Sonntag, 15. November 2015

TRC Guadeloupe Bellevue Distillery 1998 16 YO

(the English part is just below, just skip the German part) 

Willkommen zurück verehrte Leser.

Heute betreten wir Neuland. Nicht was den Abfüller anbelangt, sondern den Herkunftsort. Die heutige Abfüllung ist von The Rum Cask / The Whisky Cask und war der Vorläufer des vor kurzem veröffentlichten TRC Guadeloupe Bellevue Distillery 17 YO. Der Rum stammte aus dem Jahre 2014 und bevor ich beim nächsten Mal auf den Neuling eingehe, möchte ich den Vorgänger kurz vorstellen.

Zur Abfüllung:

Der Ursprung dieses Rums, die Bellevue Distillery, befindet sich auf der Insel Marie Galante. Diese „gehört“ zum französischen Überseedepartmént Guadeloupe und ist Teil der französischen Antillen (Französisch-Westindien) in der Karibik. Sie wurde von Christoph Kolumbus 1493 entdeckt und er gab ihr den heutigen Namen. Die Anfänge dieser Plantage gehen bis auf das Jahr 1769 zurück. Genauer gesagt führen diese Ursprünge zurück zu alte Karten. Eine dieser Karte von Marie Galante wurde von Christian Schnakenbourg im besagten Jahre erstellt. [1] Die ersten Windmühlen tauchten ab 1780 auf der Insel auf. Die alte Mühle auf dem Gelände soll aber erst 1821 erbaut worden sein. Die Sklaverei wurde erst 1848 auf der Insel abgeschafft. Die Destillerie und die Gebäude wurden von der Bardinet Gruppe übernommen und 2003 erneuert. [2] [3] [4] Die jährliche Produktions-Kapazität beträgt an die 900.000 Liter. Verwendet wird eine riesige Column Still. [4] [5] Gerade das Bild der Quelle #5 verdeutlicht die enmore Größe dieses Apparats.

Guadeloupe und Marie Galante (unten rechts)
Quelle: www.bergbook.com
Was kam bisher aus dieser Destillerie, was nicht direkt selbst dort abgefüllt wurde? Eine ganze Menge. Es gab Abfüllungen von Duncan Taylor, L'Esprit, Cadenhead, Samaroli, Compagnie des Indes, Plantation Rum, Berry Bros & Rudd, The Whiskyhouse No.8, Isla Del Ron, Rum Dealers Selection und Malts of Scotland. Alle Rums wurden entweder in Fassstärke abgefüllt (an die 50%) oder wurden auf 46%, 45% oder weniger verdünnt. Ich bevorzuge es, wenn mir der Abfüller diese Entscheidung selbst überlässt. Alle genannten Abfüller veröffentlichten Rums von 1998 aus der Bellevue Distillery. Wirklich alle Abfüller? Nein. Zwei wackere Abfüller geben die „South Pacific Distillery“ für dieses Batch aus Guadeloupe an. Diese Angabe ist aber schlichtweg falsch. Diese Destillerie gibt es zwar wirklich, aber sie befindet sich auf Fiji und nicht auf Marie Galante oder Guadeloupe. Keine Ahnung was hier schief lief, aber ein wenig Internet-Recherche hätte hier schon Klarheit bringen können. Sind diese Rums denn wirklich alle aus demselben Batch? Nach einem Tasting mit 4 Rums, einer davon hatte diese falsche Angabe, kann ich mit absoluter Gewissheit sagen: Ja, sind sie. 

Ich fand keine Hinweise zu Rums aus Melasse von Bellevue im Internet. Ist der heutige Rum also aus frischem Zuckerrohrsaft destilliert? Ich bin mir hier nicht sicher. Ich finde einfach nicht genügend Quellen, die hierüber eine Aussagen machen. Ein weiteres Handicap: Ich kann kein Französisch lesen. Berry's behauptet, dies wäre ein Rum mit Agricole-Charakter. [6] Ich lasse mich überraschen. Diese Abfüllungen stammen also aus der Zeit vor der Renovierung im Jahre 2003. Ob es immer noch dieselbe Still ist, welche für dieses Batch verwendet worden ist? Auch hierzu fand ich nichts. Aber genug davon: Auf zur Verkostung!

