Sonntag, 5. Januar 2014

Bristol Classic Rum Versailles 1985 13 YO

Ein herzliches Hallo!

Erneut möchte ich euch einen Rum aus der ehemaligen britischen Kolonie Guyana näher bringen. Die Rede ist natürlich vom Bristol Classic Rum Versailles 13 YO aus dem Jahre 1998!

Zur Abfüllung:

Einem Demerara der also schon vor mehr als 15 Jahre veröffentlicht wurde. Zu Bristol Spirits Limited gibt es denke ich nicht mehr viel zu sagen. Befassen wir uns stattdessen mit der Abfüllung selbst. Es handelt sich um einen Demerara aus der Versailles Still. Damit ist keineswegs eine Brennerei in Frankreich gemeint, sondern die alte Versailles Zuckerrohrplantage in Guyana. Das Versailles Estate wurde vermutlich um 1978 aufgegeben, als man die Zuckerfabrik stilllegte. Ihre Pot Still wanderte aber schon früher zur Enmore Distillery. Die Einzelheiten kann man hier nachlesen. Dieser Rum wurde also schon in der Enmore Distillery gebrannt, die heute nur noch als Zuckerrohrplantage fungiert und auch schon lange keine Still mehr besitzt. Das Jahr 1985 hat schon einige berühmte Rums hervorgebracht. Dazu zählten auch zwei Rums von Berry Bros & Rudd und der vor fast genau einem Jahr erschienene Duncan Taylor Enmore (Versailles) 27 YO. Diese Abfüllungen waren der Inbegriff aller Rums aus der Versailles Still. Also quasi die pure Essenz der Still selbst. Was ist aber nun so besonders an dieser einen Brennblase? Die alte Versailles Still ist eine Single Wooden Pot Still, welche nicht zum Großteil aus Kupfer besteht, sondern aus Holz. Dieses gibt den dort destillierten Rums ein geradezu kräuteriges und geschmackvolles Profil. Leider wird auf der Flasche das Mark des Fasses nicht erwähnt. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses V.S.G. gewesen sein müsste. Schenken wir unsere Aufmerksamkeit nun dem Rum selbst.

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Verkostung Bristol Classic Rum Versailles 13 YO:

Preis: Diesen Rum erstand ich für 56€ ohne Versandspesen.

Alter: Das offizielle Alter wird mit 13 Jahren angegeben. Das Jahr der Destillation war 1985. Der Rum durfte dann bis 1998 im Fass verbleiben und wurde anschließend auf den europäischen Markt gebracht.

Alkoholstärke: Wieder die typische Trinkstärke von 46%vol. bei Bristol Spirits Limited.

Destillationsverfahren: Die Angabe Single Pot Still verrät einem Spirituosen-Kenner schon sehr viel. Die Angabe Versailles einem Kenner im Rum-Bereich, dass sich hier drin ein ganz besonderer Rum befindet.

Farbe: Der Rum erstrahlt in einem blassen Goldton. Er ist also relativ jung und frisch geblieben.

Viskosität: Kleine Schlieren fließen rasch zum Glasboden hinab. Viele winzige Perlen benetzen die Glaswand.


Nase: Wow. Der Rum ist sehr rauchig. Schnell erkenne ich die so sehr geliebten Kräuteraromen, welche ich schon beim Berrys Bros & Rudd Versailles Still 1985 und den Duncan Taylor Enmore 1985 geliebt habe. Thymian und andere frische Kräuter. Zuerst erinnert der Geruch doch ein wenig nach frischen Bleistiftspähnen. Aber dieser Eindruck verflüchtigt sich rasch. Auch feine Vanillearomen kann ich erkennen. Dieser alte Bristol ist wahrlich einzigartig. Die geringe Frucht in der Nase weist in meinen Augen auf eine geringe Reife im Fass hin. Aber die blasse Farbe deutete es ja bereits schon an.


