Sonntag, 3. März 2013

Duncan Taylor West Indies Rum Distillery 1986 25YO

Hallo und einen schönen Sonntag!

Gegenstand des heutigen Reviews ist eine kleine Sensation aus Schottland. Es handelt sich, wer hätte das bei meinen Reviews auch gedacht, um einen Rum aus Barbados (offizielle Angabe: West Indies Distillery). Trotz der etwas fehlerhaften Angabe ist hier natürlich die alte Blackrock Distillery gemeint. Das Jahr seiner Herstellung deutet wiederum auf die gute alte Rockley-Brennblase hin. Diese vermute ich auch als Ursprungsquelle.


Zum Abfüller:

Duncan Taylor West Indies Rum Distillery 25 YO 1986
Diese Abfüllung der West Indies Rum Distillery (Blackrock) stammt von Duncan Taylor & Co. Ltd.. Duncan Taylor rühmt sich die größte private Sammlung seltenster schottischer Whiskys zu besitzen und diese auch in Fässern zu kaufen, um sie zu einem geeigneteren Zeitpunkt dann zu veröffentlichen. Die Ursprünge dieses Unternehmens liegen in Glasgow. Früher handelte die Firma sehr viel mit Fässern, welche reifen Whisky enthielten. Füllte aber selbst hauptsächlich nicht ab. Durch diese Firmengeschichte erklärt sich auch ein Teil des Bestandes der Sammlung. Als die Firma ihren Hauptsitz nach Huntly in Aberdeenshire verlegte, wurde der reine Handel mit Fässern aufgegeben und dagegen mit der Eigenvermarktung richtig durchgestartet. Dies ist meines Wissens nach die erste Rum-Abfüllung von Duncan Taylor. Zuvor haben schon andere namenhafte schottische Abfüller Rum in Flaschen abgefüllt. Blackadder, James MacArthur & Co. Ltd., Murray McDavid Ltd. (Renegade Serie), Berry Brothers & Rudd und natürlich auch noch William Cadenhead Ltd.. Diese kleine Aufzählung erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Einige dieser Abfüllungen durfte ich sogar einmal in meinem Leben verkosten. Ausgehend vom Ruf des Unternehmens könnte man nun einen Rum in sehr hoher Qualität erwarten. Aber wir wollen doch einmal sachlich und auf den Teppich bleiben.

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Verkostung Duncan Taylor West Indies Rum Distillery 25YO:

Preis:Ich erstand meine Flasche bei singlemaltsdirect.com für umgerechnet 111,50€ . Die ersten angepeilten Preise in Deutschland dürften auf jeden Fall darunter liegen. Zum Zeitpunkt meines Einkaufs gab es jedoch noch keine günstigere Quelle auf dem Festland.

Alter:Das offizielle Alter wird mit 25 Jahren angegeben. Der Rum wurde im Dezember 1986 destilliert und im November des vergangenen Jahres abgefüllt. Zum Zeitpunkt seiner Herstellung stand die alte Pot-Still der Rockley Distillery also schon bei Blackrock.

Alkoholstärke:Duncan Taylor gibt eine Trinkstärke von 52,7% an. Eigentlich habe ich selbst in diesem Alter eine höhere Fassstärke erwartet. Ich habe meine Zweifel, dass dieser Rum noch seine ganze Fassstärke besitzt, da fast alle Rums sich „im selben Bereich“ befinden. Lustigerweise sogar in dem Bereich, den ich als interessant zum Verdünnen von Rums in Fassstärke eingestuft habe. Fakt ist aber, dass ich keine Beweise hierfür habe und der Rum wirklich in Fassstärke vorliegen könnte. Wollen wir uns nicht einmal daran aufhängen und uns dem Rum selbst zuwenden.

Destillationsverfahren:Das angegebene Verfahren ist die gute alte Pot-Still. Blackrock besitzt hier zwar zwei, aber wie ich eingangs schon erwähnt habe, vermute ich hier einen Rum der alten Rockley Brennblase. Diese war also bereits schon 1986 bei Blackrock in Betrieb.

Farbe:Der Rum erstrahlt in einem satten Goldton. Fast wie klarer Berghonig in einem Glas.

