Sonntag, 4. September 2016

Silver Seal Jamaica Rum (Hampden Distillery) 1993 22 YO

(the English part is below, just skip the German part) 

It's about time!

Willkommen zurück zur Freakcorner des Rum! Wir nehmen uns wieder einen Hampden zur Brust und einen Rum aus diesem Jahrgang hatten wir bereits. Erneut kommt die Abfüllung aus Italien. Die heutige Abfüllung ist der Silver Seal Jamaica Rum Hampden Distillery 1993 22 YO!

Zur Abfüllung:

Den Vorgänger dieser Abfüllung, den Silver Seal Jamaica Rum Hampden Distillery 1993 20 YO), habe ich bereits öffentlich verkostet. Die 20 Jahre alte Abfüllung hatte 295 Flaschen und eine Fassnummer wurde nicht genannt. Die heutige Abfüllung kam auf ganze 290 Flaschen und entsprang aus Fass #40. D.h. es gab also mindestens 40 Fässer aus diesem Jahrgang, welcher der Importeur in Jamaika bestellt und importiert hat. Viel ist davon ja leider nicht aufgetaucht und dürfte zur Hauptmasse wohl in billigen Blends verarbeitet worden sein. Was für Blends? Nun da wäre zum Beispiel der Smith & Cross (London) Traditional Jamaica Rum mit 57%vol, der aber nur Plummer und Wedderburns enthalten soll. Dann fällen mir auch noch spontan die Rums der Robinson-Reihe ein. Ob dieser sehr geschmackvolle Rum aus 1993 wirklich in einem dieser Blend endete, bleibt wohl der eigenen Fantasie überlassen. Auf der anderen Seite sind mir bisher nur noch die Jahrgänge 2000 und 1998 im Gedächtnis geblieben, die es auch noch zu kaufen gibt. Auch 1992 könnte in solchen Mix-Rums verschwunden sein. Die Single-Cask-Abfüllungen der Vergangenheit waren eher Exoten. Ich denke man konnte sich es nicht vorstellen, dass so etwas mit einer höheren Reife bei den Käufern ankommt. Warum? Bis ungefähr 2011-2012 plätscherte der Rum-Markt eher so vor sich hin und erst seit gut 4 Jahren gibt es einen Boom in diesem Segment des Spirituosen-Marktes. Auch die Anzahl der Abfüllungen stieg ab da rapide an. Die alten Sachen, welche um 2000 herum und davor veröffentlicht wurden verschwanden dann relativ zügig. Rums wie die LPS Single Rum Long Pond Distillery Trelawny aus 1993 und der Cadenhead Dated Distillation Hampden Distillery HLCF 1992 13 YO verschwanden zu jener Zeit in Mai Tais oder anderen Cocktails. Auch die Hampden Rums von The Rum Cask aus 1998 dürfte dieses Schicksal ereilen. Das mag man nun als gut oder als schlecht erachten wie man mag, ich bedauere es nur, dass in eher mittelmäßigen Blends Rums mit hohem Potenzial versenkt werden. Gegen Edel-Cocktails habe ich per se nichts einzuwenden. Ich mixe nur nicht gerne.

Den Vorgänger dieser Abfüllung mochte ich, auch wenn er den Hampden Jahrgang 1990 in keinster Weise gefährden konnte. Auf einen solchen „Königsmörder“ müssen wir wohl noch etwas warten. Zumindest habe ich noch die begründete Hoffnung, dass es eine Abfüllung geben wird, die diese hohe Qualität aufweisen wird. Importeure wie A & E Scheer haben Rums mit dem Hampden Mark „DOK“. Die Frage ist nur, wann sich der richtige Bottler traut das richtige Fass abzufüllen. Nach der Schließung der Long Pond Distillery drücke ich der Hampden Distillery auf jeden Fall die Daumen und ich würde mich auch gerne über eine Art Single-Cask oder Jahrgangs-Rum direkt von der Destillerie freuen. Entweder ist diese Idee immer noch nicht bei vielen Herstellern angekommen, oder der Warenbestand gibt es zur Zeit einfach nicht her, wenn man berücksichtigt, dass Hampden erst 2009 wieder den Betrieb aufgenommen hat. Aber genug davon. Auf zur heutigen Verkostung! 

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Verkostung Silver Seal Jamaica Rum Hampden Distillery 1993 22 YO:

Preis: Der Rum ist oder war für um die 225€ die 0,7 Flasche käuflich zu erwerben. Dieser Preis ist oder besser gesagt war Wahnsinn. Ich habe nicht mehr kontrolliert, ob es den Rum tatsächlich noch zu kaufen gibt.