Gaumen: Herb und doch fruchtig und süß. Ich schmecke Rauch, frische Kräuter, Blutorangen und ganz schwache Vanillearomen. Keine Geschmacksrichtung dominiert. Der Rum hat ein fast beinahe perfektes Gleichgewicht. Er schmeckt wie eine etwas schwächere Version des BB&R, natürlich ohne dessen Reife. An einen Rum in Fassstärke kommt dieser hier nicht heran, aber zur damaligen Zeit waren diese auch sehr selten und sie stammten fast nur von Cadenhead. Dieser Rum musste in Fassstärke wohl sehr frisch und bombastisch gewesen sein. Die Süße ist nur schwach, aber doch vorhanden. Der Alkohol macht sich durch ein leichtes Brennen bemerkbar. Der Rum ist schließlich auch nur 13 Jahre alt. Die Interaktion zwischen Rum und Fass hielten sich aber in Grenzen.

Abgang: Blutorange mit Kräutern garniert bilden den Anfang des Abgangs. Rasch darauf folgen rauchige Aromen und dunkle Gewürze. Langsam verblassen alle Eindrücke und hinterlassen einen leicht rauchigen Nachgeschmack im Mund, der sehr lange anhält. Ich empfinde den Abgang etwas trocken.

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Fazit: Was für ein Rum! Mit seinen ganz frühen Abfüllungen hatte Herr Barrett ein sehr glückliches Händchen, bzw. Nase. Jeden Rum, den ich aus der Ära 1998 – 2002 schon genießen durfte, war bisher von ausgezeichneter Qualität. Anscheinend hatte Herr Barrett noch freie Auswahl bei den Rumfässern. Damals gab es nicht so viele Veröffentlichungen im Rum-Bereich von den unabhängigen Abfüllern, wie es heute zum Beispiel der Fall ist. Diese Abfüllung kann es nicht ganz mit dem Berry Bros & Rudd Versailles Still 21 YO oder dem Duncan Taylor Enmore (Versailles) 27 YO aufnehmen. Aber ein solcher Vergleich wäre auch mehr als unfair. Dieser Rum kam ersten viel früher aus dem Fass und zweitens ist diese Abfüllung eigentlich schon lange vergriffen und gilt für mich zu einen der ersten Granaten aus der Versailles Still von 1985. Damals also quasi ein Vorbote dessen, was noch hätte kommen könnte und es ja schließlich später auch tatsächlich gab. Die jugendliche Frische nach selbst 13 Jahren sagt mir, dass dieses Fass den Rum auch noch länger hätte reifen lassen können, ohne ihn zu verhunzen oder gar zu einem Karamell-Kampfer-Monster zu verzerren. Ein wirklich sehr interessantes Stück flüssiger Rum-Geschichte, dass es auch verdient ausführlich und ausgiebig genossen zu werden. Für alles andere gibt’s billigen Wein, Bier und Korn. Ob der Rum mehr als jenseits der 70€ sein Geld wert wäre? Das bleibt jedem Connaisseur selbst überlassen. Ich bereue den Kauf nicht und betrachte es wieder einmal als Privileg ihn genießen zu dürfen. Sollten sie nach einer akribischen Suche im Internet auch einmal fündig werden und der Preis stimmen, dann zögern sie nicht. Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Sonntag!

Marco

Notation: It's a little late for christmas but I have a gift for our international readers. Enjoy it and a happy new year to all of you!.

Sonntag, 29. Dezember 2013

St. Nicholas Abbey 12 YO

Hallo und herzlich willkommen! 

Wieder einmal werde ich eine offizielle Abfüllung auf Herz und Nieren prüfen. Diesmal ist der St. Nicholas Abbey 12 YO dran. Im Juli 2012 lief eine Sample - Aktion in der RumCommunity und der Gewinner dieses Monats war der St. Nicholas Abbey 12 YO. Überflüssig zu erwähnen, dass ich mir ein Sample dieses teuren Rums sicherte. So let's get down to buisness, shall we?

