Sonntag, 19. Februar 2017

Cadenhead Dated Distillation Hampden HLCF 1992 13YO

(the English part is below, just skip the German part) 


Willkommen zurück zu B.A.M.!

Nach Fidschi ist mal etwas Abwechslung angesagt. Heute verschlägt es uns wieder einmal nach Jamaika. Es ist eine alte Abfüllung, die schon vor meiner Zeit ausverkauft war. Es ist der Cadenhead Dated Distillation Hampden Distllery HLCF 1992 13YO!

Zur Abfüllung: 

Dieser Rum war vor dem Beginn meiner Rum-Karriere im Jahre 2012 so gut wie weg. Ich kannte ihn lange nur vom Hörensagen. Flo schwärmte damals von ihm. Zum damaligen Zeitpunkt lag mein Interesse und Schwerpunkt nicht bei Jamaika. Nach unserer Trennung änderte sich dies, aber diese Abfüllung hatte ich für eine sehr lange Zeit nicht auf dem Schirm. Erst ein Sample von Pietro ermöglichte es mir, diesen Rum selbst einmal zu verkosten. Allerdings liegen zwischen 2006 und 2017 Welten. Es gab inzwischen sehr gute Rums aus den Jahren 1993 und 1998, ja sogar eine ganz unverhoffte Abfüllung von Duncan Taylor gab uns noch einmal die seltene Gelegenheit den Jahrgang 1990 in einer höheren Trinkstärke kennenzulernen. Dieses Glück wird sich voraussichtlich noch einmal wiederholen, allerdings dieses Mal nicht zu einem Schnäppchenpreis wie damals. Worauf ich hinaus möchte? Lassen Sie es mich so ausdrücken: Es gab sehr viele gute Rums, die das Niveau mittlerweile sehr weit angehoben haben. Für diese Abfüllung vielleicht etwas zu hoch und genau hier liegt die Crux der Bewertung von Rums. Wie will ich fair und kritisch eine Qualität bewerten, wenn ich nur sehr wenige Rums eines Stils kenne? Es geht zwar, allerdings wirken dann einige Punktebewertungen aus der Retrospektive etwas absurd, wenn man dann einen richtigen Kracher oder Fail im Glas hatte. Ich bin von den bisher veröffentlichten Rums aus Hampden zu sehr verwöhnt worden. Das gebe ich öffentlich zu. Der Habitation Velier Hampden Distillery 2010 6 YO weckte ihn mehr sehr große Erwartungen an ältere Rums direkt aus dem Fasslager von Hampden. Dafür müssen wir uns allerdings noch etwas gedulden. Hätte ich also diese Abfüllung von Cadenhead viel früher im Glas gehabt, dann hätte ich die Jahrgänge 1993 und 1998 ein wenig anders betrachtet und vielleicht auch bewertet. So geschah es bei mir genau umgekehrt. Bei dieser Abfüllung fehlen die Angaben der Monate, sowohl beim Destillieren als auch beim Abfüllen. Das Mark HLCF sagt uns außerdem, dass der Rum 500 – 700 mg an Ester bei einem reinen Liter Alkohol besitzt (LAA - Liters Absolute Alcohol). Beginnen wir doch gleich mit der Verkostung. 

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Verkostung Cadenhead Dated Distillation Hampden HLCF 1992 13YO:

Preis: Der ursprüngliche Preis mag von 60 – 70€ rangiert haben. Der heutige Wert unter Sammler und Genießer ist mir nicht bekannt.

Alter: Wie schon erwähnt beläuft sich das offizielle Alter auf 13 Jahre im Fass. 

Alkoholstärke: Der Rum wurde damals mit einer Trinkstärke von 66,2%vol abgefüllt.

Destillationsverfahren: Keine Geheimnisse hier. Es war eine Pot Still.

Farbe: Blasses Gold.

Viskosität: Dicke Streifen fließen zurück zum Glasboden und benetzen das Glas mit einem dünnen Film.