Alter: Das offizielle Alter beläuft sich auf 22 Jahre.

Alkoholstärke: Wie beim Vorgänger beträgt auch hier die Trinkstärke 50%vol. Dies ist nicht mehr die volle Fassstärke.

Destillationsverfahren: Keine Angabe auf den Labeln. Es ist aber eine Pot Still. Das verrät uns der Text auf der Innsenseite der Box. Etwas anderes hätte mich auch eher schockiert.

Farbe: Sattes Gold. Ich würde behaupten, dass die Farbe dieselbe ist, wie die des Vorgängers mit 20 Jahren.

Viskosität: Der Rum fließt langsam und in dicken Streifen zurück zum Glasboden. Der Rum ist sehr ölig.

Nase: Der Rum durfte über eine halbe Stunde lang atmen. Nach Abnehmen des Glasdeckels reiche ich geballte Ananasaromen, schwache Papaya und dominante Esteraromen. Die Nase ist minimal süßlich, dafür umso mehr säuerlich durch die Esteraromen. Ich erkenne auch Zuckerrohr, herbe Kräuter und etwas weiter weg vom Glas feine Vanille, welche mit den herben Kräutern verwoben sind.Der Rum riecht wie ein großer Korb voller exotischer und reifer Früchte. Die Ananas dominiert allerdings alle anderen Früchte. Leder, Toffee, Anis und Eichenaromen verweilen eher im Hintergrund. Die Reife ist noch sehr gut eingebunden. Nach einiger Zeit rieche ich auch Aprikosen und Erdbeeren. Im Vergleich ist der Rum einen Tick reifer als der Silver Seal Jamaica Rum (Hampden Distillery) 1993 22 YO. Allerdings halten sich die Differenzen in Grenzen. Nach einem Schwenk des Glases rieche ich mehr Süße als zuvor. Allerdings sind auch hier die Ester sehr dominant und ich rieche säuerliche Fruchtsäuren. Die Nase hat auch medizinische und rauchige Nuancen. Ist da Holzkohle verwoben mit der Eiche? Alles in allem ist dies eine fruchtige Esterbombe, mit einem guten Schuss Reife.

Gaumen: Saure Esteraromen, Zuckerrohr, Rauch, Medizin und eine leichte Süße fluten den Mundraum bis in den letzten Winkel. Erst dann brennt der Alkohol auf der Zunge. Nach einigen Sekunden schmecke ich satte Fruchtaromen. Geballte Ananas, Papayas, Erdbeeren, Aprikosen und auch einige Kirscharomen. Der Rum ist wahnsinnig fruchtig am Gaumen. Nach ungefähr einer halben Minute wird der Geschmack immer herber und pflanzlicher. Der Alkohol ist nun gänzlich verschwunden. Er wirkt nun sehr mild und immer noch stark aromatisch. Zuckerrohr, Leder, Toffee, schwaches Karamell und Anis kommen nun zum Vorschein. Nach über einer Minute schmecke ich auch Passionsfrüchte garniert mit Kräuter. Nach dem zweiten Schluck noch mehr Rauch, Medizin und Kräuter am Gaumen. Wieder Ananas, Kirschen und Passionsfrüchte. Der Rum ist und bleibt sehr kompakt und dieser Eindruck verstärkt sich beim zweiten Schluck. Ich kann es nur äußert dürftig mit Worten beschreiben, was für Geschmacksexplosionen ich während des Tastings im Mund erlebte.

Abgang: Ester, Anis und Eichenaromen bilden den Anfang. Danach werden die Früchte stärker und eine leichte säuerliche Note verweilt am Gaumen. Der Abgang hat null Süße und absolut keine Bitterkeit. Nach dem zweiten Schluck Ester, Passionsfrüchte, Anis und Zuckerrohr zu Beginn. Die Ester und Fruchtaromen verweilen lange am Gaumen. Der Rum ist minimal trocken im Abgang. 