Zur Abfüllung:

Dieser Rum ist die 12 Jahre Version aus dem St. Nicholas Anwesen auf Barbados. Es gibt auch eine 8 Jahre alte Version und seit neuestem einen 15 jährigen Rum. Dieses Anwesen hat Larry Warren im Jahre 2006 gekauft und ließ es teilweise erneuern. Zuvor lebte ein gewisser Lt. Col. Stephen Cave OBE von 1973 bis zu seinem Tod im Jahre 2003 dort. Das Anwesen wurde von Colonel Benjamin Berringer 1658 erbaut. Allerdings wurde dort nicht durchgängig Rum gebrannt, wie es einige Quellen behaupten. Erst seit kurzem brennt Larry Warren dort Rum mit einer nagelneuen Still aus Deutschland. Ob es früher dort schon einmal eine Destillerie gab, ist mir nicht bekannt kann aber nicht ganz ausgeschlossen werden. Aber die Produktion fand definitiv nicht ununterbrochen statt. Also handelt es sich hier in meinen Augen nicht um eine über 350 Jahre alte Destillerie. Nur das Anwesen selbst ist so alt.

Theoretisch war eine frühere Brennerei in alten Tagen durchaus möglich, da sich auf dem Anwesen die Überreste einer alten dampfbetriebenen Zuckermühle befanden. Auch diese wurde erneuert und ist wieder im Einsatz. Und wo Zuckerrohr gepresst wird fällt auch Melasse zur Rumproduktion an. Aber für einen kontinuierlichen Betrieb fand ich keinen Hinweis. Wenn man nun nicht schon ganz von Taschenrechnern abhängig ist, dann kann man auch nachvollziehen, dass dieser Rum nicht aus der neuen Still stammt. Das Anwesen wurde 2006 gekauft. Selbst wenn diese Still in diesem Jahr mit der Produktion begann, kommt man nicht auf 12 Jahre Fassreife. Im Jahre 2009 bekam diese Abfüllung auch Gold in der Ministry of Rum Competition 2009 in der Kategorie Premium. Woher kommt der Inhalt dann? Dieser Rum stammt also, wie einige amerikanische Quellen auch berichten, aus der Foursquare Distillery. Also gar kein echter St. Nicholas Abbey? Dort wird schließlich keine Melasse, sondern der frische Zuckerrohrsaft zum Brennen des Rums verwendet. Also eine Art Rhum Agricole? Nicht ganz. Auch sagen einige deutsche Quellen, dass eine Art Zucker - Honig in der Fermentation benutzt wird, so wie es beim Zacapa der Fall ist. Wollen wir doch einmal diesen Rum hier tasten.

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Verkostung St. Nicholas Abbey 12 YO:

Preis: Der Preis rangiert von 109 – 120 € bei den diversen Anbietern. Den Preis meines Samples weiß ich leider nicht mehr.

Alter: Der Rum ist offiziell 12 Jahre alt.

Alkoholstärke: Die Trinkstärke beträgt 40%vol.

Destillationsverfahren: Ich vermute hier einmal einen Rum aus der Foursquare Distillery. Es könnte sich hier also um eine Kombination von Pot Still (fungiert als Wash Still) und Column Still (Spirit still) handeln. Laut Cap. Jimbo, welcher Seale persönlich kennt, wird kein reiner Pot Still Rum in Foursquare destilliert.

Farbe: Der Rum hat einen wunderschönen goldenen Farbton.

Viskosität: Dicke Schlieren fließen an der Glaswand hinab. Die Öligkeit ist für 12 Jahre angemessen und nicht zu intensiv.

Nase: Eine starke Fruchtigkeit in Form einer Klebstoffnote dominiert das Glas. Ich fühle mich hier sofort an den Bristol Classic Rum Foursquare 9 YO aus 2003 erinnert. Ich erkenne ganz schwach Mangos und reife Bananen. Ebenfalls ganz schwach im Hintergrund verweilen die sonst so typischen Butteraromen. Sanfte Vanille entschwebt dem Glas. Die Nase macht einen sehr soliden Eindruck. Am dominantesten ist hier wirklich die Fruchtigkeit, die so kompakt ist, das einzelne Nuancen etwas schwer zu erkennen sind. Und das bei 40%vol.

