Sonntag, 8. Dezember 2013

Cadenhead Dated Distillation Mount Gay Distillery BMMG 2000 8 YO

Servus und Hallo

Heute kommt wieder eine kleine Rarität. Ich vermute diese Abfüllung war die erste unabhängige Abfüllung eines Rums aus der Mount Gay Distillery in Fassstärke. Die Rede ist vom Cadenhead Dated Distillation Mount Gay Distillery BMMG  2000 8 YO!

Zur Abfüllung:

Diese Abfüllung kam Ende 2008 oder Anfang 2009 auf den europäischen Markt. Also vielleicht etwas später als der Bristol Classic Rum Mount Gay 7 YO, welcher 2008 von Bristol veröffentlicht wurde. Dieser war mit 40%vol. doch etwas dünn auf der Brust. Er hatte Potenzial zu mehr, wurde aber zu sehr mit Wasser verdünnt und viele Connaisseure zeigten ihm lange die kalte Schulter. Wie kann man es sich sonst erklären, dass diese Abfüllung wesentlich länger am Markt blieb, als dieser Cadenhead? Dieser Rum war mein erster Rum aus Barbados in Fassstärke und wie bei den Demeraras war es keine Liebeauf dem ersten Blick. Ich erinnere mich, dass ich den Rum als ziemlich rau, ruppig und zu gereift in unserer kleinen Runde (Flo, Leo und meine Wenigkeit) beschrieb. Auch Flo und Leo konnten mit ihm nichts anfangen. Ich kaufte eine Flasche dieser Abfüllung, bevor ich ein Sample von Leo bekam. Überflüssig zu erwähnen, dass ich diese Flasche nie öffnete und das Sample lange Zeit im Schrank verstauben ließ, ehe ich dem Rum, nach meinem sehr positiven Erlebnis mit dem Cadenhead REV, eine zweite Chance gab. Was dabei herauskam möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten. Dieser Rum hat in meinen Augen einen Nachruf und keinen heimlichen Abgang verdient.

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Verkostung Cadenhead Dated Distillation Mount Gay Distillery BMMG  2000 8 YO:

Preis: Meine Flasche erstand ich für 50€. Ein sehr fairer Preis für einen jungen Rum in Fassstärke, wie ich finde.

Alter: Das offizielle Alter des Rums beträgt 8 Jahre. Das Destillat wurde im Jahre 2000 gebrannt und durfte bis November 2008 im Fass verbleiben.

Alkoholstärke: Die Fassstärke dieser Abfüllung beträgt noch ganze 66,3%vol.. Cadenhead ist eher bekannt für seine Lagerung im kühlen Klima. Deswegen denke ich, dass der Rum wohl an die 70% hatte, als er frisch ins Fass kam.

Destillationsverfahren: Kein Geheimnisse hier. Das offizielle Verfahren war eine oder mehrere Pot Stills. Die Mount Gay Distillery besitzt nach meinem Kenntnisstand drei davon.

Farbe: Der Rum erstrahlt in einem schönen Bernsteinton. Das Fass hatte für 8 Jahre einen guten Einfluss auf seinen Inhalt gehabt.

Viskosität: Viele kleine Perlen fließen träge zum Glasboden hinab. Einige bleiben an der Glaswand haften.

Nase: Uff.... Der Rum ist sehr konzentriert und es ist nicht so einfach einzelne Eindrücke herauszupicken. Der Alkohol brennt sich tief in die Nase ein. Die Nase macht einem mehr als klar, dass es sich hier um einen Rum in Fassstärke handelt. Ich rieche ganz schwach Bananen, Papayas und weitere exotische Früchte. Dazu gesellen sich Aromen vom Fass wie Anis und dezente Eiche. Im Hintergrund schwebt eine gewisse Klebstoffnote. Ich kann auch schrille Kaffeearomen erkennen. Je weiter man seine Nase jedoch ins Glas eintaucht, desto mehr verschwinden sie fast vollständig. Der Rum ist sehr kompakt. Mal sehen wie er sich mit etwas Wasser entwickelt.

Oh ja. Jetzt kann man die Mount Gay Distillery eher erkennen. Jetzt rieche ich starke Frucht, vermischt mit nun deutlich mehr vorhandenen Kaffeearomen. Ich erkenne Mangos und Papayas. Die Aromen vom Fass sind nun eher im Hintergrund zu finden. Das Bild hat sich mit einigen Tropfen Wasser komplett gedreht. Auch Marzipan und ein Hauch Mandeln entschwebt dem Glas. Am deutlichsten ist aber der Kaffee. Je tiefer man die Nase eintaucht, desto stärker werden sie. Die Frucht ist direkt an der Glasöffnung am Stärksten.

