Mittwoch, 5. August 2015

Appleton Estate Extra Rum 12 YO Official Blend (+/-2011)

(the English part is just below, just skip the German part)


Wieder mal Willkommen ;)

Heute folgt der zweite Streich des jamaikanischen Abfüllers J Wray & Nephew Limited. Nach dem letzten Review in dem ich den Appleton Estate Reserve 8 YO verkostet hatte, folgt heute der 4 Jahre ältere Blend: Der Appleton Estate Extra Rum 12 YO.

Zur Abfüllung:

Quelle: weinquelle.com
Zum Abfüller habe ich ja beim letzten Mal schon einiges an Hintergrundinformationen geschrieben. Hinzufügen möchte ich nur noch, dass die Familie Lindo die Firma und das Appleton Anwesen einige Zeit nach dem Ableben von Charles James Ward (1837-1913) erwarb. Das Geschäft rund um Rum ging also weiter, wenn auch unter einem anderen Namen. Erst 1957 verkauften die Lindos sowohl das Appleton Anwesen als auch die Firma J. Wray & Nephew Limited. Drei Jahre später wurde dann die heute existierende J. Wray & Nephew Group Limited gegründet. Im Jahre 2012 erwarb die Campari Group den jamaikanischen Hersteller. Die Campari Gruppe sah sich in 2015 wohl dazu geneigt etwas zu ändern. Der alte Appleton Estate V/X (5 YO) wird zum Appleton Estate Signature Blend, der Appleton Estate Reserve 8 YO wird zum Appleton Estate Reserve Blend und der Appleton Estate Extra 12 YO zum Appleton Estate Rare Blend 12 YO. Angeblich bleibt der Inhalt derselbe und es würden sich nur die Namen ändern, aber ich denke dies kann man getrost bezweifeln. Seit Jahrzehnten wird die Qualität immer mehr verringert. Bisher hatte ich nur die Gelegenheit eine ältere Version dieser heutigen Abfüllung aus den 80igern zu verkosten, und gegen diese Version stinkte die neuere Version aus +/-2011 gnadenlos ab. Ähnliches befürchte ich nun mit diesem Schachzug. Ob hier der Anhaltende Streit mit den USA und den gewährten Steuervergünstigungen für die US Virgin Islands und Puerto Rico für Diageo bereits Auswirkungen zeigt? Verringert man die Anteile älterer Rums in den Blends und möchte und man dies mit neuen Labeln schmackhaft machen? Dagegen spricht eigentlich aber eines: Das offensichtlich an so einem Schachzug. Die Qualität schrittweise über Jahre hinweg zu verändern wird den Konsumenten eher weniger auffallen, als bei einem solchen Paukenschlag. Allerdings... vielleicht rennt Appleton die Zeit im Rum-Krieg davon? Wir werden es die kommenden Jahre noch erfahren.
Allerdings finde ich die Umbenennung dieser Abfüllung von „Estate Extra“ zu „Estate Rare Blend“ doch ein wenig wegweisend, bzw. zynisch. Will man uns ernsthaft einen Blend mit mindestens 12 Jahren als Rare verkaufen? Gehen der Firma etwa schon die alten Rums aus, dass man alles über 12 schon als „rar“ bezeichnen will / muss? Ist hier Verzweiflung oder Marketing am Werk? Für mich sind 12 Jahre auf jeden Fall keine „Rarität“. Als informierter Leser sollten sie sich natürlich ihre eigene Meinung hierüber bilden. Meine habe ich hiermit kund getan. Ich rieche schon am Horizont eine Änderung für den Appleton Estate 21 YO Rare Limited Edition. Vielleicht in „Ultra Rare Limited Special Edition“? Wer weiß. 

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Verkostung Appleton Estate Extra Rum 12 YO Official Blend (+/-2011):

Preis: Der Preis dieses Rums rangiert zwischen 24 – 30€. Mein Sample erstand ich damals bei der Rum-Company. Damals waren sie noch etwas besser mit Samples bestückt als es heute der Fall ist. Die Zeiten haben sich leider geändert, auch wenn sie diesen Rum noch im Sortiment haben.

Alter: Es ist ein offizieller Blend mit dem Alter von 12 Jahren. Meint: Die jüngsten Rums darin sind angeblich 12 Jahre alt.

Alkoholstärke: Die typische Appleton-Trinkstärke von 43%vol.

