate aufwiesen gab es im Jahre 2019 mindestens fünf Stück: Den Chairman’s Reserve Master's Selection 2000 19YO „Spiribam”, den Chairman’s Reserve Master's Selection 2006 13YO „Old Brothers”, den Chairman’s Reserve Master's Selection 2006 13YO „The Whisky Exchange”, den Chairman’s Reserve Master's Selection 2006 13YO “Bitters & Bottlesund last but not least den Chairman’s Reserve Master's Selection 2006 13YO “Royal Mile Whiskies” (56%). Es könnten aber auch noch mehr Abfüllungen gewesen sein. Jene Abfüllungen, die entweder ganz oder zum Teil kontinuierlich hergestellte Rums in sich hatten, habe ich weggelassen. Warum? Eine reine persönliche Entscheidung, die auf einen Fehlkauf zurückzuführen ist. Zu diesem „Fehlkauf“ wird es vielleicht noch ein gesondertes Review geben. Vor relativ kurzer Zeit wurde der St. Lucia Distillers Chairman's Reserve Master's Selection Evanius Harris 2011 9YO (Vendome) und schließlich auch die heutige Abfüllung in Deutschland veröffentlicht, welche zu 50% aus der Vendome Still und zu 50% aus der John Dore Nr. 1 besteht. Diese Abfüllung entstand in einer Zusammenarbeit zwischen Rum Artesanal und den Rum Tasting Notes. Hinter Rum Artesanal (Heinz Eggert GmbH) versteckt sich Dominik Marwede und für die Rum Tasting Notes App ist Oliver Gerhardt verantwortlich. Die Namen der Tester sind mir aber nicht wirklich bekannt. Nur das Ergebnis ihrer Wahl. Noch ein Hinweis in eigener Sache: Ich kann die heutige Abfüllung nur mit den mir zu Verfügung stehenden Rums vergleichen. Alle anderen zuvor genannten Abfüllungen unter dem Chairman's Reserve Master's Selection Label besitze ich nicht und kann hierzu auch keine Assoziationen erstellen. Ein Review zum St. Lucia Distillers Chairman's Reserve Master's Selection Evanius Harris 2011 9YO (Vendome) wird in 2021 folgen.

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Verkostung :

Preis: Der Reguläre Preis war um die 90€.

Alter: Der Rum wurde 2011 hergestellt und dieses Jahr abgefüllt. Damit beläuft sich das Alter auf 9 Jahre. Das Fass hatte die Nummer 209112009 (Ex-Bourbon-Cask) und brachte 261 Flaschen hervor.

Alkoholstärke: Der Blend hat einen Alkoholgehalt von 59,8%vol.

Destillationsverfahren: Der Blend ist ausschließlich mit Pot Stills produziert worden, nämlich mit der John Dore Nr. 1 und der Vendome.

Farbe: Kräftige Bernsteinfarbe.

Viskosität: Viele Schlieren entlang der Glaswand. Es bildet sich zum Abschluss ein öliger Film der am Glas haften bleibt.

Nase: Nach einer Stunde im Glas rieche ich etwas entfernt vom Glasrand Honig, Zuckerrohr und Eiche. Direkt am Glas werden die Zuckerrohraromen stärker. Nun sind auch exotische Früchte klar erkennbar. Bananen und überreife Papayas mit einer wunderschönen Süße umschmeicheln die Nase. Dazu kommen noch herber Tabak, verkohltes Holz, Leder und ein Hauch Karamell. Nach dieser Vergleichsweisen langen Zeit im Glas entfaltet der Rum sein ganzes Potenzial. Tief im Glas wird die Süße etwas schwächer. Nuancen von Honig, Gewürze in Form von Zimt und Anis, Eiche, Tabak und Leder dominieren. Fast völlig versteckt erkenne ich einen ganz schwachen Hauch von Estern. Die Früchte vermag ich nicht mehr eindeutig zu erkennen. Auch die Gewürze sind nun zu kompakt, als das ich einzelne Aromen herauspicken könnte. Benetzt man das Glas frisch mit Rum kitzelt der Alkohol leicht in der Nase, begleitet von wunderschönen Eichenaromen, exotischen Früchten und Gewürzen, darunter Nelken und Anis. Ich fühle mich etwas an schwarzen Tee erinnert. Der Anisgeruch wird immer stärker und man kann nun auch den Tabak riechen. Der Alkohol verschwindet relativ rasch. Die eingangs erwähnte Süße blitzt am Anfang nur sehr kurz auf und wird dann schnell von anderen Gerüchen verdrängt. Die Gewürze, Eiche und der Tabak sind zu einfach kräftig ausgeprägt. Möchte man diese Süße Genießen, dann muss man dem Rum Zeit geben.

Gaumen: Leicht brennt der Alkohol am Gaumen. Dann fluten Eichenaromen und Gewürze den Mundraum, dicht gefolgt von sehr schwachen exotischen Früchten, die aber sehr schnell von den Gewürzaromen überrannt und verdrängt werden. Die Süße in der Nase ist am Gaumen nicht vorhanden. Es dominieren die Fassaromen. Leder, Karamell und herber Tabak runden das Erscheinungsbild ab. Man kann zwar exotische Früchte erahnen, aber ich kann diese nicht eindeutig zuordnen. Beim zweiten Schluck steigern sich die Gewürze und die Eiche noch weiter. Toffee? Der Rum schmeckt sehr fasslastig. Eine leicht säuerliche Note blitzt auf, verschwindet aber sehr rasch. Ich kann keinerlei Süße erkennen. Herbe Kräuter, dazu Gewürze wie Anis und auch Tabak begleiten die Eiche. Der dritte Schluck bringt etwas Veränderung in Form von schwarzem Tee, Nelken und Toffee. Das Profil des Rums ist medizinisch, begleitet von Holzkohle und Rauch.