Quellen:

[1] „L'Habitation sucrerie Bellevue-Laplaine (Murat) au XIXe siècle", 1988, Christian Montbrun & Maurice Rose, Seite 2 
[2] Bild der Windmühle: www.guadeloupe-leguide.fr 
[3] Bild des alten Hauptgebäudes: www.internationalsteam.co.uk 
[4] Bilder der Destillerie: guadeloupe.net 
[5] Bild der Column Still: azurcaraibes.com 
[6] „Trademark vegetal notes confirm the argicole character of this complex Rum. The spirit is layered with cinnamon, coffee-cream, brittle toffee, wood and exotic fruit. Beyond the fruit, the palate has a dry edge augmented by the complex influence from the wood. The fruit takes a back seat as the spicy layer comes into play at the finale.“ - www.bbr.com 

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Verkostung TRC Guadeloupe Bellevue Distillery 16 YO (1998 - 2014):

Preis: An den korrekten Preis kann ich mich nicht mehr erinnern. Der Rum dürfte um die 50€ (0,5l) gekostet haben. Mein Sample war damals natürlich etwas billiger.

Alter: Der Rum wurde im Jahre 1998 auf Marie Galante destilliert und im Auftrag von The Rum Cask in 2014 abgefüllt und auf den Markt gebracht.

Alkoholstärke: Der Rum wurde in Fassstärke abgefüllt. Diese betrug nach 16 Jahren immer noch 54,6%vol.

Destillationsverfahren: Das offizielle Verfahren im Jahre 1998 war eine Column Still. Auch heute verfügt die Destillerie nur über diese Art der Herstellung.

Farbe: Dunkles Bernstein.

Viskosität: Es bildet sich eine Perlenkrone am oberen Glasrand. Langsam und behäbig fließt der Rum in Perlen hinab zum Glasgrund. Die sich dabei bildenden Schlieren und Perlen bleiben lange an der Glaswand haften. Die Öligkeit des Rums ist angemessen für 16 Jahre.

Nase: Zuerst rieche ich eine leicht alkoholische Note, dann wird der Rum immer fruchtiger. Ich erkenne Teer, Lakritze, Zuckerrohr und altes Eichenholz. Diese Eichenaromen werden von einer zarten Süße garniert. Begleitet wird diese von schwachen Fruchtaromen. Ich erkenne Johannisbeeren, Brombeeren, Papayas und einen Hauch von Birnen. Auch Aromen von Zedernholz und Waldhonig schweben im Glas. Die Frucht wird immer schwächer mit längerer Standzeit. Der Rum riecht nach einiger Zeit medizinisch. Kakao und dunkle Schokolade, verwoben mit Zuckerrohr, kommen immer mehr durch. Vom Glas entfernt rieche ich Eichenaromen, feine Vanille, Leder, Toffee, eine sanfte Süße und Birnen. Die Nase ist sehr aromatisch und komplex. Die Reife ist nicht zu extrem und gut eingebunden. Das Erscheinungsbild in der Nase ist für einen Column Rum sehr körperreich und komplexer, als ich es insgeheim erwartet habe. Die Eichenaromen werden nach und nach von Kräutern begleitet.

Gaumen: Zuckerrohr, ein guter Schuss Menthol, Kräuter, Teer und ein sanftes Brennen flutet den gesamten Mundraum. Ich schmecke fast keinerlei Süße. Auch die Frucht scheint verschwunden zu sein. Dafür schmeckt man nach kurzer Zeit satte Gewürzaromen. Noch mehr Eiche, Zimt, Teer und Kräuter kommen zum Vorschein. Ein Hauch von Kakao umschmeichelt den Gaumen. Auch altes Leder. Je länger der Rum im Mund verweilt, desto herber schmeckt er. Die Kräuter werden immer stärker. Nun schmecke ich auch eine leichte Bitterkeit vom Fass. Beim 2. Schluck ist das Zuckerrohr nun schwächer ausgeprägt. Dafür haben die Eichenaromen, Kräuter und Gewürze stark zugenommen. Wieder keinerlei Süße am Gaumen. Toffee, Pfeffer und Teer sind mit der Eiche verwoben. Der Rum schmeckt leicht medizinisch, sehr nach Kräutern und behält diese leichte Bitterkeit am Gaumen. Nach längerer Zeit erkenne ich Tabak und dunkle Schokolade. Die Reife ist ausgeprägter, als ich es von kontinental gereiften Rums her gewohnt bin. Unter den Gewürzen schmecke ich Pfeffer und Muskatnuss.