Destillationsverfahren: Anscheinend handelt es sich hier wieder um einen Blend aus Rums verschiedener Stile. Ich weiß nicht ob diese ausschließlich aus Pot Stills stammen.

Farbe: Der Rum erstrahlt in einem hellen Bernstein-Farbton im Glas. Dies ist schon einmal heller, als es bei einem älteren Appleton Estate Extra Rum 12 YO (1980's) der Fall war. Falls man hier nicht Zuckerkulör verwendet hat.

Viskosität: Der Rum fließt in dicken Schlieren an der Glaswand hinab zum Glas. Die dabei entstehenden Perlen fließen relativ schnell wieder hinab zum Glasboden. Jung und doch gut ölig? Oder ist es das Zuckerkulör? Wer weiß.

Nase: Eine sehr starke Frucht dominiert das Glas. Jedoch fehlt jede Spur einer Klebstoffnase. Dafür rieche ich sehr starke Ananas, Banane und Papayas. Die ersten beiden Eindrücke sind definitiv dominanter, als bei einem älteren Appleton Estate Extra Rum 12 YO (1980's). Die Butter ist schwächer und geringer vorhanden. Zwar sind auch Eichenaromen zu riechen, allerdings sind diese weder dominant noch stark ausgeprägt. Die Fässer waren wohl schon ein wenig in Gebrauch gewesen, bevor man den Inhalt für diesen Blend reifen ließ. Ich rieche minimal Leder & Toffee vom Fass. Weit entfernt vom Glas rieche ich Mangos und feine Vanille. Hier sind definitiv einige Gerüche weniger stark vorhanden als bei der älteren Version. Der Alkohol dagegen sticht leicht in der Nase zu Beginn.

Gaumen: Der Rum beginnt zuerst mit Gewürzen, Eichenaromen und Leder am Gaumen. Auch leicht bitteres Karamell und schwarzer Tee schmecke ich. Seltsam. Der Fasseinfluss war in der Nase weniger ausgeprägt, als es nun am Gaumen offensichtlich der Fall ist. Der Rum brennt sehr sanft und macht am Gaumen einen milderen Eindruck als er es in der Nase tat. Auch schmecke ich schwache Fruchtaromen, wie gebackene Äpfel, Bananen und minimal Orangen. Nach einigen Sekunden ist das Karamell der dominanteste Eindruck.Begleitet wird dies von Toffee, Gewürzen, wie z.B. Zimt, und auch Eichenaromen vom Fass. Die Süße ist zu Beginn leicht vorhanden, verschwindet allerdings rasch und weicht einem leicht mineralischen Geschmack.

Abgang: Der Abgang startet mit Butteraromen, welche garniert sind von Gewürzen und dem Geschmack von schwarzen Tee. Dann kommen die Eichenaromen mehr zum Vorschein und ein leichter mineralischer Geschmack breitet sich im Mundraum aus. 

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Fazit: Am Gaumen bietet dieser Rum weniger Frucht, als eine ältere Version aus den 80igern aufzubieten vermochte (noch nicht vorgestellt). Dies ist aus meiner Sicht äußerst schade. Dafür haben die Fassaromen am Gaumen einen deutlicheren Einfluss genommen, als man es in der Nase vermuten würde. Der Rum schmeckt alt, bzw. reif. In meinen Augen ist dies schon zu reif für einen Blend mit 43%vol. Die Abfüllung aus den 80iger Jahren hatte da etwas mehr Klasse und Qualität zu bieten. Selbst der jüngere Appleton Estate Reserve 8 YO war in meinen Augen besser und hatte mehr Kraft und Frische am Gaumen zu bieten. Meine oben schon erwähne Reduzierung der Qualität ist Dank eines Vergleichs mit einer alten Version aus den 80igern in meinen Augen bewiesen. Es wird interessant sein zu beobachten, wie weit sie noch nach unten korrigiert wird. Aber eines muss man klar Appleton anrechnen: Den schmeckbaren Verzicht auf Zucker. Ein Anhänger der Süßrum-Ideologie sähe hier noch ein großes Stück Optimierungspotenzial vorhanden, womit wir wieder bei der Reduzierung der Qualität wären. 
Ist der Rum seine 24 – 30€ wert? Für einen Rum-Anfänger, um ihn in der Thematik des Jamaika Rums einzuführen, vielleicht. Single Casks der UAs sind meist etwas krasser und / oder anspruchsvoller als dieser Blend hier, aber auch meist mindestens doppelt so teuer wie diese Abfüllung hier. Viele Käufer der Appletons dürften diese Abfüllungen der UAs auch gar nicht kennen (Stichwort: USA) und haben eigentlich gar keine richtige Alternative aus Jamaika.Aber ich bezweifle, dass die Hauptmasse wirklich an Alternativen interessiert wäre. Das Butter und Brot Geschäft von Appleton auf Jamaika sind ohnehin andere Rums. Der Bestseller dort ist der „Wray & Nephew White Overproof Rum" mit 63%, welcher in der New Yarmouth Distillery in Column Stills hergestellt wird. In den heißen Tropen mag man es wohl eher leicht bis seicht. Diese im Vergleich dazu etwas schwereren Blends (5, 8, 12 & 21YO) sind eher für den Export gedacht. Mich hat dieser Rum zumindest „nicht aus den Latschen gekippt“. Er ist über den Standard, aber er hat keine Besonderheiten, die eine höhere Wertung rechtfertigen würden. 

