Sonntag, 27. Juli 2014

BB&R Demerara Rum Port Mourant Islay Cask 1992 15 YO

(the English part is just below, just skip the German part) 


Willkommen auf BAM!

Heute ist ein Rum an der Reihe, der eigentlich schon vom Markt verschwunden ist. Es ist ein Rum vom englischen Abfüller Berry, Bros & Rudd. Allerdings ist dies keine gewöhnliche Abfüllung. Dieser Rum hat ein besonderes Finish erhalten. Es handelt sich um den BB&R Demerara Rum Port Mourant Islay Cask 1992 15 YO.

Zur Abfüllung:

Im Jahre 2007 veröffentlichte Berry, Bros & Rudd einige sehr gute Rums. Hierzu gehörte ein Rum aus Barbados, einen Jamaikaner und vier Demeraras. Zu den Demeraras gehörten zwei Rums aus der Versailles Still (einmal unter dem Label Enmore und einmal mit der Angabe Versailles Still) und zwei Rums aus der Port Mourant Still. Bei den Letzteren stammte einer der Rums aus dem Jahrgang 1975 und ist nur noch zu utopischen Preisen zu ersteigern. Der zweite Rum kam aus dem Jahrgang 1992 und hatte ein Finish in einem ehemaligen Islay-Cask. Letzterer ist die heutige Abfüllung. Rückblickend betrachtet waren alles hochkarätige Rums, von denen wie gesagt, nur noch einige zu kaufen sind und die Preise sind wiederum sehr hoch anzusiedeln. Gerade die beginnende Beliebtheit nach alten und gefärbten Rums von 1973, 1974 und 1975 wird wohl noch zu weiteren Preisschüben führen. Aber langsam aber sicher werden diese alten Jahrgänge gänzlich verschwinden. Der Jahrgang 1992 ist mir nicht ganz unbekannt. Auch der Abfüller Blackadder hatte einen Port Mourant mit Islay Finish aus diesem Batch abgefüllt. Auch Cadenhead hatte schon einige Rums aus Port Mourant mit einem Laphroaig- und einem Springbank-Finish abgefüllt. Die Farbe des Rums ist strohgelb. Dies verheißt einen unreifen Port Mourant. Dies wiederum bedeutet einen rauchigen (ja Rauch) Rum. Ich bezweifle das dies mit einem Islay-Cask-Finish groß ins Gewicht fallen wird, da Whiskys von dieser Insel zu den rauchigsten und torfigsten überhaupt zählen. So gesehen war dieser Rum wohl auch nie nur für reine Rum-Connaisseure gedacht, sondern war wohl eher etwas besonderes für Whisky-Liebhaber. Alle diese Rums waren wohl vermutlich fast die gesamte Zeit in diesen Whiskyfässern. Auch bei dieser Abfüllung vermute ich den Hauptanteil der Reifezeit in diesem Whiskyfass. Dies würde für mich auch die blasse Farbe erklären. Das Fass war wohl schon ausgelutscht und zu oft verwendet worden. Aber wir wollen einmal nicht voreilig urteilen, auch wenn der TWA Uitvlugt 1998 14 YO einen vergleichbar selben Reifemangel besaß.

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Verkostung BB&R Demerara Rum Port Mourant Islay Cask 1992 15 YO:

Preis: Mein Sample bekam ich von Noge aus der Rum-Community. Der Rum selbst kam vermutlich ursprünglich zwischen 60-70€ auf den Markt.

Alter: Das offizielle Alter beträgt 15 Jahre. Der Rum wurde in Uitvlugt (dort stand zu diesem Zeitpunkt die P.M.-Vat-Still) im Jahre 1992 destilliert und 2007 von BB&R abgefüllt.

Alkoholstärke: Keine große Überraschung hier. Der Rum hat die Standard-Trinkstärke von 46%vol..

Destillationsverfahren: Die offizielle Angabe sagt Pot Still. Hiermit ist allerdings die Double Vat Still gemeint, welche aus der alten Port Mourant Distillery stammt. Diese Destillerie gibt es schon seit 1955 nicht mehr. Alles was von ihr blieb war diese Brennblase.

