Sonntag, 16. März 2014

James MacArthur Port Mourant 1990 ? YO

(the English part is just below, just skip the German part) 


Willkommen auf B.A.M.!

Wieder einmal möchte ich eine kleine Rarität vorstellen. Diesmal kommt der Rum aus der Port Mourant Still und dürfte nur wenigen Kennern bekannt sein. Diese kleine Serie, aus welcher dieser Rum stammt, war wohl in erster Linie nicht für Rum-Connaisseure gedacht, sondern für Whisky-Liebhaber, welche mal etwas Abwechslung im Glas haben wollen. Wollen wir doch mal sehen was in diesem kleinen Underdog steckt.

Zum Abfüller:

James MacArthur & Co Ltd hat eine traditionsreiche Geschichte. Der Name geht auf einen Farmer Namens James MacArthur zurück, der Anfang des letzten Jahrhunderts lebte. Dieser pflegte weite Wanderungen durch den Norden Schottland mit Übernachtungen in Gasthäusern, welche sich vornehmlich in der Nähe von Destillerien befanden. Um auch andere in diesen Genuss kommen zu lassen füllte er bald Whiskies unter seinem eigenen Label ab und kaufte dazu ausgesuchte Fässer. Das Label blieb bis zu seinem Tod erhalten. Im Jahre 1982 wurde James MacArthur & Co Ltd von Arthur Winning gegründet um an diesen Mann zu erinnern. Der nun vorliegende Rum gehört zur James MacArthur's Fine Rum Selection. Mir ist bisher nur diese eine Abfüllung aus dieser Serie bekannt. Im Internet ist wie immer wenig bis nichts über diesen Rum zu erfahren. Dieser Rum kommt aus der alten Port Mourant Double Wooden Pot-Still, die 1990 schon in der Uitvlugt Distillery ihren Dienst verrichtete. Die Angabe „Port Morant Distillery“ auf der Rückseite ist also, mal abgesehen von der falschen Schreibweise, nicht ganz richtig, da diese bereits 1955 geschlossen wurde. Auch befand sich das Port Mourant Sugar Estate nicht nahe am Fluss  Demerara, sondern an der Ostküste des Flusses Berbice. Aber wir wollen nicht katholischer als der Papst sein. Zusammen mit der Versailles Single Wooden Pot-Still sind sie die letzten hölzernen Pot-Stills ihrer Art. Der Rum wurde dem Anschein nach jung nach Großbritannien verschifft und dann unter kühlen Bedingungen gelagert. Allerdings knausert James MacArthur mit dem Datum der Abfüllung. Es ist also mir nicht bekannt, wann dieser Rum in die Flasche kam, oder wie alt er ist. Vielleicht weiß dies ja einer unserer Leser oder gar ein Connaisseur aus dem Whisky-Bereich. 

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Verkostung James MacArthur Port Mourant 1990:

Preis:Ich erstand diesen Rum für 46€ ohne Versandkosten. In meinen Augen ein Schnäppchen. Ob man hier allerdings auch eine Aussage über das Alter machen kann, wage ich noch zu bezweifeln.

Alter:Der Rum hat kein offizielles Alter. Ich hab auch keine Informationen bezüglich des Abfülldatums. Die einzige offizielle Angabe hierzu ist das Jahr seiner Herstellung, nämlich 1990. Zum vermutlichen Alter werde ich weiter unten noch etwas schreiben.

Alkoholstärke:Der Rum wird mit einer Trinkstärke von 50%vol. angegeben. Ich vermute, dass es sich hier nicht mehr um die ganze Fassstärke handelt. Aber Beweise für diese Vermutung habe ich natürlich nicht.

Destillationsverfahren:Durch die Angabe von "Port Morant" ist das verwendete Verfahren eine Pot-Still. Die längst geschlossene Port Mourant Distillery besaß seiner Zeit eine Double-Wooden Pot-Still, die im Jahre 1990 allerdings schon bei der Uitvlugt Distillery stand.