Marco 

(79 / 100) 

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Once again welcome;)

Today the second rum of the Jamaican bottler J. Wray & Nephew Limited comes on the blog. In the last review I had reviewed the Appleton Estate Reserve 8YO. Today follows a older Blend: The Appleton Estate Extra Rum 12 YO. The first independent bottlings are coming after the next two reviews. I will try to speed this up.

The Bottling: 

Source: weinquelle.com
I've already written a little bit about the bottler in the last review. I want add only that the Lindo family acquired the company and the Appleton estate some time after the death of Charles James Ward (1837-1913). The business around rum therefore continued, albeit under a different name. Only in 1957 the Lindos sold both the Appleton estate as well as the company J. Wray & Nephew Limited. Three years later, the now existing J. Wray & Nephew Group Limited was established. In 2012, the Campari Group acquired the Jamaican manufacturers. The Campari Group found itself probably tempted to change something in 2015. The Appleton Estate V / X (5 YO) will be renamed to Appleton Estate Signature Blend, the Appleton Estate Reserve 8 YO converts to the Appleton Estate Reserve Blend and the Appleton Estate Extra 12 YO to the Appleton Estate Rare Blend 12 YO. Allegedly the content is the same and it the change would only effect names and the bottles, but I think we can doubt this statement. For decades, the quality was more and more reduced. So far I had only the opportunity to taste an older version of today's bottling from the 80s, and against this version from +/-2011 is losing against the old one. I think here is more going on than meets the eye. It may have something to do with the ongoing dispute between the US and CARICOM regarding subsidiaries in rum distilling granted to the US Virgin Islands and Puerto Rico for Diageo. Are we seeing the first effects of this battle? Is here the quality reduced and the brand wants to mask this action with new names and labels? What is speaking against this assumption? The blatant fact that such a move would be too obvious und would surely be noticed. A better course of action would be to reduce the quality over time within a decade or less. However ... maybe Appleton is running out of time and is forced to do such a drastic measure to keep up with other brands and is fighting for plain survival? We will find it out in the next years.
However, I think renaming this bottling of "Estate Extra" to "Estate Rare Blend" a little revolutionary, or cynical. Does someone wants to sell us a blend of at least 12 years as rare? Seriously? Are the old rum stocks are running out and anything beyond 12 is suddenly becoming rare or what else is this marekting strategy telling us? Is here sheer desperation or marketing at work? For me personally 12 years old is definitely not a "rarity". As an informed reader you should naturally form your own opinions about this topic. My opinion about this is now pretty obvious. I smell a change on the horizon for the Appleton Estate 21 YO Rare Limited Edition. Perhaps a renaming to "Ultra Rare Limited Special Edition"? Who knows. 

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Tasting Appleton Estate Extra Rum 12 YO Official Blend (+/-2011):

Price: The price of this rum ranges between 24 - 30 €. I bought my sample back then from the Rum-Company-Shop. At that time they were a little better stocked up with samples than it is the case today. Times have changed, unfortunately, even if they still have this rum listed in the shop.

Age: This one is an official Blend with the age of 12 years. Meaning: The youngest rums in it are supposed to be 12 years old.

ABV: The typical Appleton-drinking strength of 43%abv.

Process of distillation: Apparently this one is again a blend of different rums. I am unsure if they are only pot still rums.