Farbe: Der Rum erstrahlt in einem hellen Goldton. Für 15 Jahre ist dies sehr hell.

Viskosität: Der Rum fließt schnell zurück zum Glasboden und bildet viele dünne Schlieren. Dabei bleiben viele Perlen an der Glaswand haften. Die Öligkeit ist gefühlt ein bisschen wenig für 15 Jahre Fassreife.

Nase: Die Nase beginnt mit starker Fruchtigkeit. Ich rieche Mangos, reife Papayas und noch viele andere exotische Früchte. Die Süße ist angenehm aber nicht zu intensiv. Die typischen Port Mourant Anis- und Holzaromen sind deutlich im Glas vorhanden. Auch eine Spur Leder und Gewürze kann ich riechen. Da ist noch viel mehr im Hintergrund versteckt. Leider kann ich es nicht genau einordnen. Dazu gesellen sich die für mich typischen Raucharomen einey unreifen Port Mourants. Hier allerdings rieche ich auch noch Torf. Islay lässt grüßen. Das könnte eine Torfgranate sein.


Gaumen: Wtf?! Zuerst schmecke ich ganz kurz eine wunderbare Fruchtigkeit, die jedoch locker von starken Raucharomen beiseite geschoben werden. Dieser Rum schmeckt fast wie ein verräucherter Abend in einer kleinen Stadtkneipe. Jene Art von Kneipen, in denen man vor dem Nichtraucherschutzgesetz die Luft fast schneiden, bzw. auch durchaus kauen konnte. Ich schmecke Holzkohle und beißenden Rauch. Auch Torf ist in dem Rum enthalten. Er begleitet geradezu alle anderen Aromen. Ist das noch ein Rum? Technisch gesehen ja. Nur eine minimale Restsüße vom Bourbon-Fass, die fast nicht gegen diese dominanten Whisky-Aromen ankommt erinnert noch daran, das es sich hier um einen Rum handelt, welcher in einem Ex-Islay-Cask lagerte und nicht ein Whisky mit einem Rum-Cask-Fnish ist. Die Kombination ist gut gelungen. Allerdings fehlen mir hier die Fassaromen.

Abgang: Wieder beißender Rauch und Holzkohle. Nur ganz kurz und sehr schwach schmecke ich für einen Sekundenbruchteil Anisaromen der Port Mourant Still. Der dominante und beißende Rauch bleibt sehr lange am Gaumen erhalten und wird noch mit einem Schuss Holzkohle bereichert. Auch Torf begleitet diese Aromen Der Abgang ist lang. 

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BB&R PM 1992
Quelle: masterofmalt.com
Fazit: Ein ganz außergewöhnlicher Rum. Seit der Finest Spirits bin ich auch ein Fan von nicht zu extremen Whiskys geworden. Schuld daran ist auch Doug McIvor. Dieses Sample bekam ich weit davor. Bei meinem ersten Tasting gefiel mir der Rum überhaupt nicht. Als ich nach der Finest Spirits 2014 ich ihm eine zweite Chance gab, gefiel er mir ganz gut. Der Hauptkritikpunkt jedoch bleibt bestehen: Das Fass war einfach schon zu inaktiv. Ich weiß allerdings, dass viele Whisky-Experten zu viel frische Weißeiche nicht mögen. Das mag vielleicht bei Whisky funktionieren. Bei vielen Rums funktioniert das nicht. Zu unreif entwickeln einige Rum-Stile nicht ihr volles Potenzial und enden als Alkohol mit ein bisschen Geschmack. Ganz so wie der TWA Uitvlugt 1998 14 YO, der gefühlte 2-4 Jahre Fassreife am Gaumen besaß. Der Alkohol mag seine Schärfe durch die Lagerung verloren haben, dafür war die Fassreife nur in geringen Mengen vorhanden. Ihnen fehlt einfach Komplexität. Bei diesem Rum ist dies zwar auch der Fall, aber hier fällt es nicht so sehr dramatisch ins Gewicht, da dieser Rum-Stil mit mittleren Körper dies noch eher verträgt als ein leichtes Destillat. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Dieser Rum war 60-70€ durchaus wert, allerdings durch das spezielle Fass wohl nur für eine bestimmte Käuferschicht zugeschnitten. Warum es bei diesen wenigen Abfüllungen verblieb, in denen man Rum mit Whisky-Fässern veredelte ist mir nicht ganz ersichtlich. Während der Berrys schon länger etwas knapp war, gab es noch bei einigen Shops die sehr blassen Rums von Cadenheads mit den oben genannten Whisky-Fässern. Diese lagen gefühlt etwas länger bei den Händlern. Anscheinend war das Konzept nicht interessant genug, denn weder Cadenhead noch Berry, Bros & Rudd wiederholten dieses Experiment.

