Sonntag, 29. Dezember 2013

St. Nicholas Abbey 12 YO

Hallo und herzlich willkommen! 

Wieder einmal werde ich eine offizielle Abfüllung auf Herz und Nieren prüfen. Diesmal ist der St. Nicholas Abbey 12 YO dran. Im Juli 2012 lief eine Sample - Aktion in der RumCommunity und der Gewinner dieses Monats war der St. Nicholas Abbey 12 YO. Überflüssig zu erwähnen, dass ich mir ein Sample dieses teuren Rums sicherte. So let's get down to buisness, shall we?

Zur Abfüllung:

Dieser Rum ist die 12 Jahre Version aus dem St. Nicholas Anwesen auf Barbados. Es gibt auch eine 8 Jahre alte Version und seit neuestem einen 15 jährigen Rum. Dieses Anwesen hat Larry Warren im Jahre 2006 gekauft und ließ es teilweise erneuern. Zuvor lebte ein gewisser Lt. Col. Stephen Cave OBE von 1973 bis zu seinem Tod im Jahre 2003 dort. Das Anwesen wurde von Colonel Benjamin Berringer 1658 erbaut. Allerdings wurde dort nicht durchgängig Rum gebrannt, wie es einige Quellen behaupten. Erst seit kurzem brennt Larry Warren dort Rum mit einer nagelneuen Still aus Deutschland. Ob es früher dort schon einmal eine Destillerie gab, ist mir nicht bekannt kann aber nicht ganz ausgeschlossen werden. Aber die Produktion fand definitiv nicht ununterbrochen statt. Also handelt es sich hier in meinen Augen nicht um eine über 350 Jahre alte Destillerie. Nur das Anwesen selbst ist so alt.

Theoretisch war eine frühere Brennerei in alten Tagen durchaus möglich, da sich auf dem Anwesen die Überreste einer alten dampfbetriebenen Zuckermühle befanden. Auch diese wurde erneuert und ist wieder im Einsatz. Und wo Zuckerrohr gepresst wird fällt auch Melasse zur Rumproduktion an. Aber für einen kontinuierlichen Betrieb fand ich keinen Hinweis. Wenn man nun nicht schon ganz von Taschenrechnern abhängig ist, dann kann man auch nachvollziehen, dass dieser Rum nicht aus der neuen Still stammt. Das Anwesen wurde 2006 gekauft. Selbst wenn diese Still in diesem Jahr mit der Produktion begann, kommt man nicht auf 12 Jahre Fassreife. Im Jahre 2009 bekam diese Abfüllung auch Gold in der Ministry of Rum Competition 2009 in der Kategorie Premium. Woher kommt der Inhalt dann? Dieser Rum stammt also, wie einige amerikanische Quellen auch berichten, aus der Foursquare Distillery. Also gar kein echter St. Nicholas Abbey? Dort wird schließlich keine Melasse, sondern der frische Zuckerrohrsaft zum Brennen des Rums verwendet. Also eine Art Rhum Agricole? Nicht ganz. Auch sagen einige deutsche Quellen, dass eine Art Zucker - Honig in der Fermentation benutzt wird, so wie es beim Zacapa der Fall ist. Wollen wir doch einmal diesen Rum hier tasten.

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Verkostung St. Nicholas Abbey 12 YO:

Preis: Der Preis rangiert von 109 – 120 € bei den diversen Anbietern. Den Preis meines Samples weiß ich leider nicht mehr.

Alter: Der Rum ist offiziell 12 Jahre alt.

Alkoholstärke: Die Trinkstärke beträgt 40%vol.

Destillationsverfahren: Ich vermute hier einmal einen Rum aus der Foursquare Distillery. Es könnte sich hier also um eine Kombination von Pot Still (fungiert als Wash Still) und Column Still (Spirit still) handeln. Laut Cap. Jimbo, welcher Seale persönlich kennt, wird kein reiner Pot Still Rum in Foursquare destilliert.

Farbe: Der Rum hat einen wunderschönen goldenen Farbton.

Viskosität: Dicke Schlieren fließen an der Glaswand hinab. Die Öligkeit ist für 12 Jahre angemessen und nicht zu intensiv.