Gaumen: Wow.... kraftvolle 66% dreschen auf den Gaumen ein. Der Rum breitet sich im gesamten Mundraum aus. Ich schmecke zuerst eine feine Süße, gefolgt von dem starken Alkohol, der sofort den Mundraum wärmt. Dann folgen Frucht und die geballten Kaffee- und Marzipanaromen, die so typisch für die Mount Gay Distillery sind. Nur schwer kann ich eine Spur Eiche erkennen. Keinerlei übermäßige Bitterkeit am Gaumen vorhanden. Dafür brennt der Rum richtig schön auf der Zunge. Der Ersteindruck erinnert mich an eine Tasse kalten Kaffee. Die Süße verschwindet sehr schnell und der dominante Kaffeegeschmack bleibt am Gaumen haften. Dieser Rum ist anders als der Isla Del Ron barbados (Mount Gay) 12 YO.

Die Süße ist mit etwas Wasser nun einen Tick deutlicher am Gaumen zu spüren. Auch der Alkohol brennt nun fast gar nicht mehr mit ca. 53%vol.. Diesmal schmecke ich deutlichere Fruchtaromen als zuvor ohne Wasser. Aber wieder ist sie im Vergleich zu den dominanten Kaffeearomen einfach zu schwach um ernsthaft dagegen anzukommen. Wieder schmecke ich Marzipan und eine Spur Eiche und Anis im Hintergrund. Der Rum ist auch verdünnt sehr lecker und verliert nur wenig an Klasse, ganz im Gegenteil. Ich finde der Rum hat ein wenig von der Verdünnung profitiert. Dieser Rum ist wahrlich ein Kaffeemonster.

Abgang: Der Abgang startet mit leicht bitteren Kaffeearomen (denken sie hier an einen kalten und ungesüßten Kaffee). Danach folgen Marzipan und Anis. Auch ein wenig Frucht ist mit dabei. Diese ist allerdings eher schwach und wurde vom Kaffee und dem Marzipan regelrecht in den Hintergrund verdrängt. Als Kaffeeliebhaber muss man diesen Rum echt lieben.

Diesmal schmecke ich keinerlei Bitterkeit, sondern nur noch Kaffee und Marzipan zu beginn des Abgangs. Die Frucht kommt nun fast gar nicht mehr zum Vorschein. Nur etwas Banane vermischt mit einer Spur Anis blitzt kurz auf. Langsam verebben diese Eindrücke am Gaumen und nur noch ein Hauch Kaffee verbleibt am Gaumen. Keinerlei Süße im gesamten Abgang zu erkennen.

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Fazit: In zwei Worten: Kaffeemonster Deluxe! Hatte man beim Isla Del Ron Barbados (Mt. Gay) 12 YO noch eine sehr dominante Frucht, ist diese hier im direkten Vergleich eher handzahm. Dafür sind die Kaffeearomen sehr dominant. Sollten Sie nichts mit Kaffee anfangen können, dann hätten sie diese Abfüllung nicht ganz für so gut befunden, wie ich es tue. Auch das Fass hatte einen noch positiven Einfluss gehabt. Es ist zwar schwer zu beurteilen, ob er noch ein oder zwei weitere Jahre darin vertragen hätte, aber ich wage einmal die Behauptung, dass eine weitere Reifezeit in diesem Fass im eher geschadet als genutzt hätte. Die Kombination von Kaffee-, Marzipan- und leichten Anisaromen mit geringer Frucht hat diesen Rum ein anderes Profil beschert, als es beim Isla Del Ron der Fall war. Dieser hatte im Vergleich dazu sehr wenig Einfluss vom Fass abbekommen und hatte mehr Fruchtaromen. Für mich ist es jetzt sehr klar, warum der Cadenhead BMMG 8 YO weit vor einem Bristol Classic Rum Mount Gay 7 YO ausverkauft war. Hier hätte Herr Barrett in meinen Augen aus dieser Erfahrung etwas lernen können. Aber auch Cadenhead hat sich schon Fehler geleistet und ist kein unbefleckter Abfüller, wenn man den Ausdruck in diesem Zusammenhang denn so verwenden kann.

Diese Abfüllung fand definitiv ihre Liebhaber, welche sie still und heimlich auch kauften und wohl ebenso genossen wie ich. Bei meiner ersten Begegnung war ich wohl nicht bereit für Rums in dieser Trinkstärke. Anders kann ich meinen ersten Eindruck von diesem Rum nicht erklären. Gäbe es ihn noch zahlreich, dann würde es hier auch eine dicke Kaufempfehlung von mir geben. Aber die ist mit dem Ausverkauf mehr als hinfällig. Für diesen Preis ist er ein Schnäppchen gewesen. Ich wünsche Euch noch einen schönen Tag!

Marco

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