Gaumen: Eine sanfte Süße flutet den Mundraum, gefolgt von einem warmen, aber doch harmlosen Schauer. Der Alkohol ist sehr zurückhaltend. Am Gaumen schmecke ich nun eindeutig die typischen Butteraromen. Fast keine herben Nuancen, aber dafür ein Hauch von Gewürzen. Leider ist der Rum etwas flach und wurde zu sehr verwässert. Mit ein paar Prozenten mehr, wäre er besser gewesen. Auch die Frucht ist noch vorhanden, aber nicht mehr ganz so krass wie in der Nase. Da war der jüngere Rum von Bristol doch einen Tick besser in meinen Augen.

Abgang: Den Anfang machen die Butteraromen, welche rasch verschwinden. Dann folgen Gewürzaromen und nun erscheinen auch minimal herbe Anklänge. Der Abgang ist nicht übermäßig lang und relativ kurz.

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Fazit: Ist der Rum sein Geld wert? Kurz und bündig: Für dieses Geld niemals. So sehr ich die Idee einer Single Cask Abfüllung eines offiziellen Abfüllers auch bewundere und unterstützen möchte, so sehr muss ich aber auch mit dem Kopf schütteln, wenn ich den angestrebten Preis betrachte. Ich nenne hier mal ein billiges Konkurrenzprodukt, wobei hier billig relativ zu betrachten ist. Der BB&R Barbados 12 YO oder seinen Nachfolger den BB&R Barbados 13 YO. Diese Rums bekommt man für die Hälfte des Geldes und hat auch fast dasselbe Alter. Auch die Ursprungsquelle ist für mich identisch. Was noch mehr für diese beiden Rums spricht ist die Trinkstärke von 46%vol.. Dies gibt nun einmal den Rums einen Tick mehr Flavours. Mit diesem Wissen kann ich unmöglich diese Abfüllung hier mit einem guten Gewissen empfehlen. Ich werde dies an dieser Stelle auch niemals tun, denn ich bin ja schließlich selber ein Endverbraucher und betreibe für diesen Rum keinerlei Werbung.

Hier bezahlt man wohl für die Exklusivität ein ganzes Stück weit mehr, als man es bei der schnöden Abfüllung des königlichen Hoflieferanten Berry Bros & Rudd tun muss. Adel verpflichtet wohl zur Sparsamkeit wie es aussieht. Habe ich hier gerade das Wort Knauserer gehört? ;) Ich selbst als Käufer werde niemals einen teuren Rum mit einer annähernd gleichen Qualität einem günstigeren Rum vorziehen. Zumal hier nicht einmal von Fairtrade oder Bio die Rede ist. Wer gerne für die Exklusivität mehr zahlen möchte als notwendig ist, der darf auch gerne beherzt zugreifen. Schließlich muss jeder mündige Verbraucher wissen, in was er sein Geld investiert. Ich sage hiermit schlicht, dass mir dieser Rum das Geld nicht wert ist. Meine Meinung ist wie immer hart aber fair, denn schließlich warne ich nicht vor diesem Rum, was äußerst schwachsinnig und dumm wäre. Denn die Grundidee von Single Cask Abfüllungen der offiziellen Abfüller ist in meinen Augen eindeutig der richtige Weg und sollte nicht mit einfältiger Dummheit oder gar Ignoranz bestraft werden. Deswegen bringe ich diesen Rum auch auf den Blog. Aber aufgrund der verfügbaren Alternativen, und meinem begrenzten Budget, ist der Rum für mich persönlich nichts. Sollten Sie diesen Rum lieben und ihn seines Preises für würdig erachten, dann freuen sie sich. Sie haben etwas geschafft, dass mir leider nicht vergönnt war: Der Rum konnte sie begeistern. Ich wünsche Euch noch einen schönen Tag!

Marco

Sonntag, 15. Dezember 2013

Cadenhead Green Label Barbados (Rockley) 2000 12 YO

Ein herzliches Willkommen

Erneut möchte ich einen Rum aus Barbados vorstellen. Die Abfüllung ist chronologisch betrachtet der Nachfolger des Cadenhead Green Label Barbados 10 YO aus der Mt. Gay Distillery. Allerdings haben beiden Rums, außer dem Ursprungsland, keine weitere Gemeinsamkeit.