Nase: Eine starke Fruchtigkeit in Form einer Klebstoffnote dominiert das Glas. Ich fühle mich hier sofort an den Bristol Classic Rum Foursquare 9 YO aus 2003 erinnert. Ich erkenne ganz schwach Mangos und reife Bananen. Ebenfalls ganz schwach im Hintergrund verweilen die sonst so typischen Butteraromen. Sanfte Vanille entschwebt dem Glas. Die Nase macht einen sehr soliden Eindruck. Am dominantesten ist hier wirklich die Fruchtigkeit, die so kompakt ist, das einzelne Nuancen etwas schwer zu erkennen sind. Und das bei 40%vol.

Gaumen: Eine sanfte Süße flutet den Mundraum, gefolgt von einem warmen, aber doch harmlosen Schauer. Der Alkohol ist sehr zurückhaltend. Am Gaumen schmecke ich nun eindeutig die typischen Butteraromen. Fast keine herben Nuancen, aber dafür ein Hauch von Gewürzen. Leider ist der Rum etwas flach und wurde zu sehr verwässert. Mit ein paar Prozenten mehr, wäre er besser gewesen. Auch die Frucht ist noch vorhanden, aber nicht mehr ganz so krass wie in der Nase. Da war der jüngere Rum von Bristol doch einen Tick besser in meinen Augen.

Abgang: Den Anfang machen die Butteraromen, welche rasch verschwinden. Dann folgen Gewürzaromen und nun erscheinen auch minimal herbe Anklänge. Der Abgang ist nicht übermäßig lang und relativ kurz.

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Fazit: Ist der Rum sein Geld wert? Kurz und bündig: Für dieses Geld niemals. So sehr ich die Idee einer Single Cask Abfüllung eines offiziellen Abfüllers auch bewundere und unterstützen möchte, so sehr muss ich aber auch mit dem Kopf schütteln, wenn ich den angestrebten Preis betrachte. Ich nenne hier mal ein billiges Konkurrenzprodukt, wobei hier billig relativ zu betrachten ist. Der BB&R Barbados 12 YO oder seinen Nachfolger den BB&R Barbados 13 YO. Diese Rums bekommt man für die Hälfte des Geldes und hat auch fast dasselbe Alter. Auch die Ursprungsquelle ist für mich identisch. Was noch mehr für diese beiden Rums spricht ist die Trinkstärke von 46%vol.. Dies gibt nun einmal den Rums einen Tick mehr Flavours. Mit diesem Wissen kann ich unmöglich diese Abfüllung hier mit einem guten Gewissen empfehlen. Ich werde dies an dieser Stelle auch niemals tun, denn ich bin ja schließlich selber ein Endverbraucher und betreibe für diesen Rum keinerlei Werbung.

Hier bezahlt man wohl für die Exklusivität ein ganzes Stück weit mehr, als man es bei der schnöden Abfüllung des königlichen Hoflieferanten Berry Bros & Rudd tun muss. Adel verpflichtet wohl zur Sparsamkeit wie es aussieht. Habe ich hier gerade das Wort Knauserer gehört? ;) Ich selbst als Käufer werde niemals einen teuren Rum mit einer annähernd gleichen Qualität einem günstigeren Rum vorziehen. Zumal hier nicht einmal von Fairtrade oder Bio die Rede ist. Wer gerne für die Exklusivität mehr zahlen möchte als notwendig ist, der darf auch gerne beherzt zugreifen. Schließlich muss jeder mündige Verbraucher wissen, in was er sein Geld investiert. Ich sage hiermit schlicht, dass mir dieser Rum das Geld nicht wert ist. Meine Meinung ist wie immer hart aber fair, denn schließlich warne ich nicht vor diesem Rum, was äußerst schwachsinnig und dumm wäre. Denn die Grundidee von Single Cask Abfüllungen der offiziellen Abfüller ist in meinen Augen eindeutig der richtige Weg und sollte nicht mit einfältiger Dummheit oder gar Ignoranz bestraft werden. Deswegen bringe ich diesen Rum auch auf den Blog. Aber aufgrund der verfügbaren Alternativen, und meinem begrenzten Budget, ist der Rum für mich persönlich nichts. Sollten Sie diesen Rum lieben und ihn seines Preises für würdig erachten, dann freuen sie sich. Sie haben etwas geschafft, dass mir leider nicht vergönnt war: Der Rum konnte sie begeistern. Ich wünsche Euch noch einen schönen Tag!

Marco

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