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Fazit: Ein Rum mit sehr hoher Qualität. Für mich besteht hier fast kein Unterschied zum Vorgänger. Oder lassen Sie es mich so ausdrücken: Ich kann keinen Unterschied feststellen, der eine schlechtere/bessere Wertung, als die des Vorgängers, rechtfertigen würde. Aus diesem Grunde bekommt die Abfüllung dieselbe Anzahl an Punkten. Der Preis war und bleibt allerdings ein Tritt in die Weichteile. Doch nicht nur Silver Seal scheint da abgehoben zu sein. Auch Rum Nations Preise sind bei alten Rums gestiegen. Als Konsument finde ich das weniger schön. Als Investor würde ich mir hier wohl die Hände reiben. Egal lassen wir das. Die Frucht ist bei beiden Rums aus 1993 von Silver Seal geradezu wunderbar. Es gibt nur eine Abfüllung aus 1993, die noch krasser ist und diese habe ich noch nicht vorgestellt. Sollte ich mich nicht komplett irren, dann ist dieser Jahrgang bisher nur von italienischen Abfüllern (Samaroli und Silver Seal) veröffentlicht worden. Woran das wohl liegen mag. Auf Cocktailwonk habe ich gelesen, dass auch die Monymusk Distillery Rums mit einem höherem Estergehalt herstellen kann. Warum ist davon bisher noch nichts aufgetaucht? War der Importeur etwa nicht von der Qualität überzeugt oder favorisiert er lieber diesen sehr alten und traditionsreichen Hersteller? Eigentlich ist es ein Witz der Geschichte, dass diese besondere Art von Rum nur deswegen entstand, weil man ihn in Deutschland mit neutralem Alkohol (damals auch Sprit oder Spiritus genannt) verschneiden wollte. Diese Idee einiger deutscher Kaufmänner war im Grunde aber nicht wirklich neu. Sie gab es schon woanders. Nur das ist größtenteils in Vergessenheit geraten. Je mehr ich über Rum nachforsche, desto mehr Abgründe öffnen sich vor mir und desto mehr weiß ich Rums von Unabhängigen Abfüllern noch mehr zu schätzen. Das Sahnehäubchen wäre jetzt noch, wenn die Hersteller endlich begreifen würden, auf was für einem Erbe sie da eigentlich sitzen. Mir erscheint es, als ob die Wenigsten dieses Potenzial überhaupt begreifen. Ich bin wirklich gespannt, was die Hussey Familie mit dieser alten Brennerei vor hat. Wir dürfen gespannt sein. Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag! 

Marco 

(91/100) 


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It's about time!

Welcome back to the Freak Corner of the Rum! Once again we will take a closer look at a Hampden bottling. We already had a rum from this vintage. Like the other one it is coming from Italy. Today's bottling is the Silver Seal Jamaica Rum Hampden Distillery 1993 22 YO!

The Bottling: 

The predecessor of this bottling, the Silver Seal Jamaica Rum Hampden Distillery 1993 20 YO, was already on my blog. The 20 year old bottling had 295 bottles and a cask number was not given. Today's bottling amounts of 290 bottles and sprang from barrel #40. Thats news. So there were at least 40 barrels of this superb vintage ordered and shipped from Jamaica to Europe. Much of these did unfortunately not appear on the market, at least not as bottlings like this. I'm afraid the majority did end up in cheap blends. What blends? For example the Smith & Cross (London) Traditional Jamaica Rum 57%abv, but officially this blend is only consisting of Plummers and Wedderburns. Then there are also the rums of the “Robinson”-series in Germany. It is up to you to imagine if those rums of the vintage of 1993 did really end up in an early stage of their age in such rums. However, there will be no certainty about this topic. On the other hand the other common vintages of 2000 and 1998 could also have been vital parts of these blends. Also the vintage of 1992 might have disappeared in such mixing rums. The Single-Cask bottlings in the past were rather exotic. I think the bottlers back then could not imagine that something like these flavourful rums would find many lovers among the drinking class, besides the cocktail fanbase. Why? Until about 2011-2012 the rum market was still quiet, and for now a little over 4 years, there is a boom in this segment of the spirits market in Euorpe. The number of bottlings has exploded. The old rums, which were published around or before 2000 were disappearing relatively quickly from the market. Rums like the LPS Single Rum Long Pond Distillery Trelawny of the vintage of 1993 and the Cadenhead Dated Distillation Hampden Distillery HLCF 1992 13 YO were mostly disappearing in Mai Tais or other cocktails. I doubt that the majority was consumed neat. The Hampden rums bottled by German bottler The Rum Cask are likely to suffer the same fate. Its up to you to decade if this is now a good thing or a bad thing. I do only regret that many rums with good potential did vanish in mediocre blends. I have nothing against mixing cocktails per se. I just don't do it.

I liked the predecessor of this bottling, although it did not threaten the legendary vintage of 1990. I think we will have to wait for such a bottling just a little longer. At least I still have reason to hope that there will be a bottling, which will at least have the same high quality standards. Importers such as A & E Scheer have rums with the Hampden Mark "DOK". The only question is when does the right Bottler dare to bottle the right barrel? Bearing the fate of the Long Pond distillery in mind I'll wish the Hampden Distillery all the best for the future. And I would like to see a single cask or a vintage bottling directly coming from this distillery. I have no idea about the laws in Jamaica regarding the legal abvs of rum-bottlings, but something like this would be awesome. Either this idea is still something like a disease which all are trying to avoid or the stock is just too young. Hampden was closed from 2002 until 2009. But enough of that. On to today's tasting! 

