Sonntag, 19. Mai 2013

Bristol Classic Rum Foursquare 2003 vs Rum Nation 10 YO

Servus Leutz.

Willkommen auf meiner kleinen aber doch feinen Seite. Freut mich das sie es mal wieder hierher geschafft haben. Heute kommt der nächste Vergleich zweier Barbadier um einen für Anfänger geeigneten Rum in Sachen Barbados zu finden. Heute kommt wieder ein Rum aus der Rum Nation Serie zum Zuge. Ich hoffe doch mit einem etwas besseren Abschneiden, als dies beim älteren Rum der Fall war. Der Gegenkandidat ist ein erst letztes Jahr veröffentlichter Rum von Bristol Spirits Limited.


Zu den Abfüllungen:

Rum Nation Barbados 10 YO
Der erste Rum kommt wieder einmal von Rossi & Rossi und läuft unter der Marke Rum Nation. Der letzten Rum Nation war zwar nicht mein Fall, aber das hat mit dieser Abfüllung recht wenig zu tun. Der Rum selbst wurde 2001 destilliert und wurde um 2011 oder 2012 abgefüllt. Das offizielle Alter ist auf dem Flaschenhals angegeben. Nach der Farbe zu urteilen war es wieder ein sehr reaktionsfreudiges Fass oder der Rum wurde wieder einmal nicht in Großbritannien sondern in der Karibik gelagert. Hierzu gibt es allerdings keine Angabe und ich persönlich tippe mal auf die erste Variante. Schließlich habe ich nichts von einer Reise in die Karibik gefunden, bei der Fabio Rossi die Fässer ausgesucht hat. So praktiziert es z.B. Luca Gargano von Velier, der ebenfalls ein italienischer und unabhängiger Abfüller ist. Beweise für diese Annahme habe ich natürlich nicht. Zur Destillerie wird wieder einmal nichts gesagt und es befindet sich auf dem Label keine offizielle Angabe. Aber ich vermute hier wieder einen Rum aus der Blackrock Distillery (West Indies Rum Distillery) oder der Foursquare Distillery. Aufgrund meiner bisher gesammelten Erfahrungen wird es sich hier um einen Pot-Still-Destillat handeln. Aber ich lasse mich gern eines Besseren belehren. ;)

Bristol Classic Rum Foursquare 8 YO
Der zweite Rum des heutigen Reviews ist nicht weit verbreitet in den deutschen Internetshops. Es ist der Bristol Classic Rum Foursquare 2003. Zwar gibt es keine offizielle Altersangabe, aber der Rum hat mindestens 8 Jahre auf dem Buckel. Äh... ich meine natürlich im amerikanischen Weißeichenfass verbringen dürfen. ;) Angeblich, laut Label, handelt es sich hier um einen Blend. Ich habe keine Ahnung, ob dies der Wahrheit entspricht, aber ich will hier Bristol Spirits Limited nicht der Falschangabe bezichtigen. Irgendetwas muss ja auf dem Fass auch gestanden haben, als es Herr Barrett gekauft hat. Bei diesem Rum ist der Ursprung zweifelsfrei angegeben. In den USA/Canada wurde von A.D. Rattray ein Foursquare des selben Jahrganges veröffentlicht. Dem interessierten Leser, welcher der englischen Sprache mächtig ist, kann ich auf die Seite von Lance „Ruminsky van Drunkenberg“verweisen. Lance testete diesen Rum und befand ihn als sehr solide, aber nicht für Anfänger geeignet. Mal sehen, wie sich der Bristol im Vergleich hierzu schlägt. Beide müssten aus dem selben Batch kommen und eventuell ähnlich schmecken. Aber natürlich sollte man auch hier nicht den Einfluss der Fässer unterschätzen. Auch wenn ich die Macht der Fässerfür nicht soooo weitreichend halte, können sie doch maßgeblich für einen gelungenen oder ein gnadenlos verhunzten Rum sein.

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Verkostung Rum Nation Barbados 10YO vs Bristol Classic Rum Foursquare 2003:

Preis:Den Rum Nation bestellte ich letztes Jahr für 42,75€ bei Barfish. Den Bristol kaufte ich bei Cognac-Paradise für 45€. Beide Rums, wie immer, ohne Versandspesen.

Alter:Der Rum Nation ist von 2001 und 10 YO. Der Bristol wurde 2003 destilliert und 2012 abgefüllt. Das minimale Alter ist also 8 YO. Ein offizielles Alter findet man nicht auf der Flasche oder der Röhre.