Nase: Ananas, Kräuter, Nagellack-Entferner, Papayas und Toffee entweichen dem Glas. Dazu gesellen sich noch Eiche, Leder und Holzkohle. Nach einer Stunde im Glas sticht der Alkohol immer noch leicht in der Nase. Dies ist allerdings bei der hohen Trinkstärke nichts ungewöhnliches. Weiter weg vom Glasrand erkenne ich Esteraromen, Ananas, papayas, Medizin und Klebstoff. Toffee. Tief im Glas wird die Nase mit starker Medizin, Rauch, Ester, Ananas, Holzkohle und Papayas bombardiert. Kräuter. Anis und schwarzer Tee im Hintergrund. Auch Zuckerrohr ist darin enthalten. Das Anis wird mit der Zeit stärker. Ein Hauch von Kirschen schwebt im Glas. Sauerkirschen? Mangos? Ich bin deswegen unschlüssig, weil der Rum doch etwas kompakt ist. Allerdings ist er selbst nach 13 Jahren im Fass immer noch stürmisch. Man riecht die Unreife. Die Nase ist nur sehr schwach süß und weist allerdings auch einen gewisse Säuregehalt auf, will sagen: Er riecht sauer.

Gaumen: Ester, Klebstoff und der Geschmack von Kirschwasser füllt den Mundraum. Zumindest schmeckt er kurzzeitig leicht nach einem Kirschwasser. Dann kommt auch schon der Alkohol und brennt auf der Zunge und verdrängt einige der Aromen. Langsam kommen Medizin und Rauch zum Vorschein. Der Alkohol lässt etwas nach. Kräuter, Toffee und Anis. Der Rum wird zusehends milder im Mund und das Brennen lässt immer mehr nach. Der Geschmack wandelt sich. Die Medizin wird schwächer und der Rum wird pflanzlicher im Mund. Zuerst schmeckt er leicht säuerlich am Gaumen. Kirschen, Rauch, Kräuter und immer noch etwas Medizin. Die Ester verschwinden. Beim zweiten Schluck Ester, Medizin und Rauch. Jetzt ist die Unreife mehr präsent als zuvor. Ein leicht milchiger Geschmack begleitet das Brennen. Kirschen, Ananas, Papayas, Kräuter und Anis. Wieder erst säuerlich, dann wandelt sich der Rum hin zum pflanzlichen Geschmack und die Medizin und die Säure werden schwächer. Holzkohle? Die Früchte verblassen. Noch mehr Kräuter, Eiche und Toffee. Beim dritten und letzten Schluck noch mehr Medizin und Rauch. Die Unreife legt noch einmal etwas nach. Ansonsten ändert sich das Bild wenig. Wieder Ester, Kirschen und Kräuter und der Wandel des Geschmacksprofils hin zum Pflanzlichen. 

Abgang: Ananas, Papayas, Toffee und Leder. Dann Ester, kurz Kirschen und Kräuter. Ein Hauch von Zuckerrohr und Ester verweilen sehr lange am Gaumen. Beim zweiten Schluck Ananas, Ester, Kirschen, Kräuter und dieses Mal Anis. Am Ende Kräuter und Ester. Beim letzten Schluck Ananas, Medizin, Rauch und Kirschen. Kräuter und Anis am Ende. Der Rum ist leicht trocken. 

