Dienstag, 5. März 2013

Duncan Taylor Enmore (Versailles) Distillery 1985 27YO

Heute folgt der zweite Treich.

Kommen wir zum 2. Rum des schottischen Abfüllers Duncan Taylor auf Barrel-Aged-Mind! Diesmal führt uns das heutige Review nach Guyana, einer ehemaligen britischen Kolonie. Eines der kolonialen Vermächtnisse waren die vielen Rum-Destillerien, welche unter anderem Rum für die Royal Navy herstellten.

Zum Abfüller: 

Duncan Taylor Enmore Distillery 27 YO
Duncan Taylor ist einer von zahlreichen schottischen Abfüllern, die sich nun auch im Rum-Sektor mit neuen Abfüllungen kräftig in den Markt mitmischen. Die bekanntesten waren bisher Berry Bros & Rudd, William Cadenhead Ltd und Murray McDavid Ltd.. Letzterer Abfüller war verantwortlich für die Renegade-Serie mit ihren beinahe schon berühmten Wein-Finishs. Leider konnte mich die Mehrheit dieser Rums nicht wirklich überzeugen. Aber das soll jetzt nicht das heutige Thema sein. Zu Duncan Taylor wurde ja nun schon einiges gesagt. Es ist auch bekannt, dass dieser UA (= unabhängige Abfüller) eine Menge an erlesenen Fässern (logisch samt Inhalt) besitzt. Ob die erst vor kurzem veröffentlichten Rums aus diesem Bestand kamen oder von einem anderen Lager zugekauft wurden, kann man nicht sagen. Über dieses Geschäft wird nämlich nicht gern geredet. Fakt ist jedoch das Duncan Taylor bisher seinem Ruf, nämlich außerordentlich gute Qualität abzuliefern, unter Beweis gestellt hat. Ich erwarte hier eigentlich auch schon den nächsten Kracher aus dieser Serie, was eigentlich dem Rum gegenüber nicht ganz fair ist, denn schließlich sollten wir ja sachlich und objektiv bleiben. Es fällt mir gerade nur ziemlich schwer, dieses Prinzip auch umzusetzen.


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Verkostung Duncan Taylor Enmore Distillery 27 YO:


Preis:Ich erstand meine Flasche für umgerechnet 164€ bei singlemaltsdirect.com. Zu diesem Zeitpunkt gab es auf dem Festland noch keinen Shop mit diesem Rum im Sortiment. Mittlerweile ist dieser Rum auch deutlich billiger in Deutschland aufgetaucht. Eine Bestellung im Ausland ist also mehr als überflüssig geworden.

Alter:Das offizielle Alter wird mit 27 Jahren angegeben. Der Rum wurde im September 1985 destilliert und abschließend im November 2012 abgefüllt. Ein erstaunliches Alter.

Alkoholstärke:Die angegebene Trinkstärke beträgt nur 52,5% vol., ist aber immer noch ansehnlich. Vermutlich ist dies aber nicht mehr die ursprüngliche Fassstärke. Natürlich habe ich aber keine Beweise für diese Vermutung. Aber sollte dies tatsächlich der Fall sein, dann ist dies in meinen Augen ein deutliches Zeichen für das Können und Geschick von Duncan Taylor.

Destillationsverfahren:Das angegebene Verfahren ist wieder eine Pot-Still. Die alte Enmore Distillery besaß neben ihrer Wooden Coffey Still auch die alte Single Wooden Pot Still aus der lange geschlossenen Versailles Distillery. Diese vermute ich auch als Quelle hinter diesem Rum.

Farbe:Wie ein heller Bernstein funkelt der Rum im Glas. Bedenkt man das hohe Alter der Abfüllung, dann kommt nur eine kontinentale Reifung hierfür in Frage.

Viskosität:Die Öligkeit hält sich im Rahmen und ist für das Alter mehr als in Ordnung. Dicke Schlieren fließen träge hinab zum Glasgrund. Vereinzelte Perlen bleiben dabei an der Glaswand haften.

Nase:Bäm! Eine wahre Flut von Kräuteraromen dringt in die Nase ein. Die Konzentration ist so stark, das ich nur schwer einzelne Aromen entdecken kann. Aus irgendeinen Grund fühle ich mich hier an den Duft frischer Bleistiftspäne erinnert. Aber da ist natürlich noch viel mehr. Er ist sehr komplex und kompakt. Ich entdecke schwache Fruchtaromen im Hintergrund (Orangen). Auch feine aber doch schwache Vanillearomen sind vorhanden. Zu den Kräutern (vielleicht Basilikum oder Thymian) gesellen sich Eichennoten. Diese kommen nicht vom Fass sondern von der Still selbst. Diese eichigen Aromen kenne ich bereits von anderen hölzernen Stills aus Guyana. Hier sind sie jedoch sehr extrem. Ein wahres Kunstwerk. Abgerundet wird diese gesamte Komposition mit einer dezenten Süße, die nicht zu aufdringlich ist. Mal sehen, wie der Rum sich am Gaumen schlägt.

