Sonntag, 14. April 2013

Renegade Barbados 6 YO vs Plantation Barbados 5 YO

Hallo zum heutigen Rumvergleich!

Ich habe mir einmal zwei Fliegengewichte aus Barbados vorgenommen, die vielleicht für den einen oder anderen Leser als Daily Dram geeignet sind. Wer dieses Wort allerdings wörtlich nimmt, der sollte mal ernsthaft einen Gangzum Arzt oder einem Suchtberater seiner Wahl in Erwägung ziehen. ;) Ich werde also versuchen den am besten geeigneten Einsteiger unter den beiden Abfüllungen versuchen zu ermitteln. Wer allerdings schon einige Erfahrungen hat, der sollte gleich zu den im Fazit erwähnten Rums greifen und diese beiden Rums überspringen.

Zu den Abfüllungen:

Plantation Barbados 5 YO Singlecask
Der erste Rum ist eine Einzelfassabfüllung von Plantation. Im Grunde ist es der Barbados Grande Reserve 5YO mit einigen Monaten Reifezeit in ehemaligen Pineau Des Charentes-Fässern. Hierbei handelt es sich um ein alkoholisches Getränk, bestehend aus unfermentierten Traubenmost und Eau de vie de Cognac (der Ausgangsstoff für Cognac). Eine solche Kombination ist im Rum-Geschäft höchst unorthodox, aber bezeichnend für P. Ferrand. Der Rum kommt damit auf ganze drei (!) Fässer, in denen er verweilen durfte. Ehemalige Bourbon-Fässer aus amerikanischer Weißeiche, alte ehemalige Cognac-Fässer (für die Reifung des Grande Reserve typisch) und eben die erwähnten Fässer des Pineau Des Charentes. Ich erwarte hier eigentlich keinen eindeutigen Rum aus Barbados mehr. P. Ferrand macht zur Destillerie keine Angabe. Es kann sich also auch um ein Destillat aus der Foursquare Distillery handeln, oder um die ältere Pot-Still (nicht die Rockley Still) aus Blackrock. Column-Stills besitzen beide Brennereien. Welche Brennerei hier also der Urheber ist, wird wohl im Dunkeln bleiben. Das soll uns jetzt aber vordergründig erst einmal nicht weiter stören.

Renegade Foursuqare 6 YO
Der Zweite Rum im Bunde ist der Renegade Barbados 6YO aus der Foursquare Distillery. Dieser Rum reifte in nur zwei Fassarten. Nämlich die typischen amerikanischen Weißeichenfässer und drei Monate in ehemaligen Vin Doux Naturel Banyul Fässern. Da diese Abfüllung auf ganze 3870 Flaschen kommt, kann man hier eigentlich schon gar nicht mehr von einer Einzelfassabfüllung reden, sondern von einem Jahrgangsrum, welcher sich aus einigen Fässern des selben Batches zusammensetzt. Anhand der Zahl schätze ich einmal, dass es bis zu 14 Fässer gewesen sein könnten. Für gewöhnlich wird der Inhalt einer Jahrgangsabfüllung zusammen vermischt, um keine zu großen Geschmacksunterschiede in den einzelnen Flaschen zu bekommen. Aber ob dies auch hier so praktiziert wurde, dass kann man nur vermuten. Fakt aber ist, dass der Rum in ein oder mehrere Weinfässer zum „Finishen“ kam, bevor er abgefüllt wurde. Ähnlich dem süßen Traubenmost im Pineau Des Charentes vermute ich hier einen leicht gesüßten Rum. Schließlich ist ein Banyul ein süßer Dessertwein. Wollen wir doch einmal sehen, ob ihm das Finish gut getan hat.

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Verkostung Renegade Barbados 6Y0 Banyul Finish & Plantation Barbados 5 YO Pineau Des Charentes Finish:



Preis:Den Renegade erstand ich in meiner Anfangszeit für 38,75€ bei Barfish.de. Das ist also schon eine kleine Weile her. Den Plantation kaufte ich für umgerechnet 46,80€ bei thewhiskyexchange.com. Beide Rums ohne Versandspesen.