Zur Abfüllung:

Ich glaube zu Cadenhead sind schon viele Worte verloren worden. Dem informierten Leserunseres Blogs ist bekannt, dass es sich hier um einen schottischen Abfüller handelt, welcher hauptsächlich Whiskys veröffentlicht und Rums nur als eine Art Nischenmarkt behandelt. Hier ist nun eine Neuauflage der alten Cadenhead Green Label Barbados 12 YO Abfüllung aus dem Jahre 1998/1999. Ob diese hier allerdings auch aus der alten Rockley Pot Still stammt, kann ich erst sagen, wenn ich den Rum verkostet habe. Lassen wir uns doch einmal überraschen ob es sich hier tatsächlich um einen ein Jahr älteren BBR 11 YO auf 46% verdünnt handelt. Beide Abfüllungen stammen aus dem gleichen Jahr, nämlich 2000. Was bei meinem Review des Cadenhead BBR 11 YO leider etwas unterging ist die Tatsache, dass dieser Rum aus der alten Rockley Still bei Blackrock stammt. Die endgültige Gewissheit bekam ich erst nach meinem öffentlichen Review. Aber widmen wir unsere Aufmerksamkeit nun der heutigen Abfüllung. Wie immer geizt Cadenhead mit Details bei der Green Label Serie. Der Grund hierfür ist mir ein Rätsel. Diese Abfüllung ist schon seit längerem auf dem Markt und bisher habe ich es versäumt, sie hier auch öffentlich vorzustellen. Dieses Versäumnis hole ich hiermit nach. ;)

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Verkostung Cadenhead Green Label Barbados 12 YO:

Preis: Den Rum gibt es zur Zeit bei vielen Händlern. Als ich meine Flaschen erstand gab es damals nur ganze zwei Anbieter. Dies war allerdings auch vor fast genau einem Jahr. Die Situation hat sich mittlerweile also gründlich geändert. Ich habe damals 46€ pro Flasche gezahlt.

Alter: Das offizielle Alter wird mit 12 Jahren angegeben. Zusammen mit dem Ursprungsland und der Trinkstärke eine der wenigen offiziellen Angaben zum Inhalt. Der Jahrgang ist nicht direkt angegeben. Aber anhand des Jahres der Veröffentlichung kann von einem 2000er Jahrgang ausgegangen werden.

Alkoholstärke: Eine für die Green Label Serie schon typische Trinkstärke von 46% vol. wurde für diese Abfüllung gewählt. Keine wirkliche Überraschung.

Destillationsverfahren: Offiziell gibt es hierzu keine Angabe. Ich vermute hier aber eine Pot-Still als Urheber dieses Rums.

Farbe: Schwach Golden glänzt der Rum im Glas. Seine Farbe ist fast wie die eines blassen Strohhalms. Das Fass hatte also einen relativ sehr geringen Einfluss auf den Inhalt.

Viskosität: Viele kleine Perlen benetzen die Glaswand. Der Rum hat eine leicht ölige Textur. Das Fass hatte also keinen erheblichen Einfluss auf den Rum. Dies lässt auf eine kontinentale Reifung in Großbritannien schließen.

Nase: Starke Rauchnoten dominieren das Glas. Dazu gesellen sich delikate Honigaromen. Spätestens hier müssten bei jedem Kenner die Alarmglocken schrillen. Es ist ein Rum aus der alten Rockley Still! Die Fruchtigkeit aus anderen Abfüllungen der alten Rockley Brennblase ist jedoch fast gar nicht vorhanden. Ganz schwach lassen sich Nuancen von Bananen erkennen. Auch die Vanillearomen sind nicht dominant, sondern eher zurückhaltend und kommen nur schüchtern zum Vorschein. Ein deutlicher Unterschied im direkten Vergleich zu den älteren Rockleys von 1986.


