Sonntag, 15. September 2013

Velier Enmore 1988 Full Proof Old Demerara 20 YO

Willkommen zurück auf B.A.M.!

und Hallo auf Barrel-Aged-Thoughts! Wieder einmal ist eine kleine Kostbarkeit aus dem italienischem Hause Velier an der Reihe verkostet zu werden. Heute dreht sich alles um den Velier Enmore 1988 Full Proof Old Demerara 20 YO.

Zur Abfüllung:

Den Velier Enmore 1990 Full Proof Old Demerara 18 YOFull Proof Old Demerara 18 YO habe ich ja schon auf unserem Blog vorgestellt. Laut Label wurden beide zur selben Zeit, nämlich März 2008, abgefüllt und nach Genua importiert. Anders als beim Enmore 1990 gab es hier nur ganze zwei Fässer. Damit ist auch die Zahl der abgefüllten Flaschen deutlich geringer. Sie lag bei 419. Beide Rums besitzen dasselbe Mark, nämlich „MEA“. Da Velier nicht gerade für verdünnte Rums bekannt ist, liegt auch diese Abfüllung in Fassstärke vor. Sie ist allerdings deutlich geringer als beim Velier Enmore 1990 Full Proof Old Demerara 18 YO. Da auch hier wieder eine kontinentale Reifung in Großbritannien stattfand kann ein so drastischer Unterschied nicht mit Verdunstung alleine zu erklären sein. Anscheinend wurden beide Batches auf unterschiedlicher Stärke gebrannt. Für diese Vermutung habe ich aber keine Beweise. Während beim 1990er durchschnittlich 182 Flaschen pro Fass abgefüllt wurden, sind es bei dieser Abfüllung mit ungefähr 209 Flaschen wesentlich mehr pro Fass. Die beiden Fässer waren also ergiebiger, obwohl der Rum 2 Jahre länger reifte und somit auch verdunstete. Ein Beweis für die geringere Alkoholstärke nach den Brennvorgang ist das allerdings noch lange nicht und wir wollen uns nicht weiter auf dieses Detail fokussieren. Ähnlich wie beim 1990er gibt es auch hier nur wenig bis nichts im Internet über diesen Rum zu finden. Die Angaben Single Pot Still und Enmore verraten uns wieder, dass die Versailles Single Wooden Pot Still der Urheber sein könnte. Trotz der verschiedenen Jahrgänge und der unterschiedlichen Trinkstärke könnte dieser Rum dem Velier Enmore 1990 sehr ähnlich sein. Aber wollen wir den Rum für sich selbst sprechen lassen.

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Verkostung Velier Enmore 1988 Full Proof Old Demerara 20 YO:

Preis: Diesen Rum kaufte ich für 134€ inklusive Versandspesen auf Ebay. War das vernünftig bei all den Fakes auf dem Markt? Nicht unbedingt, aber es war mir den Versuch wert. Vielleicht gibt es den Rums in einigen kleinen Läden in Italien noch zahlreicher, als dies im Internet der Fall ist.

Alter: Der Rum wurde im November 1988 gebrannt und im Bulk nach Europa verschifft. Luca Gargano ließ diesen Rum dann im März 2008 abfüllen. Kurioserweise sind 20 Jahre Fassreife auf dem Label vermerkt. Also wieder ein kleiner Fehler, wie schon beim Velier Enmore 1990?

Alkoholstärke: Die Fassstärke dieses Rums beträgt nur noch 51,9%vol.. Also deutlich weniger als sein zwei Jahre jüngeres Gegenstück aus 1990.

Destillationsverfahren: Die Angabe Single Pot Still sagt es eigentlich schon aus. Dieser Rum ist ein Pot Still Destillat.

Farbe: Ähnlich dem Velier Enmore 1990 Full Proof Old Demerara 18 YO ist dieser Rum leicht golden. Optisch könnte man sie nur schwer bis gar nicht unterscheiden.