Alter:Das offizielle Alter des Renegade wird mit 6 Jahren angegeben. Das jahr der Herstellung ist 2000. Der Plantation wird mit schlichten 5 Jahren ausgezeichnet und es ist kein Jahrgang angegeben. Es bleibt einem also der eigenen Fantasie überlassen, aus welchen Jahr er stammt.

Alkoholstärke:Der Renegade kommt mit typischen 46% vol. daher. Der Plantation hat mal gerade noch 40% vol.. Er dürfte als wesentlich geschmeidiger sein, trotz seines jungen Alters. Zugegeben der Renegade ist gerade einmal einen Zähler älter, aber bei 46%vol. könnte da schon ein wenige mehr die Jugendlichkeitzum Vorschein kommen. 6 Jahre sind ja schließlich nicht viel. Lassen wir uns überraschen.

Destillationsverfahren:Beide Rums sind ein "Blend" aus Pot- und Column-Still. Diese Kombinationen gibt es tatsächlich in der Blackrock Distillery und in der Foursquare Distillery. Dort fungiert eine Pot Still als Wash Still und eine Column Still als Spirit Still. Im Falle der Blackrock Distillery gibt es diese Kombination sogar zweimal hintereinander. Ob dies tatsächlich so ist, wird man leider nicht mehr ganz nachvollziehen können, da ich durch die Finishs nur noch verwaschene Geschmacksgrenzen erwarte. Ich werde also auf dieses Thema nicht näher eingehen.

Farbe:Der Plantation hat einen satten Goldton und glänzt wie ein heller Bernstein im Glas. Der Renegade ist im Vergleich dazu etwas heller, hat also einen leichten Goldton.

Viskosität:Beide Rums fließen sehr schnell zurück zum Glasboden. Nur sehr vereinzelt bilden sich Perlen an der Glaswand. Die Rums sind also wenig ölig. Bei den angegebenen Reifezeiten aber auch kein Wunder.

Nase:Der Plantation riecht sehr nach süßer Vanille. Ich kann Spuren von Sahne und Karamell erkennen. Der Rum wirkt wie ein süßes Karamellsahnebonbon. Dieser Geruchseindruck dominiert in der Nase. Auch Trauben (weiß) sind enthalten. Dies kommt wohl vom Finish im Pineau Des Charentes-Fass. Der Alkohol brennt leicht in der Nase. Ein ziemlich ungestümer, junger Rum, der mit einem ganz ungewöhnlichem Fass verändert wurde. Für meinen Geschmack einen Tick zu süß in der Nase. Diese Süße scheint geradezu im Glas zu stehen. Nur mit viel Mühe, kann man hier noch Butteraromen und Feigen erkennen, die für leichte Rums aus Barbados typisch sind.



Eine leichte Fruchtigkeit vermischt mit Feigen, Butteraromen, einer Priese Pfeffer und schwach herben Anklängen dominiert das Glas. Dazu gesellen sich leichte Weinaromen und feine Traubenaromen mit einer ganz schwacher Süße. Diese Aromen kommen vom Finish im Banyul-Fass. Der Renegade wirkt weniger wie ein Süßling als der Plantation und macht auch einen deutlich eleganteren Eindruck. Die Nase ist jedoch ein wenig zurückhaltender als beim Plantation. Im direkten Vergleich stört mich dies jedoch nicht im geringsten. Hier riecht man noch deutlich das Ursprungsland des Rums. Ganz anders also als beim Plantation, der einen Tick künstlich anmutet.

Gaumen: Die Nase hat es mich schon vermuten lassen, doch der erste Schluck ist wie ein kleiner Schock: Eine heftige Süße gepaart mit Vanille ist im Rum enthalten. Dazu kommen Aromen von Sahne, Butter und Feigen. Hier schmeckt man nun das Ursprungsland. Allerdings ist er so sehr gesüßt, dass das Trinken einiges an Konzentration erfordert. Der Alkohol macht sich nur sehr leicht bemerkbar. Ich erkenne noch Spuren von Nelken und Pfeffernoten.