Abgang: Tabak, Rauch und Holzkohle, vermischt mit Gewürzen leiten den Abgang ein. Ich kann Anis und Nelken erkennen. Auch nach dem zweiten Schluck sehr kräftige Eichenaromen und Gewürze. Letztere verbleiben relativ lange am Gaumen. Nach dem dritten Schluck trocknet der Rum den Mund wunderschön aus. Ganz schwach kann ich Aromen von Honig erkennen und.... Bleistiftspäne? Wieder dominieren die Fassaromen. Der Rum ist im Abgang trocken.

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Fazit: Ich habe insgesamt zwei Tastings für dieses Review veranschlagt in dem ich alle St. Lucia Rums miteinander verglich. Besonders nach dem ersten Tasting am 19.12, also kurz nach dem Erhalt der Abfüllung, war ich sehr verunsichert und verwundert, da ich mit einem anderen Ergebnis gerechnet hatte. Jetzt nach dem zweiten Tasting ist meine Meinung allerdings gefestigt. Das Verschieben des Reviews war die richtige Entscheidung. Der Vergleich mit dem TST Selection Priveé St. Lucia Distillers John Dore 9 YO ergab einen deutlichen Unterschied in der Nase nach über 1 Stunde im Glas. Am Gaumen waren die Unterschiede nicht mehr so gravierend. Im Abgang dreht der St. Lucia Distillers Chairman's Reserve Master's Selection RA & RTN 2011 9YO allerdings noch einmal auf und wirkt dort gefühlt kräftiger als der TST. Die geschmackliche Fassreife ist meiner Meinung etwas stärker ausgeprägt als beim TST Selection Priveé St. Lucia Distillers John Dore 9 YO. Das merkt man an den Gewürzen besonders im Abgang, wenn man beide Rums miteinander vergleicht. Erst nach etwas längerer Standzeit im Glas nimmt der St. Lucia Distillers Chairman's Reserve Master's Selection RA & RTN 2011 9YO an Fahrt auf und überzeugte mit einer wunderschönen Süße. Dieser Rum braucht einige Zeit im Glas. Am Gaumen schenkten sich beide Abfüllungen fast nichts. Alles in allem siegt RA & RTN knapp über den TST, aber nicht so haushoch wie ich persönlich erwartet habe. Der TST muss sich also geschlagen geben. Und weil einige alte Hasen auch zu meinen Lesern gehören, will ich noch einen finalen Vergleich mit dem Blackadder Raw Cask St. Lucia 1999 12 YO aus der John Dore I machen. Den Vergleich verlieren diese beiden Rums allerdings deutlich. Der Blackadder zeigt auch wunderschön, wie kraftvoll und ausgeprägt ein Rum aus der John Dore I Pot Still sein kann, wenn der Fasseinfluss nicht zu groß ist. Außerdem verglich ich die heutige Abfüllung mit beiden Vendom Abfüllungen von TST und dem St. Lucia Distillers Chairman's Reserve Master's Selection Evanius Harris 2011 9YO (Vendome). Gegenüber dem TST Selection Priveé St. Lucia Distillers Vendome 6 YO, den ich damals gut bewertete, ist er nur minimal besser. Das ist zumindest meine Meinung. Und wie sieht es mit dem Rum von Evanius Harris aus? Das erfahrt ihr leider erst im nächsten Review. Ich muss gestehen, dass mir die Entscheidung zur Bewertung nicht leicht fiel. Im ersten Tasting waren der TST und diese Abfüllung auf Augenhöhe. Erst nach dem zweiten Tasting gebe ich dem St. Lucia Distillers Chairman's Reserve Master's Selection RA & RTN 2011 9YO einen Vorsprung zum TST. Man sollte auf jeden Fall einen leicht trockenen Abgang bevorzugen, oder man wird diese Abfüllung nicht mögen. Der Fasseinfluss hat hier auch schon den optimalen Einfluss überschritten. Einige Jahre mehr und er wäre mir wohl persönlich zu krass gewesen. Eine sehr gute Balance zwischen Reife und originalem Geschmack der John Dore I hatte bisher in meinen Augen nur der Blackadder vollbracht. Zu den anderen Abfüllungen aus 2019 kann ich nichts sagen, da ich sie nicht besitze. Wenn es um die Rums aus der Vendome ging, so war lange der 6 Jahre alte TST mein Favorit. Bis jetzt jedenfalls. Das war es für heute. Das nächste Review gibt es erst im nächsten Jahr. Ich wünsche Euch allen schon einmal einen guten Rutsch und ein frohes neues Jahr. Bleibt gesund!

Marco Freyer

(90/100)

 

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I hope you had a merry Christmas time. Today will be the second review on B.A.M. since my long time of absence. I already made my decision what rum it will be while I was writing the last review. Today's rum is from St. Lucia. But which one exactly? After all, there were two interesting bottling’s released this winter in Germany. The first of those will be today's review which is the St. Lucia Distiller Chairman's Reserve Master's Selection RA & RTN 2011 9YO!

The Bottling:

Had I made my comeback in January 2021, I would have probably missed today's bottling. Thanks to Patrick Lingel and Johannes Breit, I became aware of a division of this bottling, which took place under the supervision of TheRumCask. So I was able to secure the last bottle of this bottling in this distribution. However, since there were delays in shipping to TheRumCask and the rum was already sold out at a large German shop, I got a bit nervous. After all, I was the last guy to participate in this and I did not expect a guranteed delivery at all. Fortunately, the bottle from TheRumCask arrived safely. Shortly afterwards the bottling had disappeared almost everywhere. All of this brought back some memories of The Secret Treasures Selection Priveé series. The sale back then wasn't that fast, but at the time I hesitated too long before placing a new order, which I regretted in retrospect. Thank you Patrick and Johannes for this opportunity! Otherwise this bottling would have escaped my attention completely. However, there were delays on my part, which is why this review was pushed back. The aim was to release it before Christmas. However, there was also a good reason to postpone this bottling and with it the review. More of that in the conclusion.