Gaumen: Hier ist das Bild nun etwas ausgeglichener. Die Honigaromen halten sich mit dem Rauch fast im Gleichgewicht und überwiegen nur knapp. Auch Spuren von Teer sind enthalten. Die Süße ist schwach, aber vorhanden. In Kombination mit dem Honig fällt die Süße nicht sehr auf. Ein sehr junger und doch nicht ungestümer Rum. Im Vergleich zum alten 13 YO von 1986 (Review noch nicht auf dem Blog) enthält er wesentlich mehr Rauch und weniger Fruchtaromen. Ein ganz delikater Zeitgenosse! Allerdings möchte ich hier auch nicht verschweigen, dass er wesentlich weniger Vanillearomen besitzt als der Bristol Rockley 12 YO. Das ist in meinen Augen jedoch kein gravierender Nachteil.

Abgang: Wieder Rauch gefolgt von zarten Honigaromen. Gefolgt von dezenter Süße, bilden Spuren von Lakritze und Teer den Abschluss. Die Geschmacksaromen verblassen immer mehr bis nur noch ein vager Hauch von Honig und Rauch im Mundraum verbleibt. Der Abgang ist nicht übermäßig und kann dennoch viele Minuten lang anhalten. Man merkt das der Rum relativ jung geblieben ist.

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Fazit: Für dieses Geld kann man absolut nicht meckern. Man bekommt einen sehr guten und jungen Rockley zum günstigen Preis. Wer aber nun den Fehler macht und ihn direkt mit den älteren Abfüllungen vergleicht, wird absolut nicht warm mit ihm. Es besteht schon ein kleiner Unterschied zwischen den einzelnen Abfüllungen und auch zwischen den beiden Jahrgängen 1986 und 2000. Erstere haben in Fassstärke eine gewisse Ähnlichkeit mit Rums aus Jamaika und auch mehr Fruchtaromen. Die bisher veröffentlichten Rums aus dem Jahre 2000 haben dafür wesentlich mehr Rauch, Honigaromen und Zuckerrohr. Ob dies nun wirklich an der bisher zu jungen Reife liegt oder ob es einen wesentlichen Unterschied beim Brennvorgang gab, ist reine Spekulation und kann hier von mir nur vermutet werden. Fakt ist und bleibt jedoch, dass es sich hier um einen guten Rockley handelt, der in der Vergangenheit nur den Cadenhead BBR 11YO als ernste Konkurrenz fürchten musste. Mit der Veröffentlichung von zwei Abfüllungen von L'Esprit und eine von TRC hat sich dieser Kreis allerdings vergrößert.

Rockley ist etwas ganz besonderes unter den Rums und dementsprechend auch sehr speziell und gewöhnungsbedürftig. Mit den ganz alten und reifen Abfüllungen kann er, wie schon gesagt, nicht ganz mithalten, aber so ein Vergleich wäre auch nicht ganz fair, da er einfach zu jung ist. Meinen Geschmack trifft er allerdings! Ob auch sie mit dieser Abfüllung etwas anfangen können, müssen sie wieder für sich selbst entscheiden. Für den gebotenen Preis allerdings gibt es eine Kaufempfehlung von meiner Seite aus. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Sonntag.

Marco

Sonntag, 8. Dezember 2013

Cadenhead Dated Distillation Mount Gay Distillery BMMG 2000 8 YO

Servus und Hallo

Heute kommt wieder eine kleine Rarität. Ich vermute diese Abfüllung war die erste unabhängige Abfüllung eines Rums aus der Mount Gay Distillery in Fassstärke. Die Rede ist vom Cadenhead Dated Distillation Mount Gay Distillery BMMG  2000 8 YO!

Zur Abfüllung:

Diese Abfüllung kam Ende 2008 oder Anfang 2009 auf den europäischen Markt. Also vielleicht etwas später als der Bristol Classic Rum Mount Gay 7 YO, welcher 2008 von Bristol veröffentlicht wurde. Dieser war mit 40%vol. doch etwas dünn auf der Brust. Er hatte Potenzial zu mehr, wurde aber zu sehr mit Wasser verdünnt und viele Connaisseure zeigten ihm lange die kalte Schulter. Wie kann man es sich sonst erklären, dass diese Abfüllung wesentlich länger am Markt blieb, als dieser Cadenhead? Dieser Rum war mein erster Rum aus Barbados in Fassstärke und wie bei den Demeraras war es keine Liebeauf dem ersten Blick. Ich erinnere mich, dass ich den Rum als ziemlich rau, ruppig und zu gereift in unserer kleinen Runde (Flo, Leo und meine Wenigkeit) beschrieb. Auch Flo und Leo konnten mit ihm nichts anfangen. Ich kaufte eine Flasche dieser Abfüllung, bevor ich ein Sample von Leo bekam. Überflüssig zu erwähnen, dass ich diese Flasche nie öffnete und das Sample lange Zeit im Schrank verstauben ließ, ehe ich dem Rum, nach meinem sehr positiven Erlebnis mit dem Cadenhead REV, eine zweite Chance gab. Was dabei herauskam möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten. Dieser Rum hat in meinen Augen einen Nachruf und keinen heimlichen Abgang verdient.