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Tasting Silver Seal Jamaica Rum (Hampden Distillery) 1993 22 YO:

Price: The rum is or was available for about 225€ per 0,7l bottle. This price is... was madness. I have not checked whether the rum is actually now completely gone or not.

Age: The official age is 22 years.

ABV: Like its predecessor the drinking strength is 50%abv. This is no longer the full cask strength.

Process of distillation: No official statements on the label. However, a pot still is mentioned on the inside of the box.

Colour: Rich Gold. I would say that the color is the same as its predecessor with 20 years.

Viscosity: The rum flows slowly in thick streaks back to the glass bottom. The rum is very oily.

Nose: The rum was allowed to breathe for more than half an hour. After removing the glass lid I am immediately recognizing concentrated pineapple aromas, gentle papaya and dominant ester flavours. The nose is minimal sweet, but all the more sour by the ester aromas. I also smell sugarcane, tart herbs and a little further away from the glass fine vanilla, which is intertwined with the bitter herbs. The rum smells like a big basket full of exotic and ripe fruits. However, the pineapple dominates all the other fruits. Leather, toffee, anise and oak flavours linger more in the background. The maturity is very good yet well integrated. After some time I smell also apricots and strawberries. Compared with its predecessor the rum is a bit more mature. However, the differences are not huge. After a pivot of the glass I smell more sweetness than before. The esters are also very dominant and I smell sour fruit acids. The nose also has medicinal and smoky nuances. Is there charcoal intertwined with the oak? All in all, this is a fruity esters bomb, with a good shot of maturity.

Palate: Acid ester flavours, sugarcane, smoke, medicine and a slight sweetness floods the mouth up to the last corner. Then burns the alcohol slightly on the tongue. After a few seconds I taste rich fruit flavours. Concentrated pineapple, papaya, strawberries, apricots and some cherry flavours. The rum is incredibly fruity on the palate. After about half a minute, the taste is more herbal. The alcohol has now completely disappeared. The rum is now very mild, but still strongly aromatic. Sugarcane, leather, toffee, caramel and weak anise. After about a minute I taste passion fruit garnished with herbs. After the second sip more smoke, medicine and herbs on the palate. Again pineapple, cherry and passion fruit. The rum is and remains very compact and this impression is reinforced after the second sip. I can only describe with poor and inadequate words the flavour-explosions in the mouth during the tastings.

Finish: Esters, anise and oak flavours form the beginning. Then the fruits are getting stronger and a little sour note lingers on the palate. The finish has zero sweetness and absolutely no bitterness. After the second sip more esters, passion fruit, anise and sugar cane at the beginning. The esters and fruit flavours linger for a very long on the palate. The rum is minimal dry.

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Conclusion: A rum with very high quality. For me there is almost no difference to its predecessor. Or let me put it this way: The difference is not that great. It does not justify a lower scoring, compared with the younger rum bottled by Silver Seal. For this reason, the bottling gets the same score. The price was and remains a kick in the groin. But not only Silver Seal seems to be have lifted off from the ground. Also Rum Nations prices have risen, when it comes to their old rums. As a consumer, I find this less beautiful. As an investor, I would probably rub my hands with big dollar/euro signs in my eyes. Whatever. The fruit in both rums from Silver Seal are downright wonderful. There is only one bottling from 1993, which is even more pronounced and I have not yet presented this one on the blog. If I am not completely mistaken, then this vintage has been published only by Italian bottlers (Samaroli and Silver Seal). Ii there a special reason for this? On Cocktailwonk I have read that the Monymusk Distillery can also produce rum with a higher ester content. If this is a fact, then why have these rums not made their way to Europe yet? Was the importer not convinced of the quality or does he favour this very old and traditional manufacturer (meaning Hampden)? Actually it is an irony of history that this particular type of rum only does exist because some Germany wanted to blend this highly aromatic rum with neutral alcohol, in order to make it cheaper. However, this very idea of the German merchants was not very new. But the other trade has been largely forgotten. The more I research about rum, the more deeps are opening in front of me. I now more than ever do appreciate the job the independent bottlers are doing and that the most part of them is trustworthy. I am really amazed about the current state of affairs. When are the producers of rum finally realising the size of the heritage they are literally sitting upon? Do they know their potential? To me it seems as if very few people do realise this potential at all. I'm really curious to see what the Hussey family will do with this old distillery. It will be certainly… interesting. I wish you a nice Sunday! 

Marco 

(91/100)

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