Alkoholstärke:Der Rum Nation wurde mit geradezu spartanischen 40%vol. Abgefüllt. Warum es immer so wenig sein muss wird für mich wohl für immer ein kleines Rätsel bleiben. Eine rein ökonomische Absicht möchte ich hier einmal nicht vermuten. Bristol hat aber auch nicht gerade wesentlich mehr in der Flasche. Hier sind es 43%vol..

Destillationsverfahren:Hierzu gibt es keine offizielle Angabe auf der Flasche des Rum Nation. Es bleibt den eigenen Geschmacksrezeptoren und der Fantasie überlassen, auf welche Weise der Rum hergestellt wurde. Beim Bristol werden sowohl Pot- als auch Column-Still als Urheber genannt. Laut Seale wird kein reiner Pot Still Rum in Foursquare destilliert. Hier handelt es sich also um eine Pot Still als Wash Still und eine Column Still als Spirit Still. Wie schade das Foursuqare keinen doppelt destillierten Pot Still Rum brennt.

Farbe:Der Rum Nation gleicht schon fast einem Bernstein im Glas. Die 10 Jahre haben also deutlich einen guten Einfluss gehabt. Der Bristol dagegen hat nur ein sattes Goldgelb. Der Einfluss war also geringer als beim Rum Nation.

Viskosität:Der Rum Nation fließt träge zum Glasboden zurück und bildet dicke Tropfen an der Glaswand, welche sich dort regelrecht festbeißen. Er besitzt also eine große Öligkeit. Der Bristol dagegen bildet nur kleine Perlen am Rande und fließt schneller zurück. Er wirkt also jünger und frischer.

Nase:Beim Rum Nation fällt einem zuerst die etwas dumpfe Nase auf. Er ist sehr zurückhaltend und versprüht zu Beginn kein karibisches Flair. Ich erkenne aber schwache, gereifte Holznoten zusammen mit dezenten Butteraromen. Auch die Fruchtigkeit ist eher im Hintergrund versteckt und kommt nicht so ganz in Fahrt. Ich entdecke schwach Aprikose und reife Bananen. Diese kommen aber nur zum Vorschein, wenn man dem Rum sehr viel Zeit lässt. Lassen sie den Rum mindestens 10-15 Minuten stehen. Sonst werden sie an der Nase absolut Null Freude haben. Jetzt erkenne ich sogar ganz schwache Orangenaromen. Aber nur ganz dezent und nicht so ganz grell und penetrant vorhanden, wie in manch anderen Rums das der Fall ist. Ich erkenne auch leichte Vanille, Nelke und schwarze Gewürze. Die Nase ist aber leider nicht sehr ausdrucksstark, auch wenn ich all diese Eindrücke erkennen konnte.

Bäm! Eine leichte esterhaltige Nase schlägt mir entgegen. Der Bristol startet sofort richtig durch. Eine sehr starke Fruchtigkeit entweicht dem Glas. Als erstes erinnerte mich der Geruch an Klebstoff. Aber dieser Eindruck verblasst nach kurzer Zeit. Es kommen, Aprikose, Bananen, Mangos und Birnen zum Vorschein. Keine Holznoten weit und breit zu riechen. Dieser Rum ist schon mehr meine Kragenweite und eher das, was ich unter einem klassischen bajan Rum verstehe. Ich kenne nur noch den Berry Bros & Rudd Barbados 12YO, der hier mithalten kann. Die Butteraromen begleiten die exotischen Früchte. Die Süße ist erstaunlich gut, aber nicht penetrant oder aufdringlich. Sie begleitet die Fruchtigkeit ohne groß ins Gewicht zu fallen. Je Länger der Rum steht, desto mehr kommen Aprikose und banenen zum Vorschein. Ein wenig fühle ich mich nun an eine Abfüllung der Mount Gay Distillery erinnert. Die Verwandtschaft ist hier am deutlichsten, aber doch sind beide Rumsorten nicht identisch.