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Fazit: Eines vorweg: Ich habe diesen Rum mit zwei anderen Abfüllungen aus 1992 verglichen und dementsprechend die unten angezeigte Punktezahl vergeben. Die Vergleichskandidaten waren der Silver Seal Jamaica Rum Hampden Distillery 1992 23YO und der Samaroli Jamaica Rum Hampden Distillery 1992 24 YO mit 54%vol. Zusätzlich habe ich außerdem die Abfüllung mit den zwei Rums von TRC aus 1998 verglichen. Alle Rums haben in meinen Augen denselben Stil (Mark) und ich muss leider gestehen, dass der Cadenhead den Rums von The Rum Cask nicht das Wasser reichen kann. Die Abfüllung ist gut, keine Frage. Allerdings schmeckt man doch teilweise noch die jugendliche Frische, welche in großen Mengen im Rum Fire Velvet Overproof mit 63%vol zu finden ist, welcher nicht gealtert ist. Selbst nach 13 Jahren ist sie hier in diesem Rum von Cadenhead noch immer zu schmecken. Sie ist zwar nicht so brutal wie beim Velvet, aber sie ist immer noch vorhanden. Dieses Manko besitzen die Rums von TRC nicht. Allerdings muss man auch berücksichtigen, dass zwischen den Abfüllungen viele Jahre Abstand und einige Jahre mehr im Fass liegen. Dennoch bleibe ich bei meiner Meinung, dass dieser Rum sich nur im gehobenen Mittelfeld bewegt, selbst für Hampden. Ich kann die Aufregung, welche diese Abfüllung damals produziert haben muss teilweise nachvollziehen, allerdings ist diese Sichtweise nicht von Romantik geprägt. Die Rums wurden alle zeitgleich nebeneinander verkostet und nicht mit vielen Jahren Abstand dazwischen. Dies ist unter anderem ein Grund, warum ich so viel Wert auf eine große Sample-Bibliothek lege. Erinnerung sind etwas trügerisches. Man neigt zur romantischen Verklärung von Ereignissen und Eindrücken. Ein „Echtzeit-Vergleich“ ist da schon etwas ernüchternder. Ich trauere dieser Abfüllung in keinster Weise nach, denn es gab zwischen diesem Rum bis heute sehr viele gute Hampden, die man hätte kaufen können. Mein Dank geht noch einmal an Pietro für die einzigartige Gelegenheit dieses Stück Geschichte zu verkosten. Grazie Mille! 

Marco 

(86/100) 


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Welcome back to BAM!

After some rums from Fiji some variety is called for. Today we once again turn our attention to Jamaica. It is an old bottling, which was sold out before my time. It is the Cadenhead Dated Distillation Hampden Distllery HLCF 1992 13YO!

The Bottling:

This rum was gone at the beginning of my rum career in 2012. I only knew of him by hearsay. Flo seemed to love him. But at that time my interest and focus was not in Jamaica. However, this changed after we separated our ways. But this bottling was for a very long time not on my radar. True, I had a lot of rums to buy to close the gap in the Jamaica section of this blog but I knew no possible source. Only a sample of Pietro enabled me to taste this rum. I did make the review very recently and did not touch it before, even the sample is now a little while in my possession. But the situation has changed gravely between 2006 and 2017. We had a number of very good bottling distilled in 1993 and 1998, we even had a uniquely and unexpected chance to taste the vintage 1990 at a higher strength thanks to Duncan Taylor and we might get the same chance again, but not at such a cheaply rate at is was once the case. You might ask yourself now where am I getting with this. Let it put me this way: All these rums were at a very good or even on a high level of quality. They have raised the bar and expectation permanently after their release. Maybe it was raised too high for an old bottling such as this. This is the crux of making a proper rum review. How can I make a fair and critically evaluation of the quality, when I only have one or two rums of one distillery or the same style at my disposal. Technically you can still do it, but then you might embarrass yourself when you look back on the old review from a retrospective point of view in the future, after you've tasted a truly great or epic fail of the said style. It might look absurd. I've been spoiled by the previously published rums from Hampden too much. I openly admit that. The Habitation Velier Hampden Distillery 2010 6 YO even created big expectations in my book when it comes to older tropical rums made from this distillery. But we will have to wait until this happy event will eventually become reality. So if this said bottling from Cadenhead would have been my first rum before the vintages 1993 and 1998 I would possibly given him a higher rating. I am not sure about this, but the chance is there. This is also the reason why I am hesitating in reviewing some rums, even if I do have a sample on hand. I am lacking of rums to compare them quality-wise. Flo got this rum in the “proper order”. I experienced it after the aforementioned good vintages. Curiously the months are not mentioned on the label. So the resulting official age is the absolute resulting minimum that could be possible. Why did Cadenhead not mention the month of the bottling? The Mark HLCF on the label does tells us that the rum contains 500-700 mg of ester in one pure liter of alcohol (LAA - liter Absolute Alcohol). Let's start with the tasting. 

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Tasting Cadenhead Dated Distillation Hampden HLCF 1992 13YO:

Price: The original price was probably around 60 - 70. I do not know the current value among collectors and connoisseurs, but the sample itself is dear to me.

Age: As already mentioned the official age is 13 years.

ABV: The rum was bottled with a drinking strength of 66.2%abv.