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Verkostung Cadenhead Dated Distillation Mount Gay Distillery BMMG  2000 8 YO:

Preis: Meine Flasche erstand ich für 50€. Ein sehr fairer Preis für einen jungen Rum in Fassstärke, wie ich finde.

Alter: Das offizielle Alter des Rums beträgt 8 Jahre. Das Destillat wurde im Jahre 2000 gebrannt und durfte bis November 2008 im Fass verbleiben.

Alkoholstärke: Die Fassstärke dieser Abfüllung beträgt noch ganze 66,3%vol.. Cadenhead ist eher bekannt für seine Lagerung im kühlen Klima. Deswegen denke ich, dass der Rum wohl an die 70% hatte, als er frisch ins Fass kam.

Destillationsverfahren: Kein Geheimnisse hier. Das offizielle Verfahren war eine oder mehrere Pot Stills. Die Mount Gay Distillery besitzt nach meinem Kenntnisstand drei davon.

Farbe: Der Rum erstrahlt in einem schönen Bernsteinton. Das Fass hatte für 8 Jahre einen guten Einfluss auf seinen Inhalt gehabt.

Viskosität: Viele kleine Perlen fließen träge zum Glasboden hinab. Einige bleiben an der Glaswand haften.

Nase: Uff.... Der Rum ist sehr konzentriert und es ist nicht so einfach einzelne Eindrücke herauszupicken. Der Alkohol brennt sich tief in die Nase ein. Die Nase macht einem mehr als klar, dass es sich hier um einen Rum in Fassstärke handelt. Ich rieche ganz schwach Bananen, Papayas und weitere exotische Früchte. Dazu gesellen sich Aromen vom Fass wie Anis und dezente Eiche. Im Hintergrund schwebt eine gewisse Klebstoffnote. Ich kann auch schrille Kaffeearomen erkennen. Je weiter man seine Nase jedoch ins Glas eintaucht, desto mehr verschwinden sie fast vollständig. Der Rum ist sehr kompakt. Mal sehen wie er sich mit etwas Wasser entwickelt.

Oh ja. Jetzt kann man die Mount Gay Distillery eher erkennen. Jetzt rieche ich starke Frucht, vermischt mit nun deutlich mehr vorhandenen Kaffeearomen. Ich erkenne Mangos und Papayas. Die Aromen vom Fass sind nun eher im Hintergrund zu finden. Das Bild hat sich mit einigen Tropfen Wasser komplett gedreht. Auch Marzipan und ein Hauch Mandeln entschwebt dem Glas. Am deutlichsten ist aber der Kaffee. Je tiefer man die Nase eintaucht, desto stärker werden sie. Die Frucht ist direkt an der Glasöffnung am Stärksten.

Gaumen: Wow.... kraftvolle 66% dreschen auf den Gaumen ein. Der Rum breitet sich im gesamten Mundraum aus. Ich schmecke zuerst eine feine Süße, gefolgt von dem starken Alkohol, der sofort den Mundraum wärmt. Dann folgen Frucht und die geballten Kaffee- und Marzipanaromen, die so typisch für die Mount Gay Distillery sind. Nur schwer kann ich eine Spur Eiche erkennen. Keinerlei übermäßige Bitterkeit am Gaumen vorhanden. Dafür brennt der Rum richtig schön auf der Zunge. Der Ersteindruck erinnert mich an eine Tasse kalten Kaffee. Die Süße verschwindet sehr schnell und der dominante Kaffeegeschmack bleibt am Gaumen haften. Dieser Rum ist anders als der Isla Del Ron barbados (Mount Gay) 12 YO.

