Sonntag, 6. Oktober 2013

Pellegrini Barbajos Blackrock (Rockley Still) 2000 10 YO

Servus!

Heute widmen wir unsere Aufmerksamkeit einem wahren Underdog der unabhängigen Abfüller. Die einzige Möglichkeit an Flaschen dieses Abfüllers zu gelangen, ist eine Bestellung oder Einkaufstour in Italien. Die ausgewählte Destillerie ist die unter den Einheimischen und Kennern bekannte Blackrock Distillery auf Barbados. Ihren Spitznamen verdankt sie ihrem Standort.

Zum Abfüller:

Der italienische Abfüller Pelligrini S.p.A. ist für diese Abfüllung verantwortlich. Sie kennen diesen unabhängigen Abfüller nicht? Keine Sorge: In Deutschland ist die Serie nur wenig bis gar nicht bekannt. Zumindest nur den Leuten, die auch bereit sind Pionierarbeit für die Rum-Gemeinschaft zu leisten. D.h. man muss gelegentlich auch schon einmal ein kleines Risiko in Kauf nehmen. Die Gefahr von Abfüllungen mit geringer Qualität ist immer gegeben. Das Unternehmen wurde 1904 von Pietro Pellegrini gegründet. Der Hauptsitz befindet sich in Cisano Bergamasco, in der Lombardei im Norden Italiens. Das Firmenzeichen PPC geht auf den Gründer und diese Stadt zurück (PPC – Pietro Pellegrini Cisano). Das Unternehmen ist hauptsächlich für den Vertrieb von italienischen Weinen und Spirituosen bekannt. Die Firma hat in Sachen Rum einige kleine Serien auf dem italienischen Markt veröffentlicht. Dazu gehören unter anderem Mabaruma, Barbajos und Barangài. Neben Velier und Moon Import, dem Miteigentümer von Samaroli seit 2008, ist Pellegrini der vierte mir bekannte unabhängige Abfüller Italiens. Flo hatte bereits einen Hampden der Mabaruma-Serie auf seinem alten Blog vorgestellt. Nun ist einmal Barbados an der Reihe. Die vorliegende Flasche hat die Nummer 100 von 360 weltweit. Also eine limitierte Single Cask Edition.

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Verkostung Pellegrini Barbajos Blackrock (Rockley Still) 2000 10 YO:

Preis: Ich kaufte diese Flasche für 67€ bei rumshop.it. Mittlerweile ist er aber so gut wie ausverkauft und bei Pellegrini nicht mehr zu bekommen. Das machte diesen Rum sehr interessant für mich. Warum war er so schnell ausverkauft? Und warum fand man praktisch nichts über ihn im Internet?

Alter: Das offizielle Alter des Rums wird mit 10 Jahren angegeben. Also das beginnende Mittelfeld gealterter Rums in meinen Augen.

Alkoholstärke: Pellegrini wählte eine Trinkstärke von 46% vol.. Vielleicht orientierte sich das Unternehmen hier an andere unabhängige Abfüller, denn diese Trinkstärke ist nicht ganz ungewöhnlich. Abfüllungen in Fassstärke sind nun einmal nicht die Stärke eines jeden Abfüllers. Derlei Gründe mag es viele geben.

Destillationsverfahren: Das offizielle angegebene Destillationsverfahren ist eine Pot-Still. Davon gibt es mindestens zwei bei der Blackrock Distillery. Ich wage hier einmal keine Aussage.

Farbe: Der Rum schimmert in einem leichten Goldton im Glas. Für 10 Jahre ist die Farbe in meinen Augen völlig normal und spricht für eine normale Interaktion zwischen Fass und Inhalt. Zumindest wenn man eine kontinentale Reifung in Betracht zieht. Bei einer tropischen Reifung läge der Fall etwas anders.

Viskosität: Man merkt das junge Alter. Der Rum schmiegt sich zwar ans Glas, fließt jedoch auch wieder relativ schnell zurück zum Glasboden. Die Textur ist trotz des jungen Alters leicht ölig.

Nase: Der Rum ist schwach esterhaltig mit viel Frucht. Banane, Apfel und Birne lassen sich erkennen. Je nachdem wie tief die Nase ins Glas eindringt. Der Geruch ähnelt zuerst ganz entfernt dem des Rockley 1986 von BB&R. Auch Nuancen von Vanille lassen sich entdecken. Typisch für amerikanische Weißeiche. Dazu kommen noch Spuren von Rauch. Doch der dominanteste Geruch im Glas stammt von einer mir sehr gut bekannten Still. Frische Honigaromen der ehemaligen Rockley Still umschmeicheln meine Nase. Was für eine Überraschung! Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet.


Gaumen: Weniger Fruchtaromen als in der Nase, was jedoch aufgrund des geringen Alters nicht überrascht. Dieser Rum hat Potenzial zu mehr gehabt. Begleitet wird die Frucht von der typischen Rockley-Note. Wunderschöne Honigaromen durchziehen das gesamte Geschmacksprofil. Der Honig ist verwoben mit Rauch und leichten Pfefferaromen. Die Süße ist fast gar nicht vorhanden. Dies ist ein außerordentlich junger Rum, der jedoch seine Qualitäten aufblitzen lässt. Verstehen sie mich nicht falsch. Er ist jung und frisch, aber dennoch zu keinem Zeitpunkt alkoholisch scharf oder zu unreif. Mit ein paar Jahren zusätzlich im Fass wäre er sogar noch besser geworden. Es gab aber auch schon Rums, da schmeckte ich das glatte Gegenteil.


Abgang: Den Anfang bilden Honigaromen und Teer, vermischt mit Nuancen von schwacher Lakritze. Der Abgang ist zuerst warm, dann langsam abebbend. Wieder angenehme und dezente Raucharomen. Das Finish enthält auch Frucht. Aber leider nicht mehr so stark wie in der Nase.

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Fazit: Wieder einmal ein Rum aus der alten Rockley Still, der jedoch keinen Hinweis davon auf seinem Label besitzt. Ist das jetzt schlimm? Nein. Rums aus dem Jahre 2000 von Blackrock sind in meinen Augen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der alten Rockley Still. Eine Garantie gibt es hierfür aber nicht, was ich auch eingangs mit der gewissen Unsicherheit bezüglich der Qualität schon gesagt habe. Mir ist nun auf jeden Fall klar, warum der Barbajos Barbados 2000 10 YO vor dem Barbajos Barbados 1996 11YO ausverkauft war. Der 1996er ist zwar solide, aber bei weitem nicht annähernd so gut wie diese Abfüllung. Der 2000er ist die flüssig gewordene Geschichte des Landes unter einem neuen Namen. Wie bereits erwähnt, ist der Rum mit seinen 10 Jahren noch sehr jung und ungestüm, lässt jedoch schon die Qualitäten eines gereiften Vertreters seiner Zunft aus alten Tagen erkennen. Damit war er auch bis vor einem Jahr der jüngste Rockley in meiner Sammlung, bevor er vom Moon Import West Indies Distillery 2000 7 YO verdrängt wurde. Wenn man denn eigentlich von einem Rockley sprechen kann. Eigentlich müsste man von einem Blackrock sprechen. Aber um Verwirrungen zu vermeiden, werde ich doch auf diese altehrwürdige Still verweisen. Ich bedauere es, nur eine Flasche dieses kostbaren Rums zu besitzen. Aber eine ist immerhin besser als gar keine und im Moment gibt es dank TheRumCask und anderen Abfüllern noch käufliche Alternativen. Ich wünsche Euch allen noch einen schönen Sonntag! 

Marco

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