Viskosität: Am oberen Rand bildet sich wieder eine Krone aus Perlen, von der viele Tropfen langsam hinab zum Glasboden fließen. Die Öligkeit steht der seines jüngeren Pendant in nichts nach.

Nase: Oh ja. Definitiv ein Rum aus der Enmore Distillery. Die Süße ist nur sehr gering vorhanden. Die dominantesten Eindrücke sind herbe Kräuteraromen (Bleistiftspäne), Raucharomen und dunkle Gewürze. Er ähnelt seinem jüngeren Kollegen sehr, hat aber einen größeren pflanzlichen Geruch und weniger Frucht. Diese ist aber noch ausgeprägt vorhanden. Ich erkenne Papayas und Mangos. Auch Blutorangen, aber erst nach einer längeren Standzeit im Glas. Leichtes Toffee rundet den gesamten Eindruck ab. Man merkt, dass beide Rums dasselbe Mark besitzen, also den gleichen Herstellungsprozess durchlaufen haben müssen. Aber sie sind nicht absolut identisch. Was aber bei den unterschiedlichen Trinkstärken und den Jahrgängen auch normal ist.

Gaumen: Der Rum ist sehr sanft. Es brennt fast gar nichts. Eine feine Süße breitet sich am Gaumen aus, gefolgt von exotischen Früchten wie Mangos und Papayas, Nelken und einer angenehmen Portion Rauch. Wieder sind dunkle Gewürze und herbe Kräuteraromen vorhanden, aber nicht mehr so stark wie zuvor in der Nase. Eine minimale Spur Salz und wieder diese Erinnerung an Bleistiftspäne. Dieses mal etwas feuchter, als sie in der Nase waren. Beide Rums haben ihre Unterschiede, aber die grobe Struktur ist in meinen Augen klar Enmore, sprich aus der Versailles Pot Still. Der jüngere Rum ist übrigens keine Kopie des älteren Rums aus 1988.Sie haben ihre kleinen Unterschiede.

Abgang:
Der Ersteindruck ist sehr sanft. Zuerst schmeckt man Nelken und dunkle Gewürze, dicht gefolgt von herben Kräutern und Raucharomen. Die Fruchtigkeit ist nur sehr gering und auch nur sehr kurz zu schmecken. Alle Eindrücke verblassen mit der zeit und hinterlassen einen sehr pflanzlichen Geschmack am Gaumen. Ganz kurz blitzen Blutorangen und Papayas auf, bevor auch diese wieder verschwinden.

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Fazit: Was soll ich sagen? Wieder so eine Abfüllung die sang- und klanglos verschwindet und einen solchen Abgang eigentlich nicht verdient hat. Der Rum ist ausgezeichnet und gefällt mir sehr. Allerdings wird es bei einer Flasche in meinem Leben auch bleiben. Bei 419 Flaschen dürfte nach 5 Jahren nicht mehr viel übrig geblieben sein. Aber man soll der Vergangenheit nicht nachtrauern und sich stattdessen mit aktuellen Rums befassen, die noch zu haben sind. Mit der Komplexität absolut erkennbarer Rums aus der Versailles Still kann er zwar nicht ganz mithalten, deswegen ist er aber nicht schlecht. Granaten wie der Duncan Taylor Enmore Distillery (Versailles) 1985 27 YO oder der Berry Bros & Rudd Finest Demerara Rum Versailles Still 1985 22 YO & 17 YO waren nun einmal außergewöhnlich. Eine Kaufempfehlung wäre aber wegen des Ausverkaufs mehr als überflüssig und wird von mir hier auch nicht ausgesprochen. Sollten sie diesen Rum dennoch irgendwo finden, dann müssen sie (wie immer) selbst entscheiden, ob ihnen eine solche Abfüllung auch so viel Geld wert wäre. Ich für meinen Teil bereue meine Entscheidung nicht und genehmige mir noch ein weiteres Glas dieses alten Demeraras aus Guyana. In diesem Sinne einen moderaten Genuss und noch einen schönen Sonntag Euch allen!

Marco

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