A lot has happened around this distillery and their brand portfolio since my long break which started in 2017. There were at least five single casks with exclusive pot-still distillates in 2019: The Chairman's Reserve Master's Selection 2000 19YO “Spiribam”, the Chairman's Reserve Master's Selection 2006 13YO “Old Brothers”, the Chairman's Reserve Master's Selection 2006 13YO “The Whiskey Exchange”, the Chairman's Reserve Master's Selection 2006 13YO “Bitters & Bottles” and last but not least the Chairman's Reserve Master's Selection 2006 13YO “Royal Mile Whiskies” (56%). But it could also have been more bottlings. I left out those bottlings that contained either wholly or partly continuously produced rums. Why? A purely personal decision that can be traced back to a bad buy. There may be a separate review for this “bad buy”. A relatively short time ago, the St. Lucia Distillers Chairman's Reserve Master's Selection Evanius Harris 2011 9YO (Vendome) and finally also today's bottling was published in Germany, which consists 50% of rums made with the Vendome Still and 50% with rums made with the John Dore No. 1. This bottling was created in a collaboration between Rum Artesanal and the Rum Tasting Notes. Dominik Marwede is hiding behind the company Rum Artesanal (Heinz Eggert GmbH) and Oliver Gerhardt is responsible for the Rum Tasting Notes app. The names of the testers are not really known to me. Just the result of their choice. Another note on my own account: I can only compare today's bottling with the rums available to me. I do not own any of the other bottlings mentioned above under the Chairman's Reserve Master's Selection label released in 2019 and I cannot make any associations with them. A review of the St. Lucia Distillers Chairman's Reserve Master's Selection Evanius Harris 2011 9YO (Vendome) will follow in 2021.

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Tasting :

Price: The regular price was around 90€.

Age: The rum was distilled in 2011 and bottled this year. The age is therefore 9 years. The barrel had the number 209112009 (ex-Bourbon-Cask) and produced 261 bottles.

ABV: The blend has an alcohol content of 59.8% vol.

Process of distillation: The blend was produced exclusively with pot stills, namely with the John Dore No. 1 and the Vendome.

Colour: Strong amber.

Viscosity: Many streaks along the glass wall. At the end, an oily film is formed that sticks to the glass.

Nose: After an hour in the glass, I smell honey, sugar cane and oak just a little away from the edge of the glass. The sugar cane is becoming stronger when approaching the edge with the nose. Now exotic fruits are also clearly recognizable. Bananas and overripe papayas with a wonderful sweetness caress the nose. There is also bitter tobacco, charred wood, leather and a touch of caramel. After this relatively long time in the glass, the rum unfolds its full potential. The sweetness is a little weaker deep in the glass. Nuances of honey, spices in the form of cinnamon and anise, oak, tobacco and leather dominate. Almost completely hidden, I smell a very faint hint of esters. I can no longer clearly identify the fruits. The spices are now too compact for me to pick out individual aromas. If you wet the glass freshly with the rum (ie you spin it), the alcohol will tickle your nose, accompanied by beautiful oak aromas, exotic fruits and spices, including cloves and aniseed. I am somehow reminded of black tea while sniffing the rum deep inside the glass. The aniseed smell is getting stronger and you can now recognize the tobacco too. The alcohol disappears relatively quickly. The aforementioned sweetness at the beginning after one hour of breathing now only flashes very briefly and is then quickly displaced by other smells. The spices, oak and tobacco are simply too strong. If you want to enjoy this sweetness and the full potential of the rum, then you have to let it breathe. This one is not really for the impatient.

Palate: The alcohol burns slightly on the palate. Then the oak and spices are flooding the mouth, closely followed by very weak exotic fruits, which are quickly overrun and displaced by the spice aromas. The sweetness in the nose is absent on the palate. The barrel aromas dominate. Leather, caramel and tart tobacco round off the appearance. I can vagely recognize some exotic fruits, but I cannot clearly assign them to specific aromas. The second sip increases the spices and oak even further. The rum tastes very barrel-heavy. Toffee? A slightly sour note flashes, but disappears very quickly. I can't taste any sweetness in this rum, but it is not really bitter either. Tart herbs and spices such as aniseed and tobacco accompany the oak. The third sip brings some change in the form of black tea, clove and toffee. The profile tastes medicinal, accompanied by charcoal and smoke.

Finish: Tobacco, smoke and charcoal mixed with spices introduce the finish. I can identify anise and cloves. After the second sip, very strong oak aromas and spices. The latter remain on the palate for a relatively long time. After the third sip, the rum dries out your mouth beautifully. Now I can taste aromas of very faintly honey too and... pencil shavings?. The barrel dominates again, but there is no bitterness creeping up the tongue. The rum is dry in the finish.