Nach dem zweiten Tasting mochte ich diesen Rum. Der Whisky-Einfluss war nicht zu dominant, ist aber aufgrund der Herkunft des Fasses für viele Rumtrinker wohl nicht geeignet. Whisky-Liebhaber wären hier im 7. Himmel gewesen. Für mich jedenfalls war diese Abfüllung eine Horizonterweiterung. Auch wenn er für 15 Jahre etwas unreif ist, wäre er das Geld wert gewesen. Im Gegensatz hierzu mag ich den TRC Panama 8 YO nicht wirklich. Bei dieser Abfüllung schmeckte ich gefühlt gar keinen Rum. Witzig ist vor allem, dass das Finish nicht erwähnt wird. Wie sehen sie das, werte Leser? Sollten einige Unabhängige Abfüller weiter solche Rum-Exemplare abfüllen, wie dies u.a. jüngst auch TRC und das Brühler Whiskyhaus getan haben, oder sollten sie dies lieber bleiben lassen? Ich wünsche Euch allen noch einen schönen Sonntag! 

Marco 


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Welcome on BAM, dear readers.

Today a rum will be reviewed, which has actually already disappeared from the market. It is a rum from the British bottler Berry Bros & Rudd. However, this is not an ordinary bottling. This rum has received a special finish. It is the BB&R Demerara Rum Port Mourant Islay Cask 1992 15 YO.

The Bottling:

In 2007 Berry Bros & Rudd released some very good rums. This included a rum from Barbados, Jamaica and four Demeraras. The Demeraras included two rums from the Versailles Still (once under the label of Enmore and once with the indication of Versailles Still) and two rum from the Port Mourant Still. One of the latter ones was a rums from the vinatage 1975 and is only available at utopian prices. The second rum came from the Year 1992 and had a finishing or maturation in an Ex-Islay Cask. This one is today's bottling. In retrospect, were all top-class rums, of which as I said, only a few are still available and the prices are very high. The increasing popularity in old and coloured rums of 1973, 1974 and 1975 will most likely generate further price increases. But slowly but surely these old vintages will entirely disappear. The 1992 vintage is not entirely unknown to me. The independent bottler Blackadder had a Port Mourant bottled with an Islay-Finish from this batch. Cadenhead also had some bottled rum from Port Mourant with a Laphroaig- and Springbank finish. The color of the rum is golden. This bodes an immature Port Mourant. This in turn means a smoky (yes smoky) rum. I doubt that this will come into play with a big Islay-Cask Finish, since whiskys from that island tend to be the smokiest and peatiest of all. I think this rum was probably never meant for rum connoisseurs, but was rather a special for whisky lovers. All these rums were probably almost all the time of the maturation process in the spefific whisky barrel. I so also suspect the majority of the maturation period of this bottling was also in the whisky barrel. This would also explain the pale colour for me. The barrel was probably already “sucked dry” and has been used too often. But we do not want to prematurely judge this bottling before the tasting. Even if the TWA Uitvlugt 1998 14 YO had a comparable lack of maturity and had the same colour.

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Tasting BB&R Demerara Rum Port Mourant Islay Cask 1992 15 YO:

Price: I got my sample in exchange from a fellow rum connoisseur named Egon. The rum itself probably came for originally between 50-65 € on the market.

Age: The official age is 15 years. The rum was distilled in Uitvlugt (there was at that time the PM Vat Still) in 1992 and bottled by BB&R in 2007.