Die Süße beim Renegade ist hier deutlich zurückhaltender und nicht zu aufdringlich, aber immer noch vorhanden. Dies ist dem Finish mit Dessertwein geschuldet. Dazu kommen deutliche Pfeffernoten mit typischen Butteraromen und ganz leicht pflanzlichen Anklängen im Hintergrund. Dieser Rum ist noch eher ein Barbadier als der Plantation, der gerade zu verzerrt wirkt. Es ist und bleibt jedoch ein leichtes Destillat, aber im Vergleich der bessere Rum von beiden am Gaumen.

Abgang:Süße Butteraromen mit Vanille bilden den Anfang. Die Süße lässt jedoch zum Glück nach kurzer Zeit nach und es folgen leicht herbe, pflanzliche Anklänge. Der Abgang ist nur am Ende noch typisch für leichte Rums aus Barbados. Der Rest wirkt geradezu aufgesetzt und ist einfach viel zu süß. Ich habe ja mit einer gewissen Süße gerechnet. Aber das ist mir einfach zu viel. Die Vanille-Butteraromen verbleiben bis zum Schluss noch im Mund. Dies ist echt nur was für Leute mit einer Affinität zu alkoholischem Zucker.

Butteraromen mit Pfeffernoten bilden den Anfang. Diese verschwinden nach kurzer Zeit und die pflanzlichen Anklänge kommen wieder zum Vorschein. Der Rum hat im Abgang noch weniger Süße als zuvor am Gaumen. Die Butteraromen bilden zusammen mit den herben Anklängen den Schluss des Abgangs. Eine ganz schwache Fruchtigkeit ist nur zu erahnen.

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Fazit:Wenn es denn schon eine leichte Einzelfassabfüllung oder Jahrgangsrum aus Barbados sein muss, dann kommt hier nur der Renegade infrage. Der Plantation ist einfach viel zu süß und schmeckt wie ein Karamellsahnebonbon. Barbados kann man hier nur noch schwer entdecken, vorausgesetzt man weiß auch wonach man suchen muss. Das Cognac-Fass hat ihn schon sehr süß gemacht (ich kenne den Grande Reserve), aber das Pineau Des Charentes-Fass hat den Rum endgültig gekillt. Ob er für einen Cocktail noch etwas taugt weiß ich leider nicht, da ich kein Mixer bin. Der Renegade ist im direkten Vergleich weniger geschmeidiger am Gaumen, aber dafür noch eher ein Rum im eigentlichen Sinne. Mit einem natürlichen oder echten Rum verbinde ich eine dezente Süße, die nicht alles überdeckt, was ein Rum aus demselben Land ohne Finish auch auszeichnet. Wer ohne Schuld ist möge bitte den ersten Stein werfen, aber so kann und werde ich nur den Renegade als Gewinner dieses Vergleiches küren, wennes denn wirklich ein leichtes Destillat aus Barbados sein muss. Wer die Insel richtig kennen lernen möchte, dem kann ich nur Einzelfassabfüllungen aus der Rockley Still (jetzt bei Blackrock) oder aus einer der Mount Gay Pot-Stills ans Herz legen. Diese sind das Beste was Barbados zu bieten hat. Hierzu gehören der noch vereinzelt verfügbare Bristol Classic Rum Mt. Gay 8 YO, oder wer es auch stärker mag eine Abfüllung in Fassstärke von Duncan Taylor oder Cadenhead. Wer es ganz anspruchsvoll mag, der sollte sich die Rums der Rockley Still ansehen. Um den Plantation sollten sie einen großen Bogen machen, bzw. sie hätten eigentlich einen großen Bogen machen müssen, denn der Rum ist (zum Glück) inzwischen schon fast ausverkauft. Den Renegade gibt es vereinzelt noch, aber die Bestände neigen sich auch hier mittlerweile dem Ende entgegen. Habe ich hier etwa gerade einen erleichterten Seufzer gehört? Ich wünsche Ihnen noch einen ungetrübten Abend. ;)



Marco

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