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Conclusion: I conducted a total of two tastings for this review in which I compared all St. Lucia rums with each other. Especially after the first tasting on December 19th, shortly after receiving the bottling, I was very insecure and surprised, as I had expected a different result. Now, after the second tasting, my opinion is solid. Postponing the review was definitely the right decision. The comparison with the TST Selection Priveé St. Lucia Distillers John Dore 9 YO showed a clear difference in the nose after more than 1 hour in the glass. But on the palate these differences were not so vast as I had expected it. In the finish, the St. Lucia Distillers Chairman's Reserve Master's Selection RA & RTN 2011 9YO wins again and the rum feels stronger (ie more tasteful) than the TST. In my opinion, the taste of barrel maturation is somewhat more pronounced than that of the TST Selection Priveé St. Lucia Distillers John Dore 9 YO. You notice this in the spices, especially in the finish, when you compare the two rums. After a longer period in the glass the St. Lucia Distillers Chairman's Reserve Master's Selection RA & RTN 2011 9YO picks up speed and does impress with a wonderful sweetness. On the palate, both bottling’s quality-wise are nearly on par. All in all, the RA & RTN wins over the TST, but not as big as I personally expected. The TST has to admit defeat. And now, for the old Ones among us, I want to make a final comparison with the Blackadder Raw Cask St. Lucia 1999 12 YO made with the John Dore I. Both young rums lose the comparison. The Blackadder beautifully shows how powerful and pronounced a rum from the John Dore I Pot Still can be if the barrel influence is not too great. I also compared today's bottling with both Vendom bottlings from TST and the St. Lucia Distillers Chairman's Reserve Master's Selection Evanius Harris 2011 9YO (Vendome). The TST Selection Priveé St. Lucia Distillers Vendome 6 YO, which I liked very much back then, is only slightly less good as today’s bottling. But what about the rum from Evanius Harris? Well you’ll have to wait. The Evanius Harris will get its one review, which will soon follow. I have to admit that the decision to evaluate the quality level was not an easy one for me. In the first tasting, the TST and this bottling were at the same quality level. Only after the second tasting I did give the St. Lucia Distillers Chairman's Reserve Master's Selection RA & RTN 2011 9YO a little head start over the TST. You should definitely like a slightly dry finish, or you won't like this bottling. The barrel influence has already exceeded the optimal point influence here. A few more years and it would have possibly destroyed the content. A very good balance between maturity and original taste of the John Dore I Pot Still had so far only been achieved by the Blackadder. I can't comment on the other bottling’s from 2019 as I don't own them. When it came to the rums made with the Vendome, the 6 year old TST was my favorite for a long time. Until now anyway. That is it for today. The next review will not be available until next year. I wish you all a Happy New Year. Stay safe and healthy!

Marco Freyer

(90/100)



Sonntag, 13. Dezember 2020

Magnífica Envelhecida Cachaça (ADC) 2006 12YO

(This review is optimized to be read on a desktop pc. the English part is below, just skip the German part)


Aguardente é jeribita1

Filha da caninha torta

Quem a vida quiser sem desdita

É constante tomar jeribita1



1 Jeribita é sinônimo de Cachaça

Zur Spirituose & dem Abfüller:

Glaubt man diversen Autoren, dann soll es diese Spirituose schon im 16. Jahrhundert kurz nach der Besiedelung Brasiliens gegeben haben. Nach über einem Jahr, in dem ich mich intensiv mit Brasilien und der dortigen Zuckerindustrie beschäftigt habe und davor mit der Levante, Madeira und den Kanaren, könnte ich hierzu nun ein Statement abgeben, werde dies allerdings nicht tun. Ich bin und bleibe diesbezüglich skeptisch. Ich habe bisher sehr viele alte Briefe und Verordnungen über Cachaça lesen können und der Geschichts-Nerd in mir würde nun am liebsten in die Tasten hauen und einen Artikel mit vielen Quellenbelegen schreiben. Allerdings würde dies den Rahmen dieses Reviews einfach sprengen und der Thematik nicht gerecht werden. Ich müsste zu weit ausholen. Ein Blog ist ohnehin die falsche Plattform dafür. Alle Informationen, die ich zu diesem Thema fand, sind in vielen Monographien, Werken von Historikern oder Dissertationen/Doktorarbeiten verstreut und versteckt. Durch all dies wurde ich erst auf die originalen Quellen aufmerksam. Der gewöhnliche Connaisseur, der nur ein gutes Glas genießen will, hat gar keine Möglichkeit sich ein Bild über diese komplexe Lage zu verschaffen. Er verlässt sich auf bekannte Autoren, die sich auf eine populäre Interpretation stützen, ohne selbst Nachforschungen anzustellen, was ich durchaus nachvollziehen kann. Es kostete mich sehr viel Zeit alle Informationen zusammenzutragen. Neben Historikern, oder jenen Menschen, die diese Profession anstreben, gibt es meines Wissens nach nur noch passionierte Amateurhistoriker, die bereit sind derart viel Zeit zu investieren.

Das Wichtigste in Kürze: Unbestreitbar ist die Tatsache, dass Cachaça zur Zeit der Personalunion von Spanien und Portugal (1580-1640) unter dem spanischen König Philipp IV. (1621 – 1665) den kolonialen Beamten in Brasilien Probleme bereitete. Nach der Restauration und Einsetzung von Johann IV. im Jahre 1640 begannen sich die Beschwerden der Händler in Portugal zu häufen. Was folgte war eine Zeit des Verbots und Unterdrückung des Destillats. Erst in den 1660iger Jahren wurde der Handel mit den Zuckerrohrspirituosen in Brasilien legalisiert. Eine ähnliche Geschichte gibt es auch in den spanischen Kolonien auf dem Festland, nur dass dort das Destillat aus den Derivaten der Rohrzuckerherstellung, oder des frischen Zuckerrohrsaftes, zum Großteil bis Ende des 18. Jahrhunderts verboten war. Ausgenommen hiervon waren Kuba, welches bereits früher die Genehmigung zur Herstellung von Aguardiente de Caña erhielt, sowie einige regional begrenzte Monopole in Lateinamerika.

Zum Abfüller: Die Geschichte der Fazenda do Anil begann im Jahre 1985, als João Luiz de Faria sich die Aufgabe auferlegte, die Tradition des Cachaça im Bundeststaat Rio de Janeiro „zu retten“ (nach eigener Aussage) und um qualitativ hochwertigen Cachaça herzustellen. Die harte Arbeit trug schließlich ihre Früchte. Der Magnífica Reserva Soleira erreichte in den Jahren 2014 und 2018 beim Cúpula da Cachaça jeweils den 2. Platz. Ich besitze ebenfalls eine Miniatur der besagten Abfüllung, und möchte vorweg nur eines dazu sagen: Gegen diese Einzelfassabfüllung hat der Solera keine Chance. Zur Reifung wurde amerikanisches Eichenholz (hier nur als Carvalho bezeichnet) genutzt, was nicht unbedingt der Standard in Brasilien ist, denn es werden auch viele heimische Holzarten zur Reifung von Cachaça verwendet, u.a. auch das Holz von Balsambäumen (Gattung: Myroxylon). Dieser Cachaça wird zudem mit dem traditionellen Verfahren (Cachaça Artesanal) hergestellt. Es gibt aber die Besonderheit, dass drei statt zwei Alambiques hintereinander geschaltet sind, was als „Alambique Alegria“ bekannt ist. Der Hersteller selbst sagt, dass diese Verfahrensweise selten ist und lt. Ethylica besitzt Magnífica die letzte dieser Art in Brasilien, welche auch noch in Betrieb ist. Nach so vielen Informationen wollen wir uns endlich dem Destillat selbst zuwenden.