Viskosität:Der Rum fließt träge hinab zum Glasgrund und benetzt mit vielen Perlen die Glaswand. Dies deutet auf eine angemessene Öligkeit hin. Was aber auch bei einem Rum in diesem Alter zu erwarten war.

Nase:Was für eine Nase! Mir fehlen fast die Worte. Ich rieche die typische Honig-Rauch-Note, die ich so sehr lieben und schätzen gelernt habe. Dazu gesellen sich starke Vanille und Süßholz hinzu. Außerdem noch reife Bananen und frisch geschnittene Mandeln. Alles in einem kompakten Paket, dass geradezu ihre Nase mit einem wahren Feuerwerk bombardiert. Die Süße ist schwach und hält sich in einem delikaten Rahmen. Auch Bienenwachs kann ich entdecken, aber eher im Hintergrund. Ich kann es kaum erwarten, dieses Meisterwerk am Gaumen zu verkosten.


Gaumen:Die geballte Rockley Note schlägt auf den Gaumen ein. Honig-Rauch satt. Das ist der bisher intensivste Rockley den ich erleben durfte. Dazu kommt wieder Vanille, diesmal schwächer, und eine Priese Pfeffer vom Alkohol. Dieser macht sich nicht negativ bemerkbar und brennt sich sanft auf die Zunge ein. Wieder reife Bananen. Auch hier wieder Bienenwachs zusammen mit leichten Spuren von Teer zu entdecken. Der Rum schmeckt zwar leider nicht ganz so wie intensiv wer in der Nase einschlug, ist jedoch immer noch sehr gut und besitzt eine außerordentliche Qualität. Auch Zuckerrohraromen blitzen vereinzelt am Gaumen auf. Einfach genial!

Abgang:Der fast schon typische Rockley-Abgang mit Honig-Rauch und einer Spur Teer und Lakritze. Langsam verblassen die Aromen und Bienenwachs mit Rauch kommen mehr zum Vorschein. Auch reife Bananen sind nun präsenter. Was für ein wahres Meisterwerk! Der Abgang ist lang und angenehm. Zwar kann er es nicht mit wahren Estermonstern aus Hampden aufnehmen, deren Abgang beinahe endlos ist, aber das heißt noch lange nicht, das er schwach ist!

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Fazit:Simply the best Rockley ever!! Zu diesem Fazit sehe ich mich gerade zu gedrängt. Dies ist der beste Rockley, den ich als Rum-Connaisseur erleben durfte. Und ich habe einige Rums in meiner Kollektion und weiß wovon ich rede. Selbst der alte und ehrfürchtige BRS 16 YO von Cadenhead kann hier nicht mithalten. Ihm fehlt die Reife und seine Vanillearomen sind weniger ausgeprägt. Der einzige würdige Gegenkandidat kommt von Berry Bros & Rudd. Aber selbst er verblasst im direkten Vergleich, da er einfach mit zu viel Wasser verdünnt wurde. Dieser Rockley stellt einen reiferen, krasseren und gewaltigeren Rum dar, als ihn BB&R zu seiner Zeit mit dem Rockley 21 YO veröffentlichte. Ich bin hin und weg. Mir bleibt an dieser Stelle nur noch eines zu sagen: Danke Duncan Taylor für dieses wahre Meisterwerk! Der Preis mag happig wirken. Aber ich bin allemal bereit ihn für diese Qualität auch zu zahlen, denn hier weiß ich was ich bekomme: Einen lupenreinen, reifen Rockley im hohen Alter, der jeden jüngeren Rum aus dieser Destillerie mit spielerischer Leichtigkeit vom Platz fegt. Alle anderen Rums dieser Insel haben nicht die geringste Chance. Hier ist der neue König meiner kleinen Sammlung aus Barbados. Ein potenzieller Nachfolger wird es sehr schwer haben und muss sich an ihm messen lassen. Ich erwarte auch so schnell keine neue Veröffentlichung aus der West Indies Rum Distillery (Blackrock). Falls sie das nötige Kleingeld haben und Rockley mögen, dann kann ich ihnen diesem Rum nur ans Herz legen. Der Rum dürfte in den nächsten Tagen oder Wochen auch in Deutschland aufschlagen oder bei einigen Händler schon zu finden sein. Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntagwährend ich mir noch ein zweites Glas dieses Meisterwerks genehmige. Zum Wohle!

Marco

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