ABV: No big surprise here. The rum has the standard drinking strength of 46%abv.

Process of distillation: The official statement says it was pot still. However, it was meant the Double Vat Still from the old Port Mourant Distillery. This distillery has been closed since 1955. All that remained of her was this double wooden pot still.

Colour: The rum shines in a light golden color. This is very bright for 15 years in a barrel.

Viscosity: The rum flows gently to the glass bottom. Many beads remain on the glass wall. The oiliness is felt a little bit less for 15 years maturity in wood.

Nose: The nose starts with a strong fruitiness. I smell mangoes, mature papayas and many other exotic fruits. The sweetness is pleasant but not too intense. The typical Port Mourant anise and oak are clearly present in the nose. I can smell even a hints of leather and spices. There is much more hidden in the background. Unfortunately, I can not quite name it exactly. They are joined by the for me typical smoke flavorings of a immature Port Mourant. Here, however, I smell even peat. Greetings from Islay. This could be a peat-grenade.

Palate: Wtf ?! First, I do not taste very briefly a wonderful fruitiness, but it pushed away by heavy smoke flavours. This rum tastes almost like a evening in a smoky small town pub. The kind of pubs where you cut almost the air with a knife prior the Non smoking Protection Act or you were able to hew the air thoroughly. I taste charcoal and acrid smoke. Peat is included in the profile. It accompanies almost all other flavours. Is this still a rum? Technically yes. Only a minimal residual sweetness from the bourbon barrels and some other nuances are fighting these dominant whisky flavors and are still remembering you that this is a rum, which was stored in an ex-Islay-Cask and not a whisky with a Rum Cask-Finish. The combination is good. However, it is lacking of certain barrel flavours.

Finish: Again acrid smoke and charcoal. Only very short and very weak I taste for a split second aniseed aromas of the Port Mourant Still. The dominant and acrid smoke remains a very long time on the palate and is further enriched with a dash of charcoal. Peat accompanied these aromas The finish is long. 

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BB&R PM 1992
Source: masterofmalt.com
Conclusion: A quite exceptional rum. Since the Finest Spirits I've become a fan of not extreme whiskys. This sample I got far before this fair. On my first tasting I did not like the rum. In 2014, when I gave him a second chance after the Finest Spirits, I liked it quite well. The main criticism, however, remains: The barrel was just too inactive. I do know that many whisky experts do not like too much fresh white oak. That might work for whisky. In many rums, it does sadly not work imho. Too immature some rum styles do not develop their full potential and end up as alcohol with little taste. Just like the TWA Uitvlugt 1998 14 YO. The alcohol may have lost its sharpness due to the storage, but the barrel maturation was presented only in small amounts. They simply lack of complexity. In this rum this is indeed the case, but here it was not so dramatically significant since this rum style has a medium body. It does tolerate this more than a rum with a lighter body. But tastes are known to be different. This rum was well worth 50-65 €, but probably due to the special barrel it was only “designed” for a certain group of buyers. Why were so little barrels of this experiment? I can't answer that. But it feels like an experiment. Most old Berrys are scarce, but this one was still available for quite some time. There were still some shops that had a vew very pale rums from Cadenheads with the above-mentioned whisky-barrel-finish. These were a bit longer available. Apparently, the concept was not interesting enough, because neither Cadenhead or Berry Bros & Rudd have repeated this experiment. 

After the second tasting I liked this rum. The whisky influence was not dominant, but is due to the origin of the barrel for many Rum drinker probably not suitable. Whisky connoisseurs would have been in 7th heaven. For me at least this bottling was a broadening of my horizon. Even if the rum is a little immature for 15 years, it would have been worth the money. In contrast, I do not really like the TRC Panama 8 YO. In this bottling I tasted almost no rum at all. Funny too is that the finish is not mentioned anywhere on the label. What is your opinion dear reader? Should some independent bottlers continue to bottle such rum specimens, like TRC and the Brühlerwhiskeyhaus, or should they drop this experiment forever? I wish you all a good Sunday!

Marco

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