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Verkostung :

Preis: Regulär zahlt man um die 95€.

Alter: Das Destillat wurde im Februar 2006 destilliert und abschließend im Januar 2019 in Brasilien abgefüllt. Das Fass hatte die Nummer J68.

Alkoholstärke: Hier kommen wir zu einem Knackpunkt und auch den Grund, warum ich häufig immer wieder von einem Destillat spreche und nicht von Cachaça. Cachaça darf per Gesetz nur mit bis zu maximal 48%vol. abgefüllt werden. Danach ist es ein Aguardente de Cana (Zuckerrohrbranntwein), aber auch hier nur bis maximal 54%vol. Diese Abfüllung hat 50% und damit ist es lt. brasilianischem Gesetz kein Cachaça mehr. Darauf weist auch ein kleiner Flyer des Abfüllers hin, den man samt Beutel und Flasche bekommt. Nebenbei bemerkt sind nur maximal 6g Zucker pro Liter erlaubt. Ist mehr enthalten muss es als Cachaça adoçada (gesüßter Cachaça) deklariert werden. Diese Grenze gilt auch für Aguardente de Cana und Rum (beide sind unterschiedlich definiert) und das schon seit mindestens 2009. Das brasilianische Recht war hier sehr strikt, eindeutig und allen Diskussionen in der Rumszene weit voraus. Da könnte sich die EU eine dicke Scheibe davon abschneiden, auch wenn ich beim abgefüllten Alkoholgrad etwas anderer Meinung bin.

Destillationsverfahren: Das Destillat wurde, wie bereits schon geschrieben, mit einer „Alambique Alegria“ hergestellt.

Farbe: Die Spirituose glänzt in einer wunderschönen Bernsteinfarbe im Glas.

Viskosität: Langsam fließt die Flüssigkeit in langen Schlieren träge an der Glaswand hinab. Zurück bleibt ein öliger Film und kleine Perlen.

Nase: Nach über einer Stunde rieche ich am Glasrand minimale Klebstoff, Karamell und dezent Honig. Exotische Früchte wie Papayas, Ananas, dazu Leder, ein Hauch von Vanille, sowie im Hintergrund lauernde Zuckerrohraromen runden das Gesamtbild ab. Die Esteraromen sind sanft und nicht zu extrem und passen wunderbar zum Geruchsprofil. Weiter weg vom Glas riecht man die Zuckerrohraromen etwas deutlicher, mit einer frischen Zitrusnote. Taucht man die Nase tief ins Glas, dann gewinnen die Zuckerrohraromen an Kraft und verdrängen den Klebstoff und das Karamell. Die Ananas und die Zitronen sind nun etwas ausgeprägter vorhanden. Der Cachaça (wir ignorieren die 48%vol.-Hürde einfach mal) durfte mehr als eine Stunde im Glas atmen und sich voll entfalten. Die Fassaromen sind mit einer herrlichen Süße kombiniert, die keinesfalls zu aufdringlich wirkt. Atmet man schneller durch die Nase ein, dann glaubt am Kräuter und Anis entdecken zu können. Schwenkt man das Glas und benetzt die Wand mit der Flüssigkeit erneut, dann überzieht ein medizinischer Geruch mit schwachem Honigaromen das gesamte Profil, welches man nach über einer Stunde lang klar erkennen konnte und verdeckt nun einige Aromen dadurch. Dann kommen geballte Zuckerrohraromen und wieder exotische Früchte mit ganz leichten Estern. Die Süße ist immer noch vorhanden, aber eine gewisse Säure kommt nun mehr zum Tragen. Diesen Cachaça sollte man definitiv etwas mehr Zeit im Glas gönnen.

Gaumen: Zuerst fluten Zuckerrohraromen, medizinische Anklänge und exotische Früchte den Mundraum. Dann folgt der Alkohol, der rasch von leichter Süße verdrängt wird. Diese Süße wandelt sich zu einer gewisse Säure um, die jedoch nicht zu dominant wirkt. Jetzt kommen die Fassaromen in Form von Eiche, Karamell, Anis und anderen Gewürzen, die ich nur schwer einordnen kann. Der Speichelfluss wird gut stimuliert. Beim zweiten Schluck sind die medizinischen Aromen noch deutlicher vorhanden. Ansonsten wieder exotische Früchte, die nach und nach von den Fassaromen verdrängt werden. Dann gewinnen wieder die Gewürze an Kraft. Beim dritten Schluck ist der Cachaça sehr medizinisch, wandelt sich aber wieder hin zu den Zuckerrohraromen. Hier erinnert er mich ganz schwach an einen Rhum Agricole von den französischen Antillen. Aber ich erinnere mich nicht mehr an welchen. Beim dritten Schluck wieder Zuckerrohraromen mit einer sehr leichten Süße, die sich zu einem leicht säuerlichen Geschmack umwandelt, bevor der Cachaça unweigerlich im Mund an Kraft einbüßt. Die 50%vol merke ich nur bedingt am Gaumen, da ich schon kräftigere Rums im Glas hatte. Dennoch ist die Solera-Variante aus der gleichen Destillerie im Vergleich mit dieser Einzelfassabfüllung geradezu handzahm. Eine Verdünnung auf 43%vol würde diesen kostbaren Schatz in meinen Augen vernichten.