Gaumen:Leckere Butteraromen mit einer dezenten Süße umschmeicheln den Gaumen. Dazu kommt eine ganz schwache Priese Pfeffer. Auch mineralische Anklänge und schwarze Gewürze sind am Gaumen zu schmecken. Ein typischer Barbadier, dessen Fruchtigkeit am Gaumen allerdings schon etwas schwach ist. Sie ist im Hintergrund und kommt nur schwer zum Vorschein. Ich erkenne nur schwache Aprikose. Ähnlich wie in der Nase, so kommt der Rum nicht richtig in Fahrt. Der Rum ist sanft, elegant und doch nicht außergewöhnlich. Keine große Fruchtigkeit, aber auch keine zu penetranten Reifenoten, welcher der Rum Nation 12YO im Übermaß besaß. Am dominantesten sind die buttrigen Gewürze, welche von einer dezenten Süße begleitet werden. Dieser Rum Nation hat auf jeden Fall mehr mit Barbados gemein, als sein älterer Vertreter von 1995. Das dies nicht am Jahrgang liegt, beweist der Samaroli Barbados 11YO von 1995.

Eine starke Fruchtigkeit, welche von einer satten Süße begleitet wird schlägt auf den Gaumen ein. Die Süße verblasst nach wenigen Sekunden und lässt die Fruchtigkeit fast alleine am Gaumen zurück. Die Butteraromen sind nur im Hintergrund und begleiten die Fruchtigkeit, ohne diese zu überdecken. Zu beginn schmeckt man außerdem eine schwache Priese Pfeffer. Die Fruchtigkeit ist ähnlich wie in der Nase zu Beginn leicht mit Klebstoff zu verwechseln. Dieser Eindruck verflüchtigt sich ebenfalls und zum Vorschein kommen Aprikosenaromen satt, zusammen mit Bananen und anderen exotischen Früchten die ich wirklich nicht einordnen kann. Geben sie dem Rum Zeit und belassen sie ihm einige Sekunden im Mund. Je länger sie dies tun, desto mehr wird er sie beeindrucken. Dieser Rum ist Karibik pur mit einem Schuss Pfeffer am Gaumen.

Abgang:Eine leichte, buttrige Fruchtigkeit beginnt den Abgang. Die Fruchtigkeit lässt immer mehr nach, während die Butteraromen verbleiben. Zum Ende hin erscheinen leicht herbe Anklänge. Ein ganz leicht mineralischer Touch verbleibt zusammen mit ganz schwachen Butteraromen im Mund. Dann ist es auch schon vorbei.

Zuerst starke Fruchtigkeit mit einer Priese Peffer. Beide Eindrücke verflachen jedoch leider sehr schnell am Gaumen. Es verbleiben schwache Butteraromen und eine gewisse Restfruchtigkeit. Keine herben oder mineralischen Anklänge im gesamten Profil zu finden. Dieser Rum sprüht vor frischer Jugendlichkeit und hinterlässt einen angenehmen Eindruck im Mund.

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Fazit:Ladies and gentlemen we have a winner: Der Bristol gewinnt ganz klar gegen den Rum Nation! Er ist in meinen Augen ein sehr guter Rum aus Barbados. Er ist zwar nicht die cream of the crop, aber doch mitunter einer der besten und gängigsten Rums dieser Insel, wenn es um Rums mit leichtem bis mittlerem Körper geht. Für einen Anfänger ist der Rum sehr gut geeignet um das richtigeBarbados kennenzulernen. Dieses hat z.B. nichts mit süßen oder gefinishten Rums zu tun. Diese Rums verfälschen den wahren Charakter von Barbados zu sehr in meinen Augen. Aber der Bristol ist auch nicht ganz ohne Fehler. Eine Trinkstärke von 46%vol. hätten dem Rum etwas mehr Profil verliehen. Aber vielleicht waren die Esternoten (Klebstoff) zu übermächtig. Er ist wahrlich nicht perfekt! Die Fruchtigkeit, die zu Beginn nach Klebstoff schmeckt/riecht, könnte einige abschrecken. Aber er ist ein sehr guter Einsteigerrum und besitzt eine gute Qualität, die ich bei manch anderen Rums doch arg vermisse. Je länger sie den Bristol im Mund belassen, desto mehr kommt seine Klasse zum Vorschein. Der Rum Nation braucht im Glas zu lange. Auch wenn ich die Orangenaromen am Ende sehr gut fand, so war die Nase doch nicht ausdrucksstark genug um mich beeindrucken zu können. Der Gaumen war auch nicht schlecht, aber im Vergleich einfach zu flach. Hier waren die Gewürze und die Butter eher dominant, als exotische Früchte. Ich hoffe, ich konnte sie für das Thema Barbados ein wenig begeistern und neugierig auf diese kleine Insel machen. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend!

Marco

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