Gaumen:Eine angenehme Süße versetzt mit herben Kräutern dominiert den Gaumen. Dieser Rum schmeckt fast genau so extrem und außerordentlich gut, wie er riecht! Ganz schwache Aromen von Zitrusfrüchten verweilen im Hintergrund, zusammen mit dezenter Fruchtigkeit, die ich nur schwer einordnen oder klassifizieren kann (eventuell Orange). Rums wie diese Abfüllung sind nur in Guyana zu finden. Der Alkohol macht sich mit einer leichten Priese Pfeffer und Muskatnuss bemerkbar. Mit 52,5% ist er erstaunlich mild und doch kraftvoll genug um den Gaumen mit seinen Aromen regelrecht zu verwöhnen. Beinahe die perfekte Balance zwischen Mainstream-Trinkstärke und der natürlichen Fassstärke. Hier waren in meinen Augen echte Kenner am Werk.

Abgang:Kurz blitzt Pfeffer und Muskatnuss auf. Gefolgt von einer etwas stärkeren Fruchtigkeit als zuvor am Gaumen oder in Nase. Diese ist wiederum mit einer leichten Spur Rauch verwoben. Begleitet wird das Ganze von herben Kräutern (Basilikum oder Thymian). Die Aromen verblassen mit der Zeit immer mehr, bis nur noch ein vager Hauch von herben Kräutern mit Rauch im Mund verbleibt. Grandios. Ich fühle mich hier voll und ganz an eine ganz bestimmte Abfüllung von Berry Bros & Rudd erinnert.

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Fazit: Wieder ein Kracher des schottischen Abfüllers Duncan Taylor! Die einzigen würdigen und bekannten Vertreter, die in dieselbe Kerbe schlagen, sind der Cadenhead Enmore Distillery VSG 15 YO auf rund 53% verdünnt und der Berry Bros & Rudd Finest Demerara 1985 Versailles Still. Wobei diese Abfüllung hier wie eine reifere und noch krasserer Variante des zuletzt genannten Rums wirkt. Zu beiden Rums wird es in der Zukunft noch gesonderte Reviews geben. Als meine Nase ins Glas eintauchte, fühlte ich mich fast in das Inneren der Single Wooden Pot Still versetzt. Bisher haben alle drei getesteten Rums die Essenz ihrer jeweiligen Destillerie perfekt eingefangen und konserviert. Ich kann nicht umhin und muss hiermit noch einmal Danke sagen, für diesen großartigen Rum aus Guyana. Bisher waren es drei außerordentliche Rums, die Ihresgleichen suchen. Wie die anderen Rums sich schlagen, wird eventuelle eine Flaschenteilung im Cocktails&Dreams-Forum zeigen. Dort werde ich mir einige Samples weiterer Rums von Duncan Taylor sichern, bevor ich mich hier zu einem Kauf entscheide. Es war schon ein kleines Risiko. Über diese Rums war absolut gar nichts bekannt, außer ihre Jahrgänge und damit potenzielle Vergleichskandidaten. Trotzdem war es ein Schuss ins Blaue für mich als ich diese Rums in Schottland zu höheren Preisen, als jetzt in Deutschland verfügbar sind, einkaufte. Aber ein bisschen Risiko und Abenteuerlust gehört nun einmal auch dazu. Für mich war es nämlich nicht selbstverständlich, dass diese Rums auch auf dem europäischem Festland aufschlagen würden. Jedem Liebhaber der Versailles Still kann ich diesem Rum nur ans Herz legen. Der einzige Wermutstropfen liegt im Preis. Bedenkt man aber diverse Abfüllungen von Samaroli und Velier, die allesamt eine ähnliche Qualität abliefern, dann relativiert sich das hier doch ganz schnell. Im Vergleich zu einigen tropisch gereiften Rums, ist diese Abfüllung hier ein wahrer Schatz. Aber natürlich muss wieder jeder Connaisseur für sich selbst entscheiden, wie viel Geld er bereit ist für einen Rum hinzublättern. Ich werde mir noch ein zweites Glas dieses kleinen Meisterwerks gönnen und wünsche ihnen hiermit noch einen genussvollen Tag.

Marco

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