Abgang: Zuckerrohr. Zimt, Eiche und eine leichte Bitterkeit bilden den Anfang des Abgangs. Die Bitterkeit verschwindet und der Rum wird noch herber und vor allem trocken. Kurz huschen Mangos über den Gaumen. Die Frucht ist aber viel zu schwach. Nach dem 2. Schluck ist die leichte Bitterkeit noch geringer ausgeprägt. Dafür haben die Gewürze nun die Oberhand. Kurz sind Zuckerrohr und Teer zu erkennen. Der Abgang wird zunehmend richtig trocken am Gaumen. 

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Marie Galante
Quelle: www.bergbook.com
Fazit: Na das war doch mal eine positive Überraschung! Ich hatte insgeheim einen laschen Milchbubi aromatisiert mit Holz erwartet. Für einen Rum aus einer Column Still ist dieses Exemplar sehr komplex und aromatisch ausgeprägt. Wer einen fruchtigen Rum sucht wird hier nicht fündig. Wer sich allerdings auf eine Zuckerrohr-Kräuter-Gewürzbombe garniert mit Eichenaromen einlässt, der wird nicht enttäuscht werden. Oder besser gesagt: Er wäre nicht enttäuscht worden. Der Rum ist ja ausverkauft. Groß störend empfand ich die leichte Bitterkeit am Gaumen nicht. Ich hatte schon einige richtige Holzmonster im Glas, und diese Abfüllung gehört nicht zu solchen Exemplaren. Erinnert hat mich das Geschmacksprofil an eine bestimmte Rhum-Agricole-Marke, allerdings ist dieser Rum hier im Vergleich geradezu harmlos. Also... was ist das hier nun? Ein Rum aus frischem Zuckerrohr oder Melasse? Nach meinen bisherigen Erfahrungen würde ich eher auf einen Melasserum tippen, da bestimmte Aromen einfach zu schwach ausgeprägt sind. Allerdings könnte eine Column-Still diese Aromen so herausfiltern, dass sie es nicht bis ins Endprodukt schaffen. Der Rum hat geschmacklich viele Gemeinsamkeiten mit Rums aus frischem Zuckerrohr. Von einem befreundetem Connaisseur, welcher die Insel Marie Galante besuchte erfuhr ich, dass eine Brennerei auf Marie Galante auf Melasse als Rohstoff zurückgreift, wenn die Erntezeit vorbei ist. Ist dies Bellevue? Und falls ja, ist dieses Batch von 1998 dann ein solches Beispiel? Insgesamt muss man aber festhalten: Zu viele Fragen und zu wenige Antworten. Belassen es wir es dabei. Insgesamt bin ich von meinem kleinen Ausflug nach Marie Galante beeindruckt worden. Betrachtet man die unzähligen Abfüllungen aus diesem Batch, dann musste dieser Stil einen enormen Eindruck bei den Abfüllern hinterlassen haben. Die Farbe muss wohl vom Fass stammen, da typische Aromen von Zuckerkulör in dieser Ausprägung nicht vorhanden waren. Nach 16 Jahren in Europa so eine Farbe? Mir kommen Zweifel. Vielleicht lagen die Fässer vor dem Kauf und Abtransport nach Europa für einige Zeit auf Marie Galante. Auf die Zugabe von Wasser habe ich bewusst verzichtet. Der Rum war nicht zu stark am Gaumen und ich hatte die leise Befürchtung, dass Wasser ihn ruinieren würde. Also habe ich die Pipette weggelassen. Ich mag es, wenn ein Abfüller mir die Wahl lässt und mir nicht einen Rum mit 46% und weniger vor den Latz knallt. Es kann gut ausgehen. Bei einigen Stilen jedoch, siehe UA-Rums der Trinidad Distillers Limited (Angostura), kann dies grandios in die Hose gehen. Oder ins Höschen. Je nachdem. Das war's für heute. Bis zum nächsten Mal! 