Abgang: Zuerst schmeckt man Zuckerrohr, Eiche und Karamell. Dann exotische Früchte, wieder zusammen mit Zuckerrohr. Als die Früchte immer mehr verblassen, vermischen sich das Zuckerrohr mit Gewürzen. Anis? Nach dem zweiten Schluck noch mehr Zuckerohr und Eichenaromen. Dann folgen wieder exotische Früchte wie Ananas und Papayas. Am Ende verweilt ein leicht säuerlicher Hauch von Zuckerrohr, Früchten und Anis am Gaumen. Der Abgang ist angenehm trocken. Es ist keinerlei Bitterkeit vorhanden.

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Fazit: Muito impressionante. Diese Abfüllung braucht sich wahrlich nicht zu verstecken. Jetzt endlich kann ich auch die Bemerkung eines Reisenden der 1860iger Jahre nachvollziehen, welcher die Goldmine Morro Velho besuchte, und den dortigen Cachaça erwähnte, den er allerdings ebenfalls auch als Rum bezeichnete. Für ihn waren beide Destillate synonym. Wenn der Cachaça für längere Zeit gelagert wird, besonders im Untergrund, dann erinnere ihn das Destillat an Jamaika. Er musste einen tropisch gereiften Cachaça in der Nähe der Goldmine probiert haben, der ihn, warum auch immer, an einen jamaikanischen Rum erinnerte. Diese Worte machten für mich wenig Sinn. Ungereifte Cachaças haben einen ganz Besonderen Duft und Geschmack, der für mich nichts mit Jamaika gemein hat. Jetzt allerdings kann ich diese Bemerkung ansatzweise nachvollziehen, auch wenn das damalige Produkt nicht mit dem heutigen identisch ist. In der Nase findet man Nuancen und Geruchskombinationen, die man eher nach Jamaika verorten würde. Am Gaumen fehlt allerdings, was keine Überraschung ist, der typische Rumgeschmack. Dafür bekam ich Zuckerrohraromen zu schmecken, die ich bisher mit Rhum Agricole Abfüllungen in Verbindung brachte, was ebenfalls nicht überraschend ist, wenn man die Herstellungsarten miteinander vergleicht. Für einen Brasilianer wären diese Eindrücke, wenn er überhaupt diese Assoziationen erkennen würde, eher umgekehrt, da er früher mit Cachaça Erfahrungen gemacht hätte, als es bei mir der Fall war. Trotz dieser Erinnerungen an Jamaika, Haiti und Martinique ist diese Spirituose einzigartig und auch wahrlich eigenständig. Was ist nun mit der Qualität? Sie ist in meinen Augen sehr hoch anzusiedeln. Diese Einzelfassabfüllung überragt in meinen Augen den Magnífica Reserva Soleira turmhoch. Das mag allerdings an meiner Vorliebe für Einzelfassabfüllungen liegen. Ein Solera ist nun einmal ein Solera und damit eine Mariage mehrerer Brennvorgänge aus verschiedenen Jahren. Er hat lt. Hersteller Cachaças mit einem Alter von 9 bis 15 Jahre in sich. Er wirkte zahm am Gaumen. Ein weiterer Grund mögen die geringen 43%vol sein. Diese Abfüllung hingegen hatte mehr Kante und gefiel mir daher wesentlich mehr. Auch die Ester in der Nase waren deutlicher vorhanden. Schon beim Öffnen der Flasche bemerkte ich diese fruchtige Aromen und war sehr überrascht. Dennoch sollten sie keine starken Ester à la Hampden (z.B. dem HLCF) erwarten. Ob ihnen diese Abfüllung gefallen würde? Das vermag ich nicht zu sagen, da es auf den jeweiligen Geschmack ankommt. Sollten sie eher ungereifte Cachaças lieben, dann könnten sie mit diesem Produkt fremdeln. Aber seien wir mal ehrlich: Wie oft haben wir Europäer die Gelegenheit, einen tropisch gereiften Cachaça (wieder ignorieren wir die 48%vol.-Hürde) aus Brasilien als Einzelfassabfüllung zu genießen? Sie ist relativ selten. Ungereifte oder jüngere Cachaças dagegen bekommt man hier in Deutschland relativ einfach, z.b. Cachaças der Marke Pitú, den man in meiner Region in fast jedem Supermarkt bekommt, gleich neben Bacardi und Havana Club. An diese Abfüllung von João Luiz de Faria reichen sie nicht heran. Nicht mal im Ansatz. Das sollen sie aber auch nicht. Sie sind in erster Linie für Cocktails gedacht. Der Magnífica Envelhecida Cachaça (Aguardente de Cana) 2006 12YO ist wahrlich ein unterschätzter Underdog. Ich stelle gerne Zuckerrohrspirituosen vor, die unverdientermaßen zu wenig Aufmerksamkeit bekommen und freue mich, wenn ich anderen Liebhabern erlesener Destillate einen Geheimtipp geben kann. Ich hoffe João Luiz de Faria wird auch weiterhin Abfüllungen für uns Europäer veröffentlichen. Laut Etikett ging dieser Cachaça nach Deutschland, Italien und Frankreich. Es gab noch eine weitere Magnífica Abfüllung zum 10jährigen Bestehen von Perola (dem Importeur dieser Abfüllung) mit nur gerade einmal 6 Jahren an Fassreife. Er ist anders als dieser 12 Jahre alte Cachaça. Das Review folgt noch.