Farbe:Der Rum hat einen sehr schwachen Goldton. Beinahe wie ein blasser Weißwein. Leider hilft uns dies bei der Altersschätzung nicht sonderlich weiter, denn wenn das Fass nicht ordentlich ausgebrannt war, dann ist diese Farbe auch nach vielen Jahren völlig normal. Ich hatte einmal einen 17 Jahre alten Rum im Glas, den ich blind verkostet nie auf dieses Alter geschätzt hätte, den er war sehr blass und seine Reife war für dieses Alter erstaunlich gering. Deswegen gebe ich hier einmal keine Schätzung ab.

Viskosität:Eine kleine Krone aus Tropfen bildet sich am oberen Glasrand. Diese Tropfen fließen dann nach einigen Sekunden träge hinab zum Glasboden. Der Rum hat also eine gewisse Öligkeit.

Nase:Was für eine irritierende Nase. Das erste an was mich dieser Rum erinnert ist ein fruchtiger Kaugummi aus meiner Jugendzeit. So kenne ich Port Mourant ganz und gar nicht! Viele exotische Früchte umschmeicheln die Nase. Dazu kommt eine dezente Süße. Die von mir geliebten Anis- und Eichenaromen sind total in den Hintergrund gedrängt worden. Sehr undeutlich erkenne ich Kirschen, Birnen und Mangos. Da ist noch viel mehr an Frucht vorhanden, aber diese Eindrücke sind die Stärksten von allen. Neben den Früchten ist im Glas auch deutlich Rauch enthalten. Aber diese Frucht-Kombination irritiert mich doch etwas. Auf der Rückseite ist die Rede von „Oak Barrels“. Was man aber nun genau darunter verstehen darf, bleibt wohl den eigenen Geschmackssinnen überlassen.

Gaumen:Deutlich Pfeffer zu Beginn, der dann jedoch rasch sanfter wird und den exotischen Früchten Platz macht. Diese Fruchtigkeit, zusammen mit wunderschönen Raucharomen, bilden den Hauptbestandteil des Geschmacksprofils. Wieder fühle ich mich leicht an ein fruchtiges Kaugummi erinnert. Die vorhandene Rauchigkeit kenne ich von jungen Rums mit geringer Reife aus Port Mourant. Allerdings schmecke ich hier auch noch eine andere Komponente. Die Rauchigkeit ist leicht durchzogen von Aromen eines Lagerfeuers. Diese sind allerdings sehr schwach und kommen für mich nicht von der hölzernen Pot-Still. Die in der Nase vorhandene Süße ist am Gaumen mehr oder weniger gleich stark präsent. Die für Port Mourant typischen Anis- und Holzaromen sind eher dezent und spielen nur eine zweite Geige in diesem Konzert.

Abgang:Zuerst umschmeichelt kurz Pfeffer den Gaumen. Danach kommen wieder die exotischen Früchte, welche mit zarten Rauchnoten verwoben sind. Dieser Abgang ist nun wieder typisch für nicht sehr reife Rums aus der Port Mourant Still. Sehr außergewöhnlich und sehr delikat. Natürlich aber auch nur, wenn man Raucharomen im Rum mag. Der Abgang ist sehr lang und verschwindet erst langsam. Die Fruchtigkeit wandelt sich im Laufe der Zeit. Nun erkenne ich Mangos und schwach Papayas. Letztere waren zuvor überhaupt nicht zu erkennen. Wirklich sehr außergewöhnlich. 

