Mittwoch, 9. Oktober 2013

Plantation Rum Guyana (Port Mourant Still) 1999 10 YO

Einen wunderschönen Tag

Heute kommt wieder ein Rum der Plantation Rum Reihe auf den Blog. Diesmal ist es ein Rum aus Guyana. Die Rede ist von Plantation Rum Guyana 1999 10 YO. Vielleicht ist diese Abfüllung besser als die bisher getesteten Rums dieser Serie?

Zur Abfüllung:

Der Rum soll aus einer Pot Still der Region Demerara stammen. Hierzu kommen nur ganze zwei infrage. Einmal die Versailles Single Wooden Pot Still und die Port Mourant Double Wooden Pot Still. Die Enmore Distillery schloss um 1993 bis 1995 ihre Pforten. Die Uitvlugt Distillery verschwand erst um 2000 herum. Das hieße, dass entweder dieser Batch schon von DDL stammt, wenn es sich um die Versailles Still handelt, oder noch aus der Uitvlugt Distillery selbst, wenn der Rum aus der Port Mourant Still stammt. Ich denke das werden wir nur durch ein Tasting eindeutig herausfinden können, auch wenn ich hiermit schon einmal auf die Port Mourant Still tippe. Zwei Rums aus dem Jahre 1999 von dort kenne ich nämlich. Bei der Versailles Still wäre dieser Jahrgang eine Premiere für mich. Zwar wird dies nirgends erwähnt, aber P. Ferrand ist bekannt für seine Finishs. Bei den schwarzen Single Cask Abfüllungen werden sie am Rande des Labels angegeben. Bei den gewöhnlichen Jahgangsabfüllungen ist auf den Labeln kein Hinweis darauf zu finden. Damit sind Finishs allerdings per se nicht ganz auszuschließen.

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Verkostung Plantation Rum Guyana (Port Mourant Still) 1999 10 YO:

Preis: Ich weiß gar nicht mehr wo und für wie viel ich den Rum gekauft habe. Die Weinquelle, eine der günstigsten Anbieter, hatte diesen Rum für knapp 35€ im Sortiment.

Alter: Auf der Homepage von P.Ferrand sind 10 Jahre Fassreife in Ex-Bourbon Fässern angegeben.

Alkoholstärke: Dieser Rum besitzt eine Trinkstärke von 45%vol.. Ein wenig ungewöhnlich in der normalen Serie.

Destillationsverfahren: Wie schon erwähnt wird eine Pot Still als Urheber dieses Rums auf der Website von P. Ferrand angegeben.

Farbe: Der Rum hat einen tiefen Bernsteinton. Dies soll nur von der Alterung in ehemaligen Boubon - Fässern innerhalb von 10 Jahren sein? In mir kommen langsam Zweifel auf.

Viskosität: Dicke Tropfen fließen an der Glaswand hinab zum Glasboden. Der Rum scheint also eine gewisse Öligkeit zu besitzen.

Nase: Mhmm... Das ist interessant. Eine Mischung aus... Weinaromen und den mir bekannten und geschätzten Port Mourant Anisaromen dominiert im Glas. Aber eine Einzelfassabfüllung aus der Double Wooden Pot Still ohne Finish riecht eindeutig anders. Dies kann ich mittlerweile doch eindeutig sagen. Man riecht noch die typische leichte Rauchigkeit eines jungen Rums aus dieser Still. Die Geruchsgrenzen sind aber leider sehr verwaschen. Das schreit geradezu nach einem Finish. Ob es Cognac oder Sherry war, dass kann ich noch nicht bestimmen.


Gaumen: Verhaltene Port Mourant Anisaromen mit leichter Rauchigkeit und wenig Frucht sind der erste Eindruck. Wieder sind die Grenzen der einzelnen Nuancen sehr verwaschen. Ich vermute, dass der Rum ein Finish in ehemaligen Cognac Fässern erhielt. Die Süße ist auch leider etwas intensiver, als ich es von typischen Port Mourant Rums gewöhnt bin. Das Geschmacksprofil ist in meinen Augen verunstaltet worden. Das Finish hat dem Rum mehr geschadet, als es ihm genutzt hat. Ich schmecke zum Beispiel mehr dunkle Gewürze als Anisaromen oder Frucht.

Abgang: Dunkle Gewürze mit Rauch und sehr sehr schwachen Anisaromen. Der Abgang ist leider sehr unspektakulär. Am Ende verbleibt ein Hauch von herben Aromen am Gaumen. Ich bin ein wenig enttäuscht.

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Fazit: Kein mieser, aber auch leider kein wirklich guter Rum. Die Nase erinnerte mich an einen anderen Rum aus dieser hölzernen Still. Und zwar an den A. D. Rattray Port Mourant 10 YO von 1999. Ich denke man kann guten Gewissens annehmen, dass beide Rums aus demselben Batch stammen. Der Rum von A. D. Rattray hatte jedoch wesentlich mehr Frucht zu bieten und hatte diese komischen Weinaromen nicht. Auch war der Gaumen wesentlich besser und auch aussagekräftiger. Für mich hat das nicht offiziell erwähnte Finish den Rum gekillt. Es hat ihn seiner typischen Aromen fast beraubt und sie deutlich reduziert. Ein solches Finish klappt nun einmal nicht mit jedem Rum oder anders ausgedrückt: Es gefällt nicht jedem Connaisseur. Schon gar nicht dann, wenn man den Ursprungsrum kennt und ihn mit dem Ausgangsprodukt auch vergleichen kann. Aber gerade diese typischen Aromen von Port Mourant waren wohl etwas zu intensiv. Andernfalls kann ich mir dieses "Niederwalzen" dieser Aromen durch das Finish nicht erklären. Gerade einem Liebhaber dieser hölzernen Still wir mir blutet das Herz, wenn er diesen Rum im Glas hatte. Hier hat wieder einmal das eiserne Marktprinzip „Die Nachfrage regelt das Angebot“ einen weiteren Rum hervorgebracht, den ich nicht empfehlen werde. Das mag nun wie immer sehr hart klingen. Aber ich kenne Port Mourant und liebe Rums aus dieser Still. Und gerade deswegen kann und werde ich diese veredelteVariante nicht empfehlen. Wenn sie es sich leisten können, werte Leser, dann legen sie etwas mehr Geld drauf und holen sich noch den einen oder anderen verfügbaren Rum von Bristol. Als Beispiel sei hier der Bristol Classic Rum Port Mourant 1999 10 YO von 2010 erwähnt. Dieser hat zwar auch ein Finish erhalten, genauer gesagt ein Portwein Finish, schmeckt aber um Längen viel besser als diese Abfüllung von P. Ferrand. Das Finish dort ist wesentlich besser im Rum eingebunden und hatte auch keinen zu starken Einfluss auf den Rum. Auch ein Portwein-Finish bei einem 18 jährigen Rum der Versailles Still konnte mich überzeugen. Es klappt halt nicht jede Kombination. Wobei das aber auch eine ganz persönliche Geschmackssache ist. Mir gefällt die Kombination Cognac und Rum nicht ganz, wenn es denn wirklich ein Cognac-Finish auch war. Zumindest funktioniert sie hier nicht wirklich gut. Aber wie immer müsst ihr selber entscheiden, in was ihr euer Geld investiert. ;) 
Ich wünsche Euch allen noch einen schönen Tag!

Marco

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