Process of distillation: No secrets here. It was a pot still.

Color: Pale gold.

Viscosity: The rum flows in thick stripes back to the glass bottom.

Nose: Pineapple, herbs, nail polish remover, papayas and toffee are hovering above the glass. These aromas are joined by oak, leather and charcoal. After an hour in the glass the alcohol still slightly stings into the nose. No surprise if you bear the high strength in mind. Further away I recognize ester flavours, pineapple, papayas, medicine and a glue-like flavour. Some toffee. Deep in the glass the nose is getting bombarded with strong medicine, smoke, esters, pineapple, charcoal and papayas. Herbs. Anise and black tea in the background. Even sugar cane is in this mix. The anise is getting stronger over the time. A touch of cherries also floats in it. Sour cherries? Mangos? I'm hesitant to name some flavours because the rum is very compact. It gives me a hard time. However, it is still young and stormy, even after 13 years in the barrel. You can smell the immaturity. The nose does have a very weak sweetness but also a certain acidity. It smells sour.

Palate: Ester, glue-like flavours and the tastes of kirsch fills the mouth. At least it tastes briefly slightly after a Kirschwasser (aka Kirsch). Then the alcohol burns on the tongue and displaces some of the flavours. Slowly medicine and smoke emerge. The alcohol intensity decreases. Herbs, toffee and anise. The rum becomes noticeably milder in the mouth and the burning is fading out. The taste is changing. The medicine is weaker and the rum becomes increasingly herbal in taste. At the beginning it tastes slightly acidic on the palate. Cherries, smoke, herbs and still some medicine. The esters disappear. With the second sip esters, medicine and smoke. Now the immaturity is more present than before. A slight milky flavour is accompanying the burning. Cherries, pineapple, papaya, herbs and anise. Again first sour, then the rum converts towards the herbal flavor. The medicine and the acid are getting weaker. Charcoal? The fruits are fading out. Even more herbs, oak and toffee. In the third and last sip more medicine and smoke. The immaturity is now at maximum. But the overall picture is not changing. Again esters, cherries and herbs and then the change of the flavor profile toward the herbs.

Finish: Pineapple, papayas, toffee and leather. Then esters, briefly cherries and herbs. A touch of sugar cane and esters are dwelling very long on the palate. After the second sip pineapple, esters, cherries, herbs and this time anis. At the end herbs and esters. At the last sip pineapple (again), medicine, smoke and cherries. Herbs and aniseed at the end. The rum is slightly dry. I like that. 

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Conclusion: First of all: I have compared this rum with two other bottlings from 1992 and accordingly gave it the score you can see at the bottom of this review. The comparison candidates were the Silver Seal Jamaica Rum Distillery Hampden 1992 23YO and the Samaroli Jamaica Rum Distillery Hampden 1992 24YO with 54% vol. In addition, I have also compared this bottling with the two rums of TRC made in 1998. All rums have in my opinion the same style (Mark) and unfortunately I have to confess that the Cadenhead is weaker than both rums bottled by The Rum Cask. The rum is good, no question. However, you can still taste the youth (immaturity), which can be found in large quantities in the Rum Fire Velvet Overproof with 63% vol, which is not aged. Even after 13 years you can find these specific flavour compounds in this Cadenhead. Although it is not as brutal as it is the case with the Velvet, but it is still present. The rums bottled by TRC do not possess this shortcoming. However, one must also consider that there are many years distance bewteen these bottlings and a few more years have passed (in the barrel as well). However, I stand by my opinion that this rum is only ranked in the upper middle, even for an Hampden. I can understand the excitement that must have aroused after the release. At least partially. My point of view is not influenced by Romanticism. The rums were all tasted at (nearly) the same time side by side and not with many years distance between the tastings. This is one of the reasons why I put so much priority of having a large sample library. Memories are somewhat deceptive. One tends to the romantic glorification of events and impressions. A "real-time comparison" is more realistic and sometimes a bit sobering. I do not mourn the passing of this bottling because there were many good releases after this bottling. We had more than good replacements for this. My thanks goes again to Pietro for the unique opportunity to taste this little piece of history. Grazie Mille! 

Marco 

(86/100)

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