In Eigener Sache: Ist dieses Review nun meine vollständige Rückkehr in die Bloggerwelt? Meine Nachforschungen bezüglich der Geschichte der Zuckerrohrspirituosen ist zwar bisher weit gekommen, aber noch fern von einem Abschluss. Und nur mit Zuckerrohrspirituosen möchte ich mich auch nicht ständig beschäftigen. Sonst verliere ich das Interesse an der Thematik. D.h. geschichtliche Nachforschungen anstellen und gleichzeitig einen Blog im 7-tägigen Rhythmus zu betreiben, ist in meinen Augen derzeit nicht drin. Es wird aber wieder Reviews geben, nachdem ich den Rost abgeklopft habe, der sich gebildet hat, allerdings nicht in einem festen Rhythmus. Was mir noch bleibt ist euch allen einen schönen Sonntag und beste Gesundheit zu wünschen. Gerade Letzteres ist für mich seit Anfang 2019 und nicht erst mit COVID-19 enorm wichtig geworden. Cuide-se!


Marco Freyer

(93/100)

Update: Ich hatte die Nase vergessen und den Gaumen zweimal im Review. Off to a great start.

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Aguardente é jeribita1

Filha da caninha torta

Quem a vida quiser sem desdita

É constante tomar jeribita1


1 Jeribita é sinônimo de Cachaça

About the Spirit and the bottler:

If you believe various authors, then this spirit is said to have existed as early as the 16th century shortly after the colonization of Brazil. After more than a year in which I have studied the history of Brazil and the local sugar industry and before that with the Levant, Madeira and the Canaries, I could now make a statement on this, but I will not do so. I am and will remain skeptical about this. So far I have been able to read a lot of old letters and ordinances about Cachaça and the history nerd in me would now like to hit the keys on my keyboard and write an article with many sources to prove my point. However, this would simply go beyond the scope of this review and would not do justice to the topic. I would have to go too far and too deep on this one. A blog is simply the wrong platform for it anyway. All the information I found on this topic is scattered and hidden in many monographs, works by historians, or dissertations / doctoral theses. It was through all of this that I became aware of the original sources. The ordinary connoisseur who just wants to enjoy a good dram is in no position or having an idea of getting all of this to get the overall picture of this complexe situation. He relies on well-known authors who rely on a popular interpretation without doing any research of their own, which I can truly understand. It took me a lot of time to gather all the informations I do now have. Besides historians, or those who aspire this profession, there are, as far as I know, only passionate amateur historians who are willing to invest that much time.

The most important things in a nutshell: The fact that Cachaça caused problems for the colonial officials in Brazil at the time of the personal union of Spain and Portugal (1580-1640) under the Spanish King Philip IV (1621-1665) is undeniable. After the restoration and installation of John IV in 1640, complaints from merchants in Portugal began to pile up. What followed was a period of prohibition and suppression of Cachaça. It was not until the 1660s that the trade in sugar cane spirits was legalized in Brazil. There is a similar story in the Spanish colonies on the mainland, except that the distillate from the derivatives of cane sugar production, or fresh sugar cane juice, was largely banned there until the end of the 18th century. Exceptions to this were made on Cuba, which had previously received approval to produce Aguardiente de Caña in the early 18th century, and some regionally limited monopolies in Latin America.

About the bottler: The story of the Fazenda do Anil began in 1985, when João Luiz de Faria set himself the task of "saving" the tradition of Cachaça in the state of Rio de Janeiro (according to his own account) and to produce high-quality Cachaça. The hard work finally bore fruit. The Magnífica Reserva Soleira achieved 2nd place at the Cúpula da Cachaça in 2014 and 2018. I also have a miniature of the aforementioned bottling, and I just want to say one thing in advance: The Solera has no chance against this single-barrel bottling. American oak (simply referred to as Carvalho on the label) was used for maturing, which is not necessarily the standard in Brazil, because many native types of wood are also used to mature Cachaça, including also the wood of balsam trees (genus: Myroxylon). This Cachaça is also made using the traditional method (Cachaça Artesanal). There is, however, the special feature that three instead of two alambiques are connected in series, which is known as "Alambique Alegria". The manufacturer himself says that this constellation is rare and according to Ethylica Magnífica owns the last of its kind in Brazil, which is still in operation. This makes this brand different from the big names that use stainless steel. After so much information lets turn our attention to the spirit itself.

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Tasting :

Price: Regularly you pay around 95 €.

Age: The spirit was distilled in February 2006 and finally bottled in Brazil in January 2019. The barrel had the number J68.

ABV: Here we come to a sticking point and also the reason why I sometimes talk about a "spirit"and not about Cachaça. Cachaça is by law allowed to be bottled with a maximum strength of 48.abv. Above that limit it is an Aguardente de Cana (sugar cane brandy), but once again restricted by law with a maximum of 54%abv. This bottling has 50%abv and therefore, according to Brazilian law, it is no longer a Cachaça. This is also indicated on a small flyer from the bottler, which you get along with a bag and the bottle. By the way, only a maximum of 6g of sugar per liter is allowed. If it contains more, it must be declared as Cachaça adoçada (sweetened Cachaça). This limit also applies to Aguardente de Cana and rum (both are defined differently) and have been doing so since at least 2009. Brazilian law was very strict, clear and far ahead of all discussions in the rum scene. The EU could take a lesson of this example. However, I do disagree on the limited bottled alcohol strength, but that is only my point of view.

Process of distillation: As already mentioned, the spirit was made with an "Alambique Alegria".

Colour: The spirit shines in a beautiful amber color.

Viscosity: The liquid slowly flows down the glass in long streaks. An oily film and small pearls remain.

Nose: After more than an hour I smell minimal nuances glue, caramel and subtle honey on the very edge of my glass. Exotic fruits such as papayas, pineapples, plus leather, a hint of vanilla and sugar cane flavors are lurking in the background and complete the overall picture. The ester flavors are gentle and not too extreme and go wonderfully with the odor profile. Further away from the glass you can smell the sugar cane aromas a little more clearly, with fresh hints of citrus. If I dip my nose deep into the glass, the sugar cane aromas gain strength and displace the glue and the caramel. The pineapple and lemons are now a little more pronounced. The Cachaça (we just ignore the 48%abv limit for a second) was allowed to breathe in the glass for more than an hour to fully develop its profile. The barrel aromas are combined with a wonderful sweetness that is by no means too intrusive. When I was inhaling faster through my nose, I was able discover herbs and aniseed. If you would swivel the glass and wet the wall with the spirit again, then a medicinal smell with faint honey aromas covers the entire profile, which you were able to see after more than an hour of breathing. Those initial aromas are now covered up and masked. Then there are concentrated sugar cane aromas and again exotic fruits with very light esters. The sweetness is still there, but a certain acidity now comes into play. You should definitely give this Cachaça some time. Then it can show its true potential.