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Fazit:Kurz und bündig: Ich liebe ihn! Dieser Rum ist wahrlich außergewöhnlich und lecker. Allerdings ist diese Abfüllung nirgends mehr zu finden. Die Quelle, welche zu beginn des letzten Jahres noch einige Flaschen besaß, ist längst versiegt. Ich schrieb ja schon, dass ich diese Frucht in der Nase gar nicht von Port Mourant her gewohnt bin. Außerdem schmeckte die Rauchigkeit am Gaumen einen Ticken anders, als ich sie von anderen sehr jungen Rums dieser Still kenne. Ich tippe mal auf ein besonderes Finish in einem ehemaligen Whisky-Fass. Es müsste ein vermutlich schwach rauchiger und mehr fruchtiger Whisky gewesen sein. Ich hatte zwar schon einige Whiskies im Glas, kann hier aber keine Einordnung durchführen und werde auch keine Vermutung diesbezüglich äußern. Diese Abfüllung war für den gebotenen Preis ein Schnäppchen in meinen Augen. Der Rum ist zwar nicht so reif, wie andere Demeraras am Gaumen. Aber diese ungewöhnliche Kombination an verschiedenen Früchten und dieser eigenartigen Rauchigkeit, macht ihn zu einen meiner Demerara-Lieblinge. Zugegeben: Er befindet sich nicht unter den Top 10. Aber nach mittlerweile vielen Einzelfass-Abfüllungen ist die Luft am oberen Ende recht dünn geworden. Auch wenn ich zu einer kleinen Minderheit der Rum-Gemeinschaft gehöre, habe ich doch eine Bitte an die Unabhängigen Abfüller dort draußen: Bitte mehr davon! Abfüllungen wie diese besitzen eine sehr hohe Qualität. Der ein oder andere Connaisseur mag mir hier ruhig widersprechen. Aber dies ist und bleibt meine bescheidene Meinung. Das Alter dieses Rums ist für mich wahnsinnig schwer einzuordnen. Wie weiter oben schon geschrieben, hatte ich da schon ein kleines Oha!-Erlebnis bei einem 17 Jahre alten Rum, dessen gefühlte Reife nur einen Bruchteil dieser Jahre betrug. Auch bin ich mir hier durch das vermutliche Finish nicht ganz sicher. Ja sie haben schon richtig gelesen: Da ich außer den Sinneseindrücken meiner Nase und des Gaumens keinen soliden Beweis vorweisen kann, ist das von mir angenommene Whisky-Finish für mich nicht eindeutig bewiesen. Ich wünsche Euch allen nichtsdestotrotz noch ein schönes Wochenende! 

Marco 



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Welcome to Barrel-Aged-Mind, dear readers! 

Once again I would like to introduce a little rarity. This time, the rum comes from the Port Mourant Still and probably only a few experts might know it. This rum must come from a very small series and was probably intended primarily not for rum connoisseurs, but for whiskey lovers who want to have something special and exotic in the glass. Its the James McArthur Port Mourant 1990.

The Bottling:

James MacArthur & Co Ltd has a long history. The name comes from a farmer named James MacArthur, who lived at the beginning of the last century. This used to enjoy long hikes through the north of Scotland with accommodation in guest houses, which were located primarily near distilleries. To let others have the same enjoyment he soon bottled whiskys under his own label and bought specially selected casks for this purpose. The label remained until his death. In 1982, James MacArthur & Co Ltd was founded by Arthur Winning in memory of this man. This rum belongs to the James MacArthur's Fine Rum Selection. So far I do only this bottling from this series. The Internet did not provide much information about this rum or this series. This rum comes from the Old Port Mourant Double Wooden Pot Still and was distilled in the Uitvlugt Distillery in 1990. The indication "Port Morant Distillery" on the back label, apart from the misspelling, is therefore not quite accurate, as this old distillery on the coast of Berbice was closed in 1955. But we do not want to be more Catholic than the Pope. Together with the Versailles Single Wooden Pot Still they are the last wooden pot stills of its kind. The rum was shipped young and in bulk to the UK and was then stored under cool conditions. However, James MacArthur does neither provide the date of bottling nor an age-statement. I have no when this rum was bottled or how old it is. Perhaps one of our readers or even a connoisseur of the whisky scene might know something about this issue or this rum-series. 

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Tasting James MacArthur Port Mourant 1990:

Price: I bought this rum for €46 excluding shipping charges. In my point of view a very favorable deal.