Colour: The Rum shines in bright amber. This is already brighter than the older one (1980's). But maybe they have dropped the caramel, who knows.

Viscosity: The rum is forming thick streaks on the glass wall. The resulting beads flow relatively quickly down to the bottom. Young yet well oily? Or is it the caramel? Who knows.

Nose: A very strong fruit dominates the nose. However, any traces of adhesive flavours are missing. But I smell very strong pineapple, banana and papaya. The first two impressions are definitely more dominant than that of an older Appleton Estate Extra Rum 12 YO (1980's). The butter is weaker and less present by comparison. It is true that oak flavours can be smelled, but they are neither dominant nor pronounced. The barrels were probably been used for quite some time before the contents of this blend were stored inside. I smell minimal faints of leather and toffee. Far away from the glass I smell mangoes and fine vanilla. Some odors are definitely less present as it was in the older version. The alcohol on the other hand burns only at the beginning in the nose.

Palate: The rum starts first with spices, oak and leather flavours on the palate. Also slightly bitter caramel and black tea. Strange. The Barrel effect was less pronounced in the nose than it is now obviously be tasted on the palate. The rum burns very gently, leaving a milder impression on the palate than he did in the nose. Also I taste weak fruit flavours such as baked apples, bananas and minmal oranges. After a few seconds the caramel is the most dominant impresson. It is being accompanied with toffee, spices, such as cinnamon, and oak flavours from the barrel. The sweetness is easily present at the beginning, but quickly disappears and makes way to a light mineral taste.

Finish: The finish starts with butter flavours, which are topped by spices and the taste of black tea. Then the oak aromas come more to the fore and a slight mineral taste spreads throughout the mouth. 

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Conclusion: This rum offers less fruits on the palate than an older version of the 80's could muster (not yet been reviewed). This is a great pity. The barrel flavours have taken a more significant influence on the palate, as one would expect it from the expressions made in the nose. The Rum tastes old and mature. In my eyes this is already too mature for a blend with 43%abv. The bottling of the 80s had more class and quality to offer. Even the younger Appleton Estate Reserve 8 YO was better in my opinion and the palate and had offered more power, flavours and freshness. My above already mentioned reduction in quality is proved thanks to a comparison with the old version from the 80s. It will be interesting to see how far the quality will sink even further with the new bottles. But one must clearly credit to Appleton: The tasteable non-usage of sugar. A manager of this sweet-tooth-market-idiology would see here a great potential for improvments, which would further reduce the quality in my opinion. 
Is the rum worth its value of 24 - 30 €? They might me suitable for rum beginners as an introduction into the topic of the Jamaica rums. Single Casks of UAs are usually somewhat more powerful and / or more challenging than this blend is, but usually they are at least twice as expensive as this bottling. Many buyers of Appleton's don't even know such bottlings from indys (keyword: USA) and have actually not a real alternative available from Jamaica. But I doubt that the bulk of their costumers would be really interested in alternatives. The bread and butter business of Appleton in Jamaica are other rums. The bestseller there is the "Wray & Nephew White Overproof Rum" with 63%, which is prepared in the New Yarmouth Distillery in Column stills. It appears to be easier consumed in the hot tropical weather in Jamaica. This slightly heavier blends ( 5, 8, 12 & 21YO) are rather intended for the export I guess. I was not rocked out of my socks, to be honest. It is a standard-rum, but it has no special features which would justify a higher rating.

Marco

(79 / 100)

Kommentare:

  1. Wow, 79 points for a 12 year old. How depressing.

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    1. Yeah, I know what you mean Lance. The scorings would have been higher, If I would have never tasted that old 12 YO from Francesco. This one will come on sunday.

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    2. And you have to bear in mind that most Germans (myself inculded) are spoiled customers, when it comes to Jamaican rums. There were several astonishing bottlings in the past and some pretty decent new ones. I hope by the end of the year, and a lot reviews later, the picture will become more clear.

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  2. Sieht so aus, als wäre Ihr Verdacht begründet. Auf der Appleton-Website wird das Durchschnittsalter der neuen Blends in den Produktbeschreibungen angegeben. Signature Blend: 4 Jahre, Reserve Blend: 6 Jahre.

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    1. Das ist interessant. Vor mehr als drei Wochen war dort nur ein Hinweis auf die Änderung ganz am Anfang auf der Seite zu sehen. Gelistet waren zu diesem Zeitpunkt noch die alten Abfüllungen. Deprimierend.

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