Palate: First, sugar cane aromas, medicinal hints and exotic fruits are flooding my mouth. Then comes the alcohol, which is quickly replaced by a slight sweetness. This sweetness is transformed into a certain acidity, but it is not too dominant. Now the barrel flavors are rushing in, in the form of oak, caramel, anise and other spices that I can hardly classify. With the second sip, the medicinal aromas are even more pronounced. Otherwise again exotic fruits, which are gradually displaced by the barrel aromas. Then the spices regain their strength and are pushing away the fruits. With the third sip, the Cachaça is very medicinal, but changes back to the sugar cane aromas. Here it reminds me faintly of a Rhum Agricole from the French Antilles. But I don't remember which one. Again sugar cane aromas with a very slight sweetness that changes to a slightly sour taste before the Cachaça inevitably loses its strength in the mouth. I barely notice the 50%abv on the palate, but that is due to my preference in cask strength rums. Nevertheless, the Solera variant from the same distillery is almost tame compared to this single cask bottling. A dilution to 43%abv would have destroy this precious gem in my opinion.

Finish: First you can taste sugar cane, oak and caramel. Then exotic fruits mxied with the sugar cane. As the fruits are fading more and more out the spices are appearing. Anise? After the second sip, more sugar cane and oak flavors. Then again exotic fruits such as pineapple and papayas. At the end, a slightly sour hint of sugar cane, fruit and anise lingers on the palate. The finish is pleasantly dry. There is no bitterness whatsoever.

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Conclusion: Muito impressionante. This bottling really doesn't need to hide. Now I can finally understand the comment of a traveler from the 1860s who visited the gold mne located at Morro Velho and mentioned the Cachaça there, which he also referred to as rum. To him both spirits were synonymous (an error with is even made today). If the Cachaça is stored for a long time, especially underground, then the spirit does remind him in fact of Jamaica. He must have tried a tropical aged Cachaça near the gold mine that, for whatever reason, reminded him of a Jamaican rum. These words made very little sense to me. Unaged Cachaças have a very special smell and taste that in my opinion has nothing to do with Jamaica. Now, however, I can understand this remark to some extent, even if the product from that time is not identical to today's bottling. In the nose you can find nuances and scent combinations that you would rather relate to Jamaica. On the palate, however, the typical rum taste is missing, no surprise there 'cause its a Cachaça. In return I got sugar cane flavours that I previously associated with Rhum Agricole bottlings, which is also not surprising when you compare the respective production methods. For a Brazilian, if he would recognize these associations at all, these impressions would have been the other way around, since he would have had experiences with Cachaça earlier than I had in my life. Despite these memories of Jamaica and the French Antilles this spirit is unique and also truly independent from those. Now what about the actual quality of this spirit? It is very high. In my optinion, this single barrel bottling towers above the Magnífica Reserva Soleira. That may be due to my preference for single cask bottlings. A solera is simply a solera and thus a mariage (ie combination) of several distilling processes from different years. According to the manufacturer, the Solera contains Cachaças with an age of 9 to 15 years. He was very tame on the palate. Another reason may be the low 43%abv. This bottling, on the other hand, had more edge and therefore I liked it a lot more. The esters in the nose were also more evident. As soon as I opened the bottle, I noticed these fruity aromas and was very surprised. Nevertheless, you should not expect strong esters à la Hampden (like the HLCF). Would you like this bottling? I can't say that, because it depends on the personal taste and preference. If you prefer unaged Cachaças then you might not like this product. But let's be honest: how often do we Europeans have the opportunity to enjoy a tropical aged Cachaça (we ignore the limit of 48%abv again) from Brazil as a single cask bottling? It is relatively rare. Unaged or younger Cachaças, on the other hand, are relatively easy to get here in Germany, e.g. Cachaças of the Pitú brand, which you can get in almost every supermarket in my region, right next to Bacardi and Havana Club. They don't come close to this bottling by João Luiz de Faria. Not even in the slightest. But that's not their purpose. They are primarily intended for cocktails. I can imagine some people drinking those bearly aged cachaças neat, but I can’t do that. The Magnífica Envelhecida Cachaças (Aguardente de Cana) 2006 12YO is truly an underestimated bottling. I like to introduce sugar cane spirits that undeservedly get too little attention and I am happy when I can give other lovers of fine spirits an insider tip. I hope João Luiz de Faria will continue to make bottlings for us Europeans. According to the label, this Cachaça went to Germany, Italy and France. There was another Magnífica bottling for the 10th anniversary of Perola (the importer of this bottling in Germany) with only 6 years of barrel maturation. It is different from this 12 year old Cachaça and will get its own review. This review should have been going live on the 06.12.2020, but I delayed it because I wanted to make a comparison of both Cachaças and got the second bottling way too late.

On a personal note: Is this review now my complete return to the blogger world? My research into the history of sugar cane spirits has come a long way, but is still far from being completed. And I don't want to deal with sugar cane spirits all the time. Otherwise I will lose interest in the subject. i.e. doing historical research and at the same time running a blog every 7 days is currently not possible. But there will be reviews again on this blog after I've knocked off some rust and dust, but not in a fixed rhythm. All I have left is to wish you all a good Sunday and the best of health. The latter in particular has become extremely important to me since the beginning of 2019 and not just with COVID-19. Cuide-se!


Marco Freyer

(93/100)