Age: The rum has no official age. I have no information regarding the date of bottling. The only official indication of this is the year of manufacture, namely the vintage 1990.

ABV: The rum has a drinking-strength of 50%abv. I suspect it is not the cask strength of this rum but a diluted down version of it.

Process of distillation: By mentioning the Port Mourant Distillery the method used to produce this rum was the pot still. Port Mourant had a double-Wooden pot still, but it was already being moved to Uitvlugt Distillery, when this rum was distilled in 1990.

Colour: The rum has a very faint golden hue. Almost like a pale white wine. Unfortunately, this helps us in age estimation not particularly more, because this color is normal even after many years in a sucked dry cask. I once had a 17-year-old rum in the glass and I would have never tasted blind the correct age. It was very pale and his maturity was surprisingly low for the stated age. That's why I make no estimate regarding the age.

Viscosity: A small crown of drops formes at the upper edge of the glass. These droplets flow then after a few seconds slow down to the glass bottom. Thus, the rum has a certain oiliness.

Nose: What an irritating nose! The first thing this rum is remembering me is a fruity gum from my youth. This is not the Port Mourant I know of. Many exotic fruits caress the nose. In addition a subtle sweetness is hovering in the glass. The typical anise and oak flavours of Port Mourant have been totally pushed into the background. Very dimly I recognize cherries, pears and mangoes. There are much more fruits but these impressions are the strongest of all. In addition to the fruits is also smell subtle smoke. This fruit combination irritates me somewhat. On the back is the talk of "Oak Barrels". What barrels? Former whisky barrels?

Palate: I taste pepper at the beginning, but it makes rapidly room for gentle and exotic fruits. This fruitiness, with beautiful smoke flavours are main components of the flavour-profile. Again, I feel slightly remembered of a fruity gum. I do know that immature Port Mourants have a certain smokiness. However, I taste here also another component. The smokiness is easily crossed by aromas of a campfire. But they are very weak and do not prevail against the flavours from the wooden pot still in the background. The sweetness in the nose is more or less equally present on the palate. The typical Port Mourant anise and oak are more subtle and play a second fiddle in this concert.

Finish: First briefly pepper. Then exotic fruits, which are interwoven with delicate smoky notes. This finish is again typical of not very mature rums from the Port Mourant Still. Very unusual and very delicate. Of course only if you like smoke flavours in rum. The finish is very long and disappears slowly. The fruitiness is changing over the time. Now I realize mangoes and weak papayas. The latter were previously not visible. Really exceptional. 

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Conclusion: Short and sweet: I love it! This rum is truly exceptional and delicious. However, this bottling is nowhere to be found. The source, who at the beginning of last year, still had some bottles, has long dried up. I already wrote that I'm not used to this kind of fruit in the nose from Port Mourant. In addition, the smokiness taste on the palate is a tick differently than I know it of very young and immature rums of this Still. Maybe a particular finish in an old whiskey barrel? It would probably have been a slightly smoky and more fruity whisky. Although I had some whisky in the glass, but can not perform a classification here and I will not presume to express this. This bottling was a bargain for the offered price. Although the rum is not as mature as other Demeraras on the palate. But this unusual combination of various fruits and this peculiar smokiness, makes him one of my secret favorite Demerara. Admittedly, it is not in the top 10. But now after many single cask bottlings the air at the upper end has become quite thin. Even though I belong to a small minority of the rum community, I have a request to the Independent bottlers out there: I want more of this! Rums such as these have a very high quality. Some connoisseurs may disagree with me, but this is and remains my humble opinion. The age of this rum is incredibly difficult for me to guess. As already mentioned above I had a very surprising Oha!-experience with an 17-year-old rum, whose perceived maturity was only a fraction of the stated years on the label. I'm also not quite sure about a whisky-finish. Yes you have read correctly: I have no proof at all except the sensations of my nose and palate, which is no proof at all. Nevertheless: I wish you all a nice weekend! 

Marco

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