Die Süße ist mit etwas Wasser nun einen Tick deutlicher am Gaumen zu spüren. Auch der Alkohol brennt nun fast gar nicht mehr mit ca. 53%vol.. Diesmal schmecke ich deutlichere Fruchtaromen als zuvor ohne Wasser. Aber wieder ist sie im Vergleich zu den dominanten Kaffeearomen einfach zu schwach um ernsthaft dagegen anzukommen. Wieder schmecke ich Marzipan und eine Spur Eiche und Anis im Hintergrund. Der Rum ist auch verdünnt sehr lecker und verliert nur wenig an Klasse, ganz im Gegenteil. Ich finde der Rum hat ein wenig von der Verdünnung profitiert. Dieser Rum ist wahrlich ein Kaffeemonster.

Abgang: Der Abgang startet mit leicht bitteren Kaffeearomen (denken sie hier an einen kalten und ungesüßten Kaffee). Danach folgen Marzipan und Anis. Auch ein wenig Frucht ist mit dabei. Diese ist allerdings eher schwach und wurde vom Kaffee und dem Marzipan regelrecht in den Hintergrund verdrängt. Als Kaffeeliebhaber muss man diesen Rum echt lieben.

Diesmal schmecke ich keinerlei Bitterkeit, sondern nur noch Kaffee und Marzipan zu beginn des Abgangs. Die Frucht kommt nun fast gar nicht mehr zum Vorschein. Nur etwas Banane vermischt mit einer Spur Anis blitzt kurz auf. Langsam verebben diese Eindrücke am Gaumen und nur noch ein Hauch Kaffee verbleibt am Gaumen. Keinerlei Süße im gesamten Abgang zu erkennen.

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Fazit: In zwei Worten: Kaffeemonster Deluxe! Hatte man beim Isla Del Ron Barbados (Mt. Gay) 12 YO noch eine sehr dominante Frucht, ist diese hier im direkten Vergleich eher handzahm. Dafür sind die Kaffeearomen sehr dominant. Sollten Sie nichts mit Kaffee anfangen können, dann hätten sie diese Abfüllung nicht ganz für so gut befunden, wie ich es tue. Auch das Fass hatte einen noch positiven Einfluss gehabt. Es ist zwar schwer zu beurteilen, ob er noch ein oder zwei weitere Jahre darin vertragen hätte, aber ich wage einmal die Behauptung, dass eine weitere Reifezeit in diesem Fass im eher geschadet als genutzt hätte. Die Kombination von Kaffee-, Marzipan- und leichten Anisaromen mit geringer Frucht hat diesen Rum ein anderes Profil beschert, als es beim Isla Del Ron der Fall war. Dieser hatte im Vergleich dazu sehr wenig Einfluss vom Fass abbekommen und hatte mehr Fruchtaromen. Für mich ist es jetzt sehr klar, warum der Cadenhead BMMG 8 YO weit vor einem Bristol Classic Rum Mount Gay 7 YO ausverkauft war. Hier hätte Herr Barrett in meinen Augen aus dieser Erfahrung etwas lernen können. Aber auch Cadenhead hat sich schon Fehler geleistet und ist kein unbefleckter Abfüller, wenn man den Ausdruck in diesem Zusammenhang denn so verwenden kann.

Diese Abfüllung fand definitiv ihre Liebhaber, welche sie still und heimlich auch kauften und wohl ebenso genossen wie ich. Bei meiner ersten Begegnung war ich wohl nicht bereit für Rums in dieser Trinkstärke. Anders kann ich meinen ersten Eindruck von diesem Rum nicht erklären. Gäbe es ihn noch zahlreich, dann würde es hier auch eine dicke Kaufempfehlung von mir geben. Aber die ist mit dem Ausverkauf mehr als hinfällig. Für diesen Preis ist er ein Schnäppchen gewesen. Ich wünsche Euch noch einen schönen Tag!

Marco