Marco 

(87 / 100) 

PS In Anbetracht der Ereignisse in Frankreich dachte ich zuerst es wäre angemessen das Review zu verschieben. Doch das wäre nicht nur eine Ehrung der Toten, sondern auch eine Art „Einknicken“ vor dem Terror gewesen. Warum? Alkohol ist für diese bestialischen Kreaturen ja der Teufel schlechthin. Nach Freiheit, Musik und so ziemlich allem was Spaß im Leben macht oder alle Dinge, welche zum Nachdenken und Hinterfragen anregen. Ganz schlimm für Personen mit geistigen Schranken oder Scheuklappen im Hirn. Also habe ich mich entschieden das Review dennoch zu veröffentlichen. Möge die Freiheit in Europa siegreich sein.


Nachtrag 23.11.2015: Nach dem Hinweis von walli_90 habe ich noch einmal nachgeforscht und habe eine Quelle gefunden, welche Damoiseau in Zusammenhang mit diesem Jahrgang in Verbindung bringt: threeofstrong.com

"La Confrérie du Rhum" erwähnt explizit Damoiseau. Mehr noch: Das Firmenlogo ist dort zu sehen. Ob die Besitzer von Damoiseau damit auch einverstanden sind oder hiervon wissen? Wer weiß. Diese Bellevue Distillerie wurde 1942 von Roger Damoiseau gegründet. Allerdings wird rhum industriel (Rum aus Melasse = Industrie-Rum) auf ihrer Homepage nicht erwähnt. Und dieser Rum schmeckt einfach nicht wie ein astreiner R(h)um aus frischem Zuckerrohr. Einen Vergleich mit Damoiseau-Jahrgängen halte ich für sinnfrei, da es Rums aus grundverschiedenen Rohmaterialien sind. Woher diese Gruppe "La Confrérie du Rhum" ihre Informationen bezieht ist mir nicht bekannt. Der Vollständigkeit halber möchte ich dies dennoch hier erwähnen.

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Welcome back dear readers.

Today we are breaking new ground. Not as far as regarding the particular bottler, but the place of origin. Today's bottling is from The Rum Cask / The Whisky Cask and was the forerunner of the recently published TRC Guadeloupe Bellevue Distillery 17 YO. The Rum was released in 2014 and before I will review this new one I want to introduce the predecessor shortly with today's review.

The Bottling: 

The place of origin of this rum, the Bellevue Distillery, is located on the island of Marie Galante. This island is part of the French oversea department Guadeloupe, which itself belongs to the French Antilles (French West Indies) in the Caribbean. It was discovered by Christopher Columbus in 1493 and he gave the island its present name. The beginnings of this plantation dates back to the year 1769. Specifically, these origins are based on old maps. One such map of Marie Galante was created by Christian Schnakenbourg in the said year. [1] The first windmills on the island appeared in 1780. However, the old mill on the site is said to have been built in 1821. Slavery on Marie Galante was abolished in 1848. The distillery and the buildings were taken over by the Bardinet group and were renewed in 2003. [2] [3] [4] The annual production capacity amounts to 900,000 liters. In the distillery building is a large column still located. [4] [5] The picture of source #5 shows the impressive size of this apparatus. 

Guadeloupe and Marie Galante
Source: www.bergbook.com
What so far was coming from this distillery, which has not been officially bottled by the owners? A lot. There were bottlings of Duncan Taylor, L'Esprit, Cadenhead, Samaroli, Compagnie des Indes, Plantation Rum, Berry Bros & Rudd, The Whisky House No.8, Isla Del Ron, Rum Dealers Selection and Malts of Scotland. All rums are bottled at cask strength (around 50%abv) or were either diluted down to 46%, 45% or less. I prefer it when the bottler leaves this decision to the buyer. All quoted bottler released rums from the Bellevue Distillery made in 1998. Really all bottlers? No. Two brave bottler stated the "South Pacific Distillery", together with Guadeloupe and this precise batch. This statement is simply wrong. Although this distillery does really exist, but it is located on Fiji and not on Marie Galante or Guadeloupe. I do not know what went wrong, but a little internet research would have given a little help to understand the difference between those two destinations. Are these rums really from the same batch? After a tasting with 4 rums, one of them had this false statement, I can say with absolute certainty: Yes, they are. There are differences, but they are mainly caused by the barrels. 

I found no evidence regarding rum made from molasses by the Bellevue distillery on the Internet. So is today's rum distilled from fresh sugar cane juice? I'm not sure. I just do not find enough sources that make clear statements. Another handicap: I can not read French. Berry Bros & Rudd claims this would be a rum with an agricole- character. [6] I will let the rum “talk”. Thus, these bottlings are from the period before the renovation in 2003. Is this column still in the distillery still the same apparatus, which has been used for this batch in 1998? I found nothing related to this question. But enough of that: Let us commence with the actual tasting!

Sources: 

[1] „L'Habitation sucrerie Bellevue-Laplaine (Murat) au XIXe siècle", 1988, Christian Montbrun & Maurice Rose, Seite 2 
[2] Picture of the windmill: www.guadeloupe-leguide.fr 
[3] Picture of the old main building: www.internationalsteam.co.uk 
[4] Picturs of the distillery: guadeloupe.net 
[5] Picture of the giant column still: azurcaraibes.com 
[6] „Trademark vegetal notes confirm the argicole character of this complex Rum. The spirit is layered with cinnamon, coffee-cream, brittle toffee, wood and exotic fruit. Beyond the fruit, the palate has a dry edge augmented by the complex influence from the wood. The fruit takes a back seat as the spicy layer comes into play at the finale.“ - www.bbr.com 

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Tasting TRC Guadeloupe Bellevue Distillery 16 YO (1998 – 2014):

Price: I can not remember the actual price of this bottling. The rum is likely to have cost around 50 € (for a 0.5l bottle). My sample was, of course, a little cheaper when I bought it back in the days.

Age: The rum was distilled in 1998 on Marie Galante and bottled on behalf of The Rum Cask in 2014. It was brought on the market in the same year.

ABV: The rum was bottled at cask strength. After 16 years in the barrel the strength still amounts up to 54.6%abv.

Process of distillation: The official process in 1998 was a column stills. This is still the only process of distillation in Bellevue.

Colour: Dark amber.

Viscosity: A pearl crown is forming on the top edge of the glass. The rum flows slowly and ponderously down to the bottom of the glass. The thereby forming streaks and beads, which are sticking to the glass wall for a long time. The oiliness of the rum is appropriate for 16 years.

Nose: First I smell a slightly alcoholic touch, then the rum becomes fruity. I recognize tar, licorice, sugarcane and old oak. This oak flavours are topped by a delicate sweetness. This is accompanied by weak fruit flavours. I recognize currants, blackberries, papayas and a hint of pears. Also aromas of cedar and wild honey are hovering in the glass. The fruit is becoming weaker the longer it is breathing in the glass. The rum smells medicinical after quite some time. Cocoa and dark chocolate, interwoven with sugarcane, are coming more and more to the fore. A little further away from the glass I smell oak aromas, subtle vanilla flavours, leather, toffee, a gentle sweetness and pears. The oak flavours are accompanied by herbs. The overall picture is very aromatic and complex. The maturity is not extreme. The appearance of the nose is very full-bodied and complex. I do not expected this from a Column rum.

Palate: Sugarcane, a good shot of menthol, herbs, tar and a soft warmness floods the entire mouth. I taste almost no sweetness. The fruit seems to have disappeared. But I can taste rich spice flavours. More oak, cinnamon, tar and herbs come to the fore. A touch of cocoa caresses the palate. Even old leather. The longer the rum lingers in the mouth, the more I taste herbs. They are becoming stronger. I do also taste a slight bitterness from the barrel. After the 2nd sip the sugarcane is now weaker present. The oak, herbs and spices have greatly increased. There is still no sweetness on the palate. Toffee, pepper and tar are interwoven with the oak. The Rum tastes slightly medicinal, very herbaceous and retains this slight bitterness on the palate. After some time there is also some tobacco and dark chocolate. The maturity is more pronounced than I'm used to it from continental matured rums. Among the spices I taste pepper and nutmeg.

Finish: Sugarcane, cinnamon, oak and again a slight bitterness form the beginning of the finish. The bitterness disappears and the rum is still herbaceous and very dry. Short scurrying mangoes over the palate. The fruit is much too weak. After the 2nd sip the bitterness is even less pronounced. But the spices have now won the upper hand. Sugar cane and tar are flashing up. The finish is increasingly very dry on the palate.

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Marie Galant
Source: www.bergbook.com
Conclusion: Well that was an unexpected positive surprise! I had secretly expected a weak mouthwash flavoured with wood. The rum is very complex and aromatic for an column rum. However, If you are looking for a fruitbasket in the sun, then you will get a heavy disappointment. Nevertheless anyone who is open-minded will experience a sugarcane-herbal-spice-bomb topped with oak aromas and will certainly not be disappointed. Or rather, he would not have been disappointed. The rum is sold out and not available anymore. I did not dislike this light bitterness on the palate. Up until now I had some very big woody monsters in the glass, and this bottling is not one of such specimens. It reminds me of the flavour profile of a particular Rhum Agricole brand. However, this rum here is by comparison almost harmless. So ... what is this thing now? A rum from fresh sugarcane juice or molasses? According to my experience so far I would rather think this is a rum made from molasses because certain flavours are simply too weak to identify this one as a rum made with fresh sugarcane juice. However, a column still is very capable of filtering those heavy flavours these flavorus out. By doing so they are prevented from making their way though the entire still into the final product. The rum has a lot in common with the taste of a rum made with fresh sugarcane juice. A friend of mine who visited the island of Marie Galante, earned that a distillery on Marie Galante relies on molasses as a raw material when the harvest season is over. So... could this distillery be Bellevue? And if so, is this batch made in 1998 such an example? Thuth be told: There are too many questions and too few answers. We will leave it at that. I am impressed after my little virtual "trip" to Marie Galante. Considering the countless samples from this batch, the style itself must have made in immensive by the bottlers. You can not otherwise explain the big amount of released bottlings. The colour must be from the barrel, because typical aromas of used caramel were not tasetable. You can easily find such flavours in many Demerara rums. Especially old ones. After 16 years in Europe such a deep colour? I begin to wonder. Perhaps the barrels were stored for an unknown time on the island before they were bought and transported to Europe. I have deliberately omitted the use of water to dilute down the rum. It was not too strong on the palate, and I had the silent fear that water would destroy the rum. I like it when a bottler gives me the choice of diluting down. This is much better then getting a adiluted down mouthwash. A dilution may turn out well. However, some styles do not sustain the addition of too much water like some rum from Trinidad Distillers Limited (Angostura) bottled by various independent bottlers. It can destroy the entire rum. That's it for today. Until next time! 

Marco 

(87 / 100) 

PS In view of the recent events in France I thought at first it would be appropriate to postpone the review. But that would have been not only a tribute to the victims, but also a kind of "buckling" towards terror. Why? Alcohol is for these "creatures" indeed the devil par excellence. After freedom, music and pretty much everything that generates fun in life, or all things, which stimulate reflection and questioning. Really bad for people with mental barriers or blinders in the brain. So I decided to publish the review. May the freedom in Europe be victorious.

Addendum 23.11.2015: I did once again a little investitagtion after the comment of walli_90 and I found a source, which brings Damoiseau in connection with this vintage: threeofstrong.com

"La Confrérie du Rhum" mentioned explicitly Damoiseau. Even more: The logo of this company can be seen there. Did the owners of Damoiseau agree to this or do they even know or care about this? This Bellevue distillery was founded by Roger Damoiseau in 1942. However, no mention is made regarding rhum industriel (rum made from molasses = industrial rum) on their official website. And this rum tastes not like a real R(h)um made from fresh sugarcane juice. I think a direct comparison with Damoiseau vintages would be futile because there are fundamentally different rums (made with total different raw materials). Where this group "La Confrérie du Rhum" got the information about the origin? I haven't the faintest notion. However, for the sake of completion I just wanted to attach these informations to the review.

Kommentare:

  1. Wie immer ein sehr informativer Artikel. Ich möchte dich nur noch darauf hinweisen, dass der Rum nicht unbedingt von der Domaine de Bellevue auf Marie-Galante stammen muss. Die Brennereien Reimonenq und Damoiseau auf Guadeloupe tragen ebenfalls den Beinamen Bellevue.
    Bisher bin ich immer davon ausgegangen, dass die unabhängig abgefüllten Bellevues aus der Brennerei Damoiseau stammen. Das erschien mir am plausibelsten. Marie-Galante habe ich in diesem Zusammenhang noch nie gelesen oder gehört.

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    1. Der Hinweis ist dankend angenommen. Ich habe entsprechend einige Infos über Damoiseau hinzugefügt. :-)

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  2. Auf der Damoiseau Website wird nur Rhum Agricole erwähnt und auf allen Standard-Abfüllungen steht das auch auf dem Etikett. Interessant ist aber, dass es einige Jahrgangsrums gibt, auf denen es eben nicht auf dem Etikett steht: 1953, 1980, 1986 (Cuvée du Millénaire 15 Ans), 1989, 1991, 1995, 2002 (Cuvée du Millénaire 8 Ans) Das muss natürlich nicht zwangläufig heißen, dass es Melasse-Rums sind, auffällig ist es doch.
    Von den Jahrgängen 1980, 1989, 1991 und 1995 gab es auch Velier-Abfüllungen. Luca Gargano sagte in einem Interview auf durhum.com, dass seine 1980er Abfüllung aus genau dem gleichen Batch kommt wie die Damoiseau-Originalabfüllung. Er sagte auch, der Grund dafür, dass er einen Teil kaufen konnte war, dass er nicht als Agricole verkauft werden durfte, weil es ein Blend aus Zuckerrohrsaft- und Melasserum war. Damoiseau hat den Rest später dann doch abgefüllt und verkauft, nur eben ohne ihn als Agricole zu labeln.
    Ich vermute daher, dass die nicht als Agricole etikettierten Jahrgänge entweder einen Anteil an Melasserum enthalten oder komplett aus Melasse destilliert wurden.
    Es könnte also rein theoretisch sein, dass der hier vorgestellte Rum aus Melasse destilliert wurde, und zwar in Bellevue/Damoiseau. Dafür würde auch sprechen, dass es meines Wissens nach die größte Destillerie auf Guadeloupe ist und dementsprechend am ehesten in der Lage wäre, neben den Eigenabfüllungen auch Bulkrum zu brennen.
    Dagegen sprechen die Beschreibungen von Berry Bros und Silver Seal: Beide nennen Bellevue auf Marie Galante als Ursprung. (Bei Silver Seal steht es im Text auf der Innenseite der Verpackung bei der neuesten Abfüllung.) Allerdings bin ich bei den Angaben der UAs etwas vorsichtiger geworden.

    Und am Ende sind wir genauso schlau wie vorher: Alles nur Indizien, kein bisschen Fakt dabei :(
    Was mich nur wundert: Warum gibt es nur diesen einen Bellevue Jahrgang?

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    1. Leute ich finde die Resonanz auf dieses Review echt spitze. Ein mega-fettes Dankeschön an euch Beide!

      Die Informationspolitik vieler Hersteller ist mehr als verbesserungswürdig. Ich denke da sind wir uns alle einig. Mich würde brennend interessieren, warum man einen Blend kreierte. War der Melasse-Rum alleine zu minderwertig? Gegen ein Experiment sprechen die vielen betroffenen Jahrgänge, welche du aufgezählt hast. Wenn denn wirklich auch dieser Jahrgang (1998) von Bellevue-Damoiseau stammt. Das mit der Etikettierung ist mir komplett entgangen. Mein Fokus lag bisher eindeutig bei Rum aus den ehemaligen britischen Kolonien. Erst seit kurzem interessiere ich mich auch für Rhum Agricole.

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    2. Eine kleine Ergänzung (um die Verwirrung komplett zu machen):
      Duncan Taylor gibt bei seinem 98er Bellevue anders als Silver Seal und Berry Bros Bellevue au Moule (Damoiseau) als Quelle an. Ein Beispiel mehr für die Schwammigkeit